27. Bloomberg L.P.

Umsatz 2020: $ 10,500 Mrd. (€ 9,190 Mrd.)

Überblick

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Bloomberg L.P. ist ein globaler Datenanalyse- und Medienkonzern, dessen Service hauptsächlich in dem Verkauf von Finanzdaten besteht. Mit seinen sogenannten Terminals bietet Bloomberg rund 325.000 Nutzern weltweit eine einheitliche Plattform, über die diverse Finanz- und Marktinformationen abgerufen werden können. Zu dem Medienunternehmen gehören außerdem weitere Informations- und Nachrichtendienste, ein Fernsehprogramm, ein Radiosender, ein Verlag und Onlinedienste. Bloomberg beschäftigt in 192 Ländern rund 20.000 Mitarbeiter. Der gleichnamige Chef ist mit einem Anteil von ca. 90 Prozent nicht nur Gründer, sondern auch Haupteigner des Unternehmens. Nach seiner Wahl zum Bürgermeister von New York 2001 zog sich Michael Bloomberg aus der Unternehmensführung zurück, ehe er 2014 nach drei Amtszeiten zu seinem Konzern zurückkehrte.

Basisdaten

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Hauptsitz:
731 Lexington Avenue
New York, NY 10022
USA
Telefon: 001 212 3182000
Website: bloomberg.com

Branchen: Finanzinformationen, Nachrichtenagentur, Internet-Dienste, Free-TV, Radio, Zeitschriften, Buchverlag
Rechtsform: Private Company
Geschäftsjahr: 01.01.-31.12.
Gründungsjahr: 1981

Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. $)
2020201920182017

2016

20152014
Umsatz*10.50010.50010.0009.6009.2009.0009.000
Beschäftigte22.90020.00020.00019.00019.00019.00019.000

*Schätzungen. Das Unternehmen ist nicht börsennotiert.

http://online.wsj.com/article/SB10001424052970203537304577031870359843842.html

Geschäftsführung

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Management:

  • Michael Bloomberg, Co-founder, President, CEO
  • Thomas Secunda, Co-founder, Vice Chairman
  • Elizabeth Mazzeo, Chief Operating Officer
  • John Micklethwait, Editor in Chief, Bloomberg News
  • Richard DeScherer, Chief Legal Officer
  • Josh Eastright, Chief Executive, Bloomberg Industry Group
  • Justin B. Smith, Chief Executive, Bloomberg Media Group

Aufsichtsrat:

  • Thomas Secunda, Bloomberg
  • Matthew Winkler, Bloomberg
  • Richard DeScherer, Bloomberg
  • Peter Grauer, Chairman of the Board, DaVita HealthCare
  • Arthur Levitt Jr., Goldman Sachs
  • Jane Quinn, Main Street Connect
  • Frank Savage, Savage Holdings
  • Martin Geller, Geller & Company

Geschichte

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Michael Bloomberg war schon früh klar, dass der weltweite Wirtschaftsjournalismus durch die Globalisierung eine Blütezeit erleben sollte. Er gründete 1981 das Unternehmen „Innovative Marketing Systems” und begann daraufhin mit der Vermarktung des Bloomberg Terminals: ein Datenmonitor, der „real-time market data, financial calculations and other financial analytics“ für Wall Street-Firmen bereitstellte. Die finanziellen Mittel für das Projekt stammten aus der 10 Millionen Dollar-Abfindung, die Bloomberg nach seinem Ausscheiden bei der Investmentbank Salomon Brothers erhielt. Seit Mitte der 1970er Jahre war Bloomberg dort als Leiter des Aktienhandels tätig gewesen. Er verließ das Unternehmen kurz nach dessen Privatisierung.

Der Finanzdienstleister Merrill Lynch & Co., Inc. wurde mit dem Kauf mehrerer Bloomberg Terminals der erste Kunde und sicherte sich 1985 für 39 Millionen Dollar einen 30-prozentigen Anteil am Unternehmen. Mit dem Einstieg von Merill Lynch begann auch die Serienproduktion der Bloomberg Terminals. Die Maschinen stehen heute weltweit in rund 330.000 Büros und Privatwohnungen, im Vatikan wie in der Redaktion der „New York Times“, und machen dank einer Jahresmiete pro Terminal von derzeit 24.000 Dollar etwa 85 Prozent des Umsatzes aus.

Die 1980er Jahre waren die erste Hochphase. Der Finanzdatenhandel wurde zum Kernsegment des Unternehmens, welches 1986 in Bloomberg L.P. umbenannt wurde. Auch den Aktien-Crash 1987 überstand man relativ unbeschadet, in der Folgezeit wurden Auslandsbüros in London und Tokyo eröffnet. 

Da Bloomberg am Anfang nur ein geringes Werbebudget zur Verfügung stand, gründete er 1990 die Nachrichtenagentur Bloomberg Business News, um dadurch eine höhere Medienpräsenz zu erreichen. Die Redaktion rekrutierte namhafte Journalisten, unter anderem vom Wall Street Journal und Forbes. Die Nachrichten werden seither direkt über die Terminals ausgestrahlt. Zeitungen wurde die kostenlose Benutzung des Terminals angeboten, im Gegenzug mussten sich diese verpflichten, unter dem Anbieternamen Meldungen abzudrucken. Seither, so erklärte Bloomberg einmal seine Strategie, könne er sich über wohlwollende Kritik freuen, da das Unternehmen als zuverlässige Nachrichtenquelle gelte. Das Fachblatt „Columbia Journalism Review" sprach in diesem Zusammenhang davon, dass sich die Journalisten für Bloombergs Werbegeschenk „mit Tinte“ revanchierten. Zeitungen, die sein Informationsangebot zu selten nutzten, drohte Bloomberg regelmäßig mit Entzug.

1992 kaufte Bloomberg eine New Yorker Radiostation und formte diese zu einem reinen Nachrichtensender um, es folgten ein hausinternes Fernsehstudio und eine Satelliten-TV-Station. 1994 erschien zum ersten Mal die Zeitschrift „Bloomberg Personal Finance Magazin“. Auch im Internet stellte Bloomberg ab 1995 Geschäftsinformationen zur Verfügung. Kurz darauf wurden Informationsangebote, die bis dahin nur über die Terminals abrufbar waren, PC-kompatibel gemacht und auch an Drittanbieter verkauft. Außerdem wurde in diesem Jahr das elektronische Handelssystem des „Bloomberg Tradebook” eingeführt. Ein Jahr später wurde das Unternehmen erneut verlegerisch tätig und brachte mehrere Bücher heraus. Das Tagesprogramm des New Yorker Fernsehsenders WPXN wird seit 1996 ebenfalls von Bloomberg produziert. 1996 kaufte Bloomberg für 200 Millionen Dollar zehn Prozent der Unternehmensanteile von Merrill Lynch zurück. Das Unternehmen hatte zu der Zeit einen geschätzten Marktwert von zwei Milliarden Dollar.

1998 verdrängten die „Bridge Information Systems”, ein Teil von Reuters, durch den Kauf der Dow Jones Märkte Bloomberg von Platz zwei auf Platz drei der am häufigsten installierten Finanzinformationsterminals. Trotzdem vergrößerte sich Bloomberg durch Kooperationen mit Internetfirmen sowie durch die Herausgabe der Magazine „Bloomberg Money“ (1998) und „Bloomberg Wealth Manager“ (1999). Auch Kooperationen mit der Australischen Börse und einem spanischen Fernsehsender erweiterten das Tätigkeitsfeld. 2000 wurde das E-Commerce-Portal von Merrill Lynch für Bloomberg-Kunden zugänglich gemacht und 2004 verkündete das Unternehmen, dass es den Sender E! Entertainment Television für die nächsten drei Jahre mit Wirtschaftssendungen beliefern werde.

Die ersten Jahre des neuen Jahrtausends waren für Bloomberg durch den harten Wettbewerb mit den beiden großen, inzwischen fusionierten Konkurrenten Thomson und Reuters geprägt. Im Jahr 2001 wurde Bloomberg auf Schadensersatz wegen Verbreitung einer Falschmeldung verklagt, die zu heftigen Kursverlusten des Unternehmens Emulex geführt hatte. Der Skandal löste Diskussionen darüber aus, ob der harte Wettbewerb zwischen den Informationsanbietern und der daraus resultierende Zeitdruck die Qualität der Berichterstattung zu stark beeinflusse. Vor allem in der Belegschaft der Bloomberg-News-Sparte wurden Stimmen laut, die einen Qualitätsverlust der Berichterstattung aufgrund eines unqualifizierten Managements fürchteten. Aussteiger sprachen von einem „journalistischen Sweat-Shop“. Der Protest gipfelte 2004 in der Bestrebung, eine Gewerkschaft zu gründen, die jedoch nie realisiert wurde.

Im Oktober 2007 – Michael Bloomberg hatte inzwischen sein Unternehmen verlassen, um Bürgermeister von New York City zu werden – kam Bloomberg L.P. in die Schlagzeilen, weil erneut mehrere Frauen gegen das Unternehmen klagten. Es ging wie schon bei dem Prozess Anfang der 1990er Jahre darum, dass Frauen, nachdem sie dem Unternehmen ihre Schwangerschaft mitgeteilt und Mutterschaftsurlaub genommen hatten, in der Bezahlung herabgestuft und auf schlechtere Posten versetzt wurden. Während ursprünglich nur vier Frauen im Oktober 2007 geklagt hatten, stieg die Zahl der Klägerinnen bis Mai 2008 auf insgesamt 61 an. Im Sommer 2011 wurde die Klage von einem Bundesgericht in erster Instanz zurückgewiesen.

Die 2007 einsetzende Wirtschafts- und Finanzkrise war für Bloomberg Chance und Problem zugleich. Chance, weil es für einen Finanzdienst nun viel zu berichten gab. Problem, weil Bloombergs Geschäft auf der Vermietung von Finanzterminals beruht und Kunden absprangen: Allein durch den Bankrott von Lehmann Brothers verlor Bloomberg 2007-2009 bis zu 4.000 Kunden. Der Vertrieb von Wirtschaftsdaten, das Kerngeschäft von Bloomberg, bekam indes durch die im Mai 2013 bekannt gewordene Ausspähung der Terminal-Aktivitäten durch die hauseigenen Journalisten ein erhebliches Glaubwürdigkeitsproblem. Glaubt man den Vorwürfen, so wurden die Premium-Kunden (Broker, Bänker, Wirtschaftsbosse) systematisch ausspioniert und deren private Daten weitergegeben. Zudem sollen Daten wie private Telefonnummern oder Beziehungsstatus für persönliche Belange der Reporter missbraucht worden seien. 

Nach drei Amtszeiten als Bürgermeister von New York kehrte Michael Bloomberg im Herbst 2014 schließlich an die Spitze des Unternehmens zurück. Eigentlich wollte sich der Multimilliardär nach seinem Rückzug aus der Politik zurückziehen und auf diverse Charity-Aktivitäten konzentrieren. Doch Bloomberg konnte es nicht lassen, sich zunehmend in das Tagesgeschäft seines Medien- und Informationskonzerns einzumischen. Der seit 2007 amtierende Präsident und CEO von Bloomberg, Daniel Doctoroff, sah seinen Einflussbereich immer weiter schrumpfen und verkündete seinen Rückzug zum Jahresende 2014.

Management

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Nach drei Amtszeiten als Bürgermeister von New York ist Michael Bloomberg (Motto: „Ich glaube, dass ich alles besser kann“) mittlerweile wieder voll in alle Unternehmensfragen involviert – von der Integration der diversen News-Outlets bis hin zur Kennzeichnung der Papierhandtücher auf den Büro-WCs. Doch seine Präsidentschaftskandidatur 2020, bei der er nach schwachen Auftritten in den TV-Debatten sang- und klanglos in den Vorwahlen ausschied, haben sein Image massiv beschädigt. Die halbe Milliarde Dollar, die Bloomberg für seine größenwahnsinnige und wirkungslose Kampagne verpulverte, so Kritiker, hätte er lieber für karikative Zwecke spenden sollen (wobei man fairerweise erwähnen sollte, dass er über seinen Bloomberg Philanthropy-Arm dies bereits tut). 

Doch sein Plan, ins Weiße Haus zu ziehen, beförderte auch die seit Jahren kursierenden Gerüchte um die angeblich toxische Arbeitsatmosphäre bei Bloomberg und die mutmaßlich frauenfeindlichen Sprüche von Bloomberg selbst unter das öffentliche Brennglas. Konnte er sein Verhalten in den 1990er Jahren noch mit dem Hinweis auf „schlechte Witze“ verteidigen, haben die Vorwürfe in der MeToo-Ära eine ganz neue Bedeutung bekommen.

