21. Bytedance

Umsatz 2019: $ 17,000 Mrd. (€ 15,120 Mrd.)

Überblick

einklappen

ByteDance Limited, gegründet 2012 und Anfang 2020 mit einem Wert von rund 100 Milliarden Dollar das wertvollste private Startup der Welt, ist der Betreiber von TikTok – einer weltweit erfolgreichen sozialen Plattform, die den Austausch von 15-Sekunden-Videos ermöglicht. Gründer Zhang Yiming behauptete, sein Ziel sei es, den ersten echten globalen chinesischen Internet-Giganten zu schaffen. Den ersten, der in der Lage sei, gegen amerikanische Tech-Riesen zu bestehen.

Basisdaten

einklappen

Hauptsitz:
Room 10A, Building No. 48, Zhichun Road
Haidian District
Peking
China
Website: bytedance.com/en  
 
Branche:  Social media, Informationsdienste, Verlagswesen, Technologieentwicklung, KI-Anwendungen
Rechtsform: Private Company
Gründungsjahr: 2012

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. $)
2019201820172016
Umsatz17.0007.4002.250864
Gewinn3.000n/an/an/a
Angestellte60.000n/an/an/a

Geschäftsführung

einklappen

Management

  • Zhang Yiming, Global CEO
  • Zhang Lidong, Chairman China
  • Zhang Nan (Kelly), Chief Executive, China
  • Chen Lin, Senior Vice President

    Geschichte

    einklappen

    TikTok wurde allein im März 2020 115 Millionen Mal heruntergeladen, nicht zuletzt, weil die Corona-Epidemie die Länder weltweit zwang, Quarantäne- und soziale Distanzierungsregeln einzuführen. „Da Covid-19 die Teenager weltweit aus der Schule und in ihre Zimmer geholt hat, haben sie sich TikTok zugewandt, einem vertrauten digitalen Begleiter", schrieb der Economist.

    ByteDance Limited, eines der weltweit am höchsten bewerteten privaten Startup, war Anfang 2020 rund 100 Milliarden Dollar wert. Das erste Produkt des Unternehmens, das im Monat der Firmengründung im März 2012 durch den Tech-Unternehmer Zhang Yiming auf den Markt gebracht wurde, war eine App zum Teilen von von Kurzvideos, ironischen Kommentaren, Witzen und Bildern mit dem Namen Neihan Duanzi. Der Dienst hatte schnell Dutzende Millionen Fans unter Chinas mobilen Internetnutzern. Die extreme Popularität der App löste die Gründung der sogenannten „Duanzi-Gemeinschaft" aus. Sogar ein eigener Offline-Code auf Chinas Straßen entstand – einmal Hupen, Pause, zweimal Hupen.

    Aber wirklich bekannt wurde ByteDance 2012 mit seiner Flaggschiff-Nachrichten- und Informationsplattform Toutiao, auch bekannt als Jinri Toutiao („die Schlagzeilen von heute"). Das Verkaufsargument der Plattform bestand darin, für jeden Nutzer auf der Grundlage seines Nutzungsverhaltens und seiner Interessen einen maßgeschneiderten Nachrichten- und Inhalts-Feed zu generieren. Bis zu diesem Zeitpunkt bezogen viele Nutzer ihre Nachrichten über die großen Social-Media-Plattformen wie den Mikroblogging-Dienst Sina Weibo oder über traditionelle Nachrichtenportale. Toutiao war in China ein relativ früher Einsteiger im Bereich der mobilen Anwendungen, die auf maschinellem Lernen basieren. Die Zahlen gingen schnell nach oben, im September 2017 hatte Toutiao täglich 120 Millionen aktive Nutzer hatte, die mit Nachrichten und anderen Inhalten aus seinen mehr als 100 Inhaltsbereichen versorgt wurden.

