46. Grupo Televisa

Umsatz 2018: € 4,460 Mrd.

Überblick

Der Medienkonzern Televisa führt mit Einschaltquoten von 60 bis 85 Prozent den Fernsehmarkt Mexikos an. Er ist berühmt für seine Telenovelas, die international vermarktet werden. Televisa befindet sich im Besitz von drei Familien und gilt als staatsnah. Der Konzern teilt sich mit Fernseh-Hauptkonkurrent TV Azteca 90 Prozent der kommerziellen Sendekonzessionen des hochkonzentrierten mexikanischen Rundfunkmarkts und ist auch im Telekommunikationssektor aktiv.


Basisdaten

Hauptsitz:
Avenida Vasco de Quiroga, No. 2000,
Colonia Santa Fe,
Mexico City
01210 México, D.F.,
Mexico

Telefon: +(52) 55 5261 2000
http://www.televisa.com

Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 1973

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. Euro)
2018*2017*2016*2015*201420132012201120102009
Umsatz72.05387,04596.28788.0524.5374.3504.0993.6203.4572.785
Gewinn nach Steuern7.6156,5785.33312.325377603596473,17459,06350,2
Aktienkurs (Jahresende, in USD)12,1617,1720,8927,2134,0630,2626,5821,0625,9320,76
Beschäftigte39,16539,98842,28843.90039.50032.00028.60026.30024.36224.300

*in Mio. MXN

Geschäftsführung

Management:

  • Emilio Azcárraga Jean, Executive Chairman of the Board of Grupo Televisa
  • Alfonso de Angoitia Noriega, Co-Chief Executive Officer of Grupo Televisa
  • Bernardo Gómez Martínez, Co-Chief Executive Officer of Grupo Televisa
  • Salvi Folch Viadero, Chief Executive Officer of Cable
  • Luis Alejandro Bustos Olivares, Legal Vice President and General Counsel of Grupo Televisa
  • Carlos Ferreiro Rivas, Corporate Vice President of Finance
  • José Antonio Lara del Olmo, Corporate Vice President of Administration
  • Ricardo Pérez Teuffer, Corporate Vicepresident of Sales and Marketing
  • Alexandre Penna, Chief Executive Officer of SKY
  • Alicia Lebrija, Executive President Fundación Televisa
  • Patricio Wills, President of Televisa Studios

 

Board of Directors:

  • Emilio Fernando Azcárraga Jean, Televisa
  • Alfonso de Angoitia Noriega, Televisa
  • Alberto Baillères González, Industrias Penoles
  • Francisco José Chévez Robelo, Televisa
  • Jon Feltheimer, Lionsgate
  • José Luis Fernández Fernández, Chevez, Ruiz, Zamarripa y Cia, S.C.
  • Salvi Rafael Folch Viadero, Televisa
  • Marcos Eduardo Galperin, Mercadolibre
  • Michael Thomas Fries, Liberty Global
  • Bernardo Gómez Martínez, Televisa
  • Carlos Hank González, Grupo Financiero Banorte
  • Roberto Hernández Ramírez, Banco Nacional de Mexico
  • Enrique Krauze Kleinbort, Editorial Clio Libros
  • Lorenzo Alejandro Mendoza Giménez, Empresas Polar
  • Fernando Senderos Mestre, Grupo Kuo
  • Enrique F.Senior Hernández, Allen & Company
  • Eduardo Tricio Haro, Grupo Lala
  • David M. Zaslav, Discovery Communications
  • Guillermo García Naranjo Álvarez, Consejo Mexicano de Normas de Información Financiera
  • José Antonio Chedraui Eguía, Grupo Comercial Chedraui

