4. Google Inc.

Umsatz 2014: $ 66,001 Mrd. (€ 49,681 Mrd.)

Überblick

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Sergey Brin und Larry Page entwickelten als Studenten die schnellste Suchmaschine der Welt. Dank kontextbezogener Web-Werbung konnte Google (2015 umbenannt in Alphabet Inc.) innerhalb von 17 Jahren zum umsatzstärksten Konzern der Branchen Medien und Online-Technologie aufsteigen. Auch die Videoplattform YouTube gehört seit 2006 zu Alphabet. Mit seinem riesigen Pool an User-Informationen wandelt der Konzern auf einem schmalen Grat zwischen Benutzerfreundlichkeit und Ausspähung/Verarbeitung privater Daten. 2019 generierte Alphabet 83 Prozent seines Umsatzes mit Werbung.

Basisdaten

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Hauptsitz:
1600 Amphitheatre Parkway
Mountain View, CA 94043
USA
Telephone: 001 650 253 0000
Website: abc.xyz

Branchen: Suchmaschine, Internet-Dienstleistungen, Softwareentwickung, Cloud Computing
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 1998

Tab. I: Ökonomische Basisdaten
201920182017201620152014
Umsatz (in Mio. $)161.857136.819110.88590.27274.98966.001
Nettogewinn (in Mio. $)34.23130.73612.66219.47816.34813.620
Aktienkurs (in $, Jahresende)1.361,52922,70881,80772,88726,13442,03
Beschäftigte118.89998.77180.11072.05361.81453.600
Tab. II: Umsatz nach Sparten (in Mio. $)
201920182017
Google advertising134.811116.46195.577
Google Cloud8.9185.8384.056
Google other17.01414.06310.914

Geschäftsführung

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Management:

  • Sundar Pichai, Chief Executive Officer, Alphabet and Google
  • Ruth M. Porad, Senior Vice President and Chief Financial Officer, Alphabet and Google
  • David C. Drummond, Senior Vice President, Corporate Development and Chief Legal Office, Alphabet (bis Januar 2020)

Aufsichtsrat/Board of Directors:

  • Larry Page, Co-Founder
  • Sergey Brin, Co-Founder
  • Sundar Pichai, Chief Executive Officer, Alphabet and Google
  • John L. Hennessy, Chairman of the Board of Directors, Former President, Stanford University
  • Frances H. Arnold, Linus Pauling Professor of Chemical Engineering, Bioengineering and Biochemistry, California Institute of Technology
  • L. John Doerr, General Partner, Kleiner Perkins Caufield & Byers
  • Roger W. Ferguson, Jr., President and Chief Executive Officer, TIAA
  • Ann Mather, Former Executive Vice President and Chief Financial Officer, Pixar
  • Alan R. Mulally, Former Chief Executive Officer and President, Ford Motor Company
  • K. Ram Shriram, Managing Partner, Sherpalo Ventures
  • Robin L. Washington, Former Executive Vice President and Chief Financial Officer, Gilead Sciences

Geschichte

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Wie es bei Google offiziell heißt, waren sich die Konzerngründer Larry Page und Sergey Brin 1995 bei ihrer ersten Begegnung nicht besonders sympathisch – als Studenten der Computerwissenschaften auf dem Campus der Stanford Universität. Page war ein 24-jähriger Absolvent der Universität von Michigan, der nur über das Wochenende in Stanford war. Brin, ein Jahr jünger, war einer der Studenten, die Page das Universitätsgelände zeigen sollten. Schnell zeigte sich, dass beide zu keiner einzigen der Fragen, die in ihren Diskussionen aufkamen, eine gemeinsame Meinung hatten. Ihre unterschiedlichen Standpunkte und Sichtweisen fanden nur einen gemeinsamen Resonanzboden hinsichtlich einer der größten Herausforderungen der Computerwelt: die Auslese relevanter Informationen aus einem exponentiell wachsenden Online-Datenschatz.