Geschäftsfelder

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Informationsdienste
„The Terminal“: Der Informationsdienst „Bloomberg Professional Service” funktioniert als Plattform, auf der Finanzdaten, Nachrichten, Berichte und Analysen dargestellt werden. Weitere Funktionen wie E-Mail und E-Commerce sind integriert, wobei das Interface-Design häufig als unmodern moniert und mit dem Layout von MS DOS verglichen wird. Die Terminals informieren sekundenschnell über weltweite Börsenbewegungen. Bloomberg bot mit der Zeit neben Börsendaten und Unternehmensnachrichten auch Sportresultate, Wetterberichte und Horoskope über seine Terminals an, ebenso wie Kinoprogramme und Menükarten ausgewählter Restaurants. Man wolle, so Bloomberg, den vielgeplagten Brokern auch Entspannungsmomente bieten, denn im Grunde sollten „Arbeit und Privatleben doch eins sein", so die Philosophie des Firmenchefs.

Industry Products
2011 wurden die Dienste „Bloomberg Law” und „Bloomberg Government” ins Leben gerufen. Während Erstere gegen eine monatliche Pauschale von 450 US-$ einen Informations- und Datenbankservice zu Rechtsthemen bietet, zielt das in Washington ansässige Bloomberg Government vor allem auf die Nutzung durch Finanz- und Wirtschaftslobbyisten. Hier werden die Kunden gegen eine jährliche Nutzungsgebühr mit aktuellen Meldungen und Analysen rund um den Kongress, die Ministerien und das Weiße Haus beliefert. Weitere Datenbankdienste zu den Themen Steuern, Umwelt und Energie wurden auch eingerichtet. 

News Folgende Nachrichtendienste bietet Bloomberg heute an: „Bloomberg Markets“, „Bloomberg Technology“, „Bloomberg Pursuits“, „Bloomberg Politics“, „Bloomberg Opinion“, „Bloomberg Businesswork“. Rund 2.200 Journalisten sind weltweit für Bloomberg News aktiv, sie produzieren täglich 5.000 Artikel. Neben den Bloomberg-Medien verfügen auch 400 weitere Zeitungen und Zeitschriften über Lizenzen und können so auf Bloomberg-Informationen zurückgreifen. TV, Radio und Streaming Der Pay-Kanal „Bloomberg Television”, 1994 gegründet, erreicht mittlerweile weltweit über 310 Millionen Zuschauer und hat Ableger in Europa, Afrika und Lateinamerika. „Bloomberg Radio” sendet Wirtschaftsnachrichten mit der Unterstützung von 2.700 Journalisten in über 120 Ländern.  Mit „Quicktake“ hat Bloomberg auch ein Streamingportal für Finanznews und Dokumentationen gegründet.

Print

Das defizitäre, 1929 gegründete Wirtschaftsmagazin BusinessWeek hat Bloomberg 2009 vom Medienkonzern McGraw-Hill übernommen. 

Aktuelle Entwicklungen

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Digitale (aber mit Anzeigen versehene) Abos der Bloomberg-Dienste, die unabhängig vom Besitz eines Terminal-Computers genutzt werden können, gewinnen für das Unternehmen immer mehr an Bedeutung. 2021 nutzten bereits rund 400.000 Broker einen solches Abo – mehr als die 325.000 Terminal-User, die jedoch weiterhin für den Großteil des Umsatzes verantwortlich sind (ein mit mehr Funktionen ausgestattetes Terminal kostet im Jahr rund 20.000 Dollar, ein Digital-Abo nur 415 Dollar).

In der Post-Trump-Ära ist es für Bloomberg dabei ein großer Vorteil, dass es nicht in erster Linie auf Politik-, sondern überwiegend auf Finanznews angewiesen ist. Von den massiven Traffic- und Quoten-Einbrüchen, die CNN, MSNBC und Co. nach dem Ende der Trump-Präsidentschaft erleiden mussten, blieb Bloomberg deshalb verschont. Vom ökonomischen Wiederaufbau nach der Corona-Pandemie verspricht sich das Unternehmen hingegen ein erheblich gesteigertes Interesse an Wirtschaftsnachrichten – und damit auch weitere zahlende Nutzer. Ebenfalls im Aufwärtstrend sind die sogenannten „verticals“, Nachrichtendienste zu speziellen Themenkomplexen wie Klimawandel („Bloomberg Green“), Krankenversicherung („Prognosis“) und der ethnischen Zusammensetzung des Personals von Unternehmen („Equality“).

Inhalte

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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mediadb.eu wird gefördert von der Bundeszentrale für Politische Bildung

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und der Stadt Köln.