44. Access Industries (Warner Music, DAZN, Deezer)

Umsatz 2020: € 5,050 Mrd.

Überblick

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Access Industries ist die 1986 gegründete private Beteiligungsfirma des russischstämmigen anglo-amerikanischen Milliardärs Len Blavatnik. Mit Investments und long-term holdings in Bereichen Chemie- und Biotechnologie, Immobilien, und Medien. Zur Holding gehören die Warner Music Group (eine der drei großen Musikfirmen, neben Universal (Vivendi) und Sony), der Sportstreaminganbieter DAZN und der Spotifiy-Konkurrent Deezer.

Basisdaten

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Hauptsitz:
40 West 57th Street, 28th Floor
New York, NY 10019  
USA 
Telefon:  001 202 247 6400
Website: accessindustries.com

Branchen: Musik, Video- und Musikstreaming, Film- und TV-Produktion, Free- und Pay-TV
Rechtsform: Private Company
Geschäftsjahr: 01.10. - 30.09. (Warner Music Group Corp.)
Gründungsjahr: 1986

 

Zur Einordnung in das Ranking beziehen wir uns auf die 2018 bis 2020 verfügbaren Umsatzzahlen von Warner Music, DAZN und Deezer (in Mrd. €):

Ökonomische Basisdaten Access Industries

202020192018
Warner Music4.4633,99733,39
DAZNn/a0,5490,235
Deezern/an/a0,3387

 

Geschäftsführung

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Aufsichtsrat:

  • Len Blavatnik, Founder and Chairman Access Industries


Management:

  • Stephen F. Cooper, Chief Executive Officer, Warner Music Group (New York)
  • Kevin Mayer, Chairman of the Board of Directors, DAZN (London/New York)
  • James Rushton, Co-CEO, DAZN Group (London/New York)
  • Hans-Holger Albrecht, CEO, Deezer (Paris)

    Geschichte

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    Leonard Valentinovich Blavatnik verließ Ende der 1970er Jahre gemeinsam mit seinen Eltern die Sowjetunion in Richtung USA und machte Abschlüsse an der Columbia University und der Harvard Business School – nur um nach dem Fall des eisernen Vorhangs zurückzukehren und als steinreicher Sieger aus den „Aluminium-Kriegen“ hervorzugehen: Gemeinsam mit seinem Partner, dem heutigen Kreml-Berater Viktor Vekselberg, gelang es ihm, in der von Mord und kriminellen Banden geprägten Ära diverse Aluminium-Fabriken unter dem Dach seiner Firma Sual zusammenzuführen, die heute als „Rusal” der zweitgrößte Alu-Produzent der Welt ist. 

    1997 stiegen Blavatnik und Vekselberg dann mit Hilfe des Oligarchen Mikhail Fridman ins Erdöl-Business ein und erwarben Anteile an dem sibirischen Energie-Riesen TNK, an dem sich später auch BP beteiligte und mit dem, nach dem Verkauf an den staatlichen Öl-Riesen Rosneft im Jahr 2013, Blavatnik und Co. rund 28 Milliarden Dollar verdienten. 

    Das Vermögen, das er beim Ausverkauf der sowjetischen Industrie machte, reinvestierte er in der Folge überwiegend in den USA und Europa, und bewies bei seinen oftmals riskanten Wetten fast immer den richtigen Riecher: So setzte er unter anderem auf das Modelabel Tory Burch, den niederländischen Chemiekonzern Basell oder auch die Broadway-HitShow „Hamilton“. Seine Ausflüge in den Mediensektor waren jedoch durchwachsen, etwa als er dem inzwischen als Sexualstraftäter verurteilten Produzenten Harvey Weinstein 45 Millionen für sein gleichnamiges Studio lieh oder gemeinsam mit Trumps späteren Wirtschaftsminister Steve Mnuchin und dem Filmregisseur Bret Ratner Besitzer des Hollywood-Studios Ratpac Dune wurde. 

    Ein Volltreffer war jedoch sein 3,3 Milliarden schwerer Kauf des „Big 3“-Musiklabels Warner Music im Jahr 2011 – zu einem Zeitpunkt, als sich die Musikindustrie in einer schweren Krise befand. Dank des Siegeszuges, den Musikstreaming angetreten hat (auch wenn dabei Deezer, ein weiteres Blavatnik-Investment, bisher nur eine Nebenrolle spielt), ist Warner Music nach einem erfolgreichen Börsengang 2020 mittlerweile rund das Doppelte wert. 