Geschichte und Profil

In Mexiko verzichtete man beim Aufbau des Fernsehsystems in den 40er Jahren wie schon zuvor beim Radiosystem auf eine starke öffentlich-rechtliche Säule. Vielmehr entschied man sich sowohl bei der Technik als auch bei der Rundfunkorganisation für US-amerikanische Standards. Die Rundfunkgesetze von 1960 und 1973 enthielten die wichtigsten Bestimmungen, nach denen sich die 1973 gegründete Televisa richten musste. Unter anderem wird darin der Rundfunk als öffentliches Gut bezeichnet. Televisa ging aus einer Fusion von Telesistema und Televisión Independente de México (TIM) hervor. Dabei brachte der ehemalige Monopolist Telesistema 75% ein. Das neu entstandene Unternehmen befand sich in Besitz von vier Familien, die zum Teil mit Radiounternehmen zu Reichtum gekommen waren und diese Gewinne in den Aufbau von Fernsehnetzen investiert hatten: den Azcárragas, O´Farrills, Alemáns und den Garza Sadas. Mitglieder dieser Familien übernahmen die wichtigsten Posten bei der Televisa. Mit der recht unbedeutenden Konkurrenz durch den staatlichen „Kanal 13“ wurde eine Aufteilung der Fernsehsender nach Zielgruppe verabredet, die so genannte „Fórmula Mexicana“. Dabei fiel dem staatlichen Sender die wirtschaftlich unattraktive Aufgabe zu, Bildungsprogramme zu senden. Die medienorganisatorischen Rahmenbedingungen waren also denkbar gut für Televisa und begünstigten in den folgenden Jahrzehnten ihren Aufstieg zu einem internationalen Mediengiganten.
Wichtig für Televisa war die Nähe zu den mexikanischen Präsidenten, die bis zum Jahr 2000 sämtlich durch die  Partido Revolucionario Institucional (PRI) gestellt wurden. Als Gegenleistung für medienpolitische Protektion stellte der Konzern sein Programm in den Dienst der Dauer-Regierungspartei. „Lange Zeit galten Televisa und die PRI als die beiden Machtzentren des Landes, die sich gegenseitig stützten,“ schrieb das österreichische Magazin „Der Standard“ und zitierte Televisa-Boss Azcárraga, den Vater des derzeitigen CEO Azcárraga Jean: „Wir sind von der PRI, wir waren schon immer von der PRI; wir glauben an keine andere Formel. Und als Mitglieder dieser Partei werden wir alles Mögliche tun, dass unser Kandidat gewinnt."
Aber auch die Partido Acción Nacional (PAN), die mit ihrem Kandidaten Vicente Fox im Jahr 2000 die PRI an der Regierung ablöste, konnte sich auf eine regierungsnahe Berichterstattung verlassen, was ein Aufbrechen der Monopolstruktur im Rundfunkbereich effektiv verhinderte. Der Konzern entwickelte sich noch vor Globo zum größten Medienkonzern Lateinamerikas, der neben dem Rundfunk in allen Medienzweigen vertreten ist, von Print bis Online.

Im Juni 2007 beendete ein Urteilsspruch des mexikanischen Verfassungsgerichts einen mehrere Jahre andauernden Disput um ein neues Mediengesetz für das 100-Millionen-Einwohner-Land, indem es dieses in Teilen für verfassungswidrig erklärte. Das Gericht war von Senatoren angerufen worden, die eine Zementierung der hohen Konzentration auf dem Rundfunkmarkt in Folge der als „Televisa-Gesetz“ titulierten Novelle fürchteten. Der Televisa-Konzern hatte offenbar die hohe Abhängigkeit der politischen Klasse Mexikos von seiner Berichterstattung genutzt, um parallel zum Wahlkampf Anfang 2006 das neue Mediengesetz verabschieden zu lassen. Laut Beobachtern passierte dieses die Institutionen ungewöhnlich schnell. Außerdem wurde kolportiert, dass der Text von Televisa-Lobbyisten verfasst worden war. Der Gesetzentwurf hatte eine erbitterte Debatte darüber ausgelöst, ob es bestehende Probleme bei der Frequenzvergabe löst oder verschärft. Die bisherige Praxis, nach der der Präsident das alleinige Recht besaß, das „öffentliche Gut“ Frequenzen zu verteilen, hatte in den vergangenen Jahrzehnten die dominante Stellung der Televisa ermöglicht. Die bisherige Praxis sollte nun einer Regelung weichen, der zufolge neue Frequenzen versteigert werden sollten. Das Gesetz sah jedoch gleichzeitig vor, das die TV-Sender die von ihnen belegten Frequenzen des Breitbandspektrums de facto besitzen sollen und diese selbst dann kontrollieren, wenn aufgrund der Digitalen Dividende Frequenzen frei werden. Folglich unterstützte auch das zweitgrößte private Network, TV Azteca, das „Ley Televisa“.  

Nachdem der Gesetzentwurf im Unterhaus einstimmig verabschiedet worden war, formierte sich der Widerstand in der zweiten Kammer des Mexikanischen Parlaments, dem Senat, wodurch schließlich die Verfassungsklage ermöglicht wurde. Der oberste Gerichtshof war mit einem enormen Druck der Öffentlichkeit konfrontiert, nicht zuletzt durch die Televisa-Programme. Die Folge war der ungewöhnliche Schritt, das Verfahren so öffentlich und transparent wie möglich zu gestalten und die Verhandlungen über den gerichtseigenen Fernsehkanal und das Internet zu übertragen. Durch dieses „Court TV“ („The Economist“) erreichte das Gericht den notwendigen Rückhalt, um seine unabhängige Entscheidung zu fällen. Dadurch stärkt es auch seine Position im institutionellen Gefüge Mexikos.