    Der nächste große Schritt erfolgte Anfang 2017, als Toutiao massiv in eine neue Video-Sharing-App namens Douyin investierte, ein Wort, das im Chinesischen „zitterndes Geräusch" bedeutet. Die App, die im September 2016 unter dem Namen A.me herauskam, wurde im Dezember 2016 umbenannt. Ihre Innovation – von Vorläufern wie die 2014 eingeführte App Musical.ly inspiriert – bestand darin, auf 15 Sekunden-Videos zu beruhen, die von den Nutzern leicht zu erstellen waren. Im Gegensatz zu den längeren Videos, wie sie auf Plattformen wie Alibabas Youku Tudou liefen, boten Douyin-Videos keine Abspiel- oder Pausenoptionen, sondern konnten sofort betrachtet werden, wenn sie über eine bequeme Swipe-Oberfläche, wie sie von Musical.ly und anderen Apps wie Tinder verwendet wird, geöffnet wurden. Auch wegen der Zusammenarbeit mit chinesischen Prominenten verzehnfachte sich Douyins Nutzerbasis allein zwischen März und Dezember 2017. Im September kündigte ByteDance die Einführung einer globalen Version seiner Douyin-App unter dem Markennamen TikTok an. Die App wurde seinerzeit als „globaler Konkurrent von Musical.ly" bezeichnet. Kurz darauf kaufte ByteDance Musical.ly jedoch für einen Preis zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Dollar und ermöglichte damit die Fusion von Musical.ly – mit mehr als 200 Millionen Nutzern in über 30 Ländern – mit der von TikTok.

    Die wachsende Popularität von TikTok verschaffte ByteDance, dessen Tätigkeit sich bis dahin auf nur zwei Apps auf dem chinesischen Markt beschränkt hatte, weltweit große Aufmerksamkeit. Ende 2017 schrieb die Fachzeitschrift TechCrunch, ByteDance sei jetzt „außerhalb Chinas kein Geheimnis mehr". Plötzlich wurden die Aktionen des Unternehmens von Medien und Investoren gleichermaßen verfolgt. Es gab die Nachricht, dass ByteDance eine strategische Partnerschaft mit der chinesischen Internetfirma Cheetah Mobile eingegangen war, die 50 Millionen Dollar in ihr Live-Streaming-Geschäft Live.me investierte und auch den in Frankreich ansässigen Medienaggregationsdienst News Republic von Cheetah Mobile für 86 Millionen Dollar komplett übernahm. Es gab sogar Berichte, ByteDance habe 2016 versucht, Reddit, die amerikanische Social News Aggregation Site, zu kaufen. Dass man ByteDance aber abgewiesen habe, weil die Investoren zu wenig wussten über den jungen Konzern aus China.

    Anfang 2018 waren die wachsende Popularität und Sichtbarkeit von ByteDance sowohl seine größten Stärken als auch deutliche Schwächen. Ende 2017 z.B. wurde die Nachrichten-App Toutiao für 24 Stunden vom Netz genommen. Die Internet-Kontrollbehörden warfen ByteDance vor, die öffentliche Meinung „in die Irre zu führen", ein Hinweis auf den Grundsatz, dass die Medien den Zensurforderungen der Kommunistischen Partei Chinas nachkommen müssen, um die politische Stabilität aufrechtzuerhalten. Analysten warnten, dass ByteDance 2018 mit „einer gewissen Unsicherheit" konfrontiert sei – und sie lagen nicht falsch. In den ersten Monaten des Jahres 2018 verstärkte ByteDance seine internen Bemühungen um die Kontrolle und Überprüfung von Inhalten auf seinen Plattformen, um Regierungsmaßnahmen abzuwehren, stellte Tausende von „Inhaltskritikern" für die Witze-App Neihan Duanzi und andere Dienste ein und versprach, bis Ende 2018 mindestens 10.000 weitere Inhaltskritiker einzustellen. Trotzdem kam es zum Eklat. Im April 2018 sah sich Toutiao einer dreiwöchigen Suspendierung ausgesetzt, da ihm die Verbreitung „unautorisierter Nachrichteninhalte" vorgeworfen wurde. Ein härteres Schicksal ereilte Neihan Duanzi, die Humor-App, die die ersten Anfänge von ByteDance geprägt hatte. Sie wurde von den Behörden auf unbestimmte Zeit stillgelegt und beschuldigt „vulgäre" Inhalte zu hosten.

    ByteDance-Boss Zhang Yiming entschuldigte sich öffentlich über die Nachrichtenplattform WeChat von Tencent – was an den intensiven politischen Druck erinnerte, dem chinesische Technologieunternehmen ausgesetzt sind, und an die Notwendigkeit einer engen Abstimmung mit der politischen Führung. In seiner Entschuldigung sprach Yiming von der Notwendigkeit, sich an die „korrekte Führung der öffentlichen Meinung": „Jinri Toutiao wird seine Neihan Duanzi-App ein für alle Mal abschalten", schrieb Zhang. „Unser Produkt ging den falschen Weg, und es erschienen Inhalte, die mit den sozialistischen Grundwerten unvereinbar waren, die die Führung der öffentlichen Meinung nicht richtig umsetzten – und ich bin persönlich für die Strafen verantwortlich, die wir erhalten haben." Die Abschaltung von Neihan Duanzi löste den Protest von Nutzern aus, die am 11. April, dem Tag der angekündigten Abschaltung, mit ihren Autos um das Bürogebäude der staatlichen Regulierungsbehörde kreisten und hupten – einmal, Pause, zweimal. Ähnliche Proteste gab es landesweit. Nach Zhang Yimings öffentlicher Entschuldigung und der dreiwöchigen Suspendierung startete Toutiao im Mai 2018 neu mit einem „Neue Ära"-Kanal, der die „Errungenschaften und Anstrengungen des Sozialismus mit chinesischen Merkmalen" hervorhob.

