1. AT&T Inc.

Umsatz 2017: € 142,110 Mrd.

Überblick

Es war ein Mega-Merger, eine „Bedrohung für die amerikanische Demokratie“ (Guardian). 2018 fusionierte der weltweit wertvollste Telekom-Konzern AT&T mit dem lange (ab Ende der 1990er bis 2010) größten klassischen Medienkonzern der Welt: TimeWarner. Das neue AT&T belegt mit Abstand den ersten Platz im Ranking der internationalen Medienkonzerne.

Basisdaten

Hauptsitz:
AT&T Inc.
208 S. Akard St.
Dallas, TX 75202
about.att.com/pages/company_profile

 

Branche: Telekommunikation, Film- und TV-Produktion, Satellitenfernsehen, Free-TV/Pay-TV-/Kabel- und Streaming-Sender, Werbetechnologie
Rechtsform:
Kapitalgesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01 - 31.12
Gründungsjahr: 1990

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten 2015-2018 (in Mio. $)
2018**2017**2016*2015*
Umsatz (Mrd. $)
170,76160,5551,335,29
Gewinn (AT&T, Mrd. $)
19,3729,8513,3313,69
Mitarbeiter (AT&T)
268.220254.000268.540281.450

 * Umsatz AT&T Entertainment Group (DirecTV)
** Gesamtumsatz AT&T einschließlich Time Warner
Mitarbeiter: AT&T gesamt

Geschäftsführung

Management:

  • Randall L. Stephenson, Chairman & CEO, AT&T
  • William A. Blase, Senior EVP – Human Resources, AT&T
  • John Donovan, CEO AT&T Communications
  • David S. Huntley, Senior EVP & Chief Compliance Officer, AT&T
  • Lori Lee, CEO AT&T Latin America & Global Marketing Officer, AT&T
  • Brian Lesser, CEO Xandr, AT&T Services
  • David R. McAtee II, Senior EVP and General Counsel, AT&T
  • John Stankey, CEO, WarnerMedia
  • John J. Stephens, Senior EVP and CFO, AT&T

 Aufsichtsrat:

  • Randall L. Stephenson, AT&T
  • Matthew K. Rose, Burlington Northern Santa Fe
  • Samuel A. Di Piazza, PricewaterhouseCooper
  • Richard W. Fisher, Federal Reserve Bank of Dallas
  • Scott T. Ford, Westrock Group
  • Glenn H. Hutchins, Silver Lake
  • William E. Kennard, The Carlyle Group
  • Michael B. McCallister, Humana Inc.
  • Beth E. Mooney, Key Corp.
  • Cynthia B. Taylor, Oil States International
  • Laura D'Andrea Tyson, Haas School of Business, University of California at Berkeley
  • Geoffrey Y. Yang, Redpoint Ventures

Geschichte

Ein großer Name. 1885 wurde die ursprüngliche American Telephone and Telegraph Company von niemand Geringerem gegründet als Alexander Graham Bell (1847-1922), gebürtiger Schotte und Erfinder des Telefons. Nicht lange und AT&T („Ma Bell“) konnte mithilfe des sogenannten „Bell System“ von Telefongesellschaften ein US- und kanadaweites Monopol errichten. Bis 1984: Nach einem zehnjährigen Antitrust-Verfahren wurde das AT&T-Monopol zerschlagen und in sieben regionale Telefonfirmen („Baby Bells“) aufgeteilt.

2006 konnte AT&T das mehr als 20 Jahre zuvor abgespaltene Bell South kaufen und wurde wieder zum weltgrößten Telekom-Unternehmen. 2015 dann der Schritt in die traditionellen Medien: AT&T übernahm den führenden US-Anbieter für Satellitenfernsehen DirecTV. Jetzt bezeichnete man sich als „the premier integrated communications company in the world”, als größter Anbieter von Pay-TV weltweit.

