36. Verizon

Umsatz 2020: $ 7,000 Mrd. (€ 6,130 Mrd.)

Überblick

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Verizon Communications ist ein US-Telekommunikationskonzern, neben AT&T und den fusionierten T-Mobile und Sprint einer der drei großen mobile carriers in den USA. Die Tochter Verizon Media, zuvor Oath (bis zum 31.12.2018), fungiert als Dachgesellschaft für Medien- und Online-Anbieter: Über 50 Medienunternehmen, wie auch die Internetdienstanbieter AOL und Yahoo!, Namen aus der Frühzeit des Internet.

Zur Einordnung von Verizon in das IfM-Ranking beziehen wir uns auf die im Verizon-Jahresbericht genannten Umsatzzahlen für Verizon Media und addieren die Umsätze für das unter dem „Fios“-Brand vermarktete Internet-, Streaming-, Gaming- und TV-Angebot (mit über 425 Sendern). Über Glasfaser in neun US-Staaten an über vier Millionen Kunden.

Basisdaten

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Hauptsitz:
1095 Avenue of the Americas
New York, NY 10036
USA
Telefon: 001 212 395 1000
Websites: verizon.com/about/investors, verizonmedia.com

Branche: Internet-Portale, Fernsehen, Internet
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 2000 (Verizon), 2019 (Verizon Media)

 

Ökonomische Basisdaten (in Mio. $)
202020192018201720162015
Umsatz Verizon Communications 128.292131.868130.862126.034125.980131.620
Umsatz Verizon Media7.0007.5007.700*6.000*3.194**n/a
Umsatz Fios12.13912.14211.93911.69111.20013.800
Gewinn Verizon Communications13.34819.26515.52830.10113.12717.879
Aktienkurs (in $, Jahresende)57,5160,4056,3652,4853,3846,22
Beschäftigte132.200135.000144.500155.400160.900177.700

* Oath (Juni 2017 bis Dezember 2018)
** Verizon Digital Media

Geschäftsführung

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  • Hans Vestberg, Chairman and CEO Verizon
  • K. Guru Gowrappan, EVP and Group CEO Verizon Media
  • Julie Jacobs, General Counsel
  • Iván Markman, Revenue and Marketing
  • Andy Nebens, Human Resources
  • Rathi Murthy, Global Technology Strategy
  • Joanna Lambert, Consumer Business
  • Michael Albers, Consumer Product Management
  • Andrea Wasserman, Commerce Division
  • Kelly Hirano, Global Engineering
  • Ramcess Jean-Louis, Esq., Diversity and Inclusion
  • Monica Mijaleski, Finance Operations
  • Aengus McClean, Chief Technology Officer

Geschichte

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Verizon Media vereint Teile von vier mehr oder weniger bekannten Internetkonzernen: Verizon, AOL, Yahoo und Oath.

Verizon geht zurück auf Bell Atlantic, eine der regionalen Telefongesellschaften der sieben „Baby Bells“, die 1984 entstanden, als das US-Justizministerium die Aufspaltung des AT&T-Telefonmonopols („Ma Bell“) verordnete. Nach dem Kauf des Telekom-Unternehmens GTE im Jahr 2000 entstand „Verizon“, ein sogenanntes Kofferwort aus veritas und horizon. Die Mobilfunksparte „Verizon Wireless“ ist heute nach AT&T Mobility mit rund 119 Millionen Kunden der zweitgrößte Wireless Provider der USA. 

AOL, 1983 als Control Video Corporation gegründet, verschob Ende der 1980er Jahre den Fokus auf Internetzugangssoftware. Nach der Umbenennung in America Online veröffentlichte das Unternehmen 1989 erstmals die gleichnamige Software für DOS und Windows. In den ersten Jahren wurde die Internetnutzung von America Online stündlich abgerechnet, erst 1996 wurde eine monatliche Flatrate von knapp 20 Dollar eingeführt. AOL, das seine auf CD-Roms gebrannte Software millionenfach unter die Leute brachte, wurde zum Synonym für Internetzugang. Die Anzahl der weltweiten AOL-User stieg von 10 Millionen 1995 auf 35 Millionen 2002. 

Der Erfolg machte AOL zu einem Übernahmekandidaten für die Medienkonzerne der Old Economy. Der damalige Time Warner-Chef Jerry Levin kündigte 2000 an, sein Unternehmen mit AOL verschmelzen zu wollen. Ein Jahr später kam es dann zu der Fusion, die de facto eine Übernahme von Time Warner durch AOL darstellte: 55 Prozent der Anteile an AOL Time Warner hielten AOL-Aktionäre, obwohl Time Warner mit einem damaligen Umsatz von 27 Milliarden neun mal so groß war. Es dauerte nicht lange bis klar wurde, dass AOL und Time Warner nicht zusammenpassten. Vor allem, weil die Fusion genau in die Zeit vor dem Zerplatzen der Dot.com-Blase fiel, die den Aktienwert des Unternehmens von 225 auf 20 Milliarden reduzierte. 

