84. Tribune Media

Umsatz 2016: USD 1,948 Mrd. (€ 1,760 Mrd.)

Überblick

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Die Tribune Company ist eines der traditionsreichsten Medienunternehmen der USA. Anfang 2008 vom Immobilienmogul Sam Zell übernommen, brach der Konzern bereites nach einem Jahr unter seiner enormen Schuldenlast zusammen und begab sich auf den staatlich überwachten Weg aus der Insolvenz. Nach zahlreichen Skandalen und Fällen von Missmanagement sowie der Abspaltung der Zeitungssparte hat sich Tribune wieder stabilisiert.

Basisdaten

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Hauptsitz:
435 N. Michigan Avenue, Chicago IL 60611, USA
Telefon: 001-312-222-9100
Telefax: 001-312-222-1573
Internet: www.tribune.com

Branche: Fernsehsender, TV-Sendestationen, TV-Produktion, Internet, Radio,
Rechtsform: Aktiengesellschaft (wird von der Börse genommen)
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1847 (Chicago Daily Tribune), 1861 (Chicago Tribune)

Umsatz Tribune Media Company 2016: 1.948 Mio. USD
Umsatz Tribune Media Company 2015: 2.010 Mio. USD
Umsatz Tribune Media Company 2014: 1.949 Mio. USD

Tab. I: Ökonomische Basisdaten Tribune Company (vor Abspaltung des Zeitungssegments)
2013201220112010200920082007200620052004
Umsatz (in Mio. US-Dollar)2.9033.1453.1053.180***3.200**5.400*5.0635.5175.511,35.726,2
Gewinn nach Steuern (in Mio. US-Dollar)24242244887,0594,0534,6573,3

* Schätzung unter der Berufung auf Hoovers, Inc., Quelle: StateoftheMedia.com
** Schätzung des Wall Street Journal, Quelle: WSJ.com
*** Schätzung unter Berufung auf Unternehmensangaben, Quelle: Los Angeles Times
Langfristige Verbindlichkeiten (Mrd. US-Dollar, Ende 2007): 11,8

Geschäftsführung

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Management:

  • Peter M. Kern, Interim CEO
  • Chandler Bigelow, EVP and CFO
  • Edward P. Lazaru, EVP, General Counsel, Chief Strategy Officer and Corporate Secretary
  • Larry Wert, President, Broadcast Media
  • Dana Zimmer, President, Distribution
  • David Ulmer, Chief Technology Officer
  • Gary Weitman, SVP, Corporate Relations

 

Board of Directors

  • Bruce A. Karsh, Oaktree Capital Management
  • Craig A. Jacobson, Hansen, Jacobson, Teller, Hoberman, Newman, Warren, Richman, Rush and Kaller L.L.P.
  • Peter M. Kern, Hemisphere Media Group
  • Ross Levinsohn, Los Angeles Times
  • Peter E. Murphy, Wentworth Capital Management
  • Laura R. Walker, New York Public Radio

Geschichte und Profil

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Das heutige Flaggschiff des Medienkonzerns, die Traditionszeitung Chicago Tribune, wurde 1847 von James Kelly, John Wheeler und Joseph Forrest als Chicago Daily Tribune gegründet. Entscheidend für die Entwicklung der Tageszeitung war allerdings der 1855 in die Firma eingetretene Chefredakteur und Miteigentümer Joseph Medill. Unter dem überzeugten Republikaner Medill wurde die Chicago Tribune zu einer der wichtigsten konservativen Tageszeitungen des Landes. 1914 übernahmen dann seine beiden Enkel, Robert McCormick und Joseph Patterson, die Leitung des Unternehmens. Während Patterson 1919 nach New York ging, um die New York News (später Daily News, wurde 1991 verkauft) zu gründen, baute McCormick die Tribune weiter zu „World‘s Greatest Newspaper“ aus, wie das Unternehmen propagiert. Das Akronym WGN wurde dann später zu dem Kürzel der verschiedenen Tribune Radio- und Fernsehstationen. Die erste WGN-Radiostation wurde 1924 Teil des Unternehmens. 1948 kam die erste Fernsehstation hinzu. McCormick hinterließ bei seinem Tod im Jahr 1955 ein Unternehmen, das über feste Standbeine im Fernseh- und Zeitungssektor verfügte.

