22. Thomson Reuters Corporation

Umsatz 2016: $ 11,166 Mrd. (€ 10,088 Mrd.)

Überblick

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Das kanadisch-britische Medienunternehmen ging 2007/2008 aus einer Fusion des Informationsdienstleisters Thomson mit der traditionsreichen britischen Nachrichtenagentur Reuters hervor.  Es entstand der weltweit größte Anbieter von spezialisierten Kommunikationsdiensten. Sein Angebot richtet sich zum einen – wie beim Hauptkonkurrenten Bloomberg – an Geschäftskunden aus Wirtschaft und Finanzindustrie. Zum anderen ist das klassische Nachrichtenagenturgeschäft ein wichtiger Pfeiler des Unternehmens. Die Aktie von Thomson Reuters wird an den Börsen von New York und Toronto gehandelt. Der Hauptsitz befindet sich in New York.

Basisdaten

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Hauptsitz:
Thomson Reuters Corporation
3 Times Square
New York, NY 10036
Tel: +1 646.223.4000
www.thomsonreuters.com

Gründungsjahr: 1851 (Gründung von Reuters); 1934 (Roy Thomson erwirbt seine
erste Zeitung); 2007/2008 (Fusion von Thomson und Reuters.)

Tab. I: Ökonomische Basisdaten Thomson Reuters
201620152014201320122011201020092008
Umsatz (in Mio. $)11.16612.20912.60012.54312.89913.80713.070 12.99713.441
Gewinn (Verlust) (in Mio. $)¹3.1491.3112.1381.8812.4052.5411.4191.5751.936
Aktienkurs (Jahresende)43,7837,1938,3334,6625,6422,4830,3032,2522,08
Beschäftigte45.70052.00053.00057.80059.40060.50057.900  55.00053.700

¹Operating Profit

 

 

 

Geschäftsführung

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Geschäftsführung:

  • James C. Smith – President & Chief Executive Officer
  • Stephane Bello - Executive Vice President & Chief Financial Officer
  • Vin Caraher, President, Intellectual Property & Science
  • Gus Carlson, Executive Vice President & Chief Communications Officer
  • David W. Craig - President, Financial & Risk
  • Carla Jones, Chief of Staff
  • Richard H. King, Executive Vice President & Chief Information Officer
  • Gonzalo Lissarrague, President, Global Growth Organization
  • Neil Masterson, Executive Vice President & Chief Transformation Officer
  • Brian Pecarelli, President, Tax & Accounting
  • Brian Scanlon, Executive Vice President & Chief Strategy Officer
  • Mark Schlageter, Chief Customer Officer
  • Deirde Stanley, Executive Vice President, General Counsel
  • Susan Taylor Martin, President, Legal
  • Peter Warwick, Chief People Officer



Board of Directors:

  • David Thomson (Chairman), Thomson Reuters, The Woodbridge Company Ltd.
  • James C. Smith, Thomson Reuters
  • Sheila Bair, Washington College
  • David W. Binet, Thomson Reuters, The Woodbridge Company Ltd.
  • Ed Clark, TD Bank Group
  • Michael E. Daniels, IBM
  • P. Thomas Jenkins, Opentext Corporation
  • Vance K. Opperman, Key Investment, Inc.
  • Kristin Peck, Zoetis
  • Barry Salzberg, Deloitte Touche Tohmatsu Inc.
  • Peter J. Thomson, The Woodbridge Company Ltd.
  • Wulf von Schimmