25. NetEase

Umsatz 2020: $ 11,290 Mrd. (€ 9,880 Mrd.)

Überblick

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Der chinesische Tech-Konzern NetEase wurde 1997 von Ding Lei gegründet, der das Unternehmen nach wie vor leitet. NetEase entwickelt und betreibt Online-Spiele, eine Musikstreaming-Plattform, E-Kommerz- und E-Mail-Services. Das im Dezember 2001 veröffentlichte Online-Rollenspiel Fantasy Westward Journey wurde mit Einnahmen von 6,5 Milliarden US-Dollar (Stand:2019) zu einem der lukrativsten Videospiele aller Zeiten.

Basisdaten

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Hauptsitz:
No. 599 Wangshang Road
Binjiang District
Hangzhou, 310052
China
Telefon 0086 571 89852070
Internet: ir.netease.com

Branchen: Internet-Games, E-Commerce, Musikstreaming, Online education
Rechtsform: Kapitalgesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01 - 31.12
Gründungsjahr: 1997

Ökonomische Basisdaten (in Mio. RMB)
20202019201820172016
Umsatz73.66759.24151.17844.41733.994
Gewinn nach Steuern12.33021.4316.47710.84911.793
Aktienkurs (in $, Jahresende)95,7764,9345,9569,0143,07
Beschäftigte28.23920.97922.72618.12915.748

Geschäftsführung

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Management:

  • William Lei Ding, CEO
  • Charles Zhaoxuan Yang, CFO

 Aufsichtsrat:

  • William Lei Ding, Director and CEO
  • Alice Cheng, Independent Director
  • Denny Lee, Independent Director
  • Joseph Tong, Independent Director
  • Lun Feng, Independent Director
  • Michael Leung, Independent Director

Geschichte

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Im Juni 1997 gründete der zu dem Zeitpunkt 26-jährige Telefontechniker Ding Lei die Firma NetEase, mit drei Angestellten, zunächst als Internet-Suchmaschine und Anbieter von Gratis-E-mail. Zwar konnte Lei „Baring Private Equity Partners“ überzeugen, fünf Millionen Dollar zu investieren, zwar brachte 2000 der NASDAQ-Börsengang rund 70 Millionen, trotzdem geriet die junge Firma nach Fälschungen in der Buchhaltung in Turbulenzen und wurde für kurze Zeit im September 2001 von der Börse genommen.

Im März 2000, wie man sich erinnert, platzte die Dotcom-Blase in den USA (und Europa), die Aktien chinesischer Internet-Firmen aber stiegen weiter mit NetEase als erfolgreichstem NASDAQ-Titel 2002 (plus 81 Prozent). Man konnte feststellen: In China sollte die Tech-Rally nachhaltiger sein, nicht nur wegen der 1,3 Milliarden potentiellen User. Es lag auch daran, dass sich das chinesische Geschäftsmodell nicht nur auf Werbeeinnahmen verließ. In China waren immer jede Kurznachricht und jeder traffic kostenpflichtig.

Ding Lei war bald einer der reichsten Chinesen. Wichtigster Grund und klügster Schachzug:  der Einstieg ins Online Gaming Business, hier besonders mit dem seit 2001 selbstentwickelten Fantasy Westward Journey, einem sogenannten MMORPG („massive multiplayer online role-playing game“). 2005 hatte das Spiel 25 Millionen Nutzer. Dazu entwickelte NetEase diverse E-commerce-Plattformen wie Koala und Yanxuan, veröffentlicht im Januar 2015 resp. April 2016. Ende 2018 gründete man mit weiteren Investoren das Music-Streaming-Angebot „Cloud Music“ (mit NetEase als Mehrheitseigner).

Management

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NetEase-Gründer und -CEO Lei Ding, auch William Lei Ding, geboren 1971 in der östlichen Küstenstadt Ningbo, hat eine „Rags to riches“-Bilderbuchkarriere absolviert, vom Telekom-Ingenieur zum achtreichsten Chinesen. Nach einem Studium am Chengdu Institut für Radiotechnik (heute Universität für elektronische Wissenschaft und Technologie in China), einem Bachelor-Abschluss und einer Stelle beim Software-Unternehmen Sybase in Guangzhou gründete er NetEase 1997. Und machte unglaublich viel Geld. 2003 war er für kurze Zeit der reichste Mann auf dem chinesischen Festland und einer der ersten Milliardäre der Volksrepublik. Und 2020 mit einem Vermögen von 21,4 Milliarden Dollar auf Platz 48 des „Bloomberg Billionaires Index“.

Ganz andere Schlagzeilen macht Lei Ding mit Schweinezucht, einem weiteren, etwa 2012 etablierten Geschäftsfeld. Unabhängig und das Gegenteil gewissermaßen vom Tech-Business. Lei züchtet also die für besonders guten Fleischgeschmack bekannten schwarzen Jeju-Schweine, mit modernen, umweltverträglichen und nachhaltigen Methoden. Ein Stück weit als Tierfreund, oder um das corporate Gewissen zu beruhigen, wohl kaum aber aus Profitgründen.

Geschäftsbereiche

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NetEase, Inc. ist neben Tencent, der Sina Corporation (Peking, betreibt den Mikroblogging-Dienst Weibo, das „chinesische Twitter“) und Sohu.com, Inc. (Peking) eines der führenden chinesischen Tech-Unternehmen der ersten Generation. Tätig auf den folgenden Geschäftsfeldern:

Als Internet-Service-Provider (darunter über eine Milliarde registrierte E-mail-Kunden 2018) und als Anbieter diverser Streaming-Plattformen, etwa NetEase CC (Livestreaming von Spielen und Entertainment) und NetEase Cloud Music (Musikstreaming). An einer Finanzierungsrunde der Musikplattform beteiligte sich Ende 2018 übrigens auch der Bertelsmann-Fonds „Asia Investments“ mit über 600 Millionen Dollar. Im Nachrichtengeschäft ist NetEase hauptsächlich mit der „News App“ (Netzwerk chinesischsprachiger News-Kanäle) und dazugehörigen interaktive Communities aktiv. Weiterhin betreibt man Onlinehandel/E-commerce (Yanxuan), online education (NetEase Youdao) oder cloud reader-Angebote über „NetEase EaseRead“.

Den größten Umsatz aber macht NetEase mit Onlinegaming (als heimischer Konkurrent des Marktführers Tencent). Mit einigen der beliebtesten PC-Client- und Handyspiele in China, teils selbstentwickelt, teils in Zusammenarbeit mit Blizzard Entertainment, der Microsoft-Tochter Mojang AB und anderen globalen Spieleentwicklern. Die bekanntesten Titel sind Fantasy Westward Journey Online und New Westward Journey Online II, oder Tianxia III, New Ghost und Justice. Mit Blizzard Entertainment, Inc. wiederum betreibt NetEase erfolgreiche internationale online games auf dem chinesischen Markt, darunter World of Warcraft, StarCraft II und Diablo III: Reaper of Souls.

Aktuelle Entwicklungen

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Auch ein weltumspannender Tech-Konzern wie NetEase mit Renminbi-Umsätzen in Milliardenhöhe ist der Regulierung der Kommunistischen Partei unterworfen. Neue Spiele müssen erst von offizieller Seite genehmigt werden; Online-Content von Videostreams bis zu Games wird unter Präsident Xi Jinping verstärkt daraufhin kontrolliert, ob Wertestandards der KP eingehalten werden. Oder wie es Guo Yiqiang, Leiter des „publishing bureau“ der Propagandaabteilung der KP auf Chinas größter Spielemesse „Chinajoy“ 2019, also im Jahr des 70. Geburtstages der Volksrepublik, ausdrückte: Games Publisher „müssen die sozialen Auswirkungen ernsthaft in Betracht ziehen... und immer in die richtige Richtung in Bezug auf Politik, Werte, Inhalte und Qualität steuern und niemals Plattformen und Kanäle für falsche Ansichten und schlechten Geschmack bieten". 

NetEase bemüht sich daher „sozialistische Werte“ und „patriotische Themen“ in seine Titel einfließen zu lassen, etwa wenn man im Adventure-Game „Ink, Mountains and Mystery“ Seite an Seite mit Monstern aus chinesischen Mythen kämpft. CEO William Ding macht sich generell keine Sorgen: „Wir verstehen und unterstützen die Absicht der Regierung voll und ganz... China ist der am schnellsten wachsende und inzwischen auch der größte Spielemarkt der Welt. Klar, dass da auch Probleme entstehen. Zum Beispiel die unerwünschten Auswirkungen von unangemessenen Inhalten.“ 

Wie solche „unangemessenen Inhalte“ aussehen, konnte zum Beispiel Deutschlands Ex-Nationalspieler Mesut Özil erfahren. Nachdem er sich Ende 2019 kritisch zur Situation der ethnischen Minderheit der Uiguren in China geäußert hatte, wurde sein Avatar bzw. virtueller Charakter kurzerhand aus der der japanischen, aber von NetEase in China publizierten Fußball-Simulation „Pro Evolution Soccer“ gelöscht. Özil, so das chinesische Außenministerium, sei bei seinem Kommentar auf „Fake News“ hereingefallen.