35. S&P Global

Umsatz 2020: $ 7,442 Mrd. (€ 6,520 Mrd.)

Überblick

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S&P Global (vorher McGraw-Hill) ist tätig im Bereich Finanzinformationen („ratings, benchmarks, analytics“) für die Kapital- und Rohstoffmärkte. Herzstück des Konzerns ist die international bekannte Ratingagentur „Standard & Poor‘s“.

Basisdaten

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Hauptsitz:
55 Water Street
New York, NY 10041
USA
Telefon:
001 212 438 1000
Website: investor.spglobal.com

Branchen: Fachinformationen, Finanzdienstleister, Marketing, Rating-Agenturen
Rechtsform: Aktiengesellschaft 
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1888 (1919 McGraw-Hill Publishing Company)  

Ökonomische Basisdaten (in Mio. $)
2020201920182017201620152014
Umsatz 7.4426.6996.2586.0635.6615.3135.051
Gewinn (Verlust) 2.8302.1231.9581,4962,1061.156(13)
Aktienkurs (Jahresende)327,3276,91172,26175,70107,5498,5888,66
Beschäftigte23.00022.50021.20020.40020.00020.40017.000

Geschäftsführung

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Management: 

  • Douglas L. Peterson, President & CEO
  • John L. Berisford, President, S&P Global Ratings
  • Ewout Steenbergen, Executive Vice President, CFO
  • Martina L. Cheung, Executive Managing Director, Global Risk Services, S&P Global Market Intelligence
  • Dan Draper, CEO, S&P Dow Jones Indices
  • Courtney Geduldig, Executive Vice President, Public Affairs
  • Steve Kemps, Executive Vice President, General Counsel
  • Swamy Kocherlakota, Executive Vice President, Chief Information Officer
  • Nancy Luquette, Executive Vice President, Chief Risk Officer
  • Dimitra Manis, Executive Vice President, Chief People Officer Saugata Saha, President
  • Ashu Suyash, Managing Director and Chief Executive Officer, CRISIL
  •  

Aufsichtsrat:

  • Richard E. Thornburgh, Credit Suisse Holdings
  • Marco Alverà, Snam S.p.A.
  • William J. Amelio, Avnet, Inc.
  • William D. Green
  • Stephanie C. Hill, Lockheed Martin
  • Rebecca Jacoby, Former Senior Vice President, Operations; Cisco Systems, Inc.
  • Monique F. Leroux, Investissement Québec
  • Ian Livingston, Dixons Carphone
  • Maria R. Morris
  • Douglas L. Peterson, S&P Global Inc.
  • Edward B. Rust, Jr., State Farm Mutual Automobile Insurance Company
  • Kurt L. Schmoke, University of Baltimore

    Geschichte

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    Das S&P Global-Vorgängerunternehmen hieß McGraw-Hill, seine Geschichte begann auf dem Höhepunkt des Eisenbahnzeitalters. 1888 hatte James H. McGraw das „American Journal of Railway Appliances“ gekauft und danach John A. Hill getroffen, Redakteur beim „Locomotive Engineer“. Beide bauten nach und nach eigene Verlage für Ingenieur-Zeitschriften auf. 1909 legten sie ihre Buchsparten zusammen, nach dem Tod von John A. Hill wurden 1917 auch die anderen Unternehmensbereiche in der McGraw-Hill Publishing Company zusammengefasst. 1929 ging man an die Börse und gründete das Wirtschaftsmagazins „Business Week“. Weitere Fachzeitschriften aus den Bereichen Industrie, Verkehr und Gesundheit kamen dazu.

    Nach dem zweiten Weltkrieg weitete McGraw-Hill das Lehrbuch-Segment aus. Neben den etablierten Reihen für College-Studenten wurden jetzt auch Schulbücher für Grund- und weiterführende Schulen aus allen Unterrichtsbereichen publiziert. 1966 stieg McGraw-Hill mit dem Kauf der Rating-Agentur Standard & Poor’s in den Bereich Business-Information und Analyse ein. Eine heikle Episode ergab sich 1970, als ein unbekannter Autor einem der McGraw-Hill-Buchverlage eine angeblich autorisierte Biographie des im Sterben liegenden, exzentrischen und zurückgezogen lebenden Milliardärs Howard Hughes anbot. Das Buch war eine Fälschung, Hughes erschien aus der Versenkung und klagte gegen Verlag und den Autor, der zu 30 Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

    1972 expandierte McGraw-Hill die erste Expansion in elektronische Medien, als man TV-Stationen u.a. in San Diego, Indianapolis und Denver kaufte. 1995 dann die Umstrukturierung in die drei Geschäftsbereiche Education, Financial Services und Information & Media Services, 1996 lag der Umsatz bereits bei über drei Milliarden Dollar. Nach einem „familienfremden“ Interregnum von 1988-1998 führte mit Harold McGraw III bis 2013 der Nachkomme eines Firmengründers das Verlagsimperium.