2009 wurde AOL aus dem Time Warner-Imperium ausgegliedert und positionierte sich als digitales Medienunternehmen. Neuer CEO wurde der ehemalige Google-Manager Tim Armstrong, der gleich das von ihm gegründete Regional-News-Portal Patch kaufte. Patch war zwei Jahre lang neben dem Technologie-Blog TechCrunch Kernstück des neuen AOL. Dies änderte sich im Februar 2011, als es Armstrong gelang, das internationale Blog-Netzwerk Huffington Post für 315 Millionen Dollar zu kaufen und Gründerin Ariana Huffington zur Medienchefin von AOL macht. 

Aufgrund der HuffPo-Übernahme sowie des Kaufs der Video-Werbeplattform Adapt.tv konnte AOL seine Stellung auf dem Display-Werbemarkt signifikant verbessern. 2015 – Patch war inzwischen schon wieder verkauft worden – wurde das Unternehmen erneut zum Übernahmekandidaten. Den Zuschlag erhielt schließlich Verizon für 4,4 Milliarden Dollar. 

Yahoo!: 1994 programmierten die Studenten Jerry Yang und David Filo in Stanford eine Website mit dem Namen „Jerry’s Guide To The World Wide Web“, ein hierarchisch angelegtes Verzeichnis anderer Websites. Die Beiden wussten, dass es innerhalb der Internet-Community großen Bedarf gab, einen Ort online zu haben, um geeignete Websites zu finden. Yang und Filo entwickelten also eine Navigationshilfe, um den rasant wachsenden Webkatalog in Kategorien zu ordnen. Drei Monate später wurde „Jerry’s Guide“ in „Yahoo!” umbenannt, bald verzeichnete die neue Suchmaschine eine Million Anfragen von über 100.000 Benutzern. 1995 wurde Yahoo! gegründet und in eine AG umgewandelt. Mitte August 1995 begann man, Anzeigen auf der Internetseite zu platzieren. 1996 ging Yahoo! an die Börse, Yang und Filo wurden über Nacht zu Multimillionären. 

Nach dem Börsengang wurde Yahoo! von einer bloßen Suchmaschine in ein Web-Portal umgewandelt. Nach sechs erfolgreichen Jahren geriet Yahoo! 2001 jedoch in seine erste Krise. Andere Internet-Dienstleister und Web-Portale, insbesondere Google, drängten in das von Yahoo! besetzte Marktsegment der Online-Suche ein. War Anfang 2000 eine Yahoo!-Aktie noch 235 US-Dollar wert, sank der Wert im August 2001 auf 11 Dollar. Zu erwähnen ist aber auch die Milliarden-Investition beim chinesischen Online-Händler Alibaba. Der Wert der Alibaba-Anteile sollte sich in den nächsten zehn Jahren vervielfachen und sogar letzlich den Wert von Yahoo übersteigen. 

Im Februar 2008 gab es das viel beachtete Übernahmeangebot von Microsoft, 45 Milliarden US-Dollar schwer. Wozu es aber letztlich nicht kam, denn Yahoo!-Gründer Jerry Yang setzte sich gegen den Aufkauf seines Unternehmens ein. Nach mäßigen Geschäftsergebnissen und einem Abgang von Führungskräften wurde Carol Bartz, Yangs Nachfolgerin an der Spitze von Yahoo, im September 2011 nach nur anderthalb Jahren entlassen. Die stagnierende wirtschaftliche Situation hatte Yahoo! inzwischen zu einem Übernahmekandidaten gemacht. Dann wurde Bartz‘ Nachfolger Scott Thomson Anfang 2012 entlassen, weil er seinen Lebenslauf manipuliert und einen Abschluss in Computerwissenschaft vorgetäuscht hatte. Nachfolgerin wurde die ehemalige Google-Führungskraft Marissa Meyer. Doch die Vorschusslorbeeren halfen nicht: Nach vier Jahren, in den Mayer unter anderem durch Zukäufe (z.B. tumblr) und eigenproduzierte TV-Serien (wie „Community“) vergeblich versucht hatte, das Blatt zu wenden, wurde Yahoo! im Frühjahr 2016 offiziell zum Verkauf angeboten. 

