27. beIN Media Group

Umsatz 2021: $ 9,900 Mrd. (€ 8,670 Mrd.)

Überblick

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Das globale Sport- und Unterhaltungs-Netzwerk der beIN Media Group mit Sitz in Doha, Katar wurde 2014 aus dem Nachrichtenkanal Al Jazeera ausgegründet und ist heute der dominierende Pay-TV-Sportsender der arabischen Welt. Und gewinnt auch außerhalb dieser Sphäre zunehmend an Bedeutung. Mittlerweile gehören zu dem eng mit dem katarischen Herrscherhaus verbundenen beIN 60 Sender, die auf fünf Kontinenten, in 43 Ländern und neun Sprachen ausgestrahlt werden.

Basisdaten

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Hauptsitz:
beIN Media Group
P.O. Box 23231
Doha
Qatar
Website: www.beinmediagroup.com

Branchen: Sport- und Entertainment-Sender
Rechtsform: Private Company
Gründungsjahr: 2003 (als Al Jazeera Sport), 2012 (beIN SPORTS FRANCE), 2014 (rebranding als beIN MEDIA GROUP)

Ökonomische Basisdaten (in Mio. $, Schätzungen basierend auf der Anzahl  der weltweiten Abonnenten (55 Millionen))
202020192018
Umsatz (Mrd. $)
9.0008.6008.600
Mitarbeiter
3.7003.7003.700

Geschäftsführung

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Management:

  • Nasser Al-Khelaifi, Group Chairman
  • Yousef Al-Obaidly, Group Chief Executive Officer
  • Tareq Zainal, Chief Financial & Human Resources Officer
  • Ziad Hammoud, Chief Strategy and Investment Officer
  • Mohammad Al-Subaie, Acting CEO of beIN MENA
  • Mohammed Al-Bader, Managing Director of MENA Channels
  • Israel Esteban, Chief Technology Officer
  • Daniel Markham, Chief of Staff
  • Sophie Jordan, General Counsel
  • Tom Keaveny, Chief Innovation & Information Officer
  • Richard Verow, Chief Sports Officer

Geschichte

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Ohne den 1996 vom damaligen Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani gegründeten  Nachrichtenkanal Al Jazeera, sagen viele, hätte es den arabischen Frühling wohl nicht gegeben – und wohl auch nicht den größten TV-Sportrechte-Inhaber der Welt. beIN wurde 2003 als Sportfiliale von Al Jazeera ins Leben gerufen. Dann entstand im Juni 2012 beIN SPORTS, zunächst in Frankreich (weil es hier noch keine eigenständigen Sportkanäle gab). Im Januar 2014 dann wurden die Al Jazeera-Sportsender in die beIN Media Group umbenannt, als Holding für die Aktivitäten von beIN SPORTS. 

Für das katarische Königshaus war die Strategie von „Sport als Wirtschaftsfaktor“ nach dem Ende des Ölzeitalters die logische Strategie: Zwei Drittel der Bevölkerung der arabischen Welt sind unter 30, statistisch gesehen gibt es mehr Handys als Menschen. beIN kaufte Übertragungsrechte für verschiedene Premium-Sportveranstaltungen, in den Bereichen Fußball, American Football, Tennis, Basketball, Volleyball, Handball, Motorsport, Rugby, Radsport, Leichtathletik und mehr. Am 1. November 2015 erweiterte beIN das Portfolio um Filme, allgemeine Unterhaltung, Sach- und Kinderinhalte. Im März 2016  kaufte man zur weiteren Diversifizierung das 1979 vom inzwischen verurteilten Sexualstraftäter Harvey Weinstein mitgegründete und 1993 an Walt Disney verkaufte Miramax-Studio („Pulp Fiction“). 2019 veräußerte beIN 49 Prozent der Anteile an Viacom/CBS.  für 375 Mio. Dollar. ViacomCBS bzw. das dazugehörige Film- und Fernsehstudio von Paramount Pictures erhielt so Zugriff auf die über 700 Titel der MIRAMAX-Filmbibliothek und schloss mit beIN exklusive, langfristige First-Look-Vereinbarungen für neue MIRAMAX-Produktionen ab. 

Parallel dazu baute beIN durch zwei spektakuläre Übernahmen sein internationales Pay-TV-Imperium weiter aus: 2014 erwarb das Unternehmen den australischen Ableger des irischen Sportsenderkette Setanta und nannte ihn in beIN Sports um. Und 2016 folgte der Kauf des führenden türkischen Pay-TV-Netzwerk Digiturk. Um als „ESPN“ der arabischen Welt (und darüber hinaus) seine internationalen Sender mit exklusivem Sport-Content zu versorgen, ließ sich CEO Yousef Al-Obaidly nicht lumpen und gab insgesamt 15 Milliarden Dollar für Übertragungsrechte aus, darunter für die kommenden Europa- und Weltmeisterschaften sowie Champions League und Copa America im Fußball, Formel 1 und Rugby, Boxen und NBA-Basketball.

Management

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Der Vorstandsvorsitzende Nasser Al-Khelaifi ist seit seiner Karriere als Tennisprofi und Mitglied des katarischen Davis Cup-Teams in den 1990er Jahren mit den Herrschern im Emirat vertraut. Seit 2011 leitet er die 2005 gegründete Beteiligungsfirma Qatar Sports Investment (QSI), die für etwa 30 Millionen Euro den französischen Fußballverein Paris Saint-Germain (PSG) gekauft hatte (plus Schulden in Höhe von 20 Millionen Euro). Im Oktober 2011 wurde Al-Khelaifi dann PSG-Präsident. Dazu ist er jetzt Mitglied im Organisationskomitee der FIFA-Weltmeisterschaft und Delegierter der European Club Association im UEFA Exekutivkomitee. Die Sportblatt „L’Equipe“ machte ihn 2016 zum „mächtigsten Mann im französischen Fußball“ (vor Nationaltrainer Didier Deschamps und dem legendären Zinedine Zidane). Nasser Al-Khelaifi ist zudem Präsident der Qatar Tennis Federation und Vize-Präsident der Asian Tennis Federation (Westasien). Im November 2013 ernannte ihn der Emir, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, zum „Minister ohne Geschäftsbereich“.

Allerdings kommt auch er um in der Branche häufig aufkommende Konflikte mit der Justiz nicht herum. Im Oktober 2017 eröffneten Schweizer Gerichte ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen des Verdachts auf private Korruption bei der Vergabe der Fernsehrechte für die WM 2026 und 2030. Der Vorwurf: Al-Khelaifi soll dem ehemaligen FIFA Generalsekretär Jerome Valcke eine fünf Millionen Euro teure Villa auf Sardinien als Gegenleistung für die Vergabe der WM-Rechte an beIN geboten haben. Al-Khelaifi wurde im Oktober 2020 freigesprochen, die Schweizer Anklage verkündete Anfang 2021 Revision beantragen zu wollen.  

Geschäftsbereiche

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Die beIN MEDIA GROUP ist in sieben Sparten aufgeteilte:

- beIN MENA (Middle East North Africa) bietet Sport- und Entertainment-Sender empfangbar über DTH Satellit, IPTV und OTT-Streaming (beIN CONNECT) an

- beIN SPORTS France ist ein französischer Sportsender in Boulogne-Billancourt, gegründet 2012, mit 3,4 Millionen Abonnenten (Stand: Sommer 2019). Im Angebot sind unter anderem die französischen Ligue 1 und Ligue 2, La Liga, Serie A, Bundesliga, Super Lig, FA Cup, Men and Women World IHF championships sowie NFL Football, ATP Tennis und mehr.

- beIN SPORTS Asia Pacific (Singapur) sendet 14 beIN-Sportprogramme in elf Ländern (Australien, Neuseeland, Kambodscha, Hong Kong, Indonesien, Laos, Malaysia, Philippinen, Thailand, Osttimor, Singapur) in vier Sprachen. 

- beIN SPORTS Americas (Miami) sendet seit August 2012 beIN SPORTS-Inhalte in den USA und Kanada, über neun der zehn großen Kabel-/Satelliten-Provider und Streaming mit beIN SPORTS CONNECT. 

- beIN Digiturk (Istanbul) ist der führende Pay TV-Anbieter der Türkei mit ca. 3,5 Millionen türkischen Abonnenten, gegründet 1999 und im August 2016 von der beIN Media Group gekauft. 

- beIN Intellectual Property (London) kümmert sich seit 2014 um den weltweiten Rechteerwerb und Programmverkäufe.

MIRAMAX, die 1979 von den Brüdern Harvey und Bob Weinstein gegründete Filmproduktion, ging im März 2016 im Zuge einer weiteren Programmdiversifizierung an die beIN Media Group. Und damit eine Filmbibliothek mit über 700 Titeln, 278 Oscar-Nominierungen und 68 Oscars, darunter die „Best Picture“-Gewinner „The English Patient“, „Chicago“, „Shakespeare in Love“ und „No Country for Old Men“.

Aktuelle Entwicklungen

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Ein unschlagbares Reservoir an Sport- und Filmrechten (u.a. zuletzt ein lukrativer Deal mit Sony Pictures): Eigentlich sollte dem weiteren globalen Siegeszug von beIN nichts mehr im Wege stehen. Wenn da nicht staatlich unterstützte Piraterie wäre. Vermutlich mit Hilfe von Katars geopolitischem Erzfeind Saudi-Arabien breitet sich in der arabischen Welt ein ausgerechnet „BeoutQ" betitelter Piratensender immer weiter aus, der illegal das beIN-Programm überträgt, ohne die kostspieligen Lizenzrechte zu bezahlen. 

beIN Media geht davon aus, dass das „BeoutQ"-Signal seinen Ursprung beim saudischen Satellitenanbieter Arabsat hat, an dem der saudische Staat Großinvestor ist. Das Satellitensignal ist mittlerweile nicht mehr zu empfangen, aber modifizierte IPTV-Boxen werden noch millionenfach genutzt. Angesichts des wirtschaftlichen Schadens von mehr als einer Milliarde Dollar versuchen beIN und Katar deshalb Sportrechteinhaber und Sponsoren zu drängen, keine Großveranstaltungen mehr in Saudi-Arabien abzuhalten.