Zur Vorgeschichte von DirecTV: Es war der berühmte Luftfahrtpionier und Filmproduzent Howard Hughes, der die Satelliten-Technologie ab Mitte der 1950er Jahre entwickelte, zunächst im Rahmen seines Flug- und Raumfahrtkonzerns Hughes Aircraft. Nach Hughes Tod 1976 wurde Hughes Aircraft an General Motors verkauft. Unter der Kontrolle von GM machten die von Hughes Electronics 1994 ins All geschossenen Direct Broadcast Satellites bereits 2003 Gewinn und hatten bald einen Kundenstamm von 12 Mio. Haushalten, die für rund 150 TV-Sender monatlich über 50 US-Dollar zahlten. 2004 verkaufte Hughes Electronics die übrigen Geschäftsbereiche und wurde zur DirecTV Group. 2007 lag die Penetration von DBS-Anschlüssen bei bereits 25,2 Prozent aller Haushalte. 2014 kündigte AT&T an, DirecTV für 49 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Die Regulierungsbehörde FCC stimmte dem Deal im Juli 2015 zu und AT&T Entertainment (so der neue Name) wurde mit 26 Millionen Kunden zum größten Pay-TV-Anbieter der USA. Abgesehen von Konkurrent Dish (früher Echostar) wird das Satelliten-Geschäft seit Anfang der 1990er Jahre von DirecTV dominiert.

Ein Jahr später schon der nächste Coup. Im Oktober 2016 einigten sich AT&T und der zu dem Zeitpunkt sechstgrößte Medienkonzern der Welt TimeWarner auf eine Fusion. Erst im Juni 2018 wurde der Deal von den Kartell- und Regulierungsbehörden durchgewunken. Ein Blick auf die bewegte Geschichte der legendären, jetzt in AT&T integrierten Filmfirma:

Das Studio der Warner Brothers entstand 1923 in Hollywood, einem abgelegenen Vorort von Los Angeles, wo es außer Sonne damals nicht allzu viel gab. Als Söhne jüdischer Immigranten aus Polen war den vier Brüdern Harry, Albert, Jack und Sam Warner eine Universitätsausbildung nicht vergönnt. Fasziniert vom Zauber der Filmwelt – damals noch in Schwarzweiß und ohne Ton – mieteten sie sich am Sunset Boulevard billige Geschäftsräume, um die ersten Filme zu produzieren. 1927 gelang ihnen mit „The Jazz Singer“, dem ersten Tonfilm der Geschichte, der Durchbruch. Jack Warner allerdings hatte Zweifel: „Wer will schon Filme sehen, in denen gesprochen wird?“ Die Warner-Brüder produzierten „The Jazz Singer“ und sollten es nicht bereuen. Mit den Gewinnen konnten sie sich ein Grundstück in Burbank nördlich von Hollywood kaufen und dort ein richtiges Filmstudio betreiben. Das Gelände ist bis heute in jedem Warner Brothers-Film im Vorspann zu sehen. Anders als Metro-Goldwyn-Mayer konzentrierte sich Warner Brothers nicht auf glamouröse Monumentalfilme, sondern auf weniger riskante Produktionen (Gangsterfilme, Liebesdramen). Das brachte zwar weniger Schlagzeilen, unterm Strich aber gesunde Geschäftszahlen. Zudem gab es hin und wieder Überraschungserfolge wie „Casablanca“ (1942) oder „Der Exorzist“ (1973). In den 1950er und 1960er Jahren erweiterte Warner sein Geschäftsfeld auf die Fernsehfilm- und Schallplattenproduktion.

1969 kaufte Steven Ross, CEO von Kinney National Service, Warner Brothers für 400 Millionen Dollar. Jack, der letzte verbliebene Warner, zog sich aus Altersgründen zurück. Seine Brüder hatte er schon Ende der 1950er mit unfeinen Tricks aus dem ursprünglichen Familienunternehmen rausgeworfen. Zwei Jahre später wurde Warner Brothers in Warner Communications umbenannt und Ross läutete eine neue Ära ein. So wird er von Tim Wu in „The Master Switch“ als das „erste Exemplar des neuen Archetyps eines großen Medienmoguls“ bezeichnet, als Vorbild für schillernde Figuren wie später Michael Eisner (Disney) oder Barry Diller (Paramount). Unter Steven Ross umfasste das erste Medienkonglomerat in den 1980ern neben dem Filmstudio unter anderem den Comicverlag DC Comics, das Mad Magazine, den Videospieleentwickler Atari und das Fußballteam von Cosmos New York.

