41. Nippon Hoso Kyokai

Umsatz 2021: JPY 690,000 Mrd. (€ 5,310 Mrd.)

Überblick

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1926 hervorgegangen aus einer Fusion von Rundfunkstationen aus Tokio, Nagoya und Osaka betreibt die japanische öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft Nippon Hoso Kyokai (NHK) diverse nationale und internationale Nachrichten- und Unterhaltungskanäle sowie Onlineportale und hat Korrespondentenbüros in 31 Ländern.

Basisdaten

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Hauptsitz:
NHK Broadcasting Center
2-2-1 Jinnan
Shibuya-ku
Tokyo 150-8001
Japan
Telefon: 0081 3 3465 1111
Website: www.nhk.or.jp/corporateinfo/index.html

Branchen: Fernsehen, Hörfunk, Online
Rechtsform:  Gemeinnützige Anstalt des öffentlichen Rechts
Geschäftsjahr: 01.04. - 31.03.
Gründungsjahr: 1926

Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mrd. ¥)*

2021 2020 2019 20182017 2016 2015

Erträge Gesamt**

690 716,4 724,7 716,8

701

683,1

654,9

 

 

 

 

* Das Geschäftsjahr dauert vom 01.04. bis zum 31.03 des Folgejahres. Das 2020er Budget betrifft also laut NHK die Zeit vom 01.04.2020 bis zum 31.03.2021.
** NHK finanziert sich zu mehr als 95 Prozent aus Rundfunkgebühren.

Geschäftsführung

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Management:

  • Terunobu Maeda, President
  • Satoru Masagaki, Executive Vice President
  • Chihiro Matsuzaka, Executive Director
  • Yuji Itano, Executive Director
  • Hideo Kado, Executive Director
  • Hisaaki Wakaizumi, Senior Director
  • Kazuyoshi Matsuzaki, Senior Director
  • Hideo Koike, Senior Director
  • Hiroaki Tanaka, Senior Director
  • Rie Hayashi, Senior Director

 

NHK Governors:

  • Shunzo Morishita, Hanshin Expressway
  • Koji Murata, Doshisha University
  • Nobuko Akashi, Japan Manners & Protocol
  • Yasushi, Shinshu University
  • Michiko Hasegawa, Saitama University
  • Seiji Isoyama, Kyushu Leasing
  • Eri Mizuo, Meijo University
  • Hiroshi Ozaki, Osaka Gas
  • Yoshihiro Sekihachi, The Hokkaido Bank
  • Masami Takahashi, Sompo Japan Nipponkoa Insurance
  • Hiromi Watanabe, Fukushima Yakult

 

 

Geschichte

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Das Rundfunkzeitalter begann in Japan am 22. März 1925, als die Rundfunkanstalt Tokio (Tokyo Hoso Kyoku) ihre erste Radiosendung ausstrahlte. Im Juni und Juli folgten die Rundfunkanstalten in Osaka und Nagoya. Am 20. August 1926 vereinigten sich die drei Sender zum „Shadan Hojin Nippon Hoso Kyokai“ (Gemeinnütziger Rundfunkverein Japans), abgekürzt NHK. Bis 1950 hatte NHK das Monopol für den öffentlichen Hörfunk im Inland und – ab 1. Juni 1935 – im Ausland. 1928 begann das NHK-Studio in Osaka eine Gymnastiksendung. Sie wurde ins landesweite Programm übernommen und ist als „Radio Taiso“ bis heute eine japanische Institution: In vielen Schulen, Fabriken und Parks begann der Tag mit der NHK-Morgengymnastik. Zeitansagen und Wetterberichte gab es seit 1928. 1931 wurde als Bildungsfunk ein zweites Programm eingerichtet, seit 1935 wurde Schulfunk gesendet. Das erste Programm konzentrierte sich seither auf Nachrichten, Kommentare, Börsenberichte, Sportübertragungen und Unterhaltungssendungen. 

