30. Activision Blizzard Inc.

Umsatz 2021: $ 8,800 Mrd. (€ 7,440 Mrd.)

Überblick

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„World of Warcraft", „Call of Duty“, „Candy Crush“: Activision Blizzard vereint einige der größten und lukrativsten Spiele-Franchises der Welt. Der Publisher hat zudem seine eigene E-Sports-Liga gegründet und produziert auf den Spielen basierende Serien- und Kinofilme. Im Zuge diverser Klagen von Mitarbeitern steht das Unternehmen seit dem Sommer 2021 für seine mutmaßlich sexistische und diskriminierende Unternehmenskultur und sowie schlechte Arbeitsbedingungen in der Kritik.

Basisdaten

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Hauptsitz:
3100 Ocean Park Boulevard
Santa Monica, CA 90405
USA
Telefon: 001 310 2552000
Internet: investor.activision.com
 
Branche: Unterhaltungssoftware
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01 – 31.12
Gründungsjahr: 1979

 

Ökonomische Basisdaten in Mio. USD
2020201920182017201620152014
Umsatz8.0866.4897.5007.0176.6084.6644.408
Gewinn 2.1971.5031.848273966892835
Aktienkurs (in $, Jahresende)92,4056,6747,1766,3736,1138,7120,15
Mitarbeiter9.5009.2009.9009.8009.6007.3006.800

Geschäftsführung

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Management:

  • Robert Kotick, Chief Executive Officer
  • Daniel Alegre, President and Chief Operating Officer
  • Frances F. Townsend, Executive Vice President, Corporate Affairs
  • Armin Zerza, Chief Financial Officer
  • Brian Bulatao, Chief Administration Officer
  • Claudine Naughton, Chief People Officer
  • Grant Dixton, Chief Legal Officer
  • Tony Petiti, President, Sports & Entertainment
  • Rob Kostich, President, Activision Publishing
  • J. Allen Brack, President, Blizzard Entertainment
  • Humam Sakhnini, President, King
  • Helaine Klasky, Chief Communications Officer

Board of Directors:

  • Reveta Bowers, Director
  • Robert J. Corti, Director
  • Hendrik J. Hartong III, Director
  • Brian Kelly, Chairman of the Board, Activision Blizzard
  • Robert Kotick, Director, CEO, Activision Blizzard
  • Barry Meyer, Director
  • Robert Morgado, Director
  • Peter Nolan, Director
  • Dawn Ostroff, Director
  • Casey Wasserman, Director

Geschichte

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Activision wurde 1979 vom ehemaligen Plattenboss Jim Levy sowie den Programmierern David Crane, Bob Whitehead, Larry Kaplan und Alan Miller gegründet. Crane und Co. hatten genug davon, für Atari Videospiel-Bestseller zu produzieren, ohne am finanziellen Erfolg beteiligt und als Programmierer individuell wahrgenommen zu werden. David Crane produzierte zum Beispiel bei einem Jahresgehalt von 20.000 US-Dollar in kompletter Eigenregie Spiele, die sich zwanzig Millionen mal verkauften. Zudem hatte sich Warner bei Atari eingekauft und die hippieesque Arbeitskultur zugunsten einer eher traditionellen Konzernatmosphäre abgeschafft. Da die vier für etwa die Hälfte aller damaligen Atari-Spiele verantwortlich waren, weigerte sich Atari zunächst, das Programmierer-Team gehen zu lassen. Erst 1982 wurde ein entsprechender Gerichtsprozess zugunsten von Activision entschieden. In dem Jahr hatte das neu gegründete Unternehmen mit „Pitfall“ einen ersten großen Hit. Das Spiel gilt heute als einer der Urväter aller folgenden Plattform/Jump’n’Run-Spiele und begründete die Popularität ähnlicher Titel in den 1980er und 1990er Jahren. 

Ab Mitte der 1980er Jahre begann Activision durch die Akquise anderer Spielehersteller zu expandieren. Es ging los mit Infocom, das sich in Zeiten von grafisch unterentwickelten 8-Bit Computern auf die Produktion von damals sehr beliebten Text-Adventures spezialisiert hatte. Als Bruce Davis 1986 Jim Levy als CEO beerbte, sorgte er durch gravierende Managementfehler für die Auflösung von Infocom 1989. Zu dieser Zeit war keiner der fünf Gründungsmitglieder mehr an Bord von Activision.

