23. Dish Network Corporation

Umsatz 2020: $ 15,490 Mrd. (€ 13,560 Mrd.)

Überblick

 

Die Dish Network Corporation, eine connectivity company (laut Dish-Homepage) seit 1980, bietet heute Satellitenfernsehen unter dem Namen DISH an (9 Mio. Abonnenten am Ende des ersten Quartals 2020) und den Streamingdienst Sling TV (2,25 Mio. Kunden am Ende des zweiten Quartals 2020).

 

Basisdaten

Hauptsitz:
9601 South Meridan Blvd. 
Englewood, CO 80120
USA
Telefon: 001 303 723 1000
Internet: ir.dish.com

Branche: Satellitenfernsehen
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1980 (Echosphere)

Ökonomische Basisdaten (in Mio. $)
202020192018201720152015
Umsatz15.49312.80813.621 14.39115.09515.069
Gewinn 1.7631.4001.5752.0991.450747
Aktienkurs (in $, Jahresende)32,3435,8828,2847,7557,9357,18
Beschäftigte13.50016.00016.00017.00016.00018.000

Geschäftsführung

Management:

  • Charles W. Ergen, Co-founder and Chairman of the Board
  • James DeFranco, Co-founder, Executive Vice President and Director
  • W. Erik Carlson, President and Chief Executive Officer
  • Jeffrey Blum, Executive Vice President, External and Legislative Affairs
  • Stephen Bye, Executive Vice President, Chief Commercial Officer
  • Tom Cullen, Executive Vice President, Corporate Development
  • Dave Mayo, Executive Vice President, Network Development
  • Timothy A. Messner, Executive Vice President and General Counsel
  • Jeffrey L. McSchooler, Executive Vice President, Wireless Operations
  • Bryan Neylon, Executive Vice President, Group President, DISH TV
  • Paul W. Orban, Executive Vice President, Chief Financial Officer
  • Marc Rouanne, Executive Vice President, Chief Network Officer
  • Michael Schwimmer, Executive Vice President and Group President, SLING TV
  • David A. Scott, Executive Vice President and Chief Human Resources Office
  • John Swieringa, Executive Vice President and Group President, Retail Wireless and DISH COO

 

Aufsichtsrat:

  • Kathleen Q. Abernathy
  • George R. Brokaw
  • James DeFranco
  • Charles W. Ergen, Chairman
  • Candy Ergen
  • Charles M. Lillis, Wells Fargo
  • Afshin Mohebbi
  • Tom A. Ortolf
  • Joseph T. Proietti
  • Carl E. Vogel

Geschichte

Charles W. Ergen legte im Jahr 1980 den Grundstein für EchoStar Communications. Gemeinsam mit seiner Frau Candy und Jim DeFranco gründete er zunächst die Firma Echosphere als Anbieter von Satelliten-Equipment. 1992 wurde dem Unternehmen eine DBS-Lizenz zugesprochen („direct broadcast satellite" – direkt empfangbares Satellitenfernsehen). Von da an setzte Ergen alles auf den jungen Satellitenmarkt, den er als Konkurrenz zur allmächtigen Kabelindustrie begriff. 1995 wurde Echosphere in EchoStar Communications umbenannt und 1996 das DBS-Angebot unter der Marke DISH („Digital Sky Highway“) platziert - mit Erfolg. Bereits 1997 ging EchoStar an die Börse. In den nächsten zehn Jahren konnte Dish seinen Kundenstamm auf über 13 Millionen Abonnenten erhöhen.

Im Jahr 2000 schien EchoStar schon auf dem Weg zu einem Satellitenfernseh-Monopol in den USA, als man einen Zusammenschluss mit dem Konkurrenten DirecTV in Erwägung zog. DirecTV, heute Teil von AT&T, damals ein Teil von Hughes Electronic, dessen Firmengründer der legendäre Industrielle und Flug-Fanatiker Howard Hughes war. Die US-Medienregulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) untersagte jedoch die Fusion, da eine Marktdominanz im Bereich des Satellitenfernsehens von 91 Prozent die Folge gewesen wäre. Die gescheiterte Fusion kostete EchoStar 600 Millionen US-Dollar, weil das Unternehmen eine Abstandszahlung an Hughes Electronics leisten musste.

Wesentlichen Anteil am Erfolg von Echostar hatte die im Sommer 2003 geschlossene Partnerschaft mit dem US-Telekomkonzern SBC, Teil von AT&T ist. Der SBC-EchoStar-Deal basierte auf "Bündelung", einer Praxis, bei der verschiedene Services in einer Rechnung zusammengefasst werden. Mit diesem Projekt war SBC der erste große Telekom-Carrier, der Fernseh-, Telefon- und Internet-Services in einem Paket verkaufte. Als 2009 die Vertriebspartnerschaft mit AT&T auslief, ging Dish eine Allianz mit DirecTV ein.

Im Rahmen einer Partnerschaft mit Google wurde 2007 zudem das online-erprobte "Pay-per-Click"-Werbemodell auf den TV-Markt übertragen. Inzwischen vertreibt Google etwa ein Drittel der lokalen Werbezeiten von Dish. Seit Oktober 2007 kooperieren Dish und Google auch mit dem Marktforschungsunternehmen Nielsen, das die Daten aus den Set-Top-Boxen weiter ergänzt und auswertet. 2011 wurde der Technologie-/Infrastrukturbereich unter dem Namen Echostar abgespalten, der Rest des Unternehmens wurde umbenannt in Dish Network Corporation. Und 2015 richtete Dish mit Sling TV einen der ersten Over-the-top-Dienste ein (Internet-TV; der Nutzer entscheidet selbst, was er per Streaming sehen möchte).

Management

Seit 2015 auch wieder in leitender Funktion bei der Dish Network Corporation tätig ist Gründer Charles Ergen. Der als verschroben und impulsiv bekannte Ergen versteht es zu zocken: er verdiente in jungen Jahren sein Geld als professioneller Blackjack-Spieler in Las Vegas, bis ihm eines der Kasinos wegen unzulässiger Tricks Hausverbot erteilte. Heute ist er Milliardär und notorisch knauserig. Zu Geschäftsterminen erscheint der Workaholic und passionierte Bergsteiger hemdsärmelig und mit Pausenbrot. Gerüchte sagen, er weise Manager stets an, günstigere Nachtflüge zu nehmen und auf Geschäftsreisen die Hotelzimmer zu teilen – manchmal auch mit ihm. So schaffte Ergen es 2015 immerhin, in der „Forbes 100“ mit einem Vermögen von 13 Mrd. Dollar auf Platz 77 der reichsten Amerikaner zu gelangen. 2021 landet er mit 9,6 Milliarden Dollar immer noch auf Platz 241 unter den „Reichsten der Welt“.

Für einfache Mitarbeiter ist Dish allerdings kein Paradies: Der Konzern wurde von amerikanischen Watchdogs mehrfach zu „America's worst company to work for" bezeichnet. Das Branchenblatt Hollywood Reporter bezeichnete Ergen als „meistgehassten Mann Hollywoods" – unter anderem weil er keinen Konflikten mit den bekanntesten Kabelsendern aus dem Weg geht. So mussten Dish-Kunden zeitweise ganz auf Serien wie „The Walking Dead" oder „Breaking Bad" verzichten, weil Ergen sich nicht mit dem Sender AMC über die sog. carriage fees (Beförderungsentgelte) einigen konnte.

Geschäftsfelder

Unter dem Namen DISH bietet die Dish Network Corporation digitale Fernsehinhalte über Satellit an; das Programmangebot umfasst die kabelübliche Auffächerung in Vollprogramme, Lokalsender, Sparten-, Sport-, Nachrichten- und Pay-per-view-Kanäle.

Dazu kommt seit Januar 2015 der in den USA und Puerto Rico verfügbare Internet-Streamingdienst Sling TV, DISHs Antwort auf die weit verbreitete Praxis des cord cutting: Sling TV soll vor allem jüngere Generationen ansprechen, die ihren Kabelvertrag gekündigt haben oder niemals einen Vertrag abgeschlossen haben. Stattdessen können sie im Basispaket für 20 Dollar monatlich rund 20 Sender streamen. In 14 Staaten im Westen der USA tritt Dish auch als Internet Service Provider auf insbesondere in ländlichen Regionen, die vom Kabelnetz ausgeschlossen sind.

Aktuelle Entwicklung

Im April 2020 gibt es das offizielle Einverständnis für die Megafusion von T-Mobile US und Sprint, also die US-weit dritt- und viertgrößten Anbieter von Mobilfunk (hinter AT&T und Verizon). Beide Unternehmen sagen, die Fusion sei notwendig, um ein landesweites 5G-Netz aufzubauen und weil Sprint aus eigener Kraft nicht überleben könne. Eine Allianz von 13 Bundesstaaten plus Regierungsbezirk Washington halten dagegen, die Konsolidierung des Marktes würde den Wettbewerb verringern und wahrscheinlich die Preise für die Verbraucher erhöhen. Die US-Telekomaufsicht FCC und das Justizministerium haben dennoch ihr OK gegeben, unter Auflagen. Und hier kommen Charles Ergen und die Dish Network Corporation ins Spiel. Um den Wettbewerb auf dem US-Mobilfunkmarkt zu schützen, müssen T-Mobile und Sprint ihre Prepaid-Marke Boost sowie einen Teil ihrer Funkfrequenzen an Dish abgeben.

Anfang Juli 2020 wird gemeldet: Dish schließt die Übernahme von Boost Mobile für $1,4 Mrd. ab. Dazu Ergen: „Das ist für uns kein Hirngespinst. Wir wollten in den letzten 10 Jahren ins Wireless-Geschäft einsteigen. Ich habe fast jeden Tag daran gearbeitet. Jetzt stehen die Sterne günstig, wir wissen, dass wir im Wettbewerb bestehen können." Natürlich wird es schwierig als Neueinsteiger auf einem Markt mit drei etablierten, ähnlich großen Konkurrenten. „Es besteht die Möglichkeit, dass wir scheitern, es ist ein hartes Geschäft da draußen", so Ergen. „Aber Dish ist auch ein hartes Unternehmen."

So übernimmt Dish mehr als neun Millionen Boost-Mobile-Kunden, 500 Mitarbeiter, 7.500 Sprint-Filialen und etwa 20.000 Sendemasten. Man plant, Boost als Prepaid-Marke beizubehalten und gleichzeitig ein Postpaid-Geschäft zu starten – Postpaid-Kunden sind in der Regel profitabler für Mobilfunkunternehmen. Danach würde Dish damit beginnen, ein eigenes 5G-Netz Stadt für Stadt aufzubauen. Bis 2022 plant das Unternehmen, 10.000 Abonnenten in mehr als 100 Städten in seinem Netz zu haben. Zum Ausbau eines eigenen 5G-Netzes gebe es keine Alternative, so Ergen. Wenn das nicht passiert, würde man hohe Bußgelder an die FCC zahlen müssen. „Wenn wir es nicht aufbauen, wäre das finanzieller Selbstmord". Zugleich würde das Dish zu einem neuen Standbein verhelfen. Wichtig, da, wie es heißt, das Kerngeschäft – Satelliten-TV – wohl nur noch eine Generation lang profitabel bleibt.