Oath: Im Mai 2015 stieg der Telekomriese Verizon ins Geschäft mit Medien und Inhalten ein und kaufte AOL für 4.4 Milliarden Dollar. Im Jahr darauf wurde Verizons Interesse bekannt, auch Yahoo! zu übernehmen. Dadurch versprach man sich Mehreinnahmen mit dem Einstieg in den Onlinevideo-Werbemarkt. Zwei Monate, bevor der Yahoo!-Deal dann am 13.6.2017 abgeschlossen wurde (Kaufpreis: 4,48 Milliarden Dollar), kündigte Verizon außerdem an, AOL und Yahoo unter der Dachmarke mit Namen Oath zusammenzufassen. Ein seltsamer Name, der im Netz entsprechend kommentiert wurde („Is "Oath" Yahoo or AOL? Boath.“).

Doch lange sollte das Konstrukt in der Form nicht Bestand haben. Anderthalb Jahre nach der Gründung folgte das un-rebranding. Im Dezember 2018 musste Verizon wegen der schlechten Performance seiner Online-Assets 4,6 Milliarden Dollar an Wert abschreiben, der Einstieg in den Internet-Werbemarkt war fehlgeschlagen, die Werbeerlöse blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Während Google und Facebook 2018 ungefähr 58 Prozent des digital ad market kontrollierten, kam Oath nur auf 3,3 Prozent. 2017 waren es noch 4,1 Prozent gewesen. Und Oath verschwand. Der neue Name seit 2019: Verizon Media.

Management

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Im Oktober 2018 wurde Guru Gowrappan CEO von Verizon Media, er folgte auf Tim Armstrong, der die Fusion von AOL und Yahoo eingefädelt und bei seinem Abgang ein Abfindung von 60 Millionen Dollar erhalten hatte. Gowrappan war zuvor Global Managing Director von Alibaba, wo er sich auf die internationale Expansion und den E-Commerce konzentrierte. Begonnen hatte er seine Karriere als Mitbegründer von zwei Start-Up-Unternehmen in Indien, im Anschluss folgten mehrere Führungspositionen bei Quixey, Zynga und Overture. Gowrappan wird auch nach dem Verkauf der Mediensparte an Apollo Global Management weiterhin als CEO an Bord bleiben.

Geschäftsfelder

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Verizon Media vereint insgesamt 18 digitale Brands unter einem Dach, darunter neben AOL acht yahoo!-Portale (Yahoo!, Yahoo! Mail, Yahoo! News, Yahoo! Fantasy, Yahoo! Life, Yahoo! Sports, Yahoo! Entertainment und Yahoo! Finance), die Tech-Magazine Techcrunch und Engadget, den College Sports News-Dients rivals, autoblog, und die Frauen-affinen Webseiten Makers, Built by Girls und In The Know sowie die App-Analytics-Dienst Flurry. Einige der bekanntesten Marken wurden inzwischen verkauft, darunter die Huffington Post (an Buzzfeed), Tumblr (an Automattic, den Betreiber der Blog-Plattform WordPress) und flickr (an SmugMug).

Aktuelle Entwicklungen

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AOL, Yahoo! und Co. wechseln schon wieder den Besitzer. Für fünf Milliarden Dollar geht Verizons Mediensparte voraussichtlich noch 2021 an die Private Equity Gruppe Apollo Global Management; Konzernmutter Verizon behält 10 Prozent, der neue/alte Name der Gruppe wird wieder Yahoo! sein. Es ist der vorläufige Schlusspunkt in einer nicht enden wollenden Odyssee der größten Internetfirmen der 1990er, die nun im wesentlichen nur noch Spekulationsobjekte für Finanz-Heuschrecken sind. Traditionelle Medienkonzerne wollen mit den Seiten, die nach wie vor rund 900 Millionen Besucher anziehen, nichts mehr zu tun haben. 

Verizons ursprünglicher Plan, mit der Zusammenlegung AOL und Yahoo! in einen datengetriebenen Online-Werberiesen (Oath) zu verwandeln, der es mit Google und Facebook aufnehmen kann, ist spektakulär gescheitert. Künftig will man sich ganz auf das Telekommunikationsgeschäft konzentrieren. Apollo wird nun mit aller Macht versuchen, die diversen umsatzstarken Online-Brands auch profitabel zu machen, um sie irgendwann wieder mit Gewinn zu verkaufen. Eine zentrale Rolle spielt dabei Verizon Medias neues Identifikationstool ConnectID, das als Alternative zu traditionellen Werbe-Cookies entwickelt wurde und auch auf weitere Medienaktivitäten ausgeweitet werden könnte – zum Beispiel auf die Mediensparte des Kabelkonzerns Cox Communication, die sich Apollo ebenfalls einverleibt hat.

Inhalte

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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mediadb.eu wird gefördert von der Bundeszentrale für Politische Bildung

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und der Stadt Köln.