9. Charter Communications Inc.

Umsatz 2021: $ 51,682 Mrd. (€ 43,700 Mrd.)

Überblick

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Charter Communications ist mit 32 Millionen Abonnenten, darunter rund 15 Millionen TV-Kunden in 41 US-Staaten der zweitgrößte Kabelnetzbetreiber der USA, nach Marktführer Comcast (34,2 Mio. Abonnenten, Stand: Ende 2021). Unter der Spectrum-Marke bietet Charter den Abonnenten auch Nachrichten, Sport- und high-quality Originalprogramme.

Basisdaten

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Hauptsitz:  
400 Atlantic Street
Stamford, Connecticut 06901
USA
Telefon: 001 203 9057801
Internet: ir.charter.com

Branchen: Kabelnetze, Internet-Services, Video-on-Demand
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1993

Ökonomische Basisdaten (in Mio. US-$)
202120202019201820172016

Umsatz

51.68048.10045.75643.62041.58129.003
Gewinn4.6543.2222.2511.6329.8953.522
Aktienkurs (in $, Jahresende)651,97661,55494,47310,40350,88287,92
Beschäftigte93.70096.10095.10098.00094.80091.500

 

Geschäftsführung

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Management:

  • Thomas M. Rutledge, Chairman and Chief Executive Officer
  • John Bickham, Vice Chairman
  • Thomas E. Adams, Special Advisor
  • Bill Archer, Executive Vice President, President of Spectrum Enterprise
  • Michael Bair, Executive Vice President, Spectrum Networks
  • Cameron Blanchard, Senior Vice President, Communications
  • Catherine C. Bohigian, Executive Vice President, Government Affairs
  • Rhonda Nesmith Crichlow, Senior Vice President, Chief Diversity Officer
  • Richard J. DiGeronimo, Chief Product and Technology Officer
  • Richard Dykhouse, Executive Vice President, General Counsel and Corporate Secretary
  • David G. Ellen, Senior Executive Vice President
  • Jessica Fischer, Chief Financial Officer
  • Cliff Hagan, Special Advisor
  • Jonathan Hargis, Executive Vice President and Chief Marketing Officer
  • Kevin D. Howard, Executive Vice President, Chief Accouting Officer and Controller
  • David Kline, Executive Vice President, President Spectrum Reach
  • Paul Marchand, Executive Vice President, Chief Human Resources Officer
  • Stephanie Mitchko-Beale, Executive Vice President, Chief Technology Officer
  • Tom Monaghan, Executive Vice President, Field Operations
  • Tom Montemagno, Executive Vice President, Programming Acquisition
  • James Nuzzo, Executive Vice President, Business Planning
  • Jake Perlman, Executive Vice President, Software Development & IT
  • Sharon Peters, Executive Vice President, Chief Marketing Officer
  • Adam Ray, Executive Vice President, Multi-Dwelling Unit Markets
  • Jodi Robinson, Executive Vice President, Digital Platforms
  • Christian Ruiz, Executive Vice President, Sales
  • Magesh Srinivasan, Executive Vice President, Network Operations
  • Christopher L. Winfrey, Chief Financial Officer

Aufsichtsrat

  • Thomas Rutledge, Charter Communications
  • W. Lance Conn, President of Vulcan Capital from 2004 to 2009
  • Kim C. Goodman, President, Payments and Risk Solutions of Fiserv, Inc.
  • Craig A. Jacobson, Hansen, Jacobson, Teller, Hoberman, Newman, Warren, Richman, Rush and Kaller L.L.P
  • Gregory B. Maffei, Liberty Media Corporation
  • John C. Malone, Liberty Media Corporation
  • John D. Markley, Jr., Bear Creek Capital Management
  • David C. Merritt, private investor and consultant
  • James E. Meyer, Chief Executive Officer of Sirius XM Holdings Inc. from December 2012 until his retirement on December 31, 2020
  • Steve A. Miron, Chief Executive Officer of Advance/Newhouse Partnership, senior executive officer at Advance
  • Balan Nair, Liberty Global
  • Michael A. Newhouse, Advance/Newhouse Companies
  • Mauricio Ramos, Millicom International Cellular
  • Eric L. Zinterhofer, Searchlight Capital Partners

Geschichte

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Charter Communications (CC) startete 1993 als lokaler Kabelnetzbetreiber in St. Louis (Missouri), übernahm Gaylord Entertainment Co. aus Nashville (Tennessee) und stieg schnell zum zehntgrößten Kabelkonzern der USA auf. 1998 übernahm Paul G. Allen, Microsoft-Mitbegründer und zeitweise Drittreichster der Welt, für 4,5 Milliarden Dollar einen Mehrheitsanteil an Charter. Allen hatte sich krankheitsbedingt 1983 aus dem operativen Geschäft bei Microsoft zurückgezogen und begonnen, nach dem Teilverkauf seiner Microsoft-Anteile in verschiedene New Media-Firmen zu investieren. Nachdem 1993 sein Versuch gescheitert war, den damaligen „Narrowband"-Branchenführer AOL zu übernehmen, richtete er Mitte der 1990er Jahre sein Augenmerk auf das Kabelnetz, um im Breitband-Segment Marktführer zu werden. Die Vision dahinter: der Aufbau einer „verkabelten Welt" („Wired World"), um allen Menschen über PC und Breitbandkabel eine neue, interaktive Informations- und Unterhaltungswelt zu bieten.

