50. Pearson plc

Umsatz 2019: GBP 3,870 Mrd. (€ 4,410 Mrd.)

Überblick

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Der britische Verlagskonzern Pearson konzentriert sich nach dem Verkauf der renommierten Wirtschaftszeitung „Financial Times" 2015 (an die japanische Mediengruppe Nikkei) und Anteilen am weltgrößten Publikumsverlag „Penguin Random House“ (an Bertelsmann) ganz auf das Geschäft mit Bildung. Jetzt heißt es: „Wir sind einer der größten Bildungsdienstleister der Welt.“ Aktiv in Europa, Nordamerika und China kontrolliert Pearson mittlerweile einen erheblichen Teil des lukrativen Markts für standardisierte Bildungstests.

Basisdaten

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Hauptsitz:
80 Strand
London WC2R 0RL
Großbritannien
Telefon: 0044 20 7010 2000
Website: pearson.com/investors.html

Branchen: Lehrmittel, Bücher, Informationsdienste, Multimedia, Internet-Services
Rechtsform:  Aktiengesellschaft (seit 1969)
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1844

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. £)
20192018201720162015201420132012
Umsatz 3.8694.1294.5134.5524.7804.5405.1776.112
Gewinn  581546576723720736936942
Aktienkurs (in £, Jahresende)637,00938,40736,00818,50736,001.190,001.341,001.188,00
Mitarbeiter22.73424.32230.33932.71941.04140.87642.11542.135

Geschäftsführung

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Executive Leadership:

    • John Fallon, Chief Executive
    • Coram Williams, Chief Financial Officer
    • Tim Bozik, President, Global Product & North America Courseware
    • Rod Bristow, President, Pearson UK & Global Online Learning
    • Jonathan Chocqueel-Mangan, DBA, Chief Strategy Officer
    • Giovanni Giovannelli, PhD, President, Core & Growth Markets
    • Albert Hitchcock, Chief Technology and Operations Officer
    • Deirdre Latour, Chief Corporate Affairs Officer
    • Anna Vikström Persson, Chief Human Resources Officer
    • Bjarne Tellmann, JD, General Counsel and Chief Legal Officer
    • Bob Whelan, President, Pearson Assessment

     

    Board of Directors:

    • Sidney Taurel, Chair
    • John Fallon, Chief Executive
    • Coram Williams, Chief Financial OfficerDame Elizabeth Corley, DBE, Non-Executive Director
    • Sherry Coutu, CBE, Non-Executive Director
    • Vivienne Cox, CBE, Senior Independent Director
    • Joshua Lewis, Non-Executive Director
    • Linda Lorimer, Non-Executive Director
    • Michael Lynton, Non-Executive Director
    • Graeme Pitkethly, Non-Executive Director
    • Tim Score, Non-Executive Director
    • Lincoln Wallen, Non-Executive Director

      Geschichte

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      1844 startete S. Pearson & Son ein kleines Bauunternehmen in Yorkshire, bald wuchs das Geschäft über Nordengland hinaus. Die Firma war spezialisiert auf Straßentunnel unter den Flüssen von London und New York und später auf Eisenbahnbau in aller Welt. Als Privatleute investierten die Pearsons erfolgreich in unterschiedlichsten Branchen: Banken, Stahl- und Hochbau, Erdöl und Verlagswesen. Als man 1969 an die Börse ging, gehörten bereits die Regional- und Lokalzeitungskette Westminster Press, die renommierte „Financial Times" (seit 1957) und Beteiligungen an den britischen Buchverlagen Penguin und Longman zum Portfolio. Zu solch eher prosaischen Aktivitäten kamen noblere Unternehmungen wie der Erwerb von Anteilen an den Edel-Weinbergen von Château Latour und der königlichen Porzellanmanufaktur Royal Doulton, die allerdings den ersten Verschlankungen der 1980er Jahre zum Opfer fielen. Seit 1990 im Fernsehgeschäft präsent wurde Pearson Television Ende der 1990er Jahre eines der größten europäischen TV-Produktionsunternehmen, ging aber inklusive seiner Senderbeteiligungen im Jahr 2000 in der von Bertelsmann geführten RTL Group auf. Zehn Jahre später wurden die Ölgesellschaft Camco und weitere Tochterfirmen im Baugewerbe verkauft.

