50. Nexstar Media Group

Umsatz 2020: $ 4,501 Mrd. (€ 3,940 Mrd.)

Überblick

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Gemessen an der Anzahl der TV-Stationen ist die Nexstar Media Group der größte Betreiber von Fernsehsendern in den USA. Mit 199 Stationen in 116 regionalen Märkten erreicht das Unternehmen täglich 68 Prozent der US-Bevölkerung. Zudem betreibt Nexstar diverse Pay-TV-Sender, darunter einen Nachrichtenkanal, der anders als die Konkurrenz von MSNBC, Fox News und auch CNN laut eigenen Angaben keine spezielle ideologische Ausrichtung hat. 

Basisdaten

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Hauptsitz:

545 E John Carpenter Freeway
Suite 700
Irving, TX 75062
Telefon: 001 972 373-8800
Website: www.nexstar.tv 

Branchen: Fernsehen, Pay-TV, Radio
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 1.1.-31.12.
Gründungsjahr: 1996

Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. $)
20202019201820172016
Umsatz4.5013.0392.7872.4321.103
Gewinn 81123038947592
Aktienkurs (in $, Jahresende)108,06113,0674,4272,5057,59
Beschäftigte12.41216.1938.9599.1134.527

Geschäftsführung

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Geschäftsführung:

  • Perry A. Sook, Chairman and CEO
  • Tom Carter, President, COO & CFO
  • Andy Alford, President, Broadcasting
  • Karen Brophy, President, Digital
  • Sean Compton, President, Networks
  • Brett Jenkins, EVP/Chief Technology Officer
  • Blake Russell, EVP, Station Operations
  • Elizabeth Ryder, EVP/General Counsel & Secretary
  • Gary Weitman, EVP/Chief Communications Officer
  • Dana Zimmer, EVP/Chief Distribution & Strategy Officer

 

Board of Directors:

  • Perry A. Sook, Nexstar
  • Geoff Armstrong, 310 Partners
  • Bernadette Aulestia, HBO
  • Dennis J. Fitzsimons, Robert. R. McCormick Foundation
  • Jay M. Grossman, ABRY Partners
  • Thomas McMillen, LEAD1 Association
  • Lisbeth Mcnabb, Linux Foundation
  • Dennis Miller
  • John R. Muse
  • I. Martin Pompadour

    Geschichte

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    Die Nexstar Media Group hat ihren Ursprung in dem Regionalsender WYOU, der aus der US-Kleinstadt Scranton sendete. 1996 kaufte Perry Sook die Station aus der fünftgrößten Stadt des Bundesstaates Pennsylvania und baute sich durch Zukäufe sukzessive ein TV-Imperium auf. Dabei umschiffte es gekonnt die Medienkonzentrationsregeln, die es Unternehmen nach wie vor untersagen, zuviele Sender im selben regionalen Markt zu betreiben. So kaufte man einen weiteren Regionalsender WRBE in der benachbarten Stadt Wilkes-Barre und verkaufte ihn umgehend wieder, nur um über ein sogenanntes shared-service agreement die komplette Produktion des Programms von WRBE und damit den Sender de facto weiterhin zu kontrollieren.

    Durch die Akquisitionen von u.a. Quorum Broadcasting (2003), Newport Television (2012), Communications Corporation of America und Grant Broadcasting (beide 2013) wuchs Nexstars Portfolio auf mehr als 100 TV-Stationen an. Zudem lagerten andere Station das Management ihres Programms an Nexstar aus, z.B. die Four Points Media Group. In diesem Zusammenhang kam es 2011 auch zu dem ersten Säbelrassen mit dem künftig größten Konkurrenten, der Sinclair Broadcast Group, die Nexstar alle Four Points-Stationen wegschnappte.

    Spätestens 2017, mit der knapp fünf Milliarden Dollar schweren Übernahme von Media General, wurde den Beobachtern klar, dass Nexstar es ernst nahm mit der aggressiven Expansion. Media General, ein klassischer Medienkonzern mit Tageszeitungen und Regionalsendern im Portfolio, stand kurz vor einer Übernahme durch die Meredith Corporation (der später zeitweise das berühmte Time Magazine gehörte). Doch Nexstar machte ein besseres Angebot und bekam den Zuschlag.