Time Inc. war 1922 gegründet worden, ein Jahr früher als Warner. Henry Luce und Briton Hadden, Schulfreunde und später Kommilitonen in Yale, hatten schon eine Weile mit dem Gedanken gespielt, ein wöchentliches Nachrichtenmagazin auf den Markt zu bringen. Eine damals revolutionäre Idee. Am 3. März 1923 dann lag die erste Ausgabe von Time an den Kiosken – mit enormem Erfolg. Es dauerte nicht lange bis weitere Zeitschriften folgten: die Foto-Illustrierte Life, das Wirtschaftsmagazin Fortune, das Tratschblatt People. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Time Inc. nicht nur der größte Magazinverlag der USA, sondern weltweit. Ein leidenschaftlicher (statt nüchterner) Schreibstil war das journalistische Konzept. Als Verleger Luce einmal wegen der mangelnden Objektivität seiner Blätter kritisiert wurde, meinte er knapp: „Wir erzählen die Wahrheit so, wie wir sie sehen.“

1989 wurden Warner und Time zusammengeführt. Der Name TimeWarner stand ab da für den größten Medienkonzern der Welt. Die Idee eines solchen „integrierten Medienkonzerns“ sollte in den folgenden Jahren viele weitere Fimen-Zusammenschlüsse im Medienbereich inspirieren. Für TimeWarner-Chef Gerald Levin war es nicht genug. 1996 kaufte er die CNN-Gruppe von dessen Gründer Ted Turner für 8,5 Milliarden Dollar. Turner hatte im Jahre 1979 in Atlanta den ersten Sender gestartet, der rund um die Uhr Nachrichten zeigte. Anfangs wegen der ständigen Versprecher seiner jungen Korrespondenten als „Chicken Noodle Network“ verlacht, mauserte sich Turners „Cable News Network“ in wenigen Jahren zur weltweiten Autorität für Nachrichten. Das Geschäftsmodell funktionierte. Das bislang wenig profitable Genre der TV-Nachrichten brachte erst Turner und dann TimeWarner satte Gewinne ein.

Levin wollte noch mehr. Am 10. Januar 2000 überraschte er die Öffentlichkeit mit der Ankündigung, dass er TimeWarner mit dem Internetanbieter AOL fusionieren wolle. Der weltgrößte Betreiber klassischer „alter“ Medien zusammen mit dem erfolgreichsten Player der digitalen „neuen“ Medien. Quasi berauscht vom Internetfieber an der Börse feierte die Welt den Merger damals als Meilenstein für die endgültige Transformation der Old in eine New Economy. Dass nach den Fusionskonditionen die AOL-Aktionäre 55 Prozent des gemeinsamen Giganten „AOL TimeWarner“ halten würden, obwohl Time Warner mit 27,3 Milliarden Dollar Umsatz neun Mal größer war als AOL (Umsatz: 3,1 Milliarden Dollar) und auch mehr als doppelt soviel Nettogewinn erwirtschaftete (1,95 Milliarden Dollar gegenüber 762 Millionen Dollar), erschien damals gerechtfertigt. Nach der Börsenbewertung hätten den AOL-Eignern sogar 70 Prozent zugestanden.

Man erinnert sich: Nicht lange, bis die Internet-Blase platzte, und mit ihr die Euphorie. AOL Time Warner geriet in eine tiefe Krise. Levin trat im Juni 2002 als CEO zurück, AOL-Gründer Steve Case musste ein Jahr später seinen Posten als Chairman räumen. Neuer starker Mann im Konzern wurde Richard „Dick“ Parsons, ein Eigengewächs aus dem Hause TimeWarner, der sich auf die Werte der alten Medienwelt besann. Es gelang ihm, den angeschlagenen Konzern zu sanieren und wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Im Herbst 2003 strich er die drei Buchstaben „AOL“ aus dem Konzernnamen; TimeWarner war wieder TimeWarner. Ende 2009, nach acht Jahren, spaltete TimeWarner seine Internetsparte AOL ab (inzwischen ist AOL nach Jahren der Eigenständigkeit Teil von Verizon).

