14. Paramount Global

Umsatz 2021: $ 28,586 Mrd. (€ 24,170 Mrd.)

Überblick

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Anfang August 2019 gaben CBS und Viacom den Zusammenschluss der seit 2006 getrennt gelisteten Unternehmen bekannt. „Ein weltweit führender Medien- und Entertainmentkonzern“ sollte entstehen. Shari Redstone, Tochter des 2020 verstorbenen Firmengründers Sumner Redstone, zuvor Vize-Vorstandsvorsitzende der beiden Einzelkonzerne, wurde Aufsichtsratsvorsitzende des neuen ViacomCBS Inc. Die Umbenennung in Paramount Global erfolgte im Februar 2022.

Basisdaten

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Hauptsitz:
1515 Broadway
New York, NY 10036
USA
Telefon: 001 212 2586000
Internet: ir.paramount.com

Branchen: Film, Fernsehsender (Free-TV, Pay-TV), Radio, TV-Produktion, Rechtehandel, Freizeitparks, Außenwerbung
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr:  1912 (Paramount Pictures), 1927 (CBS: zunächst Columbia Phonograph Broadcasting System, später Columbia Broadcasting System), 1971 (Viacom Inc.), 2019 (ViacomCBS), 2022 (Umbenennung in Paramount Global)

 

Ökonomische Basisdaten ViacomCBS Inc. (in Mio. $)

                                202120202019
Umsatz   28.58625.28526.998
Gewinn 4.5432.4223.308
Aktienkurs (in $, Jahresende)30,1837,2641,45
Mitarbeiter22.96522.10923.990

Historische ökonomische Basisdaten CBS Corp. (in Mio. $)

                                20182018201620152014
Umsatz   14.51413.69213.16612.67112.519
Gewinn 1.9603571.2611.4132.959
Aktienkurs (in $, Jahresende)36,9946,6661,1846,5946,31
Mitarbeiter12.77012.70015.55016.26017.310
Historische ökonomische Basisdaten Viacom (in Mio. $)
                                20182017201620152014
Umsatz12.94313.26312.48813.26813.783
Gewinn1.6881.8711.4361.9222.392
Aktienkurs (in $, Jahresende)27.8134,9038,5043,9975,50
Mitarbeiter10.40010.7509.3009.2009.900

Geschäftsführung

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Senior Management:

  • Robert Bakish, President & CEO
  • Naveen Chopra, Executive Vice President & Chief Financial Officer
  • Christa A. D'Alimonte, Executive Vice President, General Counsel and Secretary
  • Katherine Gill-Charest, Executive Vice President, Controller and Chief Accounting Officer
  • Richard M. Jones, Executive Vice President, General Tax Counsel, Chief Veteran Officer
  • DeDe Lea, Executive Vice President, Global Public Policy and Government Relations
  • Julia Phelps, Executive Vice President, Chief Communications and Corporate Marketing Officer
  • Nancy Phillips, Executive Vice President, Chief People Officer

 

Board of Directors:

  • Shari Redstone
  • Robert M. Bakish
  • Candace K. Beinecke
  • Barbara M. Byrne
  • Linda M. Griego
  • Robert N. Klieger
  • Judith McHale
  • Ronald Nelson
  • Charles E. Phillips, Jr.
  • Susan Schuman
  • Nicole Seligman
  • Frederick O. Terrell

Geschichte

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ViacomCBS: im Rückblick eine lange Geschichte von Abspaltung (1971) und Übernahme (des Mutterkonzerns durch die frühere Tochter, 2000), von split (2006) und re-merger (2019). Erst gab es CBS (Columbia Broadcasting System), die 1927 als United Independent Broadcasters gegründete Radiofirma, die zunächst der Columbia Phonograph gehörte, dann ab 1928 dem Zigarrenbaron Sam Paley. Mit dem Eintritt ins TV-Geschäft in den 1940er Jahren erhielt CBS wegen seiner hochklassigen Programme den Beinamen „The Tiffany Network“ und war in den 1950er und 60er Jahren lange Zeit die Nummer Eins unter den drei großen kommerziellen US-Fernsehnetworks (NBC, CBS, ABC). Trotz vieler Turbulenzen in der Führungsetage konnte CBS die Spitzenposition bis in die 70er Jahre halten, musste 1971 aber aus kartellrechtlichen Gründen die Filiale zur Inhalte-Syndication „CBS Films“ ausgliedern. Viacom entstand, das den Vertrieb der CBS-Programme übernahm.

