39. Yomiuri Shimbun Holdings / Nippon Television Holdings, Inc.

Umsatz 2020/21: € 5,930 Mrd.

Überblick

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Die Yomiuri Shimbun ist mit einer Morgenauflage von knapp acht Millionen Exemplaren die auflagenstärkste Zeitung der Welt. Sie ist Teil eines in Japan Keiretsu genannten gleichnamigen Firmenkonglomerats, das sich, wie man es im japanischen Mediensektor traditionell sieht, durch die enge Bindung privater TV-Networks an eine der großen Tageszeitungen auszeichnet. In diesem Fall ist es die Nippon Television Network Corporation, die mit der Yomiuri Shimbun vertikal verbunden ist. Die keiretsu-Einzelunternehmen sind rechtlich selbständig 

Basisdaten

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Hauptsitze:
Yomiuri Shimbun Holdings
1-7-1, Otemachi
Chiyoda-Ku
Tokio 100-0004
Japan
Telefon: 0081 3 3242 1111
Website: info.yomiuri.co.jp/english/index.html

Nippon Television Holdings
1-6-1 Higashi Shinbashi
Minato-ku
Tokio 105-7444
Japan
Telefon: 0081 3 6215 14111
Website: www.ntvhd.co.jp/english/ir/presentation

Branchen:  Tageszeitung, Fernsehen, TV-Produktion und -Vertrieb
Rechtsform: Aktiengesellschaft (Nippon Television Holdings)
Geschäftsjahr: 01.04. – 31.03.
Gründungsjahr:  1874 (Yomiuri Shimbun), 1952 (Nippon TV)

 

Zur Einordnung von Yomiuri Shimbun/Nippon TV in das IfM-Ranking beziehen wir uns auf die bislang nur für 2018/19 vorliegenden Umsatzzahlen für die Yomiuri Shimbun Holding, addiert mit dem 2020er Umsatz von Nippon TV, umgerechnet nach den jeweiligen Jahresmittelkursen.

 

Ökonomische Basisdaten Yomiuri Shimbun Group (in Mio. ¥)*
2019/202018/19
Umsatzn/a356.000
Ökonomische Basisdaten Nippon TV (in Mio. ¥)*
2020/212019/202018/192017/182016/172015/16
Umsatz391.335426.599424.945423.633416.704414.781
Gewinn 24.04230.55538.73937.41640.78736.884
Aktienkurs (in ¥, Jahresende)1.1051.4621.6181.9762.1222.216

*Geschäftsjahr endet jeweils am 31.03. des Folgejahres

Geschäftsführung

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Yomiuri Shimbun Holdings:

  • Tsuneo Watanabe, Representative Director, Editor-in-Chief
  • Shoichi Oikawa, Representative Director, Chairman of the Board, Senior Deputy Editor-in-Chief, International Operations (Editor-in-Chief, The Japan News)
  • Toshikazu Yamaguchi, Representative Director, President, Circulation
  • Akitoshi Muraoka, Director, Vice President, Operation Management, Network
  • Gaku Shibata, Director, Osaka Operations
  • Toru Kunimatsu, Director, Seibu Operations
  • Tatsuo Sekine, Director
  • Yoshio Okubo, Director
  • Yoshikuni Sugiyama, Director
  • Akira Ishizawa, Director
  • Takeshi Mizoguchi, Director Yomiuri Land
  • Akihiko Osada, Standing Auditor
  • Fujio Mitarai, Auditor
  • Yoshinobu Kosugi, Auditor
  • Yasushi Manago, Auditor
  • Kazuyuki Fujita, Corporate Officer, President's Office Chief, Compliance, Corporate Communications


Nippon TV Holdings:

  • Yoshio Okubu, Representative Director, President
  • Yoshikuni Sugiyama, Representative Director, President
  • Yoshinobu Kosugi, Representative Director

