41. Asahi Shimbun Group / TV Asahi

Umsatz 2020: € 5,670 Mrd.

Überblick

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Im Zentrum der Asahi Shimbun Company steht die 1879 in Osaka gegründete namensgebende, linksliberal zu verortende Asahi Shimbun („Morgensonnen-Zeitung“), weltweit die Tageszeitung mit der zweitgrößten Auflage - hinter Konkurrent Yomiuri Shimbun. Zum Medienkonzern gehören außerdem der Fernsehsender TV Asahi, weitere Publikationen, die Werbeagentur Asako und die Immobiliengesellschaft Asahi Building Co. 

Zur Einordnung von Asahi Shimbun in das IfM-Ranking beziehen wir uns auf die für das Geschäftsjahr 2020 vorliegende Umsatzzahl für TV Asahi, die für 2019 vorliegende Umsatzzahl für Asahi Shimbun und die für 2018 vorliegende Umsatzzahl von Asahi Advertising, umgerechnet nach den jeweiligen Jahresmittelkursen.

Basisdaten

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Hauptsitze:
Asahi Shimbun
5-3-2 Tsukiji, Chuo-ku
Tokio 104-8011
Japan
Telefon: 0081 3 5540 7595
Website: asahi.com/corporate/english

TV Asahi
6-9-1 Roppongi, Minato-ku
Tokio 106-8001
Japan
Telefon: 0081 3 6406 1111
Website: tv-asahihd.co.jp/e/profile/index.html

Branchen: Zeitungen, Zeitschriften, Buchverlag, Fernsehsender, Satelliten-TV, Musikverlag, Werbung
Rechtsform: Private Company
Geschäftsjahr: 01.04. – 31.03.
Gründungsjahr: 1879

 

Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. ¥)*
2020201920182017
Umsatz Asahi Shimbun Holdings N.N.353.608N.N.389.484
Umsatz TV Asahi Holdings 264.557293.638301.744302.511
Umsatz Asahi Advertising N.N.N.N.41.90048.800

* Das Geschäftsjahr beginnt am 01.04. des Vorjahres und endet am 31.03.

Geschäftsführung

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  • Michiko Murayama, Besitzerin (1920-2020)
  • Shoichi Ueno, Besitzer (1936-2016), Urenkel des Gründers Riichi Ueno
  • Shiro Nakamura, President and CEO, Asahi Shimbun Company
  • Katsuhide Konishi, Chief Sales Officer/Chief Print Media Officer
  • Hiroshi Hayakawa, Chairman und CEO, TV Asahi Group

    • Shu Ueda, President und CEO, Asahi Advertising

    Geschichte und Profil

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    Die Wiege der Asahi Shimbun stand in Osaka, der Stadt der Kaufleute und Jahrhunderte lang Japans Wirtschaftsmetropole. Hier betrieb Ryohei Murayama ein Handelsgeschäft. Auf Bitten seines Freundes Heihachi Kimura wurde er pro Forma Eigentümer eines von Kimura und dessen Sohn Noboru gegründeten Blattes, das sich Asahi Shimbun nannte und erstmals am 25. Januar 1879 erschien. Im folgenden Jahr stieß Riichi Ueno hinzu. 1881 erwarben Murayama und Ueno alle Rechte von den Kimuras und betrieben die Zeitung fortan als Miteigentümer im Verhältnis zwei zu eins; die beiden Familien sind bis heute Hauptbesitzer der Asahi. Murayama und Ueno machten aus dem Boulevardblatt eine leicht lesbare, einflussreiche Zeitung. Die Auflage stieg binnen vier Jahren von tausend auf 20.000 Exemplare. 1888 kauften sie in Tokio die Mezamashi Shimbun und strukturierten sie zur Tokyo Asahi Shimbun um. Nach der Fusion der beiden Zeitungen 1908 wurde das Familienunternehmen 1919 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Murayama wurde Präsident des Unternehmens und behielt die Position bis zu seinem Tod 1933 inne. Ueno starb bereits 1919.

    Politisch hat sich die Asahi oft Kritik an der Regierung oder am Militär geübt, was ihr nicht immer gut bekam. Ihre Berichterstattung über die sogenannten Reisunruhen von 1918 führte zu einer Suspendierung der Asahi in Osaka und einem Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Pressegesetz. Mehrere Redaktionsmitglieder landeten im Gefängnis, Murayama wurde von Rechtsradikalen überfallen und zog sich vorübergehend zurück; der spätere Umbau zur AG diente auch dazu, seine Rückkehr an die Spitze des Unternehmens zu ermöglichen. Bei einem Militärputsch im Februar 1936 besetzten die Aufständischen auch die Asahi-Redaktion in Tokio und demolierten die Einrichtung. Die Zeitung hatte die zunehmende Militarisierung der Politik und die vom Militär ohne politisches Mandat vollzogene Eroberung der Mandschurei kritisiert. Der wachsenden Macht des Militärs konnte sich aber auch die Asahi bald nicht mehr widersetzen und diente im Kriege – wie die anderen noch zugelassenen Zeitungen – als Propagandainstrument. Um dafür die Verantwortung zu übernehmen, traten Verlagsführung und Redaktionsspitze bald nach Japans Kapitulation zurück. Im Zuge der Demokratisierungswelle nach dem Kriege wählten Redaktion und Verlag sich ihre Führung selbst, bis 1951 die Miteigentümer wieder ins Management zurückkehrten.

    Ebenfalls 1951 entstand in Osaka mit finanzieller und personeller Unterstützung der dortigen Asahi ein regionaler Hörfunksender für Westjapan, „Asahi Hoso KK“, der sich auf Englisch „Asahi Broadcasting Corporation“ (ABC) nennt. 1956 expandierte ABC in den Fernsehbereich. 1961 wurden die Aktien der Asahi Hoso AG an der Börse von Osaka eingeführt. 1959 kam es auch in Tokio mit Hilfe der dortigen Asahi Shimbun zur Gründung eines Rundfunksenders, und zwar zunächst als Bildungsfunk unter anderem Namen. 1973 gab der Sender den Bildungsfunk auf, erwarb eine allgemeine Rundfunklizenz und firmiert seit 1977 unter dem Namen „Zenkoku Asahi Hoso KK“, englisch „Asahi National Broadcasting Co. Ltd.“ (ANB). Als japanische Kurzform seines Namens verwendet der Sender „Terebi Asahi“, auf Englisch „TV Asahi“. ABC und ANB gehören beide zum landesweiten Verbundsystem „All-Nippon News Network“ (ANN). 2000 wurden die Aktien von „TV Asahi“ an der Tokioter Börse eingeführt. 

    Die Asahi Shimbun baute die Zusammenarbeit zwischen Zeitung und Rundfunk aus, vor allem durch Nutzung der Satellitentechnik. Beteiligungen an „Asahi Newstar“ und zwei weiteren Sendern sicherten den Zugang zum Kommunikationssatelliten (CS). Für den Bereich der Rundfunksatelliten (BS) wurde 1998 die „Asahi Broadcasting Satellite Co.” (BS Asahi oder BSA) gegründet, die im Dezember 2000 ihren Sendebetrieb aufnahm.

    Management

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    Nicht zuletzt, weil er der Zeitung dabei half Glaubwürdigkeit zurückzuerlangen, sitzt heute Shiro Nakamura am Steuer der Asahi Shimbun Company. 2014 musste das Medienhaus insgesamt drei große Stories widerrufen: Seit 1982 veröffentlichte Artikel des Journalisten Seiji Yoshida, der behauptet hatte, bei der vermeintlichen Entführung von 200 Zwangsprostituierten während des Zweiten Weltkrieges mitgewirkt zu haben; ein nachweislich falscher Bericht, Mitarbeiter des Kernkraftwerks in Fukushima hätten ihre Posten während der Reaktorkatastrophe vorzeitig verlassen; ein fingiertes Interview mit dem Geschäftsführer von Nintendo. Nakamura, der zuvor politischer Redakteur war und den internationalen News Desk geleitet hatte, wurde in der Folge zum „Public Editor" ernannt, ein Ombudsmann, der die journalistische Praxis im Hause Asahi auf den Prüfstand stellte.