Anschließend erwarb Viacom weitere TV- und Radiostationen und gründete 1976 den Pay-TV-Sender Showtime, der mit dem Warner Bros./Amex-Sender The Movie Channel zu Showtime Networks fusionierte (1985 übernahm Viacom auch Warners Anteile an Showtime). Im Paket miterworben wurde ein damals noch unbedeutender, kleiner Musikkanal namens MTV, der in den kommenden 25 Jahren die Musikindustrie und das Fernsehen überhaupt revolutionieren sollte.

1986 erschien Sumner Redstone (1923-2020) auf der Bildfläche. Früh erkannte er das Potenzial der Viacom-Beteiligungen und erwarb mit seinen National Amusements, Inc. (NAI), einer landesweiten Kinokette, rund 83 Prozent der Viacom-Anteile. Unter Redstones Führung ging Viacom auf Expansionskurs. 1990 wurde zunächst King Entertainment (Themenparks) aufgekauft. Es folgten 1994 für 8,4 Milliarden Dollar die Videovertriebskette Blockbuster und damit Anteile an der profilierten TV-Produktionsfirma Spelling Entertainment, und noch im gleichen Jahr, nach hartem Bieterkampf mit Barry Diller und einem von QVC geführten Konsortium, das Hollywood-Studio Paramount Pictures für 10 Milliarden Dollar. Nach der Paramount-Übernahme musste Viacom allerdings den hohen Investitionen Tribut zollen und zum Abbau des Schuldenberges Unternehmen abstoßen, darunter das Kabelnetz und eine Reihe von Radiostationen. Das fehlende Glied in der Verwertungskette war jetzt ein landesweites TV-Network. 1995 brachte Viacom gemeinsam mit Chris-Craft zunächst das United Paramount Network (UPN) auf Sendung, 1999/2000 übernahm Viacom die frühere Muttergesellschaft CBS.

Dieser Übernahme vorausgegangen war eine der größten Fusionen der amerikanischen Rundfunkgeschichte. Im August 1995 hatte der Elektrotechnik-Konzern Westinghouse CBS für 5,4 Milliarden Dollar übernommen. Danach beschloss Westinghouse-CEO Michael Jordan seinen Konzern neu aufzustellen: Aus Westinghouse sollte ein reiner Medienkonzern werden. Die Beteiligungen an Baufirmen von Atomkraftwerken, Turbinengeneratoren und Kühl-/Lüftungssystemen wurden verkauft, an die CBS-Radiovergangenheit anknüpfend erwarb Westinghouse mit der Infinity Broadcasting Corporation die führende Radiokette der USA (über 150 Sender, Kaufpreis: 4,9 Milliarden Dollar). Dazu investierte Jordan ins Kabelfernseh-Geschäft und akquirierte u.a. The Nashville Network und Country Music Television. 1997 wurde aus Westinghouse die CBS Corporation und die Zentrale des Konzerns zog um von Pittsburgh nach New York. Mit dem erwähnten, im Jahr 2000 abgeschlossenen, 37 Milliarden Dollar teuren Zusammenschluss mit der ehemaligen Tocher Viacom (unter Sumner Redstone) entstand der zum damaligen Zeitpunkt zweitgrößte Medienkonzern der Welt.