    Trotz dieses politischen Gegenwinds 2018 konnte ByteDance weiterwachsen. Der Erfolg lässt sich in den zwei Silben TikTok zusammenfassen, natürlich gerade bei Jugendlichen sensationell populär. Anknüpfend an den Erfolg von Musical.ly erlangte die Video-Sharing-App mit ihren „self-made Breakdance-Videos, dishy Nachrichtenclips und albernen Hashtag-Challenges" (New York Times) weltweit eine Riesen-Fangemeinde. Im Oktober 2018 hatte ByteDance aufgrund des immensen Erfolgs von TikTok und Toutiao Uber übertroffen und wurde zum wertvollsten Startup der Welt.

    Management

    einklappen

    Zhang Yiming, gegenwärtig der global CEO von ByteDance Limited, gründete das Unternehmen im März 2012. Im November 2018 trat er zurück als CEO von Toutiao, und der Leiter des product management, Chen Lin, wurde Zhangs Nachfolger. Analysten zufolge war Zhang vom Tagesgeschäft zurückgetreten, um sich mehr um strategische Fragen bei Bytedance zu kümmern. Zhang hatte klar gesagt: Sein Ziel sei es, Bytedance zum ersten globalen, chinesischen Internet-Giganten zu entwickeln, der es mit amerikanischen Unternehmen wie Facebook und Google aufnehmen könne. Auch sein Führungsstil orientiert sich an der US-Konkurrenz, siehe die regelmäßigen town hall speeches. Im November 2019 schätzte das Forbes Magazin Zhang Yimings Vermögen auf 16,2 Milliarden Dollar.

    Zhang Lidong ist der „China chairman,” der Strategie und Vermarktung von ByteDance im chinesischen Markt kontrolliert. Zhang Lidong ist einer der „drei Zhangs”, mit Firmengründer Zhang Yiming und Zhang Nan (siehe unten). Einem Beobachter zufolge sind Zhang Lidong und Zhang Nan „das ByteDance-Team, das es geschafft hat, ein user data-reliant business umzuwandeln in eine cash-making Maschine mit Hunderten Millionen Nutzern.“ Zhang Lidong hat keinen technology background, wie die Meisten aus dem frühen Bytedance-Management, sondern hat als Reporter in klassischen Medien gearbeitet.

    Auch Kelly Zhang Nan, der dritte Zhang, ist direkt Zhang Yiming unterstellt. Er ist der Chef des China business, also von Toutiao, Douyin und Xigua Video. Zhang Nan wird auch der „product guru" von ByteDance genannt, und war einer der Entwickler von Douyin, der chinesischen Version des globalen Streaming-Hits TikTok.

    Als eines der Gründungsmitglieder von ByteDance war Chen Lin 2012 Produktmanager des Unternehmens. Im Jahr 2018 wurde er zum CEO von Toutiao ernannt, als Zhang Yiming sich aus dem Tagesgeschäft zurückzog. Nur ein Jahr später wurde Chen jedoch von Toutiao, das als relativ reif und stabil galt, zu den neueren sozialen Apps Duoshan und Feiliao versetzt.

    Geschäftsbereiche

    einklappen

    Toutiao, auch bekannt als Jinri Toutiao, ist nach wie vor das Kernprodukt von ByteDance Limited, eine Nachrichtenaggregationsplattform, die eine breite Palette von Inhalten in verschiedenen Formaten anbietet, darunter Text, Bilder, Microblogs und Videos. Der im August 2012 gestartete Dienst hatte bis 2019 mehr als 200 Millionen aktive monatliche Nutzer.