Anfang 1996 begannen Brin und Page zusammenzuarbeiten. Sie entwickelten die Suchmaschine „BackRub“, die ihren Namen aufgrund der einzigartigen Fähigkeit erhielt, Rückverweise („back links“) einer beliebigen Website zu analysieren. Technikgenie Page, der vorher einen Drucker aus Lego gebastelt hatte, entwickelte daraufhin ein neues Serverumfeld aus veralteten Computern. Die chronische Geldknappheit veranlasste sie dazu, die Onlineumgebung ihrer Fakultät nach weiteren Rechnern zu durchforsten, die sie an ihr Netzwerk anschließen konnten, um die Serverkapazitäten zu erhöhen. Ein Jahr später bescherte die Technik der Link-Analyse Page und Brin ein wachsendes Maß an Ansehen innerhalb der jungen Web-Community.

Die beiden perfektionierten ihre Suchmaschine. Sie schlugen einen Weg ein, der später einer der Schlüssel für herausragende Suchergebnisse sein würde. Sie kauften einen Terabyte Festplatten und legten in Pages Zimmer des Studentenwohnheims ein Computerlager an, das zu Googles erstem Datencenter wurde. Währenddessen eröffnete Brin ein Geschäftsbüro und fragte bei potentiellen Partnern an, ob sie nicht eine Suchmaschine lizenzieren wollten, die überdurchschnittliche Ergebnisse lieferte; besser als alles, was es bis dahin gab. Trotz des zu der Zeit grassierenden dot.com-Fiebers hatten Brin und Page zunächst wenig Interesse daran, ein Unternehmen zu gründen.

Viele CEOs von Webportalen erkannten damals das große Potential nicht und unterschätzten Google. Brin und Page entschieden sich deshalb, es auf eigene Faust zu probieren und machten sich auf die Suche nach einem Investor. Andy Bechtolsheim, einer der Gründer von Sun Microsystems, war bekannt für sein langfristiges Denken. Ein Blick auf die Demoversion genügte ihm, um das enorme Potential von Google zu erkennen. Sofort stieg er mit einem 100.000 Dollar-Scheck ein. Mithilfe von Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten kam man schließlich auf ein Startkapital von einer Million Dollar und Mitte 1998 öffnete Google, Inc. seine Pforten in Menlo Park Nord, Kalifornien. Die Tür wurde per Fernbedienung geöffnet, da sie Teil einer Garage war, die ein Freund dem inzwischen dreiköpfigen Konzern untervermietet hatte. Craig Silverstein hieß der erste Google-Angestellte, Geschäftsführer der technischen Abteilung.

Schon zu dem Zeitpunkt bearbeitete Google.com, noch immer in der Beta-Version, bis zu 10.000 Suchanfragen pro Tag. Schnell begann die internationale Presse auf die Suchmaschine aufmerksam zu werden und Artikel über Google erschienen in USA Today und Le Monde. Die Fachzeitschrift PC Magazine nahm Google in seine Rangfolge „Top 100 Websites and Search Engines“ auf. Google eroberte die Welt im Sturm. Open Source-Riese Red Hat war das erste Unternehmen, das als kommerzieller Kunde die Suchdienste von Google in Anspruch nahm.

Am 7. Juni 1999 verkündete Google, dass Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Byers, die führenden Risikokapital-Firmen in Silicon Valley, eine Finanzierung in Höhe von 25 Millionen Dollar zugesichert hätten. Beide Firmen, normalerweise Konkurrenten, investierten zu gleichen Teilen in Google und erhielten die gleiche Anzahl von Sitzen im Aufsichtsrat. Mike Moritz von Sequoia und John Doerr von Kleiner Perkins setzten sich mit einem dritten Investor, Ram Shriram, CEO von Junglee, an die Tischtennisplatte, die als Konferenztisch des Google-Quartiers fungierte, und planten ihre Kooperation. Danach wurden Schlüsselpositionen bei Google zunehmend mit hochkarätigen Fachkräften aus anderen Unternehmen besetzt. So wurde Omid Kordestani von Netscape zum Vizepräsidenten der Geschäftsführung ernannt. Urs Hölzle, Computerwissenschaftler von der University of California, übernahm den Posten des Vizepräsidenten der technischen Abteilung. Mit dem Umzug in das „Googleplex“ in Mountain View, bis heute die Google-Zentrale, wurde man Raumprobleme dann ein für alle Mal los.