Der Konzern baute seine Fernsehaktivitäten durch den Ankauf weiterer TV-Stationen kontinuierlich aus (Denver 1965, New Orleans 1983, Atlanta 1984 und Los Angeles 1985). Außerdem übernahm die Tribune Company 1981 vom Kaugummimillionär William Wrigley das legendäre Traditions-Baseballteam Chicago Cubs. In den 90er Jahren konzentrierte sich der Konzern auf die Diversifizierung und erschloss sich den Bildungsbereich durch den Ankauf der Verlage Contemporary Books (1993), The Wrig Group (1994) und Educational Publishing (1996). Mit dem Aufkommen des Internets beteiligte sich Tribune gezielt in dieser neuen Wachstumsbranche. 1995 engagierte sich der Konzern am WB Network (Warner Bros. Network) (interner Link zu Time Warner), das damals noch in den Kinderschuhen steckte – eine Investition die sich für Tribune in der Zwischenzeit mehr als bezahlt gemacht hat. Der Konzern übernahm 1997 Renaissance Communications für 1,13 Mrd. $ und tätigte weitere Ankäufe einzelner Fernsehstationen.

1999 fügte das Tribune-Management seine Internetaktivitäten unter dem neuen Dach der Tribune Interactive zusammen. Im Rahmen der Neustrukturierung und dem Verkauf des Geschäftsbereiches "Education" im Jahr 2000 sollte "Interactive" zur dritten Säule neben Produktion und Vertrieb werden. Doch reintegrierte man Anfang 2003 Interactive wieder in den Verlagsbereich. Zeitgleich führten massive Sparmassnahmen zu einem drastischen Rückgang der Mitarbeiterzahl. Außerdem verabschiedete sich Tribune von fast allen seinen Radiostationen. Neue Marktchancen im klassischen Zeitungsverlagsbereich in den USA ergeben sich heute für Tribune vor allem durch die wachsenden Latino- und Hispanic- Bevölkerungsgruppen.

Im Jahr 2000 holte Tribune zu der größten Akquisition der Unternehmensgeschichte aus und übernahm den Konkurrenten Times Mirror (mit seinem Flaggschiff Los Angeles Times) zu einem Preis von etwa 8,3 Mrd. $. Gleichzeitig trennte man sich von seiner Bildungssparte, die für 686 Mio. $ an McGraw-Hill Companies verkauft wurde.

Ende 2007 ging US-Immobilienmagnat Samuel Zell bei einer durch unzufriedene Anleger ausgelösten Übernahmeschlacht um Tribune als Sieger hervor. Der Kaufpreis betrug rund 8,2 Milliarden Dollar, Tribune-Anteilseigner sollten dabei 34 Dollar je Aktie erhalten. Zell steuerte zur Transaktion selbst nur 315 Millionen Dollar bei, die restlichen Milliarden wurden aus Schulden finanziert. Tribune wurde von der Börse genommen. Nach Beendigung der Transaktion hielt ein Aktienfonds der Tribune-Mitarbeiter sämtliche Anteile. Zell wurde Verwaltungsratsmitglied und nach dem Zusammenschluss Vorsitzender des Aufsichtsgremiums. 

Die Schuldenlast stieg durch Zinsen und weiteren Bankgebühren bis 2009 auf 13 Milliarden US-Dollar an, was letztendlich dazu führte, dass der Konzern Insolvenz anmelden musste. Seit Zell Tribune leitet, haben mehr als 4000 Angestellte ihren Job verloren. Die Zeitungen und Fernsehstationen von Tribune müssen mit einem um ein Vielfaches geringeren Budgets haushalten. Zell installierte zudem den inzwischen wieder geschassten CEO Randy Williams, einen ehemaligen Radio-Manager, der die Unternehmenskultur durch sexistisches Macho-Gehabe nachhaltig vergiftete. Gegenwärtig versucht der Konzern sich Schritt für Schritt seinen Weg aus dem größten Bankrott in der Geschichte der US-Medienindustrie zu bahnen.

Management

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Als Sam Zell diversen Banken den Vorschlag unterbreitete, mit ihrem Geld den defizitären Tribune-Konzern übernehmen zu wollen, gab es keine Bedenken, obwohl der Baumagnat keinerlei Erfahrungen im Zeitungssektor hatte. Zells Plan, Tribune durch rigide Kosteneinsparungen und Massenentlassungen auf den grünen Zweig zu bringen scheiterte grandios. Zells extrovertiertes Auftreten sowie viele seiner Ideen zur Rettung des Unternehmens - u.a. plante er redaktionelle Inhalte mit Schleichwerbung zu versehen - stießen bei Mitarbeitern und Lesern auf Unverständnis. Aus Sicht von Zell bestand das vorherige Management aus ideenlosen "Bürokraten" während er sich selbst in Unternehmensmemos als "neuen Sheriff in der Stadt" bezeichnete. In der Folge wurden die ethischen Standards von Tribunes Qualitätszeitungen über Bord geworfen und der Konzern in den Bankrott manövriert.