Geschichte

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Die Yomiuri Shimbun nimmt für sich in Anspruch, nicht nur die größte, sondern auch die älteste heute noch existierende japanische Tageszeitung zu sein. 1874 in der Zeit kurz nach der Öffnung des Landes zum Westen hin, im Zuge enormer politischer, wirtschaftlicher und sozialer Umwälzungen gegründet, widmete sich die Zeitung zunächst vor allem dem literarischen Milieu kulturkonservativer Intellektueller, die eine Modernisierung der japanischen Schriftsprache ablehnten. Erst 1924 entwickelte die Yomiuri Shimbun unter Leitung von Shoriki Masamune einen von aktueller Berichterstattung geprägten Zeitungsstil für die breiten Massen, dessen Traditionslinie bis heute gepflegt wird. In diese Zeit fällt auch die regelmäßige Veröffentlichung eines ganzseitigen Radioprogrammführers, ein Novum auf dem japanischen Zeitungsmarkt der Zwanziger Jahre, und die Gründung des Baseball Vereins „Yomiuri Giants“.

Die Geschichte der Zeitung während der militärischen Expansionsphase und dem Pazifischen Krieg verlief – anders als bei der zweitgrößten Tageszeitung Asahi – ohne nennenswerte Konflikte mit der Regierung. In den 1940er Jahren entwickelte sich die Yomiuri Shimbun zur auflagenstärksten Tageszeitung im Großraum Tokio. 1941 wurde die Tageszeitung Hochi Shimbun übernommen, die heute vom Yomiuri-Verlag als Sporttageszeitung herausgegeben wird. Unter amerikanischer Besatzung wurde der Chefredakteur und Geschäftsführer Shoriki Masamune unter dem Verdacht festgenommen, ein Kriegsverbrecher der Kategorie A zu sein, jedoch 1947 wieder auf freien Fuß gesetzt. Erst in jüngster Zeit ist durch die Öffnung von Archiven in den USA festgestellt worden, dass er in der Nachkriegszeit für den US-Geheimdienst CIA gearbeitet hat.

Nach 1945 profilierte sich die Yomiuri Shimbun aufgrund der aktiven Parteizugehörigkeit Masamune Shorikis zur Regierungspartei LDP als deren konservatives Sprachrohr, galt jedoch gleichzeitig lange Jahre aufgrund einer sozial engagierten Redaktion als ein „Sprachrohr für kleine Leute“. 

In einigen in Japan umstrittenen Themen weicht die Linie der Yomiuri-Zeitung jedoch stark vom Kurs der LDP ab. Dies gilt z.B. für die offiziellen Besuche japanischer Ministerpräsidenten am Yasukuni-Schrein, in welchem neben den Seelen japanischer Soldaten und koreanischer Zwangseingezogener auch die verurteilter japanischer Kriegsverbrecher verehrt werden. So lehnte die Yomiuri Shimbun die Besuche von Ministerpräsident Koizumi ab und warb in Artikeln für eine Lösung des Problems, dass die Gebeine von Kriegsverbrechern mit denen von Kriegsopfern unter einem Dach liegen. Andererseits befürwortete die Yomiuri Shimbun die Streichung von Worten aus japanischen Geschichtslehrbüchern, welche auf die japanische Kriegsschuld und Zwangsprostitution hinwiesen. 2015 schließlich veröffentlichte die Zeitung eine unter Geheimhaltung der Regierung stehende Liste von über 1000 japanischen Soldaten, die nach Kriegsende in russischen Lagern umkamen.

Zum Profil der Zeitung gehört außerdem ein Schwerpunkt auf Gesundheitsthemen, womit ältere Teile der Bevölkerung und besonders Hausfrauen angesprochen werden sollen, denen traditionell die Gesundheitsvorsorge für die ganze Familie anvertraut wird. 2013 war die Zeitung die entscheidende Stimme im Diskurs zur Reform der Krankenversicherung. Sie gab dabei Empfehlungen ab und formulierte 2020 auch klare politische Forderungen für den Umgang mit dem Coronavirus. Doch auch für investigative Recherchen im Gesundheitssektor ist die Zeitung bekannt: 2014 etwa deckte sie auf, dass in einem Krankenhaus in der Kanto-Region acht Menschen an den Folgen von komplizierten Bauchhöhlen-Eingriffen gestorben war.