Während des zweiten Weltkriegs wurde NHK das Hauptinstrument zur Verbreitung von Kriegspropaganda und Durchhalteparolen. Diese Phase endete mit der Übertragung der Kapitulationsansprache des Kaisers am 15. August 1945 – für die meisten Japaner die erste Gelegenheit, die Stimme des Tenno zu hören. Danach übernahm die amerikanische Besatzungsmacht die Kontrolle über den Staatssender. 1950 wurde das Rundfunkwesen auf eine neue Rechtsgrundlage gestellt. Das Rundfunkgesetz beseitigte das NHK-Monopol und sah die Zulassung von Privatsendern vor. Am 1. Juni 1950 konstituierte sich NHK unter Beibehaltung des alten Namens in seiner heutigen Rechtsform als gemeinnützige Rundfunkanstalt des öffentlichen Rechts. An die Stelle staatlicher Steuerung trat die Kontrolle durch das Parlament, das den vom Ministerpräsidenten berufenen Vorstand bestätigen und den Jahreshaushalt beschließen muss; der Vorstand wählt den NHK-Präsidenten aus seiner Mitte. 

1953 nahm NHK den Fernsehbetrieb auf, der ab 1960 schrittweise auf Farbe umgestellt wurde. 1959 richtete NHK neben dem allgemeinen Programm einen Bildungskanal ein, 1982 begann die Umstellung bestimmter Fernsehprogramme auf Stereo (Musiksendungen) und Zweisprachigkeit. Manche Nachrichtensendungen, Diskussionsprogramme oder ausländische Filme können seither per Knopfdruck alternativ auf Japanisch, Englisch oder in einer nicht-englischen Originalsprache gehört werden. Ab 1984 konnten Haushalte mit eigener Satellitenschüssel zunächst ein, ab 1986 zwei Satellitenprogramme von NHK empfangen, das Satellitenprogramm auf zwei Kanälen lief 1989 an. 1991 begann NHK damit, täglich mehrere Stunden in der selbst entwickelten „Hi-Vision“-Technik des hochauflösenden Fernsehens zu senden, 2015 wurde schließlich die analoge Ausstrahlung vollständig eingestellt. 

Ab 1995 war NHK auch in Amerika und Europa zu empfangen, ab 1998 auch in der asiatisch-pazifischen Region. Mit fünf Satelliten wird seitdem fast die ganze Welt abgedeckt. Das japanischsprachige Angebot wurde 1999 auf 24 Stunden täglich erweitert, das englischsprachige ist regional verschieden. Seit Februar 2009 strahlt NHK World ein 24-stündiges englischsprachiges Programm aus. Die Programme können gegen entsprechende Gebühren über lokale Kabelfernsehanbieter empfangen werden. Seit Dezember 2008 gibt es auch ein „NHK-on-demand“ Programm: Gegen eine zusätzliche Gebühr kann man auf eine Programm-Mediathek zugreifen. 

Die zwanzigjährige Wirtschaftskrise zwischen 1991 und 2011 (in Japan als „zwei verlorene Dekaden" bezeichnet) hatte auch für NHK Konsequenzen. Zunächst kam es zu einem Gebührenboykott, der bis Ende 2006 auf 1,12 Millionen Haushalte anstieg. Die Regierung erwägte sogar, das Nichtzahlen von Rundfunkgebühren unter Strafe zu stellen. Was nach langen öffentlichen Debatten allerdings auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Auch die zu große Nähe zur japanischen Regierung wird immer wieder kritisiert. Der damalige Regierungschef Shinzo Abe versuchte, den Sender auf seinen nationalistischen, revisionistischen Kurs zu trimmen und zu einem Propagandainstrument zu machen. Nach der Fukushima-Katastrophe 2011 beispielsweise ignorierte NHK in der 24-stündigen Berichterstattung nach dem Reaktorunfall systematisch Stimmen der japanischen Anti-AKW-Bewegung. 

Sehr umstritten war auch Katsuo Momii, NHK-Intendant von 2014 bis 2017, zuvor Top-Manager ohne besondere Ahnung von Journalismus. Er sorgte für Aufsehen mit seinen Äußerungen zur immer wieder aufflammenden Kontroverse um die sogenannten „Trostfrauen“, größtenteils junge Koreanerinnen, die während des Krieges zu Zehntausenden in japanische Frontbordelle verschleppt und zur Prostitution gezwungen wurden. „Trostfrauen", so Momii, seien ja auch in anderen Ländern zum Einsatz gekommen und die internationale Diskussion darüber sei für ihn schleierhaft. Seine Amtszeit wurde 2017 vom Aufsichtsrat nicht verlängert, obwohl er sich darum bemüht hatte. 

Im Januar 2017 übernahm Ryoichi Ueda den Posten des NHK-Intendanten. Doch auch seine Amtszeit wurde von einem Skandal überschattet. Nachdem ein Beitrag über den betrügerischen Verkauf von Lebensversicherungen an ältere japanische Bürger durch die japanische Post ausgestrahlt wurde, beschwerte sich ein hochrangiger Manager beim NHK-Aufsichtsrat – und das erfolgreich. Ueda, der auf redaktionelle Unabhängigkeit pochte, wurde vom Gremium gerügt. 2020 wurde er durch Terunobu Maeda ersetzt.

Management

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Der seit Anfang 2020 amtierende NHK-Präsident Terunobu Maeda hat sich vorgenommen, die Anstalt von Grund auf zu reformieren, sowohl was die Gebühren als auch die innere Organisation betrifft. Zu seinen ersten Amtshandlungen gehörte ein 30-prozentiger Stellenabbau im oberen Management, um sinkende Gebühren und die stark schrumpfende Anzahl von gebührenzahlenden Haushalten auszugleichen, die Japans demographischer Krise geschuldet ist. Zudem soll sich NHK nach Jahren der Unruhe wieder als neutrale, regierungsunabhängige vierte Gewalt etablieren. Ob Maeda das gelingt, bleibt abzuwarten: Als Mitglied der "Shiki no Kai"-Vereinigung gehört er einem elitären Zirkel von Managern an, die dem ehemaligen Premierminister Shinzo Abe und seiner konservativen LDP-Partei nahestehen.

Geschäftsfelder

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NHK ist ähnlich wie das ZDF zentral organisiert. Am Hauptsitz Tokio wurden auch die zwei sendereigenen Forschungsinstitute für Rundfunktechnologie und Kultur errichtet. Außerhalb Tokios unterhält NHK 54 eigene Studios, mindestens eins in jeder Provinz. Im Ausland ist NHK mit vier Hauptstudios für Amerika (in New York), Europa (in Paris), Asien (in Bangkok) und China (in Peking) sowie 31 Studios und Korrespondentenbüros vertreten. Neben dem Vorstand sorgt eine Reihe von Beratungsgremien dafür, dass NHK seine gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben erfüllt. Ein zentraler Programmbeirat und acht regionale Programmbeiräte mit bis zu zwanzig Mitgliedern aus allen Gesellschaftsbereichen sollen die Ausgewogenheit und Unvoreingenommenheit der Sendungen überwachen

TV/Radio 

NHK strahlt im Inland sechs Fernseh- (General TV, Educational TV, plus die Satellitenprogramme BS 1, BS Premium, BS4K, BS8K) sowie drei Hörfunkprogramme aus. Beim Hörfunk gibt es die Aufteilung in Allgemeines Programm („Daiichi Hoso“/Radio 1) und Bildungsfunk („Daini Hoso“/Radio 2). Radio 2 sendet auch Nachrichten auf Englisch, Koreanisch, Chinesisch und Portugiesisch für in Japan lebende Ausländer. Hinzu kommt das UKW-Programm („FM Hoso“). Ins Ausland sendet NHK die Fernsehprogramme NHK World Premium (in japanischer Sprache) und NHK World TV (in Englisch). Im Hörfunk wird als internationales Programm das NHK World Radio Japan in 18 Sprachen ausgestrahlt. 