Allerdings ging die Rechnung nicht auf. Der Aktienkurs stagnierte, es gab Personalquerelen im höheren Management, eine erneute Spaltung wurde Mitte 2005 beschlossen und am 1. Januar 2006 vollzogen. Von da an gab es, unter dem Dach von National Amusements (der Redstone-Familie), wieder eine eigenständige CBS Corporation (CEO: Les Moonves; CBS, CW, Showtime Networks, CBS Radio, Simon & Schuster u.m.) und ein unabhängiges Viacom (CEO: Tom Freston; Paramount Pictures, MTV Networks u.m.).

Spätestens Anfang 2015 aber setzten sinkende Einschaltquoten, fallende Werbeeinnahmen und sich anbahnende Dispute mit Kabelnetzbetreibern Viacom unter Zugzwang. Man war, im Gegensatz zu TV-Marktführer CBS, in einer handfesten Krise. Bald wurde über eine weitere CBS/Viacom-Fusion spekuliert. Wobei sich v.a. Les Moonves, der langjährige Vorstands- und Aufsichtsratschef der CBS-Corporation und designierte Redstone-Nachfolger, gegen alle Fusionsgerüchte stemmte. Moonves allerdings war dann nach Vorwürfen sexueller Belästigung in einem Bericht im New Yorker (Juli 2018) und seinem Abgang bei CBS am 9.9.2018 „out of the picture”. Einer weiteren Fusion stand danach nichts mehr im Wege. ViacomCBS wurde gegründet, ein riesiger, traditioneller, vertikal integrierter Medienkonzern; ein premium content powerhouse. Variety schrieb von der „letzten Wendung in der Saga der Mediengiganten“. Aufsichtsratsvorsitzende der neuen ViacomCBS Inc. wurde Shari Redstone, bis dahin Vize-Vorstandsvorsitzende der beiden Einzelunternehmen und seit Jahren treibende Kraft hinter der Fusion. Spätestens zu dem Zeitpunkt wurde sie, so der Guardian, „eine wichtige Kraft im männerdominierten Hollywood.”.

Wie bei allen großen Konzernzusammenschlüssen zu dieser Zeit ging es auch darum, die eigene Position zu stärken vor dem Hintergrund der Streaming-Aufruhr von Netflix und den anderen, und dem daraus resultierenden millionenfachen Abgang von Kabelfernseh-Kunden ins Netz („cord-cutters“). Dazu Shari Redstone: „Mein Vater hat einmal gesagt: 'Content is King', und nie war das wahrer als heute. Durch die gemeinsame Leidenschaft von CBS und Viacom für Premium-Inhalte und Innovation werden wir ein Multiplattform-Medienunternehmen von Weltklasse schaffen, das für das Wachstum in einer sich schnell wandelnden Branche gut positioniert ist.” Man machte auch gleich klar: Der Katalog des neuen ViacomCBS wird 140.000 Serienepisoden und 3.600 Filmtitel umfassen. Außerdem würden 22 Prozent des gesamten US-Fernsehkonsums über Sender/Plattformen von ViacomCBS laufen. Deutlich vor Comcast (18%) und Disney (14%).

Management

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Sumner Redstone
Am 12. August 2020 wurde bekannt, dass Sumner Redstone, Viacom-Gründer und Medientycoon der alten Schule, am Tag zuvor im Alter von 97 Jahren gestorben war. Sumner Murray Redstone, geboren 1923 als Sumner Rothstein, hatte sich gerne als Verkörperung des amerikanischen Gründermythos' präsentiert. Sein Vater zog als Linoleum-Händler in Boston von Haus zu Haus, bis er sich entschloss, ein Drive-In-Kino zu betreiben und den Familiennamen von Rothstein in Redstone umwandelte. Der Sohn ging zunächst nach Harvard, absolvierte die Law School, arbeitete im Justizministerium, ließ sich zwischenzeitlich als Anwalt nieder, um schließlich doch den Familienbetrieb zu übernehmen – die Saat seines Medienimperiums. Es war seine Zähigkeit, so Redstone in seiner Autobiographie, die ihn während eines Hotelbrands aus dem Fenster hängend sein Überleben sicherte – dieselbe Zähigkeit, mit der er sich beim Aufbau seines Medienimperiums gegen alle Widerstände durchgesetzt hatte.