Auch aus dem Musik-, Buch- und Kabelgeschäft zog sich TimeWarner zurück. Die Warner Music Group (WMG), eine der vier großen Plattenfirmen weltweit, wurde im Februar 2004 an eine Investorengruppe um Edgar Bronfman jun. verkauft, 2006 folgte die Abgabe der TimeWarner Book Group an den französischen Lagardère-Konzern, 2009 dann wurde TimeWarner Cable ausgegliedert. 2013 schließlich eine weitere Umstrukturierung: Die traditionsreiche, nach Jahren der Misswirtschaft defizitäre Magazinsparte Time Inc. wurde in ein eigenständiges Unternehmen überführt. Heute besteht der Konzern im Wesentlichen aus einem der großen Hollywood-Studios, aus CNN und dem Bezahlsender HBO (in den 1990er Jahren maßgeblich beteiligt an der Neuerfindung des Serien-Genres).

Als sich die Megafusion AT&T/Warner abzeichnete, der nach Comcast/NBCUniversal und Verizon/AOL dritten von Telekommunikationskonzernen mit Medienunternehmen („merger mania“), waren die Kritiker schnell zur Stelle. Das Ganze bedeute nicht weniger as eine Gefahr für die amerikanische Demokratie, zermalmt zwischen corporate monopolies, eine moderne Version der Trusts im „Gilded Age“ (Blütezeit der US-Wirtschaft Ende des 19. Jahrhunderts). So Zephyr Teachout, 2018 von der New York Times unterstützte Kandidatin für für das Amt der New Yorker Generalstaatsanwältin, am 13.6.2018 im Guardian. Unter Verweis auf das Beispiel Facebook, d.h. auf die Verbindung von Facebook mit russischem Einfluss auf die US-Wahlen, auf die Tatsache, dass es (nach dem Kauf von WhatApp und Instagram) kaum noch Konkurrenten gibt, plädiert Teachout für eine schärfere Kontrolle durch die Politik. Gegen eine Position von Hilflosigkeit gegenüber großen, mit der Politik durch Lobbying eng verbundenen Konzernen, an die man sich schon gewöhnt habe.

Dazu mahnte die NGO freepress, ein Unternehmen wie AT&T dürfe aufgrund seiner kontroversen jüngeren Geschichte auf keinen Fall weiterwachsen. Durch die Kooperation mit dem NSA-Geheimdienst sei AT&T in Bezug auf die Herausgabe von Nutzerdaten integraler Bestandteil des Massenüberwachungapparates, und verhindere Netzneutralität und den Glasfaserausbau unabhängiger kleinerer Firmen. Die Fusion bedeute, Zitat freepress, „AT&T would control internet access for hundreds of millions of people and the content they view, enabling it to prioritize its own offerings and use sneaky tricks to undermine Net Neutrality.”

Management

Im Gespräch mit lecturer Robert Siegel an der Stanford Graduate School of Business gab Randall Stephenson, AT&T-Boss seit Mai 2007, im Januar 2019 Einblick in die Herausforderungen angesichts des massiven Wandels in den Kommunikations- und Medienindustrien. Stephenson, eindeutig einer der mächtigsten Medienmanager der Welt, über das Management von big transitions (vom Festnetz zum Mobilfunk; vom kabelbasierten zum mobilen Breitbandnetz; vom traditionellen Sat- und Kabel-TV zum „over the top“-Streaming): „You have to commit. This is where the customer is going, this is where the technology is going, you have to commit and go to it… We’ve been around a 140 years, we’ve managed through so many of these, I actually believe managing through these migrations is a core competency of ours.” Das neue AT&T: „This ain’t your grandparents’ Ma Bell“.

Weiter ging es um die Schwierigkeiten und die Bedeutung, distinkte Unternehmenskulturen im Rahmen des neuen AT&T zu bewahren, die technische, operational excellence des historischen Telefonkonzerns und die kreative, boundary-pushing Kultur von WarnerMedia. Um dann zum Kern der Sache zu kommen: Am Ende geht es um „data“, geht es darum, mithilfe von mehr Nutzerdaten über viewing habits (Was wird nachgefragt? Wann? Auf welchem Endgerät?) zielgenauere, für Kunden relevantere, vermeintlich anonymisierte Werbung auf den firmeneigenen Kanälen schalten zu können. Denn am Ende geht es natürlich darum, effizientere Werbeslots zu verkaufen. Klar ist: Künftig wird sich das Geschäftsmodell an Amazon, Google und Facebook orientieren, werden die Tech-Konzerne die neue Konkurrenz sein. Google und Facebook hätten ein „de facto Duopol“ auf dem Markt für Onlinewerbung aufgebaut, dem man jetzt aber mit dem kombinierten AT&T-TimeWarner etwas entgegensetzen könne.