Sonstige 

NHK hat einen Teil seiner Aktivitäten in 100-prozentige Tochterunternehmen ausgelagert: NHK Service Center, NHK International, NHK Engineering Service, NHK Hoso Kenshu Center (NHK Rundfunkausbildungszentrum), Nippon Hoso Kyokai Gakuen (NHK-Fernunterricht), NHK Kokyo Gakudan (NHK-Symphonieorchester), NHK Kosei Bunka Jigyodan (Sonderprogramme für Behinderte und Senioren). Für die Programmplanung und -produktion sowie den Vertrieb von NHK-Produkten sind weitere 15 mehrheitliche NHK-Töchter zuständig. 

In Bezug auf das Gebührenaufkommen ist NHK hinter ARD und BBC die drittgrößte öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt der Welt. Im Vergleich zur ARD muss sie allerdings mit weniger als der Hälfte des Personals auskommen und hat einen etwa doppelt so hohen Marktanteil beim inländischen Fernsehen (rund 30 % oder etwa so viel wie ARD und ZDF zusammen). Anders als die deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist das gesamte NHK-Programm weiterhin frei von kommerzieller Werbung.

Engagement in Deutschland/Europa

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NHK ist außerordentliches Mitglied der European Broadcasting Union (EBU), unterhält Fernsehstudios in London, Paris, Berlin und Moskau sowie ein Korrespondentenbüro in Brüssel. Vom Berliner Büro aus wird die Berichterstattung aus Deutschland, Österreich und Ost- und Südosteuropa, inklusive Balkan, abgedeckt. Der NHK-Satellitenkanal BS1 strahlt regelmäßig Nachrichten der europäischen Sender ZDF, ARD, BBC, ITN, F2, RTR und TVE aus. Mit der Deutschen Welle bestand bis 2000 eine personelle Zusammenarbeit, die aber von deutscher Seite als Sparmaßnahme aufgekündigt wurde.

Aktuelle Entwicklung

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Die Corona-Krise hat nochmals den Druck auf NHK verstärkt, die dritte Gebührenkürzung in der Geschichte der Anstalt durchzusetzen. Japans Kommunikationsminister Ryota Takeda hatte zuvor gefordert, die Gebührenzahler müssten auch wegen den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie entlastet werden. Bis 2023 werden die Abgaben deshalb um rund 10 Prozent sinken, allerdings auch ein Loch von umgerechnet rund 600 Millionen Euro in den Haushalt reißen. Auch in anderen Bereichen muss die Anstalt den Gürtel enger schnallen. So hat die Regierung festgelegt, dass NHK für den Ausbau seines Online-Angebots sowie für die Berichterstattung über Olympia in Tokio jeweils höchstens 2,5 Prozent der Gebühren verwenden darf.

Derweil reißt die Kritik an vermeintlicher Nähe zur Regierung nicht ab. Während einer Übertragung des traditionellen Fackellaufs im Vorfeld der in Japan kontrovers diskutierten Olympischen Spiele, stellte NHK auf einmal den Ton aus, als Demonstranten im Hintergrund ihren Unmut über die Spiele kundtaten. Laut Stellungnahme von NHK tat man dies angeblich nicht, um die kritischen Stimmen mundtot zu machen, sondern aus Respekt vor den Fackelläufern.

Literatur

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Susan J. Pharr/Ellis S. Krauss (Hrsg.): Media and Politics in Japan, 1996.
Ellis S. Krauss: Broadcasting Politics in Japan. NHK Television News, 2000.
David McNeill/Lucy Birmingham: Strong in the Rain. Surviving Japan's Earthquake, Tsunami, and Fukushima Nuclear Disaster, 2012.