42. Sinclair Broadcast Group

Umsatz 2021: $ 6,134 Mrd. (€ 5,186 Mrd.)

Überblick

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Gegründet 1985 ist Sinclair in den vergangenen Jahren durch aggressive Zukäufe zum umsatzstärksten Betreiber von regionalen TV-Sendern der USA aufgestiegen. Der Gruppe gehören unter anderem 186 lokale Fernsehstationen, diverse Sport- und Entertainment-Networks, ein Streamingdienst und eine Wrestling-Promotion. Kritiker werfen dem Konzern vor, „Trump-TV“ zu betreiben und die regionale Medienvielfalt der USA durch seine zentralistische, rechtskonservative Ausrichtung zu beschädigen.

Basisdaten

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Hauptsitz:
Sinclair Broadcast Group, Inc.
10706 Beaver Dam Road
Hunt Valley, Maryland 21030
Tel. 001 410 568 1500
www.sbgi.net

Branche: TV, Streaming, Wrestling
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01-31.12
Gründungsjahr: 1985

Ökonomische Basisdaten (in Mrd. $):

2020

2019

2018

2017

2016

Umsatz 

5,2

4,24

3,01

2,64

2,62

Gewinn

-2,41

0,047

0,341

0,576

0,245

Aktienkurs (Jahresende)

31,5

31,81

24,65

34,56

29,81

Mitarbeiter

11.600

11.800

9.000

8.900

8.400

Geschäftsführung

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Management:

  • David D. Smith, Executive Chairman
  • Frederick G. Smith, Vice President
  • J. Duncan Smith, Vice President
  • Christopher S. Ripley, President & Chief Executive Officer
  • Brian Bark, Senior Vice President & Chief Information Officer
  • David R. Bochenek, Senior Vice President & Chief Accounting Officer
  • Barry M. Faber, President, Distribution and Network Relations
  • David Gibber, Senior Vice President & General Counsel
  • Delbert R. Parks, Ececutive Vice President & Chief Technology Officer
  • Lucy A. Rutishauser, Ececutive Vice President & Chief Financial Officer
  • Donald H. Thompson, Ececutive Vice President & Human Resources
  • Robert D. Weisbord,  President of Broadcast & Chief Advertising Revenue Officer

Board of Directors

  • David D. Smith, Sinclair Broadcast Group 
  • Frederick G. Smith, Sinclair Broadcast Group
  • J. Duncan Smith, Sinclair Broadcast Group
  • Robert E. Smith, Sinclair Broadcast Group
  • Laurie R. Beyer, Greater Baltimore Medical Center
  • Howard E. Friedmann, Lanx Management LLC
  • Daniel C. Keith, Cavanaugh Group
  • Martin R. Leader, Pillsbury Winthrop Shaw Pittman
  • Benson E. Legg, JAMS
  • Lawrence E. McCanna

Geschichte

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Bis 2017 war Sinclair trotz bereits stattlicher Größe nur Insidern bekannt. Doch mit dem Beginn der Präsidentschaft von Donald Trump änderte sich das schlagartig und die Senderkette wurde zu einem der wichtigsten Verbündeten der Republikaner. Die Wurzeln des Unternehmens gehen auf Julian Sinclair Smith zurück, einen Ingenieur aus Baltimore, der sich in den 1950er Jahren auf den Bau von Fernsehstationen spezialisierte und mit seiner von den großen Networks unabhängigen Chesapeake Television Corporation schon bald erste lokale Nachrichtenformate produzierte.

Sinclair Smiths Sohn David begann dann in den 1980er Jahren im Rahmen einer beispiellosen Einkaufstour TV-Senderketten in ganz Amerika zu übernehmen, darunter Act III Broadcasting (1995), River City Broadcasting (1996), Four Points Media Group (2011) und Barrington Broadcasting (2013) sowie einzelne Lokalsender. David D. Smiths Meisterstück wurde jedoch 2018 von der FCC ein Riegel vorgeschoben: Die Regulierungsbehörde untersagte eine knapp vier Milliarden Dollar schwere Übernahme von Tribune Media  - um zu verhindern, dass in den USA ein de facto Regionalfernseh-Duopol entstand, bestehend aus Sinclair und der Nexstar Media Group. Auch Sinclairs Angebot, sich von diversen Sendern in einzelnen regionalen Märkten zu trennen, überzeugte die Medienwächter nicht – mit der Folge, dass Tribune Sinclair wegen des gescheiterten Deals auf eine Milliarde Dollar Schadenersatz verklagte. Doch die Smiths zeigten sich davon unbeeindruckt und setzen ihre Shoppingtour fort. Für stattliche 10,6 Milliarden Dollar kaufte die Sinclair-Tochter Diamond Sports Group die Sportsenderkette Fox Sports News Networks (heute Bally Sports), die sich damals im Besitz von Walt Disney befand.