    Auch an McGraw-Hill ging die Weltfinanzkrise ab 2007 nicht spurlos vorüber. „An 2008 wird man sich lange als eines der schwierigsten Jahre für unser Land, unsere Wirtschaft – und unser Unternehmen erinnern“, schrieb Harold McGraw III im Anfang 2009 erschienen Jahresbericht: Der Umsatz ging um 6,2 Prozent auf rund 6,36 Milliarden US-Dollar zurück, der Gewinn brach sogar um über ein Fünftel auf nur noch 799,5 Millionen Dollar ein. Weitaus größer jedoch war der volkswirtschaftliche Schaden und der Imageverlust von S&P. Denn die Ratingagentur war mit ihren übertrieben positiven Bewertungen der hypothekenbesicherten Wertpapiere einer der Hauptakteure, die die Immobilienblase schließlich zum Platzen brachten. Das US-Justizministerium verklagte daraufhin S&P im Namen von 19 Bundesstaaten; schließlich einigte man sich auf die Strafzahlung von 1,4 Milliarden Dollar – die Behörde stellte im Gegenzug ihre Ermittlungen ein. Harold McGraw III räumte Fehler ein, verteidigte aber das Vorgehen seines Unternehmens: „Es ist nur ein schwacher Trost, dass beinahe alle Marktteilnehmer – Banken, Rating-Agenturen, Hausbesitzer, Regulierungsbehörden und Investoren – den anhaltenden Verfall des US-Immobilien- und Hypothekenmarktes nicht vorhergesehen haben“, so der Konzernchef.

    2009 gab man die seit Jahren defizitäre Gründungspublikation (von 1929) der Business Week an Bloomberg ab; 2011 verkaufte McGraw-Hill die gesamte TV Sender-Gruppe an die E. W. Scripps Company; 2012 ging die Bildungssparte „McGraw-Hill Education“ an den Finanzinvestor Apollo Global, damit auch die Reste des klassischen Mediengeschäfts. Dann zwei Namensänderungen, zunächst 2013 in McGraw-Hill Financial, im April 2016 schließlich in S&P Global.

    Management

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    2011 kam Douglas Peterson in die Firma als President der Standard & Poor’s Rating Services. 2013 wurde er zum CEO der gesamten McGraw-Hill Gruppe ernannt. Zuvor hatte er bei der  japanischen Tochter der Citigroup gearbeitet, wo er durch erfolgreiches Krisenmanagement ausgezeichnet hatte, als die japanische Regierung 2004 CitiBank wegen unlauterer Tradingpraktiken untersuchte. Petersons Hauptaufgabe besteht weiterhin darin, das ramponierte Image der Ratingagentur zu reparieren (dass S&P 2011 zum ersten Mal in seiner Geschichte die Kreditwürdigkeit der USA herabstufte, war für das Verhältnis mit Washington auch nicht hilfreich). Die Kriterien und Methoden müssen verfeinert und aktualisiert werden, damit sich die Fehleinschätzungen von vor 2008 nicht wiederholen. Peterson befindet sich in einem ständigen PR-Gefecht mit Wirtschaftsjournalisten, Politikern und Verbraucherschützern, die zunehmend den Nutzen und Mehrwert von Ratingagenturen in Frage stellen.

    Geschäftsbereiche

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    S&P Global Ratings betreibt Büros in über 25 Ländern und versorgt Investoren und andere Marktteilnehmer mit Finanzinformationen und Beurteilungen zur Kreditwürdigkeit. CRISIL, Teil des Ratingsegments, hat 2018 die Datenanalysefirmen Pragmatix Services Private und Panjiva, Kensho Technologies und RateWatch gekauft.

    S&P Global Market Intelligence: Finanzdienstleistungen u.a. für Investoren, Regierungen, Verbände und Universitäten 

    S&P Global Platts: Anbieter von Finanzinformationen für die Rohstoff- und Energiemärkte 

    S&P Dow Jones Indices publiziert mehrere Aktienindizes, mit denen Lizenz- und Abonnementgebühren erlöst werden. Darunter mit dem S&P 500, der die Aktien von 500 der größten US-Unternehmen beobachtet, einen der weltweit wichtigsten Aktienindizes.

    Aktuelle Entwicklungen

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    Im Zuge des aktuellen Aktienbooms gelten Indexanbieter mittlerweile als Gelddruckmaschinen und ihre Kurse sind durch die Decke gegangen, auch der von S&P. Investoren, Fonds und Bänker sind nicht zuletzt aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung bei ihren Investitionsentscheidungen auf sie angewiesen. Gleichzeitig wächst, zum Beispiel vom europäischen Fondsverband, die Kritik an der fehlenden Transparenz und den erhöhten Bezugspreisen der Finanzdatenkonzerne. Auch andere Industrienationen wie etwa die USA, deren Kreditwürdigkeit während der Obama-Administration auf Basis einer fehlerhaften Prognose durchaus umstritten auf nur noch ein AA-Niveau herabgestuft wurde, beklagen den Einfluss von S&P.

    Doch der drohende Regulierungsdruck scheint das Unternehmen nicht zu kümmern und er will seine Marktmacht noch weiter ausbauen. In der zweiten Hälfte von 2021 wird S&P im Rahmen eines 44 Milliarden Dollar schweren Aktientauschs seinen Londoner Konkurrenten IHS Markit schlucken. S&P würde damit auf einen Schlag auf einen jährlichen Umsatz von rund 10,5 Milliarden Dollar und eine Belegschaft von 36.000 Personen kommen und sich neue Datenexpertise für die Bereiche Auto, Schifffahrt, Rüstung und Energie ins Haus holen.