12. Viacom Inc./CBS Corp.

Umsatz 2018: € 23,250 Mrd.

Überblick

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Am 03.08.2019 gaben CBS und Viacom den Zusammenschluss der seit 2006 getrennt gelisteten Medienkonzerne bekannt. Aufsichtsratsvorsitzende der neuen ViacomCBS Inc. wird Shari Redstone, bislang Vize-Vorstandsvorsitzende der beiden Einzelunternehmen und seit Jahren treibende Kraft hinter der Fusion. Der Katalog des neuen ViacomCBS umfasst 140.000 Serienepisoden und 3.600 Filmtitel. Und 22 Prozent des gesamten US-Fernsehkonsums laufen über Sender/Plattformen von ViacomCBS.

Basisdaten

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Hauptsitz CBS Corp.:
51 W. 52nd St.
New York, NY 10019-6188
USA
Telefon: 001 212 9754321
Internet: investors.cbscorporation.com

Branchen: Fernsehsender (Free-TV), Radio, TV-Sendestationen, TV-Produktion, Rechtehandel, Freizeitparks, Außenwerbung, Buchverlage
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 1912 (Paramount Pictures), 1927 (CBS: zunächst Columbia Phonograph Broadcasting System, später Columbia Broadcasting System)

Tab. I: Ökonomische Basisdaten CBS (in Mio. US-Dollar)

                                20182017201620152014
Umsatz   14.51413.69213.16613.88613.806
Gewinn (Verlust)1.9603571.2611.4132.959
Aktienkurs (in EUR, Jahresende)36,9946,6661,1846,5946,31
Mitarbeiter12.77012.70015.55016.26017.310

 

Hauptsitz Viacom Inc.:
1515 Broadway
New York, NY 10036
USA
Telefon: 001 212 2586000
Internet: ir.viacom.com

Branchen: Film, Fernsehsender (Free-TV, Pay-TV), TV-Produktion, Rechtehandel
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.10. – 30.09.
Gründungsjahr: 1970 (Viacom Inc.)

Tab. II: Ökonomische Basisdaten Viacom (in Mio. US-Dollar)
                                20182017201620152014
Umsatz12.94313.26312.48813.26813.783
Gewinn1.6881.8711.4361.9222.392
Aktienkurs (in USD, Jahresende)27.8134,9038,5043,9975,50
Mitarbeiter10.40010.7509.3009.2009.900

Geschäftsführung

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Geschäftsführung CBS Corp.:

  • Joseph R. Ianiello, President and CEO
  • Jonathan H. Anschell, Executive Vice President, Deputy General Counsel and Secretary  
  • David Byrnes, Senior Vice President, Controller and Chief Accounting Officer
  • Laura Franco, Executive Vice President, General Counsel
  • Richard M. Jones, Executive Vice President, General Tax Counsel, Chief Veteran Officer
  • Hazel-Ann F. Mayers, Executive Vice President, Chief Business Ethics & Compliance Officer
  • Dana McClintock, Executive Vice President, Chief Communications Officer
  • David Nevins, Chief Creative Officer
  • John Orlando, Executive Vice President, Government Affairs
  • Laurie Rosenfeld, Chief People Officer
  • Christina Spade, Executive Vice President, Chief Financial Officer
  • Josie Thomas, Executive Vice President, Chief Diversity and Inclusion Officer

 

Aufsichtsrat CBS Corp.:

  • Sumner Redstone, Chairman Emeritus
  • Shari Redstone, CBS
  • Candace K. Beinecke
  • Barbara M. Byrne
  • Gary L. Countryman
  • Brian Goldner
  • Linda M. Griego
  • Robert N. Klieger
  • Martha L. Minow
  • Susan Schuman
  • Frederick O. Terrell
  • Strauss Zelnick

 

Geschäftsführung Viacom:

  • Robert Bakish, President & CEO
  • Kent Alterman, President Comedy Central, Paramount Network and TV Land Group
  • James Bombassei, Senior Vice President, Investor Relations & Treasurer
  • Christa A. D'Alimonte, General Counsel and Secretary
  • Wade Davis, Executive Vice President & Chief Financial Officer
  • Kelly Day, President, Viacom Digital Studios
  • James N. Gianopulos, Chairman and CEO of Paramount
  • Bruce Gillmer, Executive Vice President, Music/Talent Programing and Events, Viacom International Media Networks; Head of Music/Talent, Global Entertainment Group
  • Tom Gorke, Executive Vice President, Head of Distribution & Business Development
  • David Kline, Executive Vice President, Chief Technology Officer
  • DeDe Lea, Executive Vice President, Global Government Affairs
  • Sarah Kirshbaum Levy, Chief Operating Officer, Viacom Media Networks
  • David Lynn, President, CEO, Viacom International Media Networks
  • Chris McCarthy, President, MTV, VH1, CMT & Logo Group
  • Scott M. Mills, President, BET Networks
  • Sean Moran, Head of Ad Solutions
  • Fukiko Ogisu, Executive Vice President and Chief People Officer
  • Julia Phelps, Executive Vice President, Communications, Culture and Marketing
  • Brian Robbins, President, Nickelodeon
  • Tom Ryan, CEO, Pluto TV
  • Kern Schireson, Chief Data Officer and Executive Vice President
  • Marva Smalls, Executive Vice President and Global Head of Inclusion Strategy, Viacom; Executive Vice President, Public Affairs and Chief of Staff, Nickelodeon Group
  • Jose Tolosa, Chief Transformation Officer

 

Aufsichtsrat Viacom:

  • Sumner Redstone, Chairman Emeritus
  • Thomas J. May
  • Shari Redstone
  • Robert Bakish
  • Christiana Falcone Sorrell
  • Judith McHale,
  • Ronald Nelson
  • Deborah Norville
  • Charles E. Phillips
  • Nicole Seligman

Geschichte

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Im Rückblick eine lange Geschichte. Zunächst CBS, die 1928 gegründet Radiofirma, die zunächst der Columbia Phonograph gehörte, dann dem Zigarrenbaron Sam Paley. Mit dem Eintritt ins TV-Geschäft in den 1940er Jahren erhielt CBS wegen seiner hochklassigen Programme den Beinamen „The Tiffany Network“ und war in den 1950er und -60er Jahren lange Zeit die Nummer Eins unter den drei großen kommerziellen US-Fernsehnetworks (NBC, CBS, ABC). Trotz vieler Turbulenzen in der Führungsetage konnte CBS seine Spitzenposition bis in die 70er Jahre halten, musste 1973 aber aus kartellrechtlichen Gründen die Filiale zur Inhalte-Syndication ausgliedern. Viacom entstand, das fortan den Vertrieb der CBS-Programme übernehmen sollte.

Im Anschluss erwarb Viacom weitere TV- und Radiostationen und gründete 1978 den Pay-TV-Sender Showtime, der mit dem Warner Bros./Amex-Sender The Movie Channel zu Showtime Networks fusionierte (1986 kaufte Viacom auch Warners Anteile an Showtime). Im Paket miterworben wurde ein damals noch unbedeutender, kleiner Musikkanal namens MTV, der in den kommenden 25 Jahren die Musikindustrie und das Fernsehen revolutionieren sollte.

1987 erschien dann Sumner Redstone auf der Bildfläche. Schon frühzeitig hatte er das Potenzial der Viacom-Beteiligungen erkannt und erwarb mit seinem Unternehmen National Amusements, Inc. (NAI), einer landesweiten Kinokette, rund 83 Prozent der Viacom-Anteile. Unter Redstones Führung ging Viacom auf Expansionskurs. 1990 wurde zunächst King Entertainment (Themenparks) aufgekauft. Es folgten 1994 für 8,4 Milliarden Dollar die Videovertriebskette Blockbuster und damit Anteile an der profilierten TV-Produktionsfirma Spelling Entertainment, und noch im gleichen Jahr, nach hartem Bieterkampf mit Barry Diller und einem von QVC geführten Konsortium, das Hollywood-Studio Paramount Pictures für 10 Milliarden Dollar. Nach der Paramount-Übernahme musste Viacom den hohen Investitionen Tribut zollen und zum Abbau des Schuldenberges Unternehmen abstoßen, darunter das Kabelnetz und zehn Radiostationen.

