47. Electronic Arts

Umsatz 2015/16: $ 4,396 Mrd. (€ 3,962 Mrd.)

Überblick

Electronic Arts ist einer der größten Game Publisher der Welt. Das in Kalifornien ansässige US-Unternehmen produziert Spiele in zehn Genres, insbesondere Simulationen („Die Sims“ u.a.) und Sports Games („FIFA World Cup 2010“ u.a.) sowie Ego-Shooter-Titel wie "Battlefield". Das Haus veröffentlicht seine zahlreichen Titel unter den bekannten Labelmarken EA Sports, EA Games, sowie unter EA Play.

Basisdaten

Hauptsitz:
Electronic Arts
209 Redwood Shores Parkway,
Redwood City, CA 94065
Tel.: 001 (650) 628-1500
www.ea.com

Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.04.-31.03.
Gründungsjahr: 1982

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. US-Dollar)
20152014201320122011201020092008200720062005
Umsatz4.3964.5153.5753.7974.1433.5893.6544.2123.6653.0912.951
Gewinn (Verlust)1.15687589876(276)(677)(1.088)(454)76236
Aktienkurs (Jahresende)68,7247,0222,9414,5220.6016,3817.7516,0458,4150,3652,31
Beschäftigte8.5008.400

8.300

9.3009.2007.6007.8009.1009.0007.9007.200

 

 

Geschäftsführung

Management:

  • Andrew Wilson, Chief Executive Officer
  • Ken Barker, Senior Vice President, Chief Accounting Officer
  • Chris Bruzzo, Chief Marketing Officer
  • Blake Jorgensen, Chief Financial Officer
  • Joell Linzer, Executive Vice President, Business and Legal Affairs
  • Laura Miele, Executive Vice President, Global Publishing
  • Peter Moore, Chief Competition Officer
  • Ken Moss, Chief Technology Officer
  • Samantha Ryan, Senior Vice President, EA Mobile and Maxis
  • Jacob Schatz, Senior Vice President, General Counsel and Corporate Secretary
  • Patrick Söderlund, Executive Vice President, EA Studios
  • Gabrielle Toledando, Executive Vice President & Chief Talent Officer

 

Aufsichtsrat:

  • Leonard S. Coleman, Major League Baseball
  • Jay Hoag, Technology Crossover Ventures
  • Jeffrey Huber, GRAIL, Inc.
  • Vivek Paul, Kinetic Glue
  • Lawrence F. Probst, Electronic Arts
  • Tablot Roche, Blackhawk Network Holdings
  • Richard. A. Simonson, Sabre Corporation
  • Luis Ubinas, Ford Foundation
  • Denise F. Warren, Tribune Publishing
  • Andrew Wilson, Electronic Arts

Geschichte und Profil

1982 gründete William „Trip“ Hawkins III die Unterhaltungselektronik-Firma Amazin’ Software, die ein Jahr später in Electronic Arts umbenannt wurde. Anfang der 1980er Jahre entwickelte EA vor allem Spiele für die Heimcomputer von Apple, Atari, Amiga und Commodore. Der erste große Erfolg war dabei der Shooter „Skyfox“, der 1984 erschien und erfolgreich mittels eines eigens eingerichteten Vertriebsnetzes verkauft wurde. Jenes Vertriebsnetz war so ausgeprägt, dass es seit 1985 auch von anderen Softwareherstellern in Anspruch genommen wurde.

1987 landete EA mit „Chuck Yeager’s Advanced Flight Trainer“ für den PC einen weiteren Verkaufshit. Das Spiel warb mit dem lizenzierten Namen von Chuck Yeager, dem ersten US-Piloten, der in einem Jet die Schallmauer durchbrach. Um der wachsenden Nachfrage nach Computerspielen außerhalb der Vereinigten Staaten Rechnung zu tragen, eröffnete EA 1987 eine erste europäische Niederlassung in London.

