48. Verizon (AOL)

Umsatz 2015: $ 4,360 Mrd. (€ 3,930 Mrd.)

Überblick

Aol gilt als einer der ersten rein digitalen Medienkonzerne. In seiner früheren Form als Internetzugangsportal und Emaildienst war Aol um die Jahrtausendwende einer der bekanntesten Internet-Marken und zeitweise Teil des Medienunternehmens Time Warner. Nachdem diese Fusion jedoch scheiterte, hat sich AOL als Betreiber zahlreicher Nachrichtenwebsites und Produzent von Online-Video Content neu ausgerichtet. Bekannteste Marke von Aol ist das Nachrichten- und Blognetzwerk "The Huffington Post". Im Mai 2015 wurde Aol vom US-Telekommunikationskonzern Verizon übernommen.

Basisdaten

Hauptsitz:
New York City
770 Broadway
New York, New York 10003

Branche: Onlinemedien
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1983 (CVC), 2009 (Aol Inc.)

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. $)
2016*2015*2014201320122011201020092008¹2007¹2006¹
Umsatz5.0914.3602.5272.3202.1922.2022.4173.2464.1535.1817.787
Gewinn (Verlust)k.A.k.A.126921.04813(783)249(1.526)1.396750
Aktienkurs (Jahresende in $)------46,1746,6229,6115,1023,7128,28---------
Mitarbeiterk.a.k.A.4.5005.1005.6005.6605.8606.700k.A.k.A.k.A.

*als Teil von Verizon, Segment "Other" (unconsolidated)
¹bis 2008 Teil von Time Warner; Mitarbeiterzahlen nicht einzeln ausgewiesen.

 

 

Geschäftsführung

Management

  • Tim Armstrong, Chairman and Chief Executive Officer
  • Holly Hess, Executive Vice President and Chief Financial Officer
  • Julie Jacobs, Executive Vice President and General Counsel
  • Allie Kline, Chief Marketing Officer
  • Jimmy Maymann, Executive Vice President and President, Aol Content and Consumer Brands
  • William Pence, Executive Vice President and Chief Technology Officer
  • Terry Zandhuis, Executive Vice President and Chief People Officer
  • Tim Lemmon, Chief Analytics Officer
  • Mark Connon, Chief Mobile Officer, Aol Platforms and Advertising
  • Arianna Huffington, President and Editor-in-Chief of The Huffington Post Media Group
  • Tim Mahlman, President of Aol Platforms
  • Jim Norton, Global Head of Media Sales
  • Luke Beatty, President of Media Brands
  • Graham Moysey, Head of Aol International
  • Mark Roszkowski, Head of Corporate Development, Strategy and Partnerships
  • Bob Toohey, President of Verizon Digital Media Services
  • Dave McDowell, Senior Vice President, Core Products

Aufsichtsrat (Verizon)

  • Lowell C. McAdam, Verizon
  • Shellye L. Archambeau, MetricStream
  • Mark T. Bertolini, Aetna
  • Richard L. Carrión, Popular
  • Melanie L. Healey, The Procter & Gamle Company
  • M. Frances Keeth, Royal Dutch Shell
  • Karl-Ludwig Kley, Merck
  • Donald T. Nicolaisen, United States Securities and Exchange Commission
  • Clarence Otis, Jr., Darden Restaurants
  • Rodney E. Slater, Squire Patton Boggs
  • Kathryn A. Tesija, Target Corporation
  • Gregory D. Wasson, Walgreens Boots Alliance

Geschichte und Profil

AOL war ursprünglich eine Computerspielfirma. 1983 als Control Video Corporation gegründet entwickelte das Unternehmen die GameLine-, bzw. die "Q-Link"-Services mit denen man Spiele für Atari-Konsolen und Commodore-Computer über Telefonleitungen bestellen konnte.

Ende der 1980er Jahre verschob die zwischenzeitlich in Quantum Computer Services umbenannte Firma ihren Fokus auf Internetzugangssoftware. Nach einer erneuten Umbenennung in America Online veröffentlichte das Unternehmen 1989 erstmals die gleichnamige Software für DOS und Windows. Die ersten Jahr wurde die Internetnutzung von America Online stündlich abgerechnet, erst 1996 wurde eine monatliche Flatrate von knapp 20 Dollar eingeführt. Spätestens ab dann wurde AOL, das seine auf CD-Roms gebrannte Software millionenfach unter die Leute brachte, zum Synonym für Internetzugang. Der Versand von kostenlosen CDs und Disketten mit Probier-Versionen von AOL nahm dermaßen große Züge an, dass Ende der 1990er rund die Hälfte aller produzierten Datenträger AOL-CDs waren. Die Anzahl der weltweiten AOL-User stieg von 10 Millionen im Jahr 1995 auf bis zu 35 Millionen im Jahr 2002.

Der Erfolg machte AOL zu einem Übernahmekandidaten für die Medienkonzerne der Old Economy. Der damalige Time Warner Chef Jerry Levin kündigte 2000 an, sein Unternehmen mit AOL verschmelzen zu wollen. Ein Jahr später kam es dann zu dem Merger, der de facto eine Übernahme von Time Warner durch AOL darstellte: 55 Prozent der Anteile an AOL Time Warner hielten AOL-Aktionäre obwohl Time Warner mit einem damaligen Umsatz von 27 Milliarden neun mal so groß war. Es dauerte nicht lange bis klar wurde, dass AOL und Time Warner einfach nicht zusammenpassten. Zum einen fiel die Fusion just in die Zeit vor dem Zerplatzen der Dot.com-Blase, die den Aktienwert des Unternehmens von 225 auf 20 Milliarden reduzierte; zum anderen begannen Breitband-Anschlüsse AOLs auf Telefonleitungen spezialisiertes Geschäft zu eliminieren.