Das fehlende Glied in der Verwertungskette war nur noch ein landesweites TV-Network. 1995 brachte Viacom gemeinsam mit Chris-Craft zunächst das United Paramount Network (UPN) auf Sendung, 2000 übernahm man die frühere Muttergesellschaft CBS. Der Übernahme war der Umbau von CBS zu einem reinen Medienunternehmen vorausgegangen: In einer der bis dato größten Fusionen der amerikanischen Rundfunkgeschichte hatte im August 1995 der Elektronik-Konzern Westinghouse CBS für 5,4 Milliarden US-Dollar übernommen. Westinghouse-Chef Michael Jordan begann im Anschluss mit der Umgestaltung des Konzerns, indem er Beteiligungen am Bau von Atomkraftwerken, Turbinengeneratoren sowie Kühl- und Lüftungssystemen abstieß. An alte Radio-Traditionen anknüpfend, erwarb Jordan mit Infinity Broadcasting Corporation die führende Radiokette der USA. Außerdem investierte er ins Kabel-TV-Geschäft und akquirierte u. a. The Nashville Network und Country Music Television. 1997 wurde aus Westinghouse CBS Corp., die dann für rund 45 Milliarden US-Dollar von Viacom geschluckt wurde.

In den 1990er Jahren hatte Viacom dann mit massiven Problemen zu kämpfen. Nach einem erbitterten Rechtsstreit mit Universal musste man die Anteile an dem populärsten US-Kabelsender USA Networks abgeben. Zudem hielt die als Cash Cow eingekaufte Videokette Blockbuster nicht das, was ihr Name versprach. 1997 erreichte der Aktienkurs ein Rekord-Tief. In den Folgejahren erholte sich das Unternehmen und ging erneut auf Einkaufstour. Mit der Übernahme von CBS entstand ein Firmenimperium, das mit über 24 Milliarden Dollar Umsatz zu den größten Medienkonzernen weltweit zählte. Die Fusion knüpfte an die gemeinsame Vergangenheit der beiden Unternehmen an.

Nach zahlreichen Investitionen ins Internet übernahm Viacom 2001 für drei Milliarden Dollar die Black Entertainment Holdings (BET), eine Sendergruppe, die sich an Zuschauer afroamerikanischer Herkunft richtet. 2004 spaltete Viacom die strauchelnden Blockbuster-Videotheken ab, deren Stammgeschäft zunehmend von der Konkurrenz neuer Medien bedroht wurde. Anfang 2006 wurde der Konzern dann erneut zweigeteilt. Spätestens Anfang 2015 aber setzten sinkende Einschaltquoten, geringere Werbeeinnahmen und sich anbahnende Dispute mit Kabelnetzbetreibern Viacom unter Zugzwang. Man war, im Gegensatz zu TV-Marktführer CBS, in einer handfesten Krise. Schon wurde wieder über eine weitere CBS/Viacom-Fusion spekuliert.

Gegen alle Pläne einer Fusion hatte sich vor allem Les Moonves gestemmt, der langjährige Vorstands- und Aufsichtsratschef der CBS-Corporation und designierte Redstone-Nachfolger. Moonves allerdings war nach Vorwürfen sexueller Belästigung in einem Bericht im New Yorker (Juli 2018) und seinem Abgang bei CBS am 9.9.18 „out of the picture”, der Fusion stand danach nichts mehr im Wege.

Management

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Sumner Redstone
Sumner Murray Redstone präsentierte sich gerne als Verkörperung des amerikanischen Gründermythos'. Sein Vater zog als Linoleum-Händler in Boston von Haus zu Haus, bis er sich entschloss, ein Drive-In-Kino zu betreiben und den Familiennamen von Rothstein in Redstone umwandelte. Der Sohn ging zunächst nach Harvard, absolvierte die Law School, arbeitete im Justizministerium, ließ sich zwischenzeitlich als Anwalt nieder, um schließlich doch den Familienbetrieb zu übernehmen – die Saat seines Medienimperiums. Es war seine Zähigkeit, so Redstone in seiner Autobiographie, die während eines Hotelbrands aus dem Fenster hängend sein Überleben sicherte - dieselbe Zähigkeit, mit der er sich beim Aufbau seines Medienimperiums gegen alle Widerstände durchsetzte. 2020 ist Sumner Redstone immer noch da, mittlerweile 96, altersschwach („schwere kognitive Defizite“) und mit unbezahltem Ehrenvorsitz.

Shari Redstone
Sumner Redstones Tochter Shari (Jg. 1954) ist President der National Amusements Holding, unter derem Dach CBS und Viacom organisiert sind. Sie ist in mancher Hinsicht die Antithese zu ihren männlichen Kollegen in der Medienindustrie. Anstelle von Manhattan bevorzugt die Milliardärin die Bostoner Vorstadt. Wenn sie Football-Spiele der New England Patriots besucht, guckt sie das Spiel lieber alleine draußen als gemeinsam mit Prominenten in der VIP-Box. Bei einer Oscar- oder Golden Globe-Verleihung war sie auch noch nie. Stattdessen zieht sie lieber im Hintergrund die Fäden, wie auch 2018, als die starke Frau hinter dem mega-media merger.