Konflikte zwischen den AT&T-Technikern (aus Texas) und Kreativen von Warner (New York, Hollywood) sind nach dem Zusammenschluss trotzdem entstanden. HBO-Chef Richard Plepler und chief revenue officer Simon Sutton mussten Februar resp. März 2019 gehen. Geblieben sind die aktuellen Top-Manager bei WarnerMedia: John Stankey (geb. 1962), seit 2005 bei AT&T. 2015 wurde er CEO der AT&T Entertainment Group, verantwortlich für Kauf und Integration von DirecTV und TimeWarner, seit Juni 2018 CEO von WarnerMedia. Bob Greenblatt (geb. 1960), zuvor Chef von Showtime und NBC Entertainment, ist seit März 2019 CEO von WarnerMedia-Entertainment. Jeff Zucker (geb. 1965), zuvor CEO von NBC und NBC Universal, war seit 2013 president von CNN Worldwide, um nach der Reorganisation durch AT&T im März 2019 die News & Sports-Abteilung zu übernehmen.

Geschäftsbereiche

AT&T gliedert sich in vier „berichtspflichtige Segmente“.

1. AT&T Communications
Das “Communications segment” unter CEO John Donovan teilt sich wiederum in AT&T Business („global backbone network” für über drei Millionen Geschäftskunden weltweit), Technology & Operations (Forschung) und Mobility & Entertainment. Hierzu gehört das schnelle 4G und bald 5G Mobilfunk-Netz mit über 400 Mio. Abonnenten in Nordamerika, aktuell über acht Millionen Glasfaser-Internetnutzer und: das 2015 gekaufte Satelliten- und Streaming-Bezahlfernsehen von DirecTV U.S. (El Segundo, CA).

2. WarnerMedia (New York, NY)
WarnerMedia-CEO John Stankey gibt am 4.3.2019 ein neues „Organizational Model” des alten Konzerns und das neue Führungsteam bekannt. Das Geschäft gliedert sich von nun an in: WarnerMedia Entertainment (geleitet von Bob Greenblatt) mit dem Pay-TV von HBO, den linearen Kabelsendern TNT, TBS und truTV, sowie dem Direct-to-Consumer-Business. WarnerMedia News & Sports (unter Jeff Zucker) umfasst CNN Worldwide (CNN, CNN.com, CNN International, CNN en Español, HLN, Great Big Story), Turner Sports, Bleacher Report und die „AT&T Regional Sports Networks“. Schließlich wird Kevin Tsujihara Warner Bros.’ leiten und damit das traditionelle Film-, TV- und Games-Geschäft plus Turner Classic Movies und der neuen „Global Kids & Young Adults“-Sparte (Cartoon Network, Adult Swim, Boomerang).

3. AT&T Latin America (Coral Gables, FL)
Das Lateinamerika-Segment umfasst 18,3 Mio. Mobilfunk-Kunden in Mexiko und das Vrio-Satelliten-Bezahlfernsehen mit 13,8 Mrd. Abonnenten in Brasilien, Argentinien, Barbados, Chile, Kolumbien, Curaçao, Ecuador, Peru, Trinidad und Tobago, Uruguay und Venezuela. Insgesamt erwirtschaftete AT&T Latin America 2018 einen Umsatz von 7,6 Mrd. $.

4. Xandr (New York, NY)
Die konzerneigene Tochter für das Werbetechnologie-Geschäft (zuvor „AT&T Advertising & Analytics“), auch zur besseren Behauptung gegen Google und Facebook auf dem Online-Werbemarkt.