Als eine von Zells ersten Amtshandlungen wurde Randy Michaels, ein ehemaliger Radiomoderator und Manager von Clear Channel, zum CEO von Tribune ernannt. Michaels besetzte mehr als 20 Führungspositionen mit Vertrauten aus alten Radiotagen und krempelte die Unternehmenskultur um. Angestellte wurden von Michaels frühzeitig informiert, dass sie eine "spaßige" Arbeitsatmosphäre erwarten würde, die nicht negativ aufgefasst werden dürfe. Wie diese besondere Atmosphäre aussah, mussten insbesondere die weiblichen Angestellten am eigenen Leib erfahren. So diskutierte Michaels im Kollegenkreis für jeden hörbar die sexuelle Tauglichkeit von bestimmten Mitarbeiterinnen. Legendär auch der Vorfall vom Juni 2009, als die Rauchmelder im 24. Stock des Tribune-Towers abgedichtet und bei Zigarren und Whiskey eine Pokerrunde für das Top-Management veranstaltet wurde. Die Aktion wurde zum PR-Desaster, als ein Michaels-Vertrauter Fotos der Party auf seinem Facebook-Account veröffentlichte. Obwohl sich die Performance des Konzern zwischen 2009 und 2010 weiter verschlechterte, gönnte sich Zells Skandaltruppe in diesem Zeitraum Boni und Gehälter im Wert von 150 Millionen US-Dollar.

Aufgrund dieser und diverser anderer Verfehlungen wurde Michaels samt seiner Vertrauten im Herbst 2010 gefeuert. Sein Nachfolger als CEO wurde Eddy Hartenstein, der Herausgeber der "LA Times" und ehemalige CEO des Satellitenanbieters DirecTV.

Geschäftsfelder

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Tribune ist in den Geschäftsbereichen Zeitungen, Fernsehen, Radio und Internet aktiv.

Zeitungen
Neben den Traditionsblättern "Los Angeles Times", "Chicago Tribune" und der "Baltimore Sun" befinden sich noch neun weitere Zeitungen im Portfolio von Tribune, darunter auch die spanischsprachigen "Hoy" und "El Sentinel" aus Orlando/Florida.

Fernsehen
Tribune betreibt 25 Fernsehstationen in 18 US-Großstädten.

Radio
Einzig verbliebener Radiosender von Tribune ist WGN-AM aus Chicago.

Websites
ClassifiedVentures.com, CareerBuilder.com, Apartments.com, Cars.com, ForSaleByOwner.com, HomeFinder.com.

Für eine vollständige Auflistung siehe hier.

Aktuelle Entwicklungen

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Nach dem Rauswurf von Skandal-CEO Randy Michaels sollte eigentlich Ruhe einkehren beim einst so traditionsreichen Medienkonzern. Doch im Juni 2011 sorgte James O'Sheas Buch "Deal from Hell" für Aufsehen. Im seinem Werk beschreibt O'Shea, ehemaliger Redakteur der "Los Angeles Times", wie sich Banken und Investoren auf dem Rücken der Mitarbeiter bereichert haben. Zentraler Kritikpunkt ist hierbei, dass die beteiligten Banken (JP Morgan, Citibank, Bank of America) Ende 2007 dem durch Kredite finanzierten Verkauf von Tribune an Sam Zell niemals hätten zustimmen dürfen. Offenbar war allen Beteiligten bewusst, dass Tribune bald unter der Schuldenlast zusammenbrechen würde. Dennoch gaben die Banken grünes Licht. O'Shea stieß bei seinen Recherchen unter anderem auf eine Email einer Bänkerin, in der diese ihre Strategie in Bezug auf Tribune erläuterte: "suck $$$ out of the (dying or dead?) client's pocket".

Literatur

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Inhalte

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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European Media Pluralism

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Mediadb.eu unterstützt die European Initiative for Media Pluralism

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der Rudolf Augstein Stiftung

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dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie

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und dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V.