Im Googleplex entstand eine besondere Unternehmenskultur. Um die Flexibilität im Arbeitsbereich zu erhöhen, wurden große Gymnastikbälle zu mobilen Bürostühlen umfunktioniert. Die Büros blieben frei von Trennwänden. Während die Mitarbeiter über modernste Rechner verfügten, bestanden die Schreibtische teilweise aus alten Holztüren auf Sägeböcken. Als Chefkoch für die Kantine engagierte man Charlie Ayers, der eine gesundheitsbewusste Speisekarte mit Gerichten kreierte, die er schon als Tourkoch der Band „Grateful Dead“ serviert hatte. Im Juni 2000 wurde Google mit einem Verzeichnis von einer Milliarde Seiten auch offiziell die größte Internet-Suchmaschine.

Bedarf für weiteres Fremdkapital bestand nicht. Die Gründe für die finanzielle Beständigkeit waren steigende Nutzerzahlen, darunter viele Klienten, die die Google-Suchmaschine auf ihre Homepages integrierten, und die Entwicklung eines Stichwort-basierten Anzeigenprogramms. Mit den Einnahmen durch Bannerverkäufe begann der Konzern, schwarze Zahlen zu schreiben. Mitte 2000 gaben Google und der Hauptkonkurrent Yahoo eine strategische Partnerschaft bekannt, die die Reputation von Google stärkte – nicht nur in technologischer, sondern vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht, da jetzt täglich achtzehn Millionen Sucheinfragen eingingen. Der weltweite Siegeszug wurde fortgesetzt, als der chinesische Portal-Marktführer NetEase sowie der japanische Dienst Bigglobe Google ihren Seiten hinzufügten. Ende 2000 bearbeitete Google um die 100 Millionen Suchanfragen pro Tag. Anfang 2004 standen fünfeinhalb Milliarden Seiten zur Recherche bereit. Dazu lancierte man Google Local (später Google Maps), das den Usern den schnellsten Weg zu Anbietern in ihrer unmittelbaren Nähe aufzeigte.

2004: das Jahr des Börsengangs, der Brin und Page über Nacht zu Milliardären machte. Google kündigte dann an, einen kostenlosen Web-basierten Mail-Dienst auf den Markt zu bringen. Gmail bot den Nutzern gratis drei Gigabyte an Speicherplatz für den Emailverkehr und integrierte das Anzeigensystem in die Mails. Seither wird Gmail von Datenschützern heftig kritisiert, da die Inhalte jeder Email automatisiert nach Stichwörtern durchsucht werden, um sie mit Werbebotschaften zu koppeln. Dazu wurde weiter expandiert. In Dublin wurde die neue Europazentrale errichtet, Büros in Sao Paolo und Mexiko-City eröffnet. 2005 wurde Google China mit Kai Fu-Lee an der Spitze gegründet, und fünf Jahre später wieder geschlossen. Offiziell, weil man die Zensur der kommunistischen Partei nicht mehr duldete.