    Nach dem Start 2016 und nach dem Vorbild von Musical.ly, einer App, die das Teilen von 15-Sekunden-Videos ermöglichte, konnte Douyin wachsen als App für Video-Sharing und soziale Netzwerke. Douyin ging Partnerschaften mit beliebten Fernsehsendungen und Prominenten ein und arbeitete auch an der Monetarisierung des Dienstes mit gesponserten Videos von Marken wie Chevrolet und Harbin Beer. Als Nächstes stieg der Dienst in das Live-Streaming ein und bot den Dienst zunächst Nutzern an, die erfolgreich ein großes Publikum von mehr als 50.000 Zuschauern anzogen. 2018 war Douyin die zweitgrößte App im chinesischen Apple Store. Die globale Version von Douyin, die unter dem Namen TikTok läuft, wurde im September 2017 gestartet und fusionierte im Jahr darauf mit Musical.ly, was ein riesiges globales Publikum zur Folge hatte.

    TikTok wurde zunächst als „globaler Konkurrent von Musical.ly" vorgestellt. Nach wenigen Monate aber kaufte ByteDance Musical.ly für fast eine Milliarde Dollar. Die Plattformen wurden ein Jahr später unter dem Namen TikTok zusammengeführt. In den ersten vier Monaten 2020, als Länder auf der ganzen Welt Abriegelungsmaßnahmen verhängten, um die Corona-Epidemie zu bekämpfen, luden Hunderte Millionen Menschen weltweit die TikTok-App herunter. Die App wurde als „die einzige Social-Media-Plattform eines chinesischen Unternehmens bezeichnet, die außerhalb Chinas signifikante Zugkraft erlangt hat."

    Aktuelle Entwicklungen

    einklappen

    ByteDance hat 2020 ein starkes Wachstum erlebt, sogar inmitten der weltweiten Corona-Epidemie. Während andere Unternehmen auf der ganzen Welt Entlassungen ankündigten, veröffentlichte ByteDance im April 2020 ein internes Memo, in dem es hieß, man plane 2020 weltweit 40.000 neue Stellen zu schaffen und damit die Gesamtbelegschaft auf mehr als 100.000 zu erhöhen. Berichten zufolge legt ByteDance jetzt großen Wert darauf, einen globalen CEO zu finden, der sowohl die Märkte in Asien als auch im Westen verstehen kann. Dass es so einen CEO beslang nicht gab, ist vielleicht ein Grund dafür, dass sich Gründer Zhang Yiming Ende 2018 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, um sich auf die globale Strategie zu konzentrieren.

    Eine große Sorge für ByteDance weltweit sind Bedenken über politische Zensur und Datensicherheit, insbesondere in den Vereinigten Staaten, da hier chinesische Unternehmen generell unter größerem Verdacht stehen. Im Oktober 2019 forderten US-Gesetzgeber eine Untersuchung der nationalen Sicherheit von TikTok, wobei sie Bedenken äußerten, wie ByteDance als chinesisches Unternehmen persönliche Daten von Nutzern außerhalb Chinas speichern könnte und ob der Dienst Inhalte zensieren könnte, um den Forderungen der chinesischen Regierung nachzukommen. Nachdem das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) an TikTok herangetreten war, versuchte das Unternehmen die Bedenken zu zerstreuen, indem es mehr US-Ingenieure einstellte und ein neues Team mit Sitz in Mountain View, Kalifornien, aufbaute. Im Februar 2020 war die US-Verkehrssicherheitsbehörde (TSA) die letzte US-Regierungsbehörde, die ihren Mitarbeitern die Nutzung von TikTok aufgrund von Datensicherheitsbedenken untersagte.

    Auch in Europa könnte ByteDance 2020 (und danach) stärker unter die Lupe genommen werden. „Auch wenn die europäischen Gesetzgeber noch nicht aufgewacht sind, fällt TikTok technisch bereits in den Geltungsbereich der EU-Gesetzgebung zu Inhaltsmoderation und Urheberrecht", schrieb das Magazin Politico im November 2019. Eine weitere Sorge in Europa könnte die Einhaltung der Gesetze zum Schutz der persönlichen Daten junger Nutzer durch TikTok sein. Im Februar 2019 wurde ByteDance von der U.S. Federal Trade Commission zu einer Geldstrafe von 5,7 Millionen Dollar verurteilt, weil es illegal persönliche Daten von Kindern unter 13 Jahren gesammelt hatte, es könnte in Europa eine ähnliche Prüfung wegen Verstößen gegen die Allgemeine Datenschutzverordnung (GDPR) der EU geben.

    Eine der großen Fragen, die ByteDance 2020 verfolgt: Wann können die Investoren mit einem Börsengang rechnen? Die Financial Times berichtete im Oktober 2019, dass ByteDance einen Börsengang in Hongkong für das erste Quartal 2020 prüfe, der jedoch nie zustande kam.