Geschäftsfelder

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Viacom

Fernsehen
Viacom hatte seine TV-Sender in drei Segmente unterteil: Music & Entertainment (MTV, VH1, Comedy Central, CMT, der Paramount Channel und der britische Privatsender Channel 5), Kids & Family (diverse Nickelodeon-Sender) und die Black Entertainment Television-Senderkette, die sich an ein vorwiegend schwarzes Publikum richtet.

Film- und TV-Produktion
Mit Paramount Pictures (sowie den Töchtern Vantage, Classics und Animation sowie Insurge Pictures, Nickelodeon Movies, MTV Films und Paramount Television) kontrolliert Viacom eine der größten Hollywood-Studios. Zu den kommerziell erfolgreichsten Paramount-Titeln gehören unter anderem "Titanic", die "Transformers"-Reihe und "Shrek".

CBS

Fernsehen
Mit 30 Fernseh- und 117 Radiostationen in 26 Regionen der USA sowie diversen Produktionsfirmen ist CBS einer der größten Senderketten in den USA. Auf dem Pay-TV-Markt ist das Unternehmen mit Showtime, The Movie Channel und Flix präsent sowie betreibt das CBS Sports Network und den Kabelkanal Smithsonian Channel.

Bücher
CBS kontrolliert mit Simon & Schuster einen der größten Buchverlage der Welt. Zum Verlag gehören die Tochterunternehmen Pocket Books, Scribner, Gallery Books, Touchstone und Atria Books.

Engagement in Europa

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ViacomCBS Networks International EMEA ist eine Tochtergesellschaft von ViacomCBS mit Sitz in London und Warschau, aktiv in 31 europäischen Ländern. Das Unternehmen wurde 1987 als MTV Networks Europe gegründet. Heute besteht VCIMN EMEA aus den Marken ViacomCBS International Media Networks UK, Northern & Eastern Europe und ViacomCBS International Networks Southern & Western Europe, Middle-East und Africa.

Aktuelle Entwicklung

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4.12.2019: Abschluss der Fusion von CBS und Viacom, des Zusammenschlusses der seit 2006 getrennt gelisteten Medienkonzerne. Ein premium content powerhouse entsteht. Als es am 13. August 2019 bekannt wurde, schrieb Variety von „the latest twist in the saga of the media giants“. Aufsichtsratsvorsitzende der neuen ViacomCBS Inc. wird Shari Redstone, bislang Vize-Vorstandsvorsitzende der beiden Einzelunternehmen und seit Jahren treibende Kraft hinter der Fusion. Spätestens jetzt ist sie, so der Guardian, „a major force in male-dominated Hollywood”.

Wie bei allen großen Konzernzusammenschlüssen der letzten Jahre geht es auch hier darum, die eigene Position zu stärken vor dem Hintergrund der Streaming-Aufruhr von Netflix und den anderen, und dem daraus resultierenden millionenfachen Abgang von Kabelfernseh-Kunden ins Netz („cord-cutters“). Dazu Shari Redstone: “My father once said ‘content is king,’ and never has that been more true than today. Through CBS and Viacom’s shared passion for premium content and innovation, we will establish a world-class, multiplatform media organization that is well-positioned for growth in a rapidly transforming industry.” Man macht auch gleich klar: Der Katalog des neuen ViacomCBS wird 140.000 Serienepisoden und 3.600 Filmtitel umfassen. Außerdem würden 22 Prozent des gesamten US-Fernsehkonsums über Sender/Plattformen von ViacomCBS laufen. Womit man deutlich vor Comcast (18%) und Disney (14%) läge.

Doch damit nicht genug. nbcnews.com etwa schreibt von Gerüchten, Shari Redstone habe in Kürze noch Größeres vor. „Diese Fusion ist für sie der Start, nicht die Ziellinie“, so ein Insider. Verglichen mit Top-Konzernen wie AT&T und Disney ist selbst die neue „CBS/Viacom-combo“ noch relativ klein. Und Redstone könne sich „other sizable media operations“ vorstellen. Potentielle Übernahmeziele (laut CNBC): Sony und Discovery.

Inhalte

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und der Stadt Köln.