Im Juni 2012 berichtete die britische Tageszeitung "The Guardian" über eine Reihe ihr vorliegender Dokumente, die auf Korruption bei der Politikberichterstattung von Televisa hindeuteten. Laut dem Blatt zahlte PRI-Politiker Enrique Peña Nieto, seit Juli 2012 Präsident Mexikos, in den Jahren 2005 und 2006 insgesamt etwa 36 Millionen US-Dollar an Televisa für knapp 200 Meldungen, Interviews und Features, die ihn in einem günstigen Licht erscheinen ließen. Außerdem sei vereinbart worden, Peña Nietos politischen Konkurrenten, Lopez Obrador, zu diskreditieren. Televisa lehnte es zunächst ab, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen und begründete dies mit der Weigerung des "Guardian", ihm die Dokumente vorzulegen. In einer Erklärung nach Veröffentlichung des Berichts äußerte das Unternehmen jedoch Zweifel an seiner Richtigkeit. Die Zeitung erklärte daraufhin, sie bleibe bei ihrer Darstellung und veröffentlichte zudem kurz darauf die entsprechenden Dokumente.

Management

Die Mehrzahl der Televisa-Aktien befindet sich nach wie vor in Besitz der Azcárraga-Familie. Präsident, Vorsitzender und CEO des Unternehmens ist seit 1997 Emilio Azcárraga Jean, ein Enkel des Televisa-Wegbereiters Emilio Azcárraga Vidaurrete. Azcárraga Jean, Jahrgang 1968, studierte an der iberoamerikanischen Universität Mexiko-Stadt Internationale Beziehungen und an der privaten Eliteuniversität IPADE Betriebswirtschaftslehre. Laut dem US-Magazin „Forbes“ besitzt er heute ein Vermögen von 2.4 Milliarden US-Dollar und einen 15-prozentigen Anteil an den Televisa-Aktien. 

Televisas und Azcárragas Schicksal ist eng verknüpft mit dem von Univision, der größten spanischsprachigen TV-Senderkette in den USA. Televisa lizenziert nicht nur einen erheblichen Teil an Content an Univision, sondern Azcárraga hält auch rund 40 Prozent der Anteile am Unternehmen. Bei dem für Ende 2016 anstehenden, in der Vergangenheit jedoch mehrfach verschobenen Börsengang von Univision würde Azcárraga sein Vermögen signifikant vergrößern und zu einem der einflussreichsten Medienmogule der USA werden.

Geschäftsfelder

Televisa betreibt von Mexico City 4 Free-TV-Sender, die von Mexico City aus landesweit empfangbar sind sowie 26 Pay-TV-Sender, die mehr als 44 Millionen erreichen, ein Großteil davon in den USA wo die Televisa-Marken von Univision vertrieben werden. In Bezug auf den Anteil vom Umsatz noch wichtiger ist jedoch die TV-Produktion: Jährlich produizert Televisa rund 90,000 Stunden an Programm, das in die gesamte spanischsprachige Welt exportiert wird (insgesamt mehr als 70 Länder).

Televisa besitzt zudem 59 Prozent der Anteile am mittelamerikanischen Ableger des Satellitenproviders Sky, der in Mexiko und der Dominikanischen Republik mehr als sieben Millionen Kunden hat. Über die Segmente "Multiple System Operators" und "Enterprise" tritt Televisa zudem als Kabelprovider auf.

Rund zehn Prozent des Umsatzes werden schließlich in den Bereichen Radio, Print, Entertainment und Sport erzielt. Televisa publiziert mehr als 150 Magazintitel in 17 Ländern und betreibt 99 Radiostationen. Seit 1959 gehört Televisa auch der Fußball-Klub América, der im berühmten Azteken-Stadion aufläuft.

Aktuelle Entwicklungen

Gespannt wartet das Televisa-Management auf den Börsengang des US-Networks Univision, an dem der Konzern rund zehn Prozent der stimmberechtigten Aktien hält. Eigentlich sollte die IPO bereits 2015 erfolgt sein, doch die aktuell schwierige Lage auf dem Fernseh- und Kabelmarkt und die Unsicherheit über Zinssätze veranlasste die Univision-Führung Ende 2015 dazu, das Manöver zu verschieben. Das Schicksal von Televisa ist eng mit dem US-amerikanischen TV-Markt verknüpft, dessen Anteil an hispanischen Zuschauern bis 2030 auf 77 Millionen Haushalte rasant ansteigen wird.

Derweil ebben die bereits 2012 an die Öffentlichkeit gelangten Vorwürfe, Televisa würde seine publizistische Marktmatcht dazu missbrauchen, im Gegenzug für die Ausstrahlung von politischer Propaganda Millionenbeträge von staatlichen Institutionen und Lokalregierungen zu kassieren, nicht ab. Einem anonymen Brief zufolge, der an die US-Börsenaufsicht SEC geschickt wurde, soll Televisa die Beträge fälschlicherweise als Umsätze von Großereignissen deklariert haben, die im Azteken-Stadion stattfanden. Um die Vorwürfe zu entkräften,engagierte Televisa zwei Anwaltskanzleien. Auf Grundlage von deren Abschlussberichten, verkündete der Konzern im Sommer 2016, das sämtliche Vorwürfe nicht den Tatsachen entsprächen.