Der Aufstieg von CC vollzog sich rasant. 1999 ging die Firma an die Börse, wurde 2001 in den Nasdaq 100-Index aufgenommen und galt als Aufsteiger des Jahres in der Technologiebranche. 1999 und 2000 expandierte das Unternehmen, als es weitere lokale Kabelnetzbetreiber übernahm. Mit dem Zusammenbruch der New Economy aber kamen die Probleme. Zeitweise belief sich der Charter-Schuldenstand auf knapp 20 Milliarden Dollar; 2002 und 2003 kamen erhebliche Verluste dazu. Um diese aufzufangen, bot Chairman Paul Allen aus seinem Privatvermögen 300 Millionen Dollar als Darlehen an und tauschte die komplette Führungsebene aus. Auch Carl A. Vogel musste gehen, Präsident und Chief Executive von 2001-2004, in dessen Amtszeit CC geschätzte 800.000 Kunden verloren hatte.

Nur die Unterstützung von Großbanken rettete den Konzern vor dem endgültigen Bankrott. Allerdings reichten sowohl ein Kredit über acht Milliarden Dollar Anfang 2004 als auch Restrukturierungsmaßnahmen nicht aus, um Charter in die Gewinnzone zu bringen. Das Unternehmen verstärkte seine Konsolidierungsbemühungen, von einem neuen Marketingkonzept erwartete die Firmenspitze positive Akzente. Doch lediglich bei Highspeed-Internet-Anschlüssen und Internettelefonie verzeichnete das Unternehmen Zuwächse. Die enormen Investitionen in die Verbesserung des Kabelnetzes aber brachten erst langfristig Gewinn.

Dazu kam ein Konflikt mit den großen Hollywood-Studios 2004/2005, die sich von den Netzbetreibern in Sachen Filmrechte-Vermarktung im Kabel das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen wollten. So starteten 2004 die ersten Klagewellen der Motion Picture Association of America (MPAA) gegen die Nutzer von Filmtauschbörsen. Die Gerichte urteilten aber, dass allein Verdachtsmomente keinen Zwang für einen Internet Provider bedeuteten, die Daten von Nutzern herauszugeben. Damit konnte Charter nicht für eventuelle Copyright-Verstöße seiner Nutzer verantwortlich gemacht werden. Trotzdem: 2006 verlor die Aktie innerhalb von 11 Monaten 90 Prozent ihres Wertes.

Am 27. März 2009 schließlich musste Charter nach „Chapter 11“ des US-Insolvenzrechts (unter Gläubigerschutz) Konkurs erklären und konnte sich so reorganisieren. 21,7 Milliarden US-Dollar Schulden aber konnten aus den bestehenden Geschäften nicht mehr refinanziert werden. Ein Restrukturierungsplan sah dann vor, Schulden in der Höhe von acht Milliarden Dollar in Aktien umzuwandeln. Damit war das Konkursverfahren beendet und CC wieder handlungsfähig. In den folgenden Jahren konnte sich Charter nach der Übernahme von Kabelnetzen in mehreren US-Staaten breiter aufstellen.

2013 bündelte CC unter dem neuen Brand „Spectrum“ seine Video-, Telefonie- und Breitbandangebote, im selben Jahr übernahm Charter für 1,63 Milliarden Dollar den regionalen Kabel-TV-Anbieter Optimum West (mit 360.000 Kunden) von Cablevision. Der wohl wichtigste Faktor zur Stabilisierung der Charter-Geschäfte war der Einstieg von John Malone, genannte der „Kabelbaron“, der 27,3 Prozent der Anteile übernahm und diese später in seine Holding Liberty Broadband Corporation überführte (auf Platz 17 des aktuellen IfM-Rankings). Malone war dann die treibende Kraft hinter der 67-Milliarden-Übernahme von Time Warner Cable (TWC). Charter, viertgrößter US-Kabelkonzern, kaufte im April 2016 die Nummer zwei der Branche und mit Bright House Networks noch einen kleineren Anbieter dazu, für weitere 10,4 Milliarden Dollar. Insgesamt kam Charter so auf rund 24 Millionen Kunden in 41 US-Staaten – ein Kabelgigant war entstanden.

2018 gab es einen Konflikt mit der „New York Public Service Commission“ (NYPSC), die gegen CC eine Geldbuße von 2 Millionen Dollar verhängte. Der Kabelbetreiber war der Verpflichtung nicht nachgekommen, das Breitbandangebot auszuweiten, für 145.000 unterversorgte Wohneinheiten in New York. Eine Verpflichtung, die man im Zusammenhang mit dem Erwerb von Time Warner Cable hatte eingehen müssen. Die Kommission drohte mit der Möglichkeit weiterer Regulierungsmaßnahmen, einschließlich des Widerrufs ihrer Kabelkonzessionen. Am 27. Juli 2018 dann zog die NYPSC ihre Genehmigung für den Kauf von TWC durch Charter zurück (wegen wiederholter Nichteinhaltung der im Rahmen des TWC-Kaufs zugesagten Expansionsfristen). Innerhalb von 60 Tagen sollte Charter einen Plan zur Veräußerung und Migration seiner Kabelaktivitäten im Bundesstaat New York (die rund 2 Millionen Kunden bedienen) an neue Eigentümer unterbreiten. Im April 2019 allerdings war klar: Es gibt eine Lösung und neue Konditionen. Ein Ausbau für 145.000 Wohneinheiten bis zum 30. September 2021. Und die Zahlung von 12 Millionen Dollar in einen Fonds für Breitbandausbauprojekte.

Management

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Chairman und Chief Executive Officer Thomas M. Rutledge war schon immer der Überzeugung, dass sein Unternehmen langfristig nur bestehen kann, wenn es durch Zukäufe wächst. Als Investor und Kabelveteran John Malone bei Charter einstieg, bildeten die Zwei sofort eine Allianz mit dem Ziel, Charter zur Nummer Zwei auf dem Kabelmarkt zu machen. Rutledge, der als Quiz-Fan mit Vorliebe für Geschichtsthemen gilt, hat das Kabelgeschäft von der Pike auf gelernt und begann seine Karriere im Gegensatz zu den meisten seiner Wall Street-Freunde als einfacher Mitarbeiter, der in Pittsburgh Kundentermine wahrnahm und Kabel verlegte. Später arbeitete er im Management unter anderem von Cablevision (das er im Streit mit der Dolan-Familie verließ) und Time Warner Cable. Hier wurde er 2001 für viele überraschend bei der Wahl zum CEO übergangen. 15 Jahre später kaufte er das Unternehmen dann einfach selbst. Unter Rutledges Führung wurden Time Warner Cable und Bright House Networks integriert – und Charters Größe verdreifachte sich.

Geschäftsbereiche

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Charter ist heute der zweitgrößte Kabelkonzern in den Vereinigten Staaten und einer der führenden Breitbandanbieter für über 31 Millionen Kunden in 41 US-Staaten (29 Mio. Broadband Internet-Kunden, 16 Mio. Video-Abonnenten). Das alles unter der Marke „Spectrum“, die Kabelfernsehen (über 200 HD-Sender, plus Premium channels wie HBO und Showtime), Internet, Festnetz- und Mobiltelefonie anbietet. Weiter im Angebot sind die „Spectrum Networks“, News- und Sportkanäle, die Charter Communications veranstaltet, mit regionalen Programmen in 12 US-Staaten; oder das exklusive, on-demand und werbefreie Angebot der „Spectrum Originals“. Nur einen Bruchteil des Umsatzes generiert Charter hingegen mit der Integrierung von lokaler Werbung in das Programm von Kabelsendern wie MTV, CNN oder ESPN.

Aktuelle Entwicklung

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„Cord Cutting setzt sich fort“, schrieb Forbes am 30.04.2021, „Charter-Abonnenten kündigen jetzt ihr Pay-TV“. Cord cutting, eigentlich Abnabelung, meint hier den Rückgang von Kabelfernsehen-Abos. Im ersten Quartal 2021 verlor Charter, die Nummer zwei im US-Kabelgeschäft nach Comcast, 156.000 Pay TV-Abonnenten, trotz Corona-Pandemie. Zwar hatten die Leute mehr Medienzeit, doch „Cord cutting“ schien sich zu beschleunigen, waren es im ersten Quartal 2010 nur 70.000 gekündigte Abos. Grundsätzlich lässt sich für Charter ein langsamer Kundenrückgang feststellen. Im zweiten Quartal 2016 hatte man noch 16,9 Millionen TV-Abonnenten, jetzt nur noch 16,06. Hier ist Charter nicht allein, auch andere Kabel- oder Satellitenfirmen sind betroffen und verlieren hunderttausende Kunden, die seit Jahren ihren Videoinhalt einfach auch auf anderem, manchmal kostenlosen Weg finden. Und doch: Charter-Chairman Tom Rutledge zufolge ist 2022 das Jahr, in dem „cable business gets back to normal”, weitgehend zumindest, wie ihn im Dezember 2021 Multichannel News zitiert. Auch wenn es mit Breitband-Anschlüssen weiter nur langsam vorangeht, sei klar: „Kabellos fernsehen ist jetzt die Wachstumsmaschine“.