    Geschäftsfelder

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    Die Geschäftsfelder von Asahi Shimbun umfassen die Bereiche Zeitungen, Zeitschriften und Bücher; Fernsehen und Hörfunk, Druck und Übermittlung, Vertrieb und Anzeigen, kulturelle Aktivitäten wie den Betrieb der 18 Asahi-Kulturzentren (eine Art privater Volkshochschulen), Verwaltung und Betreuung der zahlreichen Asahi-Immobilien, Versicherungen; Reisen und Tourismus, Sozialeinrichtungen und -dienste. 

    Print
    Die Aktivitäten des Zeitungskonzerns sind in rund 190 Tochterfirmen und kooperierende Organisationen im In- und Ausland geteilt. Mit einer Tagesauflage von rund 8,12 Millionen Exemplaren ist die Asahi Shimbun die zweitgrößte Tageszeitung Japans und der Welt.
    Bedeutende Objekte sind auch die Sportzeitung Nikkan Sports News, die Lokalzeitung Kanagawa Shimbun in Yokohama (Tagesauflage: rund 230.000 Exemplare) und die Studentenzeitung Asahi Gakusei Shimbun. Rund 50 Auslandskorrespondenten berichten für die Asahi Shimbun von 31 Standorten aus. 

    Fernsehen
    Im Rundfunkbereich unterhalten „TV Asahi“ (ANB) und die Partnersender aus dem ANN-Verbundsystem weltweit rund 25 Studios oder Korrespondentenbüros. Unter den insgesamt 25 Privatsendern, die dem ANN-Verbund angehören, ist „TV Asahi“ das größte Unternehmen. Zweitgrößter Partner im ANN-Verbund ist „Asahi Hoso“ (ABC) in Osaka. 

    Online
    Unter dem Dach von Asahi Interactive vereint das Unternehmen Onlinemarken mit großer Reichweite wie CNET Japan, ZDNet Japan, Techrepublic Japan sowie den japanischen Webauftritt von CNN. Zudem betreibt Asahi die japanische Version der HuffPost.

    Engagement in Deutschland/Europa

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    Die Asahi Shinbun hat ihr zentrales Europabüro in London und ist mit weiteren Korrespondenten in Paris, Berlin, Brüssel, Genf, Rom, Wien, und Moskau vertreten. Zwei ihrer sechs Satellitenausgaben im Ausland werden in Europa produziert, in London und im holländischen Heerlen. Die Asahi kooperiert mit folgenden europäischen Zeitungen: Le Monde, El Pais, Corriere della Sera, Süddeutsche Zeitung, Argumenti i Fakti, Nowoje Wremja und Nesawisimaja Gazeta. TV Asahi unterhält Studios oder Korrespondentenbüros in London und Moskau, Partnersender aus dem ANN-Verbund in Paris und Berlin. Zusätzlich verkauft TV Asahi zunehmend Sendekonzepte nach Europa.

    Aktuelle Entwicklungen

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    Obwohl das Unternehmen einer der Hauptsponsoren ist, forderte die Asahi Shimbun Company im Mai 2021, dass die Olympischen Sommerspiele aufgrund der prekären Corona-Lage endgültig abgesagt werden sollen, und stellte sich damit als einziges großes Medienunternehmen Japans gegen die Pläne der umstrittenen Suga-Administration. Die Spiele abzuhalten, so die Asahi Shimbun in einem Leitartikel, sei verantwortungslos und das Olympische Komitee würde die Wünsche des japanischen Volkes ignorieren. 

    Eine Absage der schließlich unter Ausschluss von Zuschauern stattfindenen Spiele hätte allerdings einen finanziellen Schaden von rund 17 Milliarden Dollar verursacht. Die von der Asahi Shimbun angeführten Kritiker gingen davon aus, dass die volkswirtschaftlichen Schäden bei einem möglichen Corona-Ausbruch während der Spiele und anschließendem Lockdown um ein vielfaches größer gewesen wären.