1989 debütierte die EA-Aktie an der NASDAQ. Zwei Jahre später – Gründer Trip Hawkins hatte EA bereits verlassen, um die später gefloppte Konsole 3DO zu entwickeln - führte das Unternehmen die Marke „EA Sports“ für seine Sporttitel ein, die bis zum heutigen Tag wichtigstes Aushängeschild ist. Im selben Jahr lag der Konzernumsatz erstmals bei über 100 Millionen US-Dollar. Zu dieser Zeit produzierte EA auch Titel für 16-Bit-Konsolen wie dem Sega Mega Drive. 1993, nachdem EA die internationale Expansion mit Niederlassungen in Deutschland und Japan vorangetrieben hatte, folgte ein weiterer wichtiger strategischer Schachzug: Das Unternehmen erwarb die Lizenz des Weltfußballverbandes FIFA, die es EA ermöglichte, die jährlich erscheinende „FIFA Football“-Reihe zu etablieren. Als entscheidenden Vorteil gegenüber Konkurrenztiteln verfügt das Spiel aufgrund der nunmehr bis 2022 laufenden Lizenz über die originalen Spieler- und Mannschaftsnamen.

1994, zu Beginn der Einführung der Spielekonsolen der fünften Generation (Sony Playstation, Sega Saturn, Nintendo 64), war Electronic Arts bereits der führende Publisher auf dem Videospielmarkt. Die Einführung von Playstation 2 und Xbox änderte nichts an EAs dominierender Stellung. Zum Jahrtausendwechsel erwirtschaftete das Unternehmen bereits mehr als eine Milliarde US-Dollar. Die dominierende Marktstellung konnte der Publisher 2000 mit der Übernahme von DreamWorks Interactive, der Spiele-Tochter des gleichnamigen Hollywood-Studios von Steven Spielberg weiter ausbauen. DreamWorks war unter anderem für den ersten Teil der „Medal of Honor“-Reihe verantwortlich.

Zudem wurde 2002 mit der Lebenssimulation „Die Sims“ das bis dato erfolgreichste Computerspiel aller Zeiten veröffentlicht (37 Millionen verkaufte Exemplare). Anfang 2005 beteiligte sich EA mit rund 20 Prozent an dem global erfolgreichen französischen Spielentwickler Ubisoft. Bereits frühzeitig investierte man auch in den Onlinebereich. So übernahm man bereits 2005 den damals führenden Entwickler von Mobilfunkspielen Jamdat Mobile. Auch die Expansion nach Asien ließ nicht lange auf sich warten, 2007 erfolgte die Beteiligung an dem chinesischen „The9“-Studio und am südkoreanischen Entwickler „Neowiz“. Neben zahlreichen weiteren Übernahmen von Entwicklerstudios wie „BioWare“, „Pandemic“ und „Hands on Mobile“ übernahm Electronic Arts Ende 2009 die vor allem über Facebook aktive Social-Gaming-Plattform "Playfish". EA kündigte 2010 zudem an, keine Spiele mehr ohne Onlinekomponente zu veröffentlichen. Auch in der Independentszene akquirierte EA verstärkt. Ende 2010 übernahm man für einen unbekannten Preis den Publisher Chillingo und 2011 für 1,3 Milliarden das Entwicklerstudio PopCap (u.a. Hersteller der Spiele "Plants vs. Zombies" und "Bejeweled") sowie den Social-Games-Entwickler KlickNation.

2013, nach Umstrukturierungen der Entlassung von etwa zehn Prozent der Belegschaft, kam es zu einer wichtigen Weichenstellung. Im Rahmen einer Kooperation mit Disney erhielt EA die Lizenzrechte am "Star Wars"-Universum und beauftragte sowohl seine diversen In-House-Studios als auch externe Entwickler mit der Produktion mit einer Reihe verschiedener Titel. Den Anfang machte 2015 "Star Wars Battle Front", das sich bisher mehr als 14 Millionen  Mal verkauft hat.