Shari Redstone
Shari Redstone ist Sumner Redstones Tochter, geboren 1954, und heute Chairperson, CEO und President von National Amusements, und so Paramount-Mehrheitsaktionärin (ca. 77,4 % der Anteile). Sie ist in mancher Hinsicht die Antithese zu ihren männlichen Kollegen in der Medienindustrie. Anstelle von Manhattan bevorzugt die Milliardärin die Bostoner Vorstadt. Wenn sie Football-Spiele der New England Patriots besucht, guckt sie das Spiel lieber alleine draußen im Stadion als gemeinsam mit Prominenten in der VIP-Box. Bei einer Oscar- oder Golden Globe-Verleihung war sie auch noch nie. Stattdessen zieht sie lieber im Hintergrund die Fäden, wie auch 2018, als starke Frau hinter dem mega-media merger.

Robert M. Bakish
Paramount President und Chief Executive Officer seit Dezember 2019. Zuvor, von 2016 bis 2019, war Bakish President und CEO von Viacom, wiederum zuvor von 2007 bis 2016 Chef der MTV Networks International.

Geschäftsfelder

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TV Entertainment
Das TV Entertainment-Segment betreibt das CBS Television Network, CBS Studios und CBS Media Ventures, die TV-Produktionsfirma. Und die streaming services Paramount+, CBSN, CBS Sports HQ und ET Live; das CBS Sports Network (college athletics) und 29 CBS Television Stations. Mit TV Entertainment wurden 2021 etwa 44 % des Gesamtumsatzes erzielt.

Cable Networks
Die wichtigsten Bezahl-Kabelkanäle sind SHOWTIME, The Movie Channel, Pluto TV und Flix, die kostenfreien Kabelnetzwerke sind BET (entertainment, music, news, digital and public affairs content for Black audiences), Nickelodeon, MTV, Comedy Central, Paramount Network, Smithsonian Channel, Pop TV, CMT, VH1, TV Land und Logo. Mit Cable Networks wurden 2021 etwa 47 % des Gesamtumsatzes erzielt.

Filmed Entertainment
Dieser Bereich betreibt mit Paramount Pictures eines der größten Hollywood-Studios. Außerdem dazu gehört ein Anteil in Höhe von 49 % an dem Filmstudio Miramax („Chicago“, „Der englische Patient“, „Pulp Fiction“, „No Country for Old Men“); die übrigen 51 % gehören der beIN Media Group (Katar). Mit Filmed Entertainment wurden 2021 etwa 9 % des Gesamtumsatzes erzielt.

Aktuelle Entwicklung

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Nachrichten aus der Buchbranche: Lange kontrollierte ViacomCBS mit Simon & Schuster einen der größten Buchverlage der Welt. Dann hieß es allerdings, das Verlagsgeschäft werde eingestellt, 2021 rechne man mit einem Abschluss. Am 25. November 2020 dann wurde bekannt, dass Penguin Random House die ViacomCBS-Verlagsgruppe übernehmen wird. Simon & Schuster wird für 2 Mrd. US-Dollar verkauft.

Der Bereich der Streaming-Dienste konnte 2021 deutlich wachsen. Die Zahl der Abonnenten stieg auf 56,1 Millionen, ein Anstieg von 88 % im Vergleich zum Vorjahr. CBS All Access wurde in Paramount+ umbenannt, verfügbar in den USA, in Kanada, in Australien und Großbritannien. Pluto TV, das werbefinanzierte Streaming-Angebot, übertraf 2021 die Umsatzmarke von 1 Mrd. US-Dollar und erreichte 64,4 Millionen monatlich aktive Nutzer, ein Anstieg von 49 % im Vergleich zum Vorjahr. Im Juni 2022 die News, dass man Paramount+ ab Ende des Jahres auch auf dem deutschsprachigen Streamingmarkt sehen kann, zum monatlichen Preis von 7,99 Euro. Neue Konkurrenz für Sky, Netflix, Amazon Prime Video, Disney+ und Apple TV+.