Unterdessen geriet die rechtskonservative Linie von Sinclair immer mehr in den Fokus. Schon während der Obama-Ära waren die Sinclair-Stationen durch die Verbreitung von Verschwörungstheorien über die demokratische Partei aufgefallen, doch im Präsidentschaftswahlkampf 2016 und den folgenden vier Jahren der Trump-Administration wurden die Sinclair-Sender zum Trump-Megafon. Über das Format der sogenannten „must run segments“, kurze Meinungsbeiträge von den der Trump-Kampagne nahestehenden Kommentatoren, die alle Sinclair-Stationen quer durch die USA ausstrahlen mussten, wurden die letzten unabhängigen Bastionen der amerikanischen Medienlandschaft beeinflusst: Lokale TV-Nachrichten, denen die Bevölkerung der USA seit Jahren mehr vertraut als den landesweiten Kabel-Nachrichtensendern.

Zudem diktierten die Smiths aus der Unternehmenszentrale in Maryland den über 87 regionale Märkte verstreuten lokalen News-Anchors, was sie vom Teleprompter ablesen sollten. Eines der Skripte, das den Moderatorinnen und Sprechern in den Mund gelegt wurde, lautete: „Wir sind besorgt über den beunruhigenden Trend unverantwortlicher, einseitiger Nachrichten, die unser Land plagen: Das Teilen von voreingenommenen und falschen Nachrichten ist in den sozialen Medien alltäglich geworden. Noch beunruhigender ist, dass einige Medien diese gleichen gefälschten Geschichten veröffentlichen, ohne vorher die Fakten zu überprüfen.“ Trump selbst zeigte sich begeistert und lobte Sinclair als echte Alternative zu den „Fake News Networks“ CNN, MSNBC und ABC.

Management

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Die Familie von Gründer und Aufsichtsratsvorsitzenden David D. Smith, hat in den vergangenen Jahren in Form von Super PACs massiv an die Republikanische Partei und Trump gespendet. Ein ehemaliger Sprecher von Präsident Trump, Boris Epshteyn, wurde sogar als politischer Analyst für Sinclair verpflichtet. Und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner handelte im Wahlkampf 2016 eine Reihe von Exklusiv-Interviews aus, die im Gegenzug für einen bevorzugten Zugang zu Trump gezielt in zuschauerstarken Sinclair-Nachrichtenformaten in den Swing States ausgestrahlt wurden. Der Deal beinhaltete die Zusage, die Statements von Trump ohne journalistische Kommentare oder Einordnungen zu senden. Zudem stellten die Sender Trump insgesamt signifikant mehr Sendezeit zur Verfügung als seiner Konkurrentin Hillary Clinton.

Geschäftsfelder

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Neben 186 TV-Stationen und 620 TV-Sendern betreibt Sinclair die landesweiten Networks Comet (Science Fiction), Stadium und Bally Sports (Sport), Tennis Channel, Charge! (Action) und TBD (kuratierter Online-Content für TV). Die beiden Streamingplattformen STIRR und NewsON haben sich neben Sport und Entertainment auf lokale News spezialisiert. Mit Ring of Honor besitzt Sinclair zudem seit 2011 einen eigenen Wrestling-Verband.

Aktuelle Entwicklungen

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Sinclair, inzwischen in die prestigeträchtige Fortune 500-Liste der wertvollsten Unternehmen aufgestiegen, setzt neben Lokalnachrichten, die spätestens im Vorlauf zu den Mid-Term-Wahlen 2022 die Kassen durch tausende von Wahlwerbespots klingeln lassen, voll auf die Karte Sport, insbesondere nach dem Höhepunkt der Corona-Pandemie, die viele Stadien und auch Sinclairs Wrestlingsschmiede hat still stehen lassen.

CEO Chris Ripley entwickelt seit geraumer Zeit federführend eine 250 Millionen Dollar teure Streaming-App für Smartphones, die die Art und Weise revolutionieren soll, wie Fans Sport erleben. Sinclair will mit der App ein neues Ökosystem erschaffen, in dem sportbegeisterte Zuschauer nicht nur College Football, NBA-Basketball und NHL-Hockey gucken, sondern auch Fan-Communities beitreten, Merchandise-Artikel und Tickets kaufen sowie Games spielen können.