Die wohl bedeutendste Expansion Googles, neben der Übernahme von Handy-Hersteller Motorola, war der Kauf der Videoplattform YouTube. Der weltweit populäre Entertainmentdienst, der Zuschauer vom Fernseher ins Internet führte, wurde im November 2006 für 1,65 Milliarden Dollar gekauft. Das eigene Portal Google Video war zuvor mit einem Markanteil von nur sieben Prozent gefloppt. Mit YouTube verfügt Google heute über ein riesiges Online-Medienimperium, das user generated content mit zunehmend professionell produzierten Online-Formaten vereint. 2019 wurden 300 Stunden Videomaterial minütlich hochgeladen. Fast fünf Milliarden YouTube-Videos werden täglich angeschaut. Und monatlich wird YouTube von durchschnittlich 80 Prozent aller 18 bis 49jährigen genutzt. YouTube, das zuerst ausschließlich aus Amateurfilmen bestand, ist zu einem globalen Kanal geworden, der professionell produzierte Inhalte Dritter nach Themen sortiert anbietet. Exklusive Sport-Clips, hochwertige Nachrichtenangebote und komplette Filme sind längst gratis oder gegen Bezahlung erhältlich. Damit bewegt sich Google auf dem Betätigungsfeld traditioneller Medienkonzerne: eine Bereitstellung von Inhalten für Nutzer, die durch Verkauf von Werbung monetarisiert wird.

Anfang 2013 konnte Google nach einem jahrelangen Rechtsstreit vor der Federal Trade Commission einen historischen Sieg erringen. Die Behörde kam in einem Urteil zu dem Entschluss, dass Google seine eigenen Dienste und Produkte bei der Google-Suche nicht gegenüber anderen Anbietern bevorzuge. Was sicherlich auch großen Lobbyanstrengungen geschuldet war (2015 kam heraus, dass die FTC-Kommissare sich gegen die Empfehlungen der zuständigen Sachbearbeiter durchgesetzt hatten, die ein eindeutig wettbewerbschädigendes Verhalten von Google festgestellt hatten). Passend dazu war Google 2017 die Firma, die mit rund 14,6 Millionen Euro mehr als alle anderen für Lobbyarbeit in den USA gezahlt hat (2016 lag man noch auf dem zweiten Platz, nach Comcast). Es war das erste Amtsjahr von Präsident Trump, Steuern und Kartellrecht standen im Mittelpunkt des Lobbyings.

In Europa bekam Google, bekannt als großer „Abgaben-Opimierer“, es in den letzten Jahren mit EU-Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager zu tun, in gleich drei großen Verfahren. Mit hohen Strafen: 2017 waren es 2,4 Milliarden Euro für Googles Missbrauch seiner marktbeherrschenden Stellung bei Google Shopping. 2018 dann 4,3 Milliarden wegen illegaler Praktiken beim Android-Handybetriebssystem. Und 2019 1,5 Milliarden wegen fauler Taktiken Googles bei Online-Werbung. Nur Peanuts für Google? Und die klassische Nutzung von Steuerschlupflöchern war davon nicht einmal betroffen.

Überraschend daher die Meldung vom 31.12.2019: „Google verabschiedet sich von legalen Steuerschlupflöchern in Europa“. Seit Jahren hatte Google mit der, legalen, „Double Irish, Dutch Sandwich“ genannten Praxis viele Milliarden Euro aus Europa herausgeschleust. Genauer gesagt: über eine niederländische Tochter an eine in Irland registrierte Holding mit Steuersitz auf die Bermudas transferiert, wo es keine Einkommensteuer gibt. „Wir werden unsere Struktur vereinfachen und unser geistiges Eigentum nun über die USA lizenzieren und nicht Bermuda“, so Alphabet. Weniger überraschend ist die Meldung vom 31.12.2019, wenn man weiß, dass Irland auf Druck der Europäischen Union und der USA 2014 entschieden hatte, dass die Vereinbarung mit Google beendet wird und die Steuervorteile für den Konzern 2020 enden.

Management

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Am 3. Dezember 2019 veröffentlichte Alphabet eine Pressemitteilung mit dem Titel „Wechsel im Alphabet-Management“. Larry Page und Sergey Brin zogen sich aus dem operativen Geschäft zurück bzw. traten von ihren Ämtern als Vorstandschef und Präsident von Alphabet zurück. Eine große Überraschung war das nicht, hatten sich die beiden Gründer doch schon seit geraumer Zeit immer seltener in der Zentrale sehen lassen und an Konferenzen mit Investoren kaum noch beteiligt. Sundar Pichai, bislang CEO von Google, wurde CEO von Google und Alphabet. Weiter in der Pressemitteilung: „Page und Brin bleiben als Gründer, Aktionäre und Vorstandsmitglieder von Alphabet aktiv.“ In ihrem „Letter from Larry and Sergey“ verabschiedeten sich Larry Page, geb. 1973, der manchmal eigenwillig wirkende ‚Steve Jobs von Google‘, und Sergey Brin, Sohn russisch-jüdischer Emigranten und der Stillere der beiden (auch Jg. 1973) von der Konzernspitze mit: „Wir fühlen uns geehrt, dass sich ein kleines Forschungsprojekt zu einer Quelle des Wissens für Milliarden Menschen entwickelt hat – eine Wette, die wir als Stanford-Studenten eingegangen sind... Damals, als wir 1998 unsere Server aus einem Wohnheim in eine Garage brachten, hatten wir keine Ahnung, was sich daraus ergeben würde.“ Es gab allerdings Beobachter, die das Ganze als Flucht interpretierten. Eine Flucht vor Wettbewerbsuntersuchungen beispielsweise.

Andere, weniger positive News aus dem Google-Topmanagement gab es Anfang 2020, als Alphabet-Chefjurist David Drummond (56) nach 18 Jahren bei Google seinen Abgang verkündete. Er selbst zog dabei eine Parallele mit dem Rückzug der beiden Konzerngründer Larry Page und Sergey Brin einen Monat zuvor. Er glaubte, auch für ihn sei die Zeit gekommen, Platz zu machen für die nächste Generation. In Wirklichkeit war es viel prosaischer. Und schmutziger. Stand Drummond doch seit Monaten unter dem Verdacht von „sexual misconduct“. Er ging dann ohne „exit package“.

Sundar Pichai, geboren 1972 in der südindischen Stadt Madurai und seit 2004 bei Google, wurde der neue Mann an der Spitze. Zuvor hatte er eine bemerkenswerte Laufbahn absolviert. Aus ärmlichen Verhältnissen im indischen Chennai stammend, hielt er erst mit zwölf Jahren sein erstes Telefon in der Hand – und wurde als Chef von Googles Android-Sparte zu einem der reichsten Mobile-Manager der Welt. Er setzte sich gegen die Bedenken des damaligen CEOs Eric Schmidt dafür ein, mit Chrome einen eigenen Webbrowser zu entwickeln. In der Folge zeichnete er für einige von Googles beliebtesten Applikationen und Produkten verantwortlich, u.a. Chromebooks, Gmail, Docs und Maps. Als Chef von Android sorgte er dafür, dass die lange Zeit geltende strikte Trennung zwischen Android und den übrigen Search-Bereichen aufgehoben wurde. Unter Google-Mitarbeitern gilt Pichai als beliebt und zugänglich; für Page und Brin gab den Ausschlag für seine Beförderung, dass er Fachwissen, diplomatisches Geschick und Geschäftssinn vereint. Dazu kommen visionäre Ideen, mit denen er allerdings auch mal scheitert. Mit dem „Project Loon“ z.B. wollte Pichai mit riesigen Heliumballons in der Stratosphäre schnelles Internet in den entlegensten Regionen der Welt ermöglichen. Im Januar 2021 aber wurde Loon geschlossen. Zwar hatte man technologisch große Fortschritte gemacht, doch es zeichnete sich ab: Ein „langfristig nachhaltiges Geschäft“ war unmöglich. Nicht zuletzt wegen Elon Musks privatem Satellitennetzwerk Starlink, das künftig weltweiten Internetzugang anbieten will.

Geschäftsbereiche

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Google ist zunächst die gleichnamige, im World Wide Web meistgenutzte Suchmaschine mit täglich dreieinhalb Milliarden Suchanfragen (mehr als die Hälfte kommen von mobile devices) und einem weltweiten Marktanteil von rund 92 Prozent (Dezember 2020). Das Kerngeschäft besteht in dem Verkauf von Werbung, 2019 wurden damit 83,9 Prozent des Gesamtumsatzes gemacht. Mithilfe von Anzeigenprogrammen wie Adwords (für Google-Seiten), AdSense und DoubleClick (für das Google Network aus Partnerseiten von Drittanbietern) und in Kombination mit Google Analytics, einem statistischen Tool zur Messung der Häufigkeit von Suchanfragen, werden Suchanfragen mit Textanzeigen bzw. Content mit interaktiven Anzeigen verknüpft.

Zu den wichtigsten Web- und Mobilanwendungen gehören neben der Suchmaschine mit YouTube die größte Video-Community der Welt (seit 2018 auch mit dem angeschlossenen Musik-Streamingdienst You Tube Music), auf der im Mai 2019 beispielsweise pro Minute 500 Stunden Videomaterial hochgeladen wurde. Dazu der 2008 gestartete Webbrowser Chrome, Karten- und Navigations-Apps (Google Maps, Google Earth, Street View), Instant (Video-) Messengers (Duo, Hangouts, Chat, Meet) und der Emaildienst Gmail. Oder Google Books, die größte Sammlung „retrodigitalisierter Bücher“ (im Oktober 2019 waren es mehr als 40 Millionen gescannte Bücher, in über 400 Sprachen) und der Android-App-Store Google Play.

Unter dem Punkt „Google other“ mit einem Umsatz 2019 in Höhe von rund 17 Milliarden US-Dollar werden im Jahresbericht u.a. die Bereiche Google Play (App Store) und Hardware zusammengefasst (inkl. Verkäufen von Google Nest (Smarthome-Geräte), Pixelbook-Laptops und Pixel-Smartphones).

Rund ein Dutzend Tochterunternehmen führt Google schließlich in dem Geschäftsbereich „Other Bets“ auf (die 0,4 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen). Filialen, unter denen sich durchaus „the next big thing“ verbergen kann. Man weiß es noch nicht: Da ist z.B. Google Fiber („super-high-speed broadband access over fiber optic cables“) oder das Biotech-Unternehmen Calico („Methoden gegen menschliche Alterung“). Da sind weiter der Investment-Arm CapitalG, Nest (Smart Home-Technologie), ein weiteres Biotech-Internehmen (Verily) und Waymo (Entwicklung autonomer Fahrzeugtechnologie).

Engagement in Deutschland und Europa

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In Deutschland ist Google seit 2001 mit einem Standort in Hamburg vertreten. Ein weiteres Büro mit „Pizzaofen und Massageraum“ gibt es in Berlin (zur Eröffnung im Januar 2019 war sogar Konzernchef Pichal angereist), ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in München. Philip Justus ist Deutschland-Chef von Google seit 2013, er war davor in Führungspositionen bei Ebay, Paypal und Zanox. Annette Kroeber-Riel ist die „Google Politikleiterin“, also die Chef-Lobbyistin seit 2008. Sie verteidigt das Unternehmen in Politik, Branchenverbänden und gegenüber Verbraucherschützern. 

Weitere europäische Forschungs- und Entwicklungszentren unterhält das Unternehmen in Aarhus (Dänemark), Dublin (Irland), Haifa und Tel Aviv (Israel), Krakau (Polen), London (Großbritannien), Lulea (Schweden), Moskau und St. Petersburg (Russland), Trondheim (Norwegen) und Zürich (Schweiz). 2011 wurde auf Initiative von Google und in Kooperation mit der Berliner Humboldt-Universität das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft gegründet.

Aktuelle Entwicklungen

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Rekordverdächtig niedrige Steuerquoten der großen, in der Öffentlichkeit besonders präsenten US-Tech-Konzerne sind seit Jahren Anlass für Kritik. Von „staatlich subventionierter Wettbewerbsverzerrung“ ist die Rede, wenn man in Europa sieht, dass Amazon beispielsweise mit einem Vorsteuergewinn 2018 in Höhe von 11,3 Milliarden US-Dollar nicht nur keine Steuer in den USA zahlte, sondern auch noch eine Steuergutschrift der US-Finanzbehörden von 129 Millionen Dollar kassierte. Oder wenn Netflix 2018 15 Millionen Dollar Steuern zahlte, bei einem Gewinn von 1,23 Milliarden. Eine Steuerquote von 1,2 Prozent. Nicht zu vergessen „wettbewerbswidrige Steuerpraktiken“ einiger EU-Länder (Großbritannien, Irland, Niederlande, Luxemburg, Belgien, Malta, Zypern).

