28. Rogers Communications, Inc.

Umsatz 2020: CAD 13,916 Mrd. (€ 9,100 Mrd.)

Überblick

einklappen

Rogers Communications ist Kanadas führender Kommunikations- und Medienkonzern und sowohl als Kabelanbieter und Internet Service Provider als auch in den Bereichen TV, Radio und Print aktiv. Zum Portfolio gehören außerdem Sportteams, Teleshopping- und Streamingportale. Durch eine Übernahme von Konkurrent Shaw Communications konnte Rogers die dominante Stellung auf dem kanadischen Medienmarkt weiter ausbauen.

Basisdaten

einklappen

Hauptsitz:
333 Bloor St. East
Toronto, Ontario M4W 1G9
Telefon: 001 416 935 7777
Website: investors.rogers.com

Branche: TV-Stationen, Kabelnetze, Spartenkanäle, Radio, Zeitschriften, Mobilfunk, Baseball-Team
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1960


Ökonomische Basisdaten (in Mio. CAD)
2020201920182017201620152014
Umsatz 13.91615.07315.09614.36913.70213.41412.850
Gewinn (Verlust) nach Steuern1.5922.1352.2411.9021.4321.4331.508
Aktienkurs (in CAD, Jahresende)61,5064,3370,0062,5452,3048,3545,80
Beschäftigte23.50025.30026.10024.50025.00026.00027.000
Umsatz nach Geschäftsfeldern (in Mio. CAD)
2020201920182017201620152014
Wireless8.5309.2509.2008.5697.9167.6517.305
Cable3.9463.9543.9323.8943.8713.8703.867
Media1.6062.0722.1682.1532.1462.0791.826

Geschäftsführung

einklappen

Management:

  • Joe Natale, President und Chief Executive Officer
  • Eric Agius, Chief Customer Officer
  • Jordan Banks, President, Sports & Media
  • Lisa Damiani, Chief Digital Officer
  • Lisa Durocher, EVP, Financial and Emerging Services
  • Jorge Fernandes, Chief Technology and Information Officer
  • Dave Fuller, President Wireless
  • Sevaun Palvetzian, Chief Communications Officer
  • Dean Prevost, President, Rogers for Business
  • Jim Reid, Chief Human Resources Officer
  • Tony Staffieri, Chief Financial Officer

 

Aufsichtsrat:

  • Bonnie R. Brooks, Company Director
  • Robert Dépatie, Vidéotron ltée
  • Robert J. Gemmel, Company Director
  • Alan D. Horn, Rogers
  • Ellis Jacob, Cineplex
  • Philip B. Lind, Rogers
  • John A. MacDonald, Company Director
  • Isabelle Marcoux, Transcontinental, Inc.
  • Joe Natale, Rogers
  • David R. Petersen, Cassels Brock & Blackwell LLP.
  • Edward S. Rogers
  • Loretta Anne Rogers
  • Martha L. Rogers
  • Melinda M. Rogers

Geschichte

einklappen

Der erste Rogers war ein radio guy. Edward Samuel Rogers Sr. (1900-1939) galt als Erfinder des all electric radio und besonders des Radios mit Stromstecker; zuvor konnten Rundfunkempfänger nur mit Batterien betrieben werden. Für den Rundfunk bedeutete seine Erfindung den Durchbruch. 1925 gründete er „Standard Radio Manufacturing", auf diese Firma geht Rogers Communications zurück, auch wenn die heutige Firma offiziell erst 1960 entstand. Edward S. Rogers Jr., genannt „Ted“ (1933-2008), war fünf Jahre alt, als sein Vater starb. Als Student kaufte er in Toronto die Radiostation CHFI-FM. Obwohl nur fünf Prozent aller kanadischen Haushalte damals Kurzwellen-Empfänger hatten, sah er den Siegeszug dieser Technik voraus. Für ein Land der Größe Kanadas, das im Gegensatz zu Europa riesige unbewohnte Flächen aufwies, war das keine Selbstverständlichkeit. Mit der gleichen Weitsicht erkannte er, dass die Verbreitung durch das Kabel große Möglichkeiten bot – nicht nur für das Radio, sondern vor allem für das Fernsehen. 1967 erwarb er erste Lizenzen für Toronto, Brampton und Leamington. 

1974 strahlte Rogers Cable Television bereits 12 Programme aus und richtete sein Programm an den multikulturellen Gegebenheiten des Landes aus. Rogers Cable stieg bis 1980 durch verschiedene Zukäufe zum größten Kabelunternehmen Kanadas auf. Ab 1979 versuchte Rogers auch, in den USA Fuß zu fassen, verkaufte aber 1989 alle Anteile und beschränkt sich seither auf den kanadischen Markt. Aus den Erfahrungen des Kabelgeschäfts entwickelte Rogers ein neues Geschäftsfeld: Ab 1985 griff das Unternehmen die etablierten Telefonkonzerne mit einem eigenen landesweiten Mobilfunknetz an. Rogers Cantel Inc. (heute: Rogers Wireless) deckt mit seinem Netz 94 Prozent des Landes ab. Größere Anlaufschwierigkeiten gab es mit der Festnetztelefonie. 1967 war aus den Telegrafenbranchen der beiden großen Eisenbahnunternehmen Kanadas das Joint-Venture „Canadian National-Canadian Pacific Telecommunications“ (CNCP) entstanden, das sich bis 1980 in ein Telefonunternehmen verwandelte. Rogers kaufte 1984 einen Anteil von 40 Prozent und nannte das Unternehmen Unitel Communications. Nach der Liberalisierung des kanadischen Telefonmarktes 1992 wies die staatliche Rundfunkaufsicht dem Unternehmen die Aufgabe zu, mit dem Monopolisten Bell Canada zu konkurrieren. Daraufhin erwarb der US-Anbieter AT&T 20 Prozent an Unitel. Es folgte eine Umstrukturierung von Unitel, die 1995 mit dem Rückzug Rogers aus der Festnetztelefonie endete.  