      Pearson war der erste internationale Medienkonzern, der von einer Frau geführt wurde. 1997 stieg die gebürtige Texanerin Majorie Scardino bei Pearson ein und sorgte für die Konzentration auf das mediale Kerngeschäft (so trennte sie sich bei Amtsbeginn unter anderem gleich von Beteiligungen an Madame Tussauds‘ Wachsfigurenkabinett) und baute den Konzern vor allem im Education-Bereich aus – eine Strategie, die ihr Nachfolger John Fallon (seit 2013 im Amt) verstärkte.

      2009 erwarb Pearson die Sprachschule „Wall Street English" für 145 Millionen Dollar und 2010 die Abteilung für Schul-Lernsysteme des „Sistema Educacional Brasileiro" (SEB) für 497 Millionen Dollar. Ebenfalls 2010 verkaufte Pearson seine 61 prozentige Beteiligung an dem US-amerikanischen Wirtschaftsinformationsdienst „Interactive Data" für 2 Milliarden Dollar an Investmentfonds, die von Silver Lake Partners und Warburg Pincus verwaltet werden. Im Juli 2011 kündigte Pearson die Gründung des Pearson College an, eines britischen Anbieters von Hochschulabschlüssen. 2011 kaufte Pearson „Connections Education" und verkaufte den 50 prozentigen Anteils an dem Finanzmarkt-Dienstleister „FTSE International Limited" an die Londoner Börse für 450 Millionen Pfund.

      Zwischen Februar 2000 und Dezember 2012 erschien die Financial Times Deutschland, eine deutsche Version des britischen Originals, ebenfalls auf lachsfarbenem Papier gedruckt. In den ersten Jahren all Joint-venture von Pearson und Bertelsmann (Gruner + Jahr), bis zum 1.1.2008, als G+J den 50-prozentigen Anteil von Pearson übernahm. Im Juli 2015 gab Pearson auch das Londoner Original ab, für 844 Millionen Pfund an Nikkei.

      Im Oktober 2012 kam Pearson mit Bertelsmann überein, ihre jeweiligen Verlagshäuser, Penguin Group und Random House (zwei der "Big Six"), zusammenzulegen. Der weltgrößte Publikumsverlag „Penguin Random House“ entstand.  Pearson selbst belegte 2017 auf der Livres Hebdo/Publishers Weekly-Rangliste der „World’s Largest Publishers“ den ersten Platz. Am 11. Juli 2017 allerdings reduzierte Pearson die Beteiligung an Penguin Random House auf 25 Prozent.

      2019 gab es zwei Verkäufe zu vermelden. Zum einen ging es im Februar 2019 um das „US schools course materials business“, im in den USA „K-12“ genannten primären und sekundären Bildungsbereich (Kindergarten bis 12. Schuljahr), das Pearson für 250 Millionen Dollar an die Private-Equity-Firma „Nexus Capital Management“abgab. Kurz vor Jahresende am 20.12.19 dann übernahm Bertelsmann auch den restlichen 25-prozentigen Anteil an Penguin Random House. Pearson war aus dem klassischen Verlagsgeschäft komplett ausgestiegen und war jetzt „the world’s learning company“.

      Management

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      2012 ging die 16-jährige Ära von Marjorie Scardino an der Spitze von Pearson zuende. Scardino, 2007 auf der Forbes-Liste der „100 mächtigsten Frauen der Welt“ auf Platz 17, heute im Aufsichtsrat von Twitter, galt zunächst als harte Saniererin, die auch fast täglich mit Rundmails den Kontakt mit der Pearson-Belegschaft versuchte aufrechtzuerhalten. Schnell wurde sie zum „Darling“ der Londoner City, steigerte Pearson-Renditen und -Dividenden. Sie manövrierte den Konzern in ihrer Amtszeit erfolgreich durch das Platzen der dot.com-Blase und die Finanzkrise 2007/2008. Berühmt wurde sie durch ihr Bekenntnis zur Financial Times: Die FT würde sie „nur über ihre Leiche" verkaufen.

      Ihr Nachfolger John Fallon, der zuvor die Pearson-Bildungssparte betreute, verkaufte die Financial Times 2015. Fallon, Sohn eines Grundschullehrers, forcierte Pearsons Neuausrichtung zu einem reinen Bildungskonzern. Sein wichtigster Mitarbeiter war Bildungsexperte Professor Michael Barber, der im Auftrag von Tony Blair einst eine auf Testergebnissen basierte Bildungsreform in Großbritannien durchsetzte. Fallon und Barber hatten erkannt, dass sich mit Bildung viel Geld verdienen lässt, besonders mit Erfahrung im Verlagswesen, Interesse an neuen Technologien und Kontakten zur Politik.