Management

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Die größte Frage, die die japanische Gesellschaft 2021 umtrieb, war, ob die bereits einmal verschobenen Olympischen Sommerspiele trotz weiterhin prekärer Corona-Lage wirklich stattfinden sollten. Mittendrin in dem polarisierenden Diskurs war die Yomiuri Shimbun. Zwar sprach sie sich – anders als Konkurrent Asahi Shimbun, die zweitgrößte Tageszeitung – zunächst nicht für eine Absage aus und bot an, den Tokyo Dome, die Heimspielstätte der Yomiuri Giants, in ein riesiges Impfzentrum umzubauen. Doch indirekt kritisierte sie Premierminister Suga für das Corona-Management und die nur schleppend anlaufende Impfkampagne. 

Für Yomiuri-Oberhaupt Watanabe ist deshal klar, dass die Suga-Administration bald der Vergangenheit angehören wird. Und einen neuen Premierminister haben er und sein Medienimperium auch schon ins Auge gefasst. Kabinettsmitglied Taro Kono, der sich als einer der wenigen Politiker für tatkräftiges Krisenmanagement in der Pandemie auszeichnete, sei die „richtige Person“, so Watanabe.

Geschäftsfelder

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Zeitungen: Neben dem publizistischen Flaggschiff Yomiuri Shimbun gibt die Gruppe die jeden Donnerstag bzw. Freitag erscheinenden Tabloid-Wochenzeitungen Yomiuri Chukosei Shimbun und Yomiuri Kodomo Shimbun heraus, die sich in erster Linie an Kinder und Jugendliche richten und diese ans regelmäßige Zeitunglesen heranführen sollen. Zudem gehört mit der 1955 gegründeten The Japan News eine traditionelle englischsprachige Zeitung zum Portfolio. 

TV und Online: Unter dem Dach der Nippon Television Holding, deren größter Anteilseigner die Yomiuri Shimbun-Gruppe ist, vereint das Unternehmen mehr als 40 TV-Sender, Produktionsfirmen, Musikverlage, Fitnessklubs, Museen, Streamingdienste, Animationsstudios und E-Sports-Firmen.

Themenparks: Mit dem „Yomiuri Land” betreibt die Gruppe den größten Freizeitpark in Tokio.

Sport: Yomiuri Shimbun ist Besitzer der Yomiuri Giants, dem ältesten und erfolgreichsten Baseball-Team Japans.

Aktuelle Entwicklungen

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Die größte Frage, die die japanische Gesellschaft 2021 umtrieb, war, ob die bereits einmal verschobenen Olympischen Sommerspiele trotz weiterhin prekärer Corona-Lage wirklich stattfinden sollten. Mittendrin in dem polarisierenden Diskurs war die Yomiuri Shimbun. Zwar sprach sie sich – anders als Konkurrent Asahi Shimbun, die zweitgrößte Tageszeitung – zunächst nicht für eine Absage aus und bot an, den Tokyo Dome, die Heimspielstätte der Yomiuri Giants, in ein riesiges Impfzentrum umzubauen. Doch indirekt kritisierte sie Premierminister Suga für das Corona-Management und die nur schleppend anlaufende Impfkampagne. 

Für Yomiuri-Oberhaupt Watanabe ist deshal klar, dass die Suga-Administration bald der Vergangenheit angehören wird. Und einen neuen Premierminister haben er und sein Medienimperium auch schon ins Auge gefasst. Kabinettsmitglied Taro Kono, der sich als einer der wenigen Politiker für tatkräftiges Krisenmanagement in der Pandemie auszeichnete, sei die „richtige Person“, so Watanabe.

 

 

Inhalte

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