19. Baidu Inc.

Umsatz 2021: RMB 124,493 Mrd. (€ 16,520 Mrd.)

Überblick

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Baidu ist der viertgrößte Online- und Medienkonzern Chinas. Ähnlich wie das westliche Pendant Google hat Baidu eine Reihe von Karten-, Cloud- und Social Networking-Diensten um sein Hauptprodukt, der gleichnamigen Suchmaschine, angesiedelt. Baidu liegt auf Platz drei der weltweit meistaufgerufenen Webseiten, hinter Google und Youtube („Alexa Top Websites“, Stand: Mai 2022).

Basisdaten

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Hauptsitz:
Baidu Campus
No. 10 Shangdi 10th Street
Haidian District
Beijing 100085
China
Telefon: 0086 10 5992 8888
Website: ir.baidu.com

Branche: Suchdienste, Social Media, Cloud-Computing, Software
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 2000

 

Ökonomische Basisdaten (in Mio. RMB)
202120202019201820172016

2015

Umsatz124.493107.074107.413102.27784.80970.54966.382

Gewinn

10.22622.4722.05727.57318.30111.63233.664
Aktienkurs (in $, Jahresende)148,79216,24133,8016095234,21164,41189,04

Mitarbeiter

45.50041.00037.77940.12736.62845.88741.467

Geschäftsführung

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Management:

  • Robin Li, Co-Founder, Chairman and CEO
  • Rong Luo, Chief Financial Officer
  • Haifeng Wang, Chief Technology Officer
  • Dou Shen, Executive Vice President
  • Herman Yu, Chief Strategy Officer
  • Victor Liang, Senior Vice President
  • Shansan Cui, Senior Vice President

Board of Directors:

  • Robin Li, Baidu
  • James Ding, Independent Director
  • Yuanqing Yang, Independent Director
  • Brent Callinicos, Independent Director
  • Jixun Foo, Independent Director

Geschichte

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1989 entschied sich Eric Xu, damals ein Außendienstler für eine Biotech-Firma, einen Dokumentarfilm über Innovation in Silicon Valley zu drehen. Gemeinsam mit zwei Geschäftsfreunden, dem Paar Melissa und Robin Li, interviewte Xu damals auch den Yahoo-Gründer Jerry Yang. Insbesondere Robin Li zeigte sich beeindruckt, wie ein chinesischer Landsmann wie Yang es in den USA geschafft hatte, den damals größten Onlinekonzern zu formen.

Li, seit jeher fasziniert von Suchmaschinen, hatte bereits Jahre zuvor einen Algorithmus entwickelt, der genau wie Googles PageRank Suchergebnisse auf der Basis von Links hierarchisierte. Im Januar 2000 gründeten Xu und Li die Firma Baidu (auf Deutsch etwa: einhundert Mal) gemeinsam mit dem Venture-Capitalist Finian Tan aus Singapur, der als Gründungspartner dem Start-up Baidu eine Anschubfinanzierung von 7,5 Millionen Dollar besorgte. Danach ging es bergauf. 2001 startete Baidu eine anzeigenfinanzierte Suchmaschine und erhielt ironischerweise eine fünf Million-Dollar-Finanzspritze von Google. Wo man offenbar Pläne verfolgte, das Unternehmen später ganz aufzukaufen. Microsoft und Yahoo wollten Baidu dann ebenfalls übernehmen. Beim Börsengang im August 2005 verfünffachte sich der Kurs von „Chinas Google“ und Li wurde Chinas erster Internet-Milliardär.

Ein Riesenvorteil für Baidu war natürlich, dass die Konkurrenz der US-Internetgiganten, allen voran Google, in China nie Fuß fassen konnte. 2009 fing es an, als die chinesische Regierung im Vorfeld des 20.?Jahrestags des Tiananmen-Massakers Twitter aussperrte. Kurz danach wurde auch der Zugang zu Youtube und Facebook gesperrt – nach Unruhen in den Provinzen Tibet und Xinjiang. Google ist seit 2014 nicht mehr erreichbar, nur in den Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau. Was in China offenbar funktioniert, ist die eingeschränkte Microsoft-Suchmaschine Bing. Anders als Google hält Microsoft sich an die Zensurvorgaben der chinesischen Regierung.

Baidu jedenfalls konnte so innerhalb weniger Jahre in China eine Quasi-Monopolstellung für die Internetsuche erreichen. Trotzdem kommt auch in China Kritik auf. Das Staatsfernsehen CCTV veröffentlichte Recherchen über Baidus Geschäftspraktiken und Beziehungen zu diversen Sektoren der Industrie. Einzelne Parteifunktionäre haben laut darüber nachgedacht, mit Hilfe von staatlichen Zeitungen oder der Nachrichtenagentur Xinhua auch eine im Prinzip staatliche Suchmaschinen zu entwickeln. Und mit dem Aufstieg von Tencent und Alibaba hat sich eine starke Konkurrenz zwischen Onlineunternehmen entwickelt. Insbesondere Tencent ist mit seinen Messaging-Tools und Online Games an Baidu vorbeigezogen. Um weiter zu wachsen und die Aktionäre zufrieden zu stellen, began Baidu 2015 damit, durch Übernahmen von und Investitionen in Start-Ups sein Kerngeschäft um E-Commerce- und Games-Dienste zu erweitern.