AOL versuchte auf die Krise mit Zukäufen zu reagieren und auf dem wachsenden Social Media-Markt Fuß zu fassen. Doch allem voran die 850 Millionen Dollar schwere Übernahme des sozialen Netzwerk Bebo, das anschließend in der Versenkung verschwand, geriet zum Desaster. AOL wurde 2009 aus dem Time Warner-Imperium ausgegliedert und positionierte sich von da an als digitales Medienunternehmen. Neuer CEO wurde der ehemalige Google-Manager Tim Armstrong, der so gleich das von ihm gegründete Regional-News-Portal Patch kaufte. Patch war zwei Jahre lang neben dem Technologie-Blog TechCrunch Kernstück des neuen AOL. Dies änderte sich im Februar 2011 als es Armstrong gelang das internationale Blog-Netzwerk Huffington Post für 315 Millionen Dollar zu kaufen und Gründerin Ariana Huffington zur Medienchefin von AOL macht.

Aufgrund der HuffPo-Übernahme sowie des Kaufs der Video-Werbeplattform Adapt.tv konnte AOL seine Stellung auf dem Display-Werbemarkt signifikant verbessern. 2015 - Patch war inzwischen bereits wieder verkauft - wurde das Unternehmen deshalb erneut zum Übernahmekandidaten. Den Zuschlag erhielt schließlich der Telekommunikationskonzern Verizon für 4,4 Milliarden Dollar. Verizon verspricht sich- auch im Zuge der 2016 erfolgen Übernahme von Yahoo- Mehreinnahmen durch den Einstieg in den Onlinevideo-Werbemarkt.

Management

Wenn Verizons Übernahme von Yahoo Ende 2016 abgeschlossen ist, wird Tim Armstrong einem Online-Medienimperium vorstehen, das es wohl langfristig als einziges Unternehmen mit der Dominanz von Facebook und Google auf dem Online-Werbemarkt aufnehmen kann. Armstrong, der allein während seines Engagement als Werbechef von Google 500 Millionen Dollar verdient haben soll, begann seine Karriere in seiner Heimatstadt Boston, in der er mit 22 Jahren eine Zeitung gründete. Nach dem Time Warner-Debakel hat Armstrong AOL seit 2009 wieder zu einer respektablen Internet-Marke gemacht. Dass er dabei nicht zimperlich vorgeht, zeugen die von ihm angeordneten Massenentlassungen nach der Übernahme der Huffington Post und vor dem Verkauf von Patch. Berüchtigt ist sein online geleakter Conference Call von 2013, in dem er spontan vor versammelter Mannschaft seinen Kreativdirektor feuerte. Die Huffington Post hat Armstrong unter anderem mittels 24-Stunden Videoblogs und permanenten Live-Talkshows zum in seinen Worten "MTV der Gegenwart" ausgebaut. Sein Ziel ist es nun Verizon mit den Usern von Yahoo und Aol mit einem Umsatz von bis zu 20 Milliarden innerhalb der nächsten fünf Jahre zum führenden mobilen Medienkonzern zu machen. Dass Armstrong dabei mit seiner ehemaligen Google-Kollegin Mayer zusammenarbeiten wird, gilt als ausgeschlossen. Die erfolglose Yahoo-Managerin wird das Unternehmen wohl nach der Übernahme verlassen.

Geschäftsbereiche

Hunderte Millionen Menschen besuchen monatlich Aol-Seiten, vor allem die Blog-Seite The Huffinton Post, die Technologie-News-Plattformen TechCrunch und Endgadget, und das Google Maps-Pendant MapQuest. Das AOL-Portal Aol.com wird täglich von Millionen Nutzern besucht, von denen viele noch auf ihre alte aol-Emailadresse aus den 1990ern zugreifen. Zum Aol-Netzwerk gehören außerdem das Kino-Informationsportal Moviefone, das Streamingportal go90 und die Gossip-Website Cambio. Die AOL-Seiten werden allesamt durch auf persönliche Nutzerdaten abgestimmte, individualisierte Display- und Videowerbung monetarisiert.

Aktuelle Entwicklungen

Da der US-Telekommunikationsmarkt in Sachen Wachstum langsam an seine Grenzen stößt, hat Verizon Aol und Yahoo gekauft, um sich ein neues Standbein als Contententwickler zu schaffen. Die Blog-Seiten von Aol/Yahoo verschaffem dem Unternehmen Zugang zu einem Publikum von ca 1,2 Milliarden Besuchern, der nötig ist, um Verizons geplante Videoplattform Go90 zu einem Erfolg werden zu lassen. AOL-CEO Tim Armstrong, der als Architekt hinter den beiden Übernahmen gilt, hat Smartphones schon immer de facto als Fernsehgeräte betrachtet, die man mit Werbung versehen kann. Wenn sich die gegenwärtige Anzahl von weltweit zwei Milliarden Smartphones in den kommenden Jahren auf vier Milliarden verdoppelt, wollen Verizon und Armstrong einen Stück vom gigantischen Werbekuchen haben. Ob die Huffington Post dann noch Teil von Aol ist, wird sich zeigen. Gerüchten zufolge würde Aol die Onlinezeitung für eine Milliarde Dollar verkaufen. Einer der möglichen Interessenten ist Axel Springer.