1994 aber konnte Rogers schon erfolgreich in das Printgeschäft einsteigen und übernahm für zwei Milliarden US-Dollar das Verlagshaus Maclean Hunter mit seinem Buch- und Zeitungsangebot. Diese Akquisition und die teure technische Aufrüstung der Kabelnetze zwangen die Firma, sich von mehreren Aktivitäten zu trennen (u. a. von der Haussicherheitssparte und von Rogers Telecom). Das Angebot von Microsoft 1999, sich mit neun Prozent an Rogers zu beteiligen, um so interaktive Dienste über das Rogers-Breitbandnetz anbieten zu können, nahm man aber an. Der Vertrag umfasste die Lizenz für Microsoft TV und sah die Verwendung von Microsoft Set-Top-Boxen vor.

2000 expandierte Rogers weiter. Der Konzern erwarb das Cable Atlantic TV Network, scheiterte jedoch bei dem Versuch, das Vidéotron Cable Network für 3,62 Mrd. US-Dollar zu übernehmen. Ein Jahr später kaufte Rogers 13 Radiostationen von Standard Broadcasting und wurde Eigentümer des Major League Baseballteams Toronto Blue Jays (für 112 Millionen US-Dollar) sowie des Footballteams Toronto Phantoms. 2004 stieg der Konzern mit 50 Prozent in Dome Productions ein, Kanadas führendem Anbieter von HDTV-Technik, außerdem übernahm er für 1,4 Mrd. kanadische Dollar den Mobilfunkanbieter Microcell und kaufte die Anteile von AT&T Wireless zurück. 

Ende 2013 war der langjährige CEO Nadir Mohammed nach internen Machtkämpfen mit dem Rogers-Clan zurückgetreten. Sein Nachfolger wurde der Brite Guy Laurence: Er war zuvor Chef von Vodafone, galt als Turn-Around-Experte und sollte Rogers Marktanteile trotz wachsender Konkurrenz durch kleinere Anbieter verbessern. Laurence galt als treibende Kraft hinter dem 5,2 Milliarden Dollar schweren Deal mit dem nordamerikanischen Hockey-Verband NHL, der Rogers auf Jahre hinaus die exklusiven TV-Übertragungsrechte zusicherte. 

Management

einklappen

Inzwischen ist Laurence an der Spitze von Rogers schon wieder Geschichte, weil er sich mit der noch immer sehr einflussreichen Rogers Familie überworfen hatte. Sein Nachfolger Joseph Natale ist ein Insider der kanadischen Telco-Landschaft und leitete zuvor Telus, einen Kabelkonzern aus Vancouver.

Natale befindet sich in einer verzwickten Situation. Die kanadische Radio-television and Telecommunications Commission (CRCT) macht Druck, dass alle Kanadier Zugang zu günstigem High-Speed-Internet bekommen, dessen Preis deutlich unter Rogers monatlichen Gebühren von rund 80 kanadischen Dollar liegen soll. Doch angesichts eines Schuldenbergs von mehr als 18 Milliarden Dollar, nicht zuletzt Investitionen in den Netzausbau und dem Kauf von Spektrum-Lizenzen geschuldet, bleibt wenig Raum für Preisanpassungen.

Geschäftsfelder

einklappen

Rogers ist in drei Hauptsparten gegliedert. 

Die Mobilfunksparte Wireless ist mit ihren 10,9 Millionen Kunden seit 2004 der führende Anbieter Kanadas. 

Cable betreibt Kabelnetze in Ontario, New Brunswick und Newfoundland, 2018 mit insgesamt 4,5 Millionen Abonnenten (TV, Internet, Telefonie). Neben HDTV-Programmen und DVR-Diensten umfasst das Angebot High-Speed Internetanbindungen, Telefon und „smart home monitoring services“. Im Juni 2008 erwarb Rogers Communications außerdem 100% der Aktien des Unternehmens Aurora Cable TV Limited (Aurora Cable), einem Kabelanbieter in der Region York, Ontario. 

Unter Media ist ein diversifiziertes Medien- und Sport-Portfolio gebündelt. Rogers besitzt die Toronto Blue Jays, Kanadas einziges Major League Baseball-Team, sowie hält über die Beteiligung an der Maple Leaf Sports & Entertainment Ltd. Anteile am NBA-Basketballteam Toronto Raptors und dem Major League Soccer-Team FC Toronto. Ebenfalls im Portfolio: drei TV-Sender (Sportsnet, das City network, OMNI), 55 Radiosender (darunter 98.1 CHFI,680 NEWS, Sportsnet The FAN, KiSS, JACK FM, SONiC) und die Spartenkanäle X, FXX, Outdoor Life Network und TSC (Teleshopping).

Aktuelle Entwicklungen

einklappen

Die noch abzuschließende 26 Milliarden Dollar-Übernahme von Wettbewerber Shaw Communications bedeutet vermutlich nichts Gutes für die kanadischen Konsumenten. Schon jetzt zahlen sie weltweit mit die höchsten Gebühren für Kabel-, Internet- und Telefonie-Dienste. Nach der Übernahme wird es für 90 Prozent der Bevölkerung nur noch drei Anbieter zur Auswahl geben: Bell, Telus und Rogers. Die Rufe nach einem staatlichen Provider werden deshalb in Kanada immer lauter. Naturgemäß argumentiert Rogers ganz anders. Das Unternehmen müsse wachsen, um ein landesweites, kompetitives 5G-Netzwerk aufzubauen.