Doch langsam dreht sich der Wind. Über ein Jahr hatten die Abgeordneten des Unterausschusses für Wettbewerb im US-Repräsentantenhaus („U.S. House Judiciary Committee's Subcommittee on Antitrust, Commercial, and Administrative Law“) die vier großen Tech-Konzerne Google, Amazon, Facebook und Apple untersucht und Anfang Oktober 2020 ihren 449 Seiten langen Bericht bekannt gemacht. Wie knallhart der Wettbewerb auf dem digitalen Markt funktioniert, war bekannt. „Wer, egal wo auf der Welt, zu sehr glänzt und auf dem Radar der großen Konzerne auftaucht, wird ein Angebot bekommen, das man nicht ausschlagen kann.“ (SZ vom 31.7.2020) Von einem „Repertoire quasi legalen Mobbings“ ist die Rede, das sich die Billionen-schweren Tech-Riesen leisten können: feindliche Übernahmen, geistiger Diebstahl, juristische Attacken (gegen die sich kein Start-up-Unternehmen wehren kann). Man habe es wieder mit Monopolisten wie zur Zeit der Ölbarone und Eisenbahnmagnaten zu tun, mit übermächtigen bzw. „marktmächtigen“ Plattformen mit einer Gatekeeper-Stellung, denen man in letzter Konsequenz mit Zerschlagung droht.

Wie groß die (meist nicht veröffentlichten) Marktanteile der großen Plattformen sind, wird in dem im Herbst 2020 erschienenen „Atlas der digitalen Welt“ (Campus-Verlag) deutlich. Auf Basis von Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ergibt sich das folgende, laut einem Artikel in der FAZ (vom 24.09.2020) „erschütternde“ Bild: 85,8 Prozent ihrer Online-Zeit verbrachten die Teilnehmer der GfK-Stichprobe auf den Seiten der 500 stärksten Plattformen (von insgesamt 131.993 Websites oder Apps), also bei den oberen 0,38 Prozent. In der Anfangseuphorie des Internet glaubte man, alle, auch die kleinen Unternehmen könnten an der neuen Online-Welt teilhaben. Dieser Traum ist schon lange passé.

Literatur

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Logisch, dass der phänomenale Aufstieg von Google zahlreiche Bucherscheinungen nach sich zog. Eine Auswahl:

  • Schulz, Thomas: Was Google wirklich will: Wie der einflussreichste Konzern der Welt unsere Zukunft verändert. Penguin 2017
  • Galloway, Scott: The Four: Die geheime DNA von Amazon, Apple, Facebook und Google. Plassen 2017
  • Assange, Julian: When Google Met Wikileaks. OR Books 2014
  • Edwards, Douglas: I'm Feeling Lucky: The Confessions of Google Employee Number 59. New York: Houghton Mifflin Harcourt 2012
  • Vaidhyanathan, Siva: The Googlization of Everything (And Why We Should Worry). Princeton: University of California Press 2011
  • Levy, Stephen: In the Plex: How Google Thinks, Works, and Shapes our Lives. New York: Simon & Schuster 2011
  • Auletta, Ken: Googled: The End of the World as We Know It. London: Penguin Press 2009
  • Girard, Bernard: The Google Way: How One Company Is Revolutionizing Management As We Know it. San Francisco: No Starch Press 2009
  • Jarvis, Jeff: What Would Google Do? New York: HarperBusiness 2009
  • Vise, David A.: The Google Story: Inside the Hottest Business, Media and Technology Success of Our Time. Surrey: Delta Publishing 2008