1988 änderte Activision den Namen in Mediagenic, weil das Unternehmen neben Computerspielen auch Büro-Organisationssoftware anbot. Der Ausflug in Videospiel-fremde Märkte war aber keine gute Idee: 1992 musste Mediagenic Insolvenz anmelden. Robert „Bobby“ Koteck und seine BHK Corporation übernahmen Mediagenic und gaben dem Unternehmen den ursprünglichen Namen Activision zurück. Koteck wurde Nachfolger des erfolglosen Bruce Davis und schaffte es, Activision von einer bankrotten Firma in einen der erfolgreichsten Game Publisher der Gegenwart zu verwandeln. Sein Erfolgsrezept bestand darin, den Unternehmenssitz in die Nähe der Filmindustrie nach Los Angeles zu verlegen, die Belegschaft effektiv zu verkleinern, die bekanntesten Spieleentwickler einzustellen und Hollywood-Stars und prominente Sportler als Werbeträger zu engagieren. In den folgenden Jahren expandierte Activision durch die Übernahme von Konkurrenzfirmen (unter anderem Take Us!, Head Game Publishing und Neversoft) und durch den Erwerb wertvoller Lizenzen für die Entwicklung von Videospiel-Adaptionen von Kino-Blockbustern (unter anderem Marvels „Spiderman“, „Tony Hawk”, und „Transformers“).

2007 beschlossen Activision und der Konkurrent Vivendi Games, Eigentümer des Videospielverlags Blizzard („World of Warcraft“), eine Fusion, Mitte 2008 entstand Activision Blizzard. Es ging darum, Electronic Arts die Marktführerschaft abzujagen. 18,9 Milliarden US-Dollar betrugen die Transaktionskosten der Fusion, die im Sommer 2013 jedoch teilweise wieder rückgängig gemacht wurde. Activision kaufte zunächst 48 Prozent der Anteile für 6,2 Milliarden Euro zurück. Vivendi hielt zunächst weiterhin zwölf Prozent, bzw. 5,7 Prozent der Anteile. Diese gingen jedoch Anfang 2016 für 1,1 Milliarden endgültig an Activision. Ebenfalls 2016 kaufte Activision die E-Sport Liga „Major League Gaming“ für 48 Millionen Dollar. 

Schon bald war klar, dass Activision Blizzard mehr sein wollte als nur ein Games Studio, und die Franchises auf die Leinwand bringen wollte, mit durchwachsenem Erfolg. Die im Sommer 2016 in die Kinos gebrachte Film-Adaption von „World of Warcraft“ war in Asien sehr erfolgreich, floppte jedoch an westlichen Kinokassen. Auch deshalb wurde der Plan ein aus mehreren Filmen und Serien bestehendes „Call of Duty“-Universum zu erschaffen bis auf weiteres auf Eis gelegt.

Management

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Robert Kotick, seit 1991 Direktor, Vorstandsvorsitzender und CEO, hat auch nach der Fusion zu Activision Blizzard seine Chefrolle beibehalten. Kotick, der mehrfach betont hat, selber keine Leidenschaft für Games zu haben, ist einer der überbezahltesten Medienmanager seiner Generation. Aktionäre kritisieren seit Jahren sein exorbitantes Gehalt und die an ihn ausgeschütteten Bonuszahlungen, die häufig mit der Entlassung von hunderten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einhergehen: Allein 2017 verdiente er knapp 29 Millionen Dollar, was einem Drittel von einem Prozent des Durchschnittsgehalts der Activision-Belegschaft entspricht. Anfang 2021 sah sich der Aufsichtsrat gezwungen, Koticks Gehalt zumindest bis Anfang 2023 zu halbieren, doch die Investoren denken noch immer, die Vergütung ist zu hoch und geschäftsschädigend.

Wohl wegen der engen Verzahnung der „Call of Duty“-Shooter-Serie mit dem militärisch-industriellen Komplex bevölkern mittlerweile ehemalige Funktionäre aus den Bush- und Trump-Administrationen die Führungsetage – darunter Frances Townsend, eine Folter-Apologetin, Trump-“Bully“ Brian Bulatao und der komplett humorfreie Grant Dixton, ein Bush-Anwalt, der in der Vergangenheit im Auftrag des Weißen Hauses die Satireseite „The Onion“ verklagte.

Geschäftsbereiche

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Activision: Entwicklungsstudio und Publisher von Spielen für Konsolen, Mobilgeräten und PCs. Insbesondere auf dem Markt für Shooter-Games ist Activision aktiv, mit Blockbustern wie „Call of Duty“ und „Overwatch". Jährlich neu erscheinende „Call of Duty“-Titel führen regelmäßig die Verkaufscharts an („Black Ops II" aus dem Jahr 2012 etwa generierte mehr als eine Milliarde Dollar an Umsätzen und war damit lukrativer als „Avatar“, der damals erfolgreichste Film aller Zeiten. Enorm profitabel ist auch die „Skylanders“-Reihe, die echte Spielzeugfiguren mit Videospielen kombiniert.

Blizzard Entertainment produziert hingegen Abo-basierte „Massive Multiplayer Online Role Playing Games“ (MMORPG). Neben „World of Warcraft", das über eine Community von mehr als sechs Millionen Spieler verfügt, sind die wichtigsten Blizzard-Franchises das in Korea enorm populäre „Starcraft" sowie „Diablo", „Hearthstone“, „Heroes of the Storm" und „Heroes of Warcraft“. Blizzard betreibt außerdem die Onlineplattform Battle.net. 

Das 2015 für sechs Milliarden Dollar übernommene King Digital Entertainment entwickelt interaktives Entertainment für Mobilplattformen. Die mehr als 200 Titel beinhalten „Candy Crush”, „Farm Heroes”, „Pet Rescue” und „Bubble Witch”.

Major League Gaming (MLG, New York) ist eine professionelle E-Sports-Liga, seit 2011 die größte der Welt. Activision gab bekannt, MLG 2016 auch deshalb gekauft zu haben, um die Liga als Basis von noch zu gründenden TV-Kanälen zu nutzen. 

Activision Blizzard Studios produziert Film- und TV-Produktionen, die auf Figuren/Geschichten aus global bekannten Activision-Spielen basieren. 

Aktuelle Entwicklungen

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Spätestens seit Activision Blizzard von einer kalifornischen Arbeitsbehörde wegen seiner mutmaßlich frauenfeindlichen Bürokultur verklagt wird, ist das öffentliche Image des Unternehmens auf einem absoluten Tiefpunkt angelangt. Die Klage, die dem Konzern grobe Verstöße gegen den Schutz von Arbeitnehmern vorwirft hat erschreckende Details über den Arbeitsalltag von Activision offengelegt. So sollen offenbar regelmäßig alkoholisierte Mitarbeiter durch die Büros gezogen sein, um im Rahmen sog. "cube crawl" weibliche, unterbezahlte Kolleginnen zu belästigen. Teile der Belegschaft riefen deshalb im Zuge der Klage zum Streik auf und verließen im Juli 2021 geschlossen das Gebäude.

Geschäftlich steht Activision nach einer strategischen Neuausrichtung hingegen glänzend da. Als Reaktion auf den massiven Erfolg von Fortnite und weiteren Free-to-Play Battle Royale-Titeln diversifizierte das Unternehmen sein Flaggschiff „Call of Duty". Fans können den Shooter nun in drei verschiedenen Versionen spielen: die Vollversion inklusive anspruchsvoller, hollywoodreifer Single-Player-Story und dem traditionellen Zombie-Modus, einer Version für Smartphones und der kostenfreie Call of Duty Warzone-Modus, der durch Mikrotransaktionen monetarisiert wird und eine Nutzerbasis von 100 Millionen Spielern hat.

Das Blizzard Studio hingegen hinkt etwas hinterher, aber ist auch dank der erfolgreichen "Diablo"-Serie und einer florierenden "Overwatch"-E-Sports-Liga durchaus profitabel, besonders in Asien. Dort kommt es jedoch immer wieder zu Disputen wegen freier Meinungsäußerung. Wie etwa 2019, als der „Hearthstone“-Profispieler Chung Ng Wai alias „Blitzchung“ in einem Livestream den Einfluss von China auf Hongkong kritisierte. Vermutlich auch um den chinesischen Medienkonzern Tencent zu besänftigen, dem fünf Prozent der Anteile an Activision Blizzard gehören, wurde der Spieler umgehend suspendiert und sein Preisgeld einbehalten.