Management

Nachfolger des langjährigen CEOs John Ricitiello wurde im September 2013 Andrew Wilson. Der Australier hat in seinen ersten drei Amtsjahren den Publisher in die digitale, und vor allem mobile Zukunft geführt. Unter seiner Ägide hat sich der Aktienkurs verdreifacht. Wilson, der 2014 auf ein Jahresgehalt von knapp 14 Millionen kam und damit mehr verdient als seine Landsleute aus dem Banksektor, war zuvor viele Jahre ausführender Produzent von "FIFA Soccer", dem wohl wichtigsten EA-Titel, der mittlerweile ein Drittel des jährlichen Konzernumsatzes generiert.

Das Wirtschaftsmagazin Fortune wählte Wilson 2015 hinter Facebooks Mark Zuckerberg und vor Apples Tim Cook auf Platz drei seiner "Global Businessperson of the Year"-Liste. Wilson hat EA von einem klassischen Games Publisher zu einem in einen "online content delivery service" verwandelt, wie er der australischen Wirtschafszeitung "Finacial Review" Anfang 2016 erzählte. Nicht nur die Vertriebswege für Games sind mittlerweile digitalisiert, sondern auch die Art und Weise, wie gespielt wird, hat sich verändert. Die Spieldauer und die Anzahl der Spieler hat sich durch Onlinegaming signifikant erhöht. Gab es vor zehn Jahren vielleicht weltweit 200 Millionen Gamer sind es heute knapp zwei Milliarden. EA-Titel werden nicht mehr einmalig produziert und verkauft, sondern ständig aktualisiert und erweitert. Dementsprechend musste Wilson EAs Kerngeschäft umstrukturieren und auf die Schwerpunkte Datensicherheit und Kundenservice umstellen.

Geschäftsbereiche

EA ist in vier Geschäftsbereiche aufgeteilt: EA Sports (u.a. "FIFA", “NBA Live”, “Madden NFL”), EA Games mit den externen Entwicklungsstudios Criterion, Ghost Games, BioWare, DICE und Visceral (u.a. "Need for Speed", "Battlefield", "Mass Effect"), EA Maxis (u.a."The Sims") und EA All Play, zu der die Online- und Mobilsparten PopCap, Pogo und EA Mobile gehören. 55 Prozent des Umsatzes wurde 2015 digital erzielt. Um auf dem asiatischen Markt Fuß zu fassen und dort die "FIFA"-Serie zu promoten, kooperiert EA in China mit Tencent und in Korea mit Nexon.

 

 

Aktuelle Entwicklungen

Um seine führende Position zu untermauern zog sich der Konzern 2016 erstmals aus der größten Spielemesse E3 zurück und startete mit EA Play sein eigenes Industrie-Event.Die Spielewelt befindet sich weiter im Umbruch. 2016 wird der Umsatz von Mobile Games erstmals den von PC Spielen überholen. EA ist nach der Übernahme von "Candy Crush"-Entwickler King Entertainment durch Konkurrent Activsion besonders gefordert. Der Verkauf von Games auf Discs wird weiter zurückgehen und neue digitale Anbieter - wie etwa Amazon oder Apple - haben zu einer verschärften Konkurrenzsituation geführt.

EA ist mittlerweile ein integraler Bestandteil des internationale Sportbusiness geworden. Das hat nicht immer nur Vorteile: so musste das Unternehmen im Sommer 2015 seinen Vertrag mit dem Profi-Eishockeyspielers Patrick Kane aussetzen, weil gegen die Werbefigur des Titel "NHL Hockey" zeitweise wegen vermeintlicher Vergewaltigung ermittelt wurde (Kane wurde später freigesprochen). Zudem musste sich EA im Rahmen einer Sammelklage von College-Sportlern außergerichtlich einigen und eine Zahlung von 60 Millionen Dollar leisten. EA und die Universitätsliga NCAA waren 2013 verklagt worden, weil sie die - vornehmlich afroamerikanischen - College Football und Basketball-Athleten - im Gegensatz zu den Profisportlern - nicht für die Verwendung ihrer Namen und ihres Aussehen in den Spielen entlohnt hatten. EA hatte daraufhin die Produktion von Collegesport-Titeln eingestellt.