      Am 17. Dezember 2019 kündigte John Fallon an, im Laufe des Jahres 2020 nach „sieben harten Jahren“ als CEO abtreten zu wollen. Im Jahresbericht 2019 schrieb er zu seinem Abgang: „I’d love to be retiring with the flags flying high, and the share price performing well. Sadly, that’s not currently the case.” Dazu Chairman Sidney Taurel, zwei Seiten vorher: „Wir waren fest entschlossen, 2019 zu unserem Umsatzwachstum zurückzukehren und den Gewinn zu steigern. Enttäuschende Ergebnisse in unserem ,US Higher Education Courseware‘-Geschäft, bedingt durch einen deutlich schnelleren Rückgang bei gedruckten Lehrbüchern, hat allerdings zu einem stagnierenden Konzernumsatz geführt.“

      Das Fazit von Fallons Zeit an der Konzernspitze fällt wenig positiv aus, nach einem drastischen Stellenabbau (16.000 in den letzten sechs Jahren) und dem Verkauf wichtiger Assets (Penguin, „Financial Times“, Anteile am „Economist“). Der Aktienkurs fiel seit 2013 um über 50 Prozent, drei Monate vor der Bekanntgabe seines Rücktritts hatte es eine Gewinnwarnung gegeben (die sechste während seiner Amtszeit), der Marktwert des Unternehmens wurde um ein Fünftel reduziert. Und nach Veröffentlichung der Jahreszahlen 2019 (mit einem verglichen mit dem Vorjahr um 50 Prozent niedrigeren operating profit) fiel das Pearson-Papier um vier Prozent.

      Dazu John Fallon: „We’re now at the stage where it’s time to transition to a new leader, who can bring a fresh perspective.” Man geht davon aus, dass Fallons Rücktritt auf Druck von Seiten der Shareholder zurückgeht.

      Geschäftsfelder

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      „We’re the world’s learning company, operating in 70 countries around the world, with more than 22.500 employees”, so der erste Satz des Pearson-Geschäftsberichts 2019. Ein Geschäft, das sich seit Jahren in einem Umstellungsprozess von analogen auf digitale Lernmedien befindet.

      Auch das „strategische Modell“ bzw. die „reporting structure“ wurde erneuert. Ab 2020 wird das Geschäft in vier Kernbereiche („key businesses“) aufgeteilt: In „Global Online Learning“ (virtuelle Schulen, online program management), „Global Assessment“ (standardisierte Tests für Grundschulen, Highschools und Universitäten), „International“ (Englisch-Tests) und „North American Courseware“ (Higher Education-Kursunterlagen in den USA und Kanada). Auch eine Neuaufstellung des Geschäftsmodells ist langfristig vorgesehen: von „produktzentriert“ in Richtung „kundenzentriert“ oder, wie Pearson schreibt: „from a product-centred approach to a learner-centred model“. Ein Übergang von der Herstellung klassischer Unterrichtsmaterialien für „unbekannte“ Lernende zu einer „immersive, multi-product and more digital“ Lernerfahrung für dem Anbieter schon „bekannte“ Schülerinnen und Schüler.

      Aktuelle Entwicklungen

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      Am 24. August 2020 wird bekannt gegeben, dass Andy Bird, Pearson-Aufsichtsratsmitglied (Non-Executive Director) seit Mai 2020, ab dem 19.10.2020 die Nachfolge von John Fallon antreten wird. Seit 2004 war Bird zuvor bei Disney als Chairman von Walt Disney International tätig: „Andy was at the forefront of digital change at Disney, transforming its route-to-market, product portfolio, and consumer insight available to the business. He was at the root of Disney’s development of its direct-to-consumer strategy, marketing the company’s content as a service directly to the end user, which has become a key growth driver for the company.“

      Kritische Reaktionen hatte es gegeben, weil Bird selbst in seiner Funktion als Pearson-Aufsichtsrat einige Bewerbungsgespräche mit Anwärtern geführt hatte, bevor er sich selbst als potentieller CEO des Bildungsverlags ins Spiel brachte. 

      Inhalte

      Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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      mediadb.eu wird gefördert von der Bundeszentrale für Politische Bildung

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      und der Stadt Köln.