    Management

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    Blavatnik, 2017 von der Queen zum Ritter geschlagen, lebt mittlerweile als reichster englischer Bürger in London und hält von dort, dank großzügiger Spenden an Universitäten, Kultureinrichtungen und Politiker, beste Beziehungen nach Washington und Moskau. Seine Parteispenden schüttet er nach dem Gießkannenprinzip aus, so dass er sich stets der Unterstützung aller relevanten Akteure sicher sein kann. Ob Mitt Romney, Lindsey Graham oder Marco Rubio auf der einen Seite oder Barack Obama, Kamala Harris und Hillary Clinton am anderen Ende des Parteienspektrums – sie und ihre Kampagnen haben alle schon von Blavantnik-Millionen profitiert. Seine politischen Affiliationen kommen dabei jedoch immer stärker in Konflikt mit seinem philanthropischen Aktivitäten. So legte der Politikwissenschaftler Bo Rothstein seine Professur an der Blavatnik School for Governance an der Universität Oxford aus Protest nieder, als er aus der Presse erfuhr, dass der Namensgeber seines Instituts die Inaugurationsfeier von Ex-Präsident Trump mitfinanziert hatte.

    Geschäftsfelder

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    Warner Music Group: Als eines der drei größten Musiklabels der Welt vereint die Warner Music Group 19 Plattenfirmen (Asylyum, Atlantic, Big Beat, Canvasback, east west, Elektra, Erato, 2Orbital, Fueled by Ramen, Nonesuch, Parlophone, Reprise, Rhino, Roadrunner, Sire, Spinnin', Warner Classics, Warner Music Nashville und Warner Records) und den Musikverlag Warner Chappell Music. Zu den bekanntesten und erfolgreichsten Warner-Künstlerinnen und Künstlern zählen momentan Cardi B, David Guetta und Ed Sheeran.

    DAZN: Das 2016 gegründete Sportstreamingportal ist momentan erst in acht Ländern nutzbar (USA, Italien, Spanien, Kanada, Österreich, Schweiz, Brasilien und Japan), will jedoch durch den Einkauf von exklusiven Übertragungsrechten zum weltweiten Marktführer für die Over-the-Top-Übertragung von Sportereignissen werden. Je nach Land hält DAZN mittlerweile Rechte an u.a. UEFA-, FIFA-, Premier League-, Bundesliga-, Serie A und Ligue 1-Fußball, FIBA-Basketball, UFC-Kampfsport und WTA Tour Tennis. 

    Deezer: Mit einem Marktanteil von rund zwei Prozent (2020) ist Deezer im Vergleich zu Spotify, Apple Music und Co. noch ein relativ kleiner Player auf dem Musikstreaming-Markt - ist jedoch in 180 Ländern nutzbar und hat damit eine potenziell größere internationale Reichweite als die Konkurrenz. Die ca. acht Millionen Deezer-Nutzer können auf einen Katalog von 73 Millionen Songs zugreifen, inklusive vieler Titel von Alternativkünstlern, die bei Deezer stärker für einzelne, direkte Streams entlohnt werden als bei anderen Diensten.

    Aktuelle Entwicklungen

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    Spätestens seit sich DAZN für 2,5 Milliarden Euro die kompletten Übertragungsrechte der italienischen Fußballliga Serie A für die kommenden drei Saisons sicherte und dabei Konkurrent Sky ausstach ist dem letzten Beobachter klar, dass Len Blavatnik es ernst meint mit seinem Vorhaben, möglichst schnell ein "Netflix für Sport" aus dem Boden zu stampfen. Da DAZN aufgrund des kostspieligen Expansionskurs noch keine Gewinne erwirtschaftet, erwägt Blavatnik einen Börsengang, der frisches Kapital in die Kasse spült und die Wettbewerber Sky und ESPN in weitere Alarmbereitschaft versetzen könnte.

    Warner Music hat indes den Börsengang hinter sich, und konnte vom Pandemiejahr 2020 profitieren. Das Streaminggeschäft wuchs weiter um sieben Prozent auf ein Volumen von knapp 22 Milliarden Dollar. Der Streamingboom hat den für Musiklabels und -verlage angenehmen Nebeneffekt, dass ältere Songs und Alben an Wert gewinnen. Künstler wie Bob Dylan, Stevie Nicks oder David Guetta haben ihre Songwriting-Kataloge inzwischen verkauft, um durch pandemiebedingte Tourabsagen entstandene Verluste auszugleichen. Allein für Guettas 20 Jahre umfassendes Gesamtwerk bezahlte Warner Music im Sommer 2021 stattliche 100 Millionen Dollar. 

    Inhalte

    Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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    mediadb.eu wird gefördert von der Bundeszentrale für Politische Bildung

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    und der Stadt Köln.