3. Comcast Corporation

Umsatz 2021: $ 116,385 Mrd. (€ 98,400 Mrd.)

Überblick

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Seit der Gründung 1963 ist aus einer kleinen Kabelfernseh-Firma ein kolossaler Medienkonzern geworden, zeitweise (2011-2015) der größte der Welt. Heute ist Comcast vor Charter und AT&T der US-weit größte Anbieter von Kabel-TV. Weiter gehören drei Hollywood-Studios zum Portfolio, TV-Senderketten, News- und Entertainment-Sender, Themenparks, eine Mehrzweckarena und das Eishockey-Team der Philadelphia Flyers.

Basisdaten

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Hauptsitze:
Comcast Corporation
One Comcast Center
Philadelphia, PA 19102-2148
USA
Telefon: 001 215 286 1700
Website: corporate.comcast.com

NBCUniversal Media, LLC
30 Rockefeller Plaza
New York, NY 10112-0015
USA
Telefon: 001 212 664 4444
Website: www.nbcuniversal.com/about

Branchen: Film- und TV Produktion, Pay-TV, Spartenkanäle, Kabelnetze, Telekommunikation, Internet-Services, Freizeitparks, Hotels
Rechtsform: Aktiengesellschaft (seit 1972)
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1969

 

Ökonomische Basisdaten
20212020201920182017201620152014
Umsatz (in Mrd. $)116,4103,6108,994,585,0380,774,568,8
Gewinn (in Mrd. $)14,210,513,111,722,78,78,28,4
Aktienkurs (in $, Jahresende)50,3352,4045,0135,8140,0534,5328,2228,67
Beschäftigte189.000168.000190.000184.000164.000159.000153.000139.000
Umsatz nach Sparten (in Mrd. $)Umsatz nacch Sparten
202120202019
Cable Communications64,360,158,1
Media22,82121,8
Studios9,45,36,5
Theme Parks5,11,85,9
Sky20,318,619,2

Geschäftsführung

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Management:

  • Brian L. Roberts, Chairman and CEO, Comcast Corporation
  • Jason S. Armstrong, Executive Vice President & Treasurer
  • Lisa Bonnell, Executive Vice President, Comcast Global Audit & General Auditor
  • Karen Dougherty Buchholz, Executive Vice President, Administration 
  • Steve Burke, Senior Advisor
  • Michael J. Cavanagh, Chief Financial Officer
  • David L. Cohen, Senior Advisor
  • Jennifer Khoury, Executive Vice President & Chief Communications Officer
  • Adam Miller, Chief Administration Officer, Comcast Corporation and Executive Vice President, NBCUniversal
  • Daniel C. Murdock, Executive Vice President, Chief Accounting Officer & Controller
  • Thomas J. Reid, Chief Legal Officer and Secretary
  • Jeff Shell, Chief Executive Officer, NBCUniversal
  • Dana Strong, Group Chief Executive, Sky
  • David N. Watson, President and CEO, Comcast Cable
  • Dalila Wilson-Scott, Executive Vice President and Chief Diversity Officer, Comcast Corporation & President, Comcast NBCUniversal Foundation

Aufsichtsrat:

  • Kenneth J. Bacon
  • Edward D. Breen
  • Maritza G. Montiel
  • Brian L. Roberts
  • Madeline S. Bell
  • Gerald L. Hassell
  • Asuka Nakahara
  • Naomi M. Bergman
  • Jeffrey A. Honickman
  • David C. Novak

Geschichte

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1963 kaufte Ralph J. Roberts mit zwei Kompagnons für 500.000 Dollar den TV-Kabelnetzanbieter American Cable Systems, mit 1.200 Kunden im Raum Tupelo/Mississippi. 1969 benannte Roberts sein Unternehmen in Comcast um („COMmunication“/„broadCAST“). Mit dem Kauf regionaler Kabelnetze (1986 Group W Cable, 1988 Storer Communications) erhöhte sich die Zahl der Abonnenten auf über zwei Millionen. 1981 war Ralph J. Roberts Sohn Brian (geb. 1959) als Kabelinstallateur ins Unternehmen eingestiegen, 1990 dann der Anfang vom Generationswechsel: Brian Roberts kam als Comcast-President ans Ruder. 1995 sicherte sich Comcast durch ein 1,4-Milliarden-Geschäft gemeinsam mit TCI 57 Prozent der Anteile am Teleshopping-Sender QVC (den man 2003 an Liberty Media weiterverkaufte), 1997 erfolgte, als Joint Venture mit Disney, die Übernahme einer Kontrollmehrheit am Showbiz-Kanal E! Entertainment: Die Diversifizierung in Richtung Programmproduktion wurde forciert.

Firmengründer Ralph Roberts erschien zu der Zeit noch täglich am Firmensitz, was von der Branche skeptisch beäugt wurde. Mit dem Übertrag der Stimmrechtsaktien Ende 1997 galt der Wachwechsel an der Firmenspitze jedoch als vollzogen. Beobachter sprachen von einem reibungslosen Generationentransfer – trotz des enormen innerfamiliären Konfliktpotenzials, das Transaktionen dieser Größe bergen.

1999 kam es zum Wettstreit um den Kabelrivalen MediaOne, der damaligen Nummer vier im Geschäft. Ende März verkündete Comcast schon die Fusion mit MediaOne, als AT&T mit einer 58-Milliarden-Gegenofferte auftauchte. Schließlich musste Comcast den Plan aufgeben, konnte aber im Gegenzug zwei Millionen Kabelhaushalte von AT&T für rund neun Milliarden US-Dollar übernehmen. Weitere Kabel-Zukäufe (Auswahl): Maclean Hunter (mit 550.000 Kunden) 1994, E.W. Scripps (800.000) 1995, Jones Intercable (1 Mio.) 1998, Prime Communications (430.000) 1998, Greater Philadelphia Cablevision (79.999) 1999, Lenfest Communications (1,3 Mio.) 2000.

2001 bot sich Comcast die Gelegenheit zur Revanche für den gescheiterten MediaOne-Deal, als AT&T den Verkauf seines Kabelgeschäfts ankündigte – ein Geschäftsbereich, der erst 1999 mit dem Kauf von Tele-Communications Inc. entstanden war, dem zu der Zeit (nach Time Warner) US-weit zweitgrößen Kabelfernseh-Anbieter. AT&T-Chef Michael Armstrong investierte 100 Milliarden in die Kabelnetze, bis die Investoren die Geduld verloren und der Aktienkurs unter Druck geriet. 2001 gab der überschuldete Telefonriese bekannt, seine Kabelsparte abstoßen zu wollen: Ein hitziges Bietergefecht begann. Neben Comcast bewarben sich AOL Time Warner und Cox Communications um AT&T Broadband und seine damals über 13 Millionen Kunden. Am Ende gewann Comcast, mit einem mächtigen Verbündeten. Microsoft half mit einem Milliardenbetrag aus, vor allem um einen Sieg von Time Warner zu verhindern, dem Erzrivalen im Breitband-Business. Für 47 Milliarden Dollar (und der Übernahme von 25 Milliarden Schulden) erhielt Comcast kurz vor Weihnachten 2001 den Zuschlag. Und wurde mit insgesamt 21,4 Millionen Kabelkunden zum größten Anbieter der USA. 2004 dann fasste Brian Roberts den riskanten Plan einer feindlichen Übernahme des Disney-Konzerns. Die 66 Milliarden-Offerte wurde aber weder von den Disney-Eignern noch den Comcast-Aktionären gebilligt, im April musste Roberts kapitulieren. Ein Jahr danach konnte er doch eine Großfusion unter Dach und Fach bringen. Gemeinsam mit Time Warner kaufte Comcast im April 2005 Adelphia, die bankrotte Nummer Fünf der US-amerikanischen Kabelbranche. Und gewann weitere 1,8 Millionen Kunden dazu.

Der große Coup gelang Brian Roberts aber mit der Übernahme von NBCUniversal. 2009 verkündeten Comcast und der NBCUniversal-Mutterkonzern General Electric den Plan, im Januar 2011 gab die Regulierungsbehörde FCC grünes Licht für den 13,8 Milliarden-Deal und Comcast gewann 13 Kabelsender, drei Nachrichtenkanäle, fünf Sportsender, vier Themenparks (Hollywood, Florida, Japan, Singapur) und ein Hollywood-Studio dazu. Und nicht irgendeins. Universal Pictures, gegründet vom Württemberger Immigranten Carl Laemmle (1867-1939), ist das weltweit fünftälteste Filmstudio, und das älteste der Hollywood-„Big Five“: Universal, Columbia (Teil von Sony Pictures), Walt Disney, Warner (AT&T), Paramount (ViacomCBS). Zu Beginn der Filmgeschichte hatte Laemmle um 1910 das Star-System erfunden und mit der Universal Film Manufacturing Company ein vertikal integriertes Major-Studio entwickelt. Filmproduktion, Vertrieb und Vorführung in eigenen Kinos aus einer Hand: zentrales Element des Studio-Systems im „goldenen Hollywood-Zeitalter“. Universal spezialisierte sich anfangs auf Horrorfilme und drehte mit „Frankenstein“, „Dracula“, „Die Mumie“ und „Das Phantom der Oper“ Klassiker der Filmgeschichte.

Eine Reihe von Mediengruppen (MCA, Matsushita, Seagram, Vivendi) kauften und verkauften dann die Universal Studios und Themenparks, bis sie 2004 beim Mischkonzern General Electric landeten. GE gehörte auch die National Broadcasting Company (NBC), einer der großen drei kommerziellen, US-weiten TV-Networks neben ABC (heute Teil von Disney) und CBS (heute ViacomCBS) aus der Anfangszeit des Fernsehens in den 1940ern. Unter dem Dach von GE entstand so das Super-Konglomerat mit dem Namen NBCUniversal, mit der Zentrale im 70-stöckigen GE Building (zuvor RCA Building) in der Mitte des Rockefeller Center-Komplexes an der New Yorker 5th Avenue. 2011 dann kam Brian Roberts, kaufte NBCUniversal und aus dem GE Building wurde das Comcast Building.

In der Folge scheiterte Comcast 2015 mit dem Versuch, die zweitgrößte US-Kabelfirma Time Warner Cable für 45,2 Milliarden Dollar zu übernehmen. Das Justizministerium legte Widerspruch ein, der Deal wurde abgesagt. Dafür hatte Charter Communications einen Monat später für 78,7 Milliarden Dollar Erfolg. Auch die im November 2017 angekündigte Übernahme von 21st Century Fox ließ Comcast bald fallen. „We never got the level of engagement needed to make a definitive offer.” Hier konnte Disney bekanntermaßen zuschlagen, für 71,3 Milliarden Dollar. Im Gegenzug war Brian Roberts erfolgreich beim Kauf von DreamWorks Animation im April 2016 (für 3,8 Mrd.) und bei den Ankäufen des britischen Pay-TV-Konzerns Sky im September 2018 (wo er sich in der letzten Auktionsrunde gegen 21st Century Fox durchsetzen konnte, für 30 Milliarden britische Pfund) und des amerikanischen Over-the-Top-Internet-Fernsehens Xumo im Februar 2020.

Management

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Comcast-CEO Brian Roberts (geb. 1959) ist wie der Vater, der 2015 im Alter von 95 Jahren verstorbene Firmengründer Ralph Roberts, ein „old-fashioned cable guy“. Milliardär, in erster Ehe verheiratet, drei Kinder, gilt er als weniger exaltiert als die meisten anderen superreichen Kabelbarone, als einer, der im Hintergrund agiert. 1981 war er als Kabelinstallateur im Unternehmen eingestiegen, bis Ende der 1990er hatte sich der reibungslose Generationentransfer vollzogen. Brian Roberts hält heute 33% der stimmberechtigten „Class B“-Aktien und ist sozusagen CEO auf Lebenszeit. In der Comcast-Unternehmensverfassung findet sich die Bestimmung: „Mr. Brian L. Roberts soll zum Vorstandsvorsitzenden ernannt werden, falls er es möchte und solange er dazu in der Lage ist.“ Keine Rede von der im Normalfall üblichen Entlastung von Top-Managern auf Hauptversammlungen. Das Technologie-Magazin Wired bezeichnete ihn als „Dark Lord of Broadband“.

Comcast gilt als ausgesprochen arbeitnehmerfeindliches Unternehmen. Auf der einen Seite kämpft der Konzern gegen eine gewerkschaftliche Organisation seiner Mitarbeiter, gleichzeitig verdiente der Chef Brian Roberts 2017 beispielsweise mit 36 Millionen US-Dollar etwa eintausendmal so viel wie ein durchschnittlicher Comcast-Angestellter. Keine Überraschung, dass sich Comcast 2018 etwa auf Platz 15 unter „Amerikas meistgehassten Unternehmen“ (laut 24/7 Wall St.) fand.

Geschäftsfelder

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Unter Comcast Cable bzw. der Xfinity-Marke, dem mit einem Anteil von 53 Prozent 2021 mit Abstand profitabelsten Comcast-Geschäftssegment, finden sich sämtliche Aktivitäten des US-weit größten Kabelfernsehanbieters. Umsatz 2021: 64,3 Mrd. $.

NBCUniversal ist wiederum in drei „berichtspflichtige Segmente“ aufgeteilt. Media besteht im Wesentlichen aus den Fernseh- und Streamingplattformen des Konzerns. D.h. News-Kanäle (CNBC, MSNBC), Entertainment- (darunter USA Network, E!, Syfy, Bravo, Oxygen, Universal Kids) und Sport-Sender (NBC Sports, The Olympic Channel, Golf Channel). Und den landesweit empfangbaren Networks von NBC, dem spanischsprachigen Telemundo (Miami, Florida), und Peacock (Video-on-demand). Studios sind NBCUniversals Filmproduktion und -vertrieb. Die Filmstudios Universal Pictures, Illumination, DreamWorks Animation, Focus Features und Working Title entwickeln, produzieren, erwerben, vermarkten und vertreiben Filme weltweit. Theme Parks schließlich bezieht sich auf die Standorte in Orlando (Florida), Hollywood, Osaka (Japan) und Peking (China). Umsatz 2021: 34,3 Mrd. $.

Sky umfasst die Geschäfte der 1989 von Rupert Murdoch als „UK’s first satellite TV service“ gegründeten Sky plc, die Comcast im September 2018 übernommen hat. Umsatz 2021: 20,3 Mrd. $.

Other business interests sind die unter „Comcast Spectacor“ zusammengefassten Vermögenswerte der „Philadelphia Flyers“ (NHL-Eishockeyteam) und der „Wells Fargo Center“-Multifunktionsarena in Philadelphia.

Aktuelle Entwicklung

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„Cut the cord“ – Zerschneide das Kabel. Seit Jahren ist die US-Fernsehindustrie im Umbruch. Das klassische bezahlte TV der US-Kabelriesen (also vor allem Comcast und Charter) ist zwar noch immer die Regel, doch zunehmend auf dem Rückmarsch. Besonders die Jüngeren nutzen Streamingdienste auf ihren Laptops und Smartphones. Im Gesamtjahr 2019 beispielweise kündigten 733.000 Abonnenten bei Comcast Xfinity, 2.132 pro Tag. Das Comcast-Kabelgeschäft schrumpft also v.a. wegen der „Cord Cutting Revolution“. Dazu habe die Pandemie den Zuschauerwechsel noch verstärkt, so Jeff Shell, CEO von NBCUniversal, bei der Vorstellung der Comcast-Geschäftszahlen des zweiten Quartals 2020.

Was blieb Comcast anderes übrig, als einen eigenen Streaming-Dienst aufzubauen. „Peacock“ (der „Pfau“, der auf das Logo von NBC verweist) ging am 15. Juli 2020 in den USA auf Sendung. Zunächst mit Erfolg, auch wenn es allein in den USA inzwischen mehr als 300 Videoplattformen gibt. Ende Januar 2021 hatte Peacock 33 Millionen Abonnenten und war im vierten Quartal 2021 dann auch in weiten Teilen Europas empfangbar, mit etwas Verspätung Ende Januar 2022 in Deutschland und Österreich. Mit einem umfangreichen Katalog von aktuellen und älteren Produktionen, Hunderten von Filmen der Hollywood-Studios Universal und Focus, mit allem, was es jemals beim Network NBC und der spanischsprachigen Tochterfirma Telemundo zu sehen gab, Sport aus allen Disziplinen, Nachrichten, Late-Night-Shows. Rund 20.000 Stunden Programm.

Zwar war Peacock nun empfangbar, muss sich aber vor allem gegenüber dem etablierteren Angebot von Netflix, Disney plus, Apple TV plus, Amazon Prime Video und HBO Max durchsetzen. Und zwar wurde die Lizensierung der eigenen Produktionen an Dritte natürlich eingestellt, doch müssen sich alle in dem zunehmend fragmentierten Markt um Inhalte bemühen. Genau deshalb plant Comcast jetzt, zwei Milliarden Dollar in Peacock zu investieren. Sicher das meiste in Neuproduktionen.

Weiterführende Literatur

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  • Christopher Williams: The Battle for Sky: The Murdochs, Disney, Comcast and the Future of Entertainment. London: Bloomsbury Business; 2019
  • William Novak: An Incredible Dream: Ralph Roberts and the Story of Comcast (2012)
  • Michelle Hilmes (Hrsg.): NBC: America’s Network. University of California Press (2007)
  • Clive Hirshhorn: The Universal Story: The Complete History of the Studio and All Its Film. London: Hamlyn (2001)