    2019 schließlich zementierte Nexstar seine führende Position auf dem TV-Markt durch den Kauf von Tribune Media – nachdem Konkurrent Sinclair die sicher geglaubte Übernahme von Tribune durch die Regulierungsbehörde FCC in der letzten Sekunde untersagt worden war. Nexstar sprang für insgesamt 7,1 Milliarden Dollar ein – und profitierte dabei von einem regulatorischen Schlupfloch der Trump-Administration, die die “kritische Reichweite”, die TV-Unternehmen haben durften, von 38 auf 63 Prozent angehoben hatte. Dank des Tribune-Kaufs konnte Nexstar über Nacht seine Größe verdoppeln.

    Management

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    Weil er sich mehrfach mit den großen US-Kabelkonzernen angelegt hat, ist Perry Sook heute eine Legende in der US-Fernsehindustrie. 2003 überzeugte er Satellitenanbieter, dass sie ihn für die Übertragung seiner Sender bezahlen sollen, was damals nicht üblich war. Nachdem er auch die Kabelanbieter und insbesondere Cox Communications drängte, Übertragungsgebühren zu zahlen, kam es zu einem klassischen David gegen Goliath-Disput, aus dem Sook nach zehn Jahren als Sieger hervorging. Und, so betont er heute, die gesamte regionale TV-Landschaft der USA vor dem Kollaps bewahrte. Denn mittlerweile erwirtschaften Nexstar und die übrigen Senderketten Milliardenumsätze mit der Lizenzierung ihrer Programme an die Kabelanbieter.

    Sooks wichtigster Angestellter ist Sean Compton, der Nexstars wohl ambitioniertes Projekt leitet: den landesweiten Nachrichtenkanal NewsNation. Trotz Objektivitätsanspruchs der Redaktion ist Compton ein enger Vertrauter von Donald Trump und Fox News Anchor Sean Hannity, der im Wahlkampf 2019 ein langes Exklusiv-Interview mit dem damaligen Präsidenten für NewsNation organisierte, das jedoch als unkritisch wahrgenommen wurde und dafür sorgte, dass viele Nexstar-Journalisten den Sender aus Protest verließen.

    Geschäftsfelder

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    Nexstar kontrolliert oder betreibt 199 TV-Stationen, 120 regionale News-Webseiten und 284 News- und Wetter-Apps. Mit dem landesweit empfangbaren NewsNation Network erreicht Nexstar darüber hinaus weitere 75 Millionen Haushalte. Der ehemals unter dem Namen WGN America firmierende Sender mit Sitz in Chicago strahlt tagsüber Wiederholungen von Serien und Filmen aus, bis dann am Abend ein fünfstündiges News Segment beginnt, für das Nexstar auf sein landesweites Netz an Regional-Journalisten zurückgreifen kann. Der einzige Radiosender im Portfolio von Nexstar ist WGN 720, der im Großraum Chicago empfangbar ist.

    Aktuelle Entwicklungen

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    Nach dem dramatischen Zuschauerrückgang der linksliberal und konservativ ausgerichteten News-Networks in der Post-Trump-Ära, liegt es nahe zu vermuten, dass es gerade eine große Nachfrage nach objektiven Nachrichten gibt. Und so macht es auf den ersten Blick Sinn, dass Nexstar massiv in den Ausbau seines landesweit empfangbaren NewsNation-Networks investiert, das  auf kuratierte, lokale Nachrichten aus allen US-Bundesstaaten setzt – zumal Amerikaner regionalen Sendern mehr vertrauen als den großen Kabel-Pendants. Das Problem am NewsNation-Experiment ist jedoch: Es funktioniert nicht.

    Die abendliche Nachrichtenshow verfolgten im April 2021 gerade mal 27.000 Zuschauer; in der für Werbekunden so attraktiven Zielgruppe der 25 bis 54-jährigen schalteten zeitweise sogar nur 9.000 Zuschauer ein – viel zu wenig, um mit den ebenfalls von Zuschauerverlusten betroffenen Fox News, MSNBC und Co mitzuhalten. Hinzu kommen Vorwürfe, NewsNation wäre politisch nicht so neutral wie behauptet. Neben Trump-Intimus Sean Compton ist mittlerweile auch Bill Shine auf Nexstars Gehaltzettel. Der ehemalige Fox News-Funktionär wurde von den Murdochs entlassen, weil er nach Missbrauchsvorwürfen gegen Bill O'Reilly und Roger Ailes nicht entschieden durchgegriffen hatte. Außerdem wurde er anschließend für kurze Zeit Kommunikationsdirektor im Weißen Haus von Trump.

    Inhalte

    Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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    mediadb.eu wird gefördert von der Bundeszentrale für Politische Bildung

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    und der Stadt Köln.