Engagement in Europa

HBO-Programme werden in Europa vertrieben über Exklusivlizenzen in Märkten wie Großbritannien, Irland und im deutschen Sprachraum (über „Sky Atlantic“), den Niederlanden (über das „Ziggo“-Kabelnetz), Frankreich („OCS“), Belgien („BeTV“) oder Russland („Amedia“). Außerdem veranstaltet die HBO-Tochter „HBO Europe“ schon seit Anfang der 1990er Jahre Pay TV-Kanäle in Osteuropa (also lange vor der EU-Osterweiterung 2004). Im Detail: Man startete zunächst in Ungarn (1991), dann in Tschechien (1994), Polen (1996), der Slowakei (1997), Rumänien (1998), Moldawien (1999), Bulgarien (2002), Kroatien und Slowenien (2004), dann in Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro (2006) und Mazedonien (2009). Dazu „HBO España“ als standalone streaming service seit 2016 und „HBO Nordic“ für die skandinavischen Länder. HBO Europe Original Programming Ltd. (London) ist zuständig für europäische Eigenproduktionen aus Spanien bzw. Zentral- und Osteuropa.

Aktuelle Entwicklungen

Mit Pathos eröffnet CEO Stephenson den Jahresbericht 2018 (veröffentlicht am 8.2.2019): „In der vergangenen Dekade haben wir erhebliche Investitionen getätigt und unsere Industrie durch eine globale Revolution geleitet, um allen eine mobile Nutzung des Internet zu ermöglichen. Heute gehen wir weiter auf diesem Weg, um für Sie, meine Damen und Herren Aktionäre, Wertschöpfung zu generieren. In einer Zeit, in der sich Technologie, Medien und Telekommunikation inmitten einer weiteren Revolution befinden, in der Kunden immer wieder auf eine neue Art und Weise auf Inhalte zugreifen wollen. AT&T als wahrhaft modernes Medienunternehmen ist ein weiteres Mal gut aufgestellt, um diese nächste Revolution anzuführen. Mit der Übernahme von WarnerMedia haben wir die besten Filminhalte, eine breite Basis von „direct-to-consumer relationships“, schnelle Netzwerke und neueste Werbetechnologie zusammengeführt.“

Es versteht sich, dass es das nicht umsonst gab. Der Geschäftsbericht weist insofern die abenteuerliche Summe an Gesamtschulden in Höhe von 176,5 Mrd. $ auf. Zum Vergleich: Charter Communications meldete einen Schuldenstand 2018 von 72 Mrd. $, Disney etwa 21 Mrd. $ (Ende September 2018), Bertelsmann 15,5 Mrd. € (kurz- und langfristige Schulden insgesamt). Im April 2018 wurde weltweit berichtet, dass eine erste Maßnahme zur Entschuldung gescheitert war: „AT&T hat den geplanten Börsengang von Vrio, seinem DirecTV-Geschäft in Lateinamerika, wenige Stunden vor dem Beginn des Handels eingestellt... basierend auf den aktuellen Marktbedingungen... Kabelfernsehanbieter sind einem harten Wettbewerb ausgesetzt, da die Branche mit Kunden kämpft, die ihre Konten kündigen und zu Video-Streaming-Diensten wie Netflix und Amazon.com Amazon Prime wechseln. Der ursprüngliche Plan von AT&T hatte darin bestanden, Vrio zu verkaufen, um Schulden zu begleichen, die mit der Übernahme von TimeWarner entstanden waren.“

Am 09. April 2019 stand in der Financial Times, man würde in Dallas den Verkauf von HBO Europe zum Schuldenabbau „intern diskutieren“. HBO Europe ist ein auf HBO-Programmen beruhendes Pay TV- und VOD-Angebot in 13 osteuropäischen Ländern bzw. als VOD-only in Spanien, Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland und Portugal. Vehementen Widerspruch zu den Verkaufsplänen gab es allerdings von WarnerMedias John Stankey: „There is no truth whatsoever to the Financial Times’ story saying AT&T is or has considered selling HBO Europe. It’s completely baseless and inaccurate. HBO Europe is a valuable asset for our growth plans in Europe.” Außerdem stand in der FT: AT&T wolle weitere Presseberichte über das Thema stoppen um zu verhindern, dass nach Plepler und Sutton noch andere HBO executives das Schiff verlassen.

Weiterführende Literatur

  • Steve Coll: The Deal of the Century: The Breakup of AT&T. New York: Open Road (2017)
  • David Thomson: Warner Bros: The Making of an American Movie Studio. Yale University Press (2017)