Im Mai 2018 wandte sich Robin Li in einem offenen Brief an die Belegschaft. Er gab zu: Baidu befinde sich in einer „düsteren Lage“. Trotzdem, für künftiges Wachstum müsse man weiter investieren. Li war in einer ungewohnten Position. Zum ersten Mal seit 2005 sah er sich im ersten Quartal 2018 mit einem Verlust konfrontiert. Dafür verantwortlich waren hohe Ausgaben in Programminhalte für iQiyi und in neue Geschäfte um Big Data und mit künstlicher Intelligenz wie den DuerOS-Sprachassistenten oder die Apollo-Plattform. Ausgaben für next gen technologies also, die von einer Marktreife noch entfernt waren.

Management

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Baidu-Gründer und -CEO Robin Li (geb. 1968), verheiratet, vier Kinder, ist der wahrscheinlich einzige Medienkonzernchef mit einem eigenen Fanclub. Insbesondere junge chinesische Studenten verehren den in Peking und New York ausgebildeten Informatiker und Sohn von Fabrikarbeitern aufgrund seines Erfolges, und seines Aussehens. Er begann seine Karriere als einfacher Ingenieur bei Infoseek und belegt mit einem Vermögen von rund zehn Milliarden Dollar bei Forbes Platz 35 der reichsten Chinesen.

Kritiker werfen Li vor, die Baidu-Suchergebnisse zu manipulieren, indem Seiten von direkten Wettbewerbern wie Tencent oder Alibaba in den Suchergebnissen benachteiligt werden. Zudem gab es Gerüchte, dass Baidu seine wichtigsten Werbekunden zu nahesteht. So wurden angeblich Informationen über den Milchproduzenten Sanlu Group aus der Baidu-Suche entfernt, der 2008 vergiftete Milch in den Handel brachte. Li hat mehrfach eingeräumt die Suchergebnisse nach den Wünschen der chinesischen Regierung zu zensieren. Kritikern hält er entgegen, sich nur an die geltenden Gesetze zu halten. Bloomberg News zitiert ihn mit: „Ich bin ein Unternehmer und kein Politiker."

Geschäftsbereiche

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Baidu besteht im Wesentlichen aus zwei Geschäftsbereichen: dem Suchmaschinen-Segment und der Videoplattform iQiyi.

Die App Baidu.com ist die fünftmeistbesuchte Webseite der Welt, hat etwa 174 Millionen tägliche Nutzer und bietet, neben der flagship app der Baidu-Suchmaschine u.a. die folgenden Dienste: Baidu PostBar (social media-Plattform), Haokan und Quanmin (Kurzvideos), Baidu Wiki, Baidu Knows, Baidu Experience, Baidu Post, Baidu Maps und viele mehr.

iQiyi (zuvor Qiyi) ist das größte Videoportal Chinas mit monatlich sechs Milliarden auf iQiyi verbrachten Stunden und monatlich 500 Millionen aktiven Nutzern. Um die kostenpflichtige iQiyi-Version („Netflix-like video streamer“) populärer zu machen, produziert Baidu bzw. die Tochter iQiyi Motion Pictures eigene Filme. Seit Mitte 2018 besteht sogar die Möglichkeit, ausgesuchte wirkliche Kinos zu mieten, um sich dort iQiyi-Filme anzusehen. Ende 2020 hatte iQiyi 101,7 Millionen zahlende Abonnenten (im März 2018 waren es noch 61,3 Millionen).

Aktuelle Entwicklungen

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Trotz des Verlustes 2018 ließ sich Li nicht beirren. Am 4.7.2019 wurde gemeldet: „Google-Rivale Baidu verbündet sich mit Toyota und Geely“. Google forschte mit seiner Filiale Waymo an selbstfahrenden Autos. Baidu machte es anders. Hier waren es der weltgrößte Autohersteller Toyota und der kleinere chinesische Geely, die sich Baidus Apollo-Plattform anschlossen. Vor allem China, so las man, investiere in die Automatisierung, um mit Tesla und Waymo mithalten zu können, und stelle schon Regeln für selbstfahrende Fahrzeuge auf. Baidu hatte schon die Erlaubnis, autonome Autos auf einigen innerstädtischen Straßen einzusetzen. Auch deutsche Partner stiegen ein. „VW hat einen neuen Partner für Roboterautos“, schrieb die FAZ am 2.11.2018. VW mache „keine halben Sachen“ und habe eine Partnerschaft mit der Baidu-Plattform Apollo eingegangen: „Apollo gilt als führendes Technologiekonsortium für autonomes Fahren in der Volksrepublik, wo die Entwicklung von Roboterautos rasant voranschreitet.“

2021 ist es soweit. „Baidu Apollo startet vollständig fahrerlosen Ride-Hailing-Service in Peking und demonstriert damit ein neues Vermarktungsmodell für autonomes Fahren“, verkündet Baidu am 29.4.2021. Der „Apollo Go Robotaxi-Service“ werde zunächst im Pekinger Shougang-Park eingeführt, einem der Austragungsorte der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. Ohne Sicherheitsfahrer am Steuer können Robotaxis die Benutzer zu Sporthallen, Arbeitsplätzen, Cafés und Hotels transportieren. Und während der Olympiade werden sie als Shuttle-Service für Sportler und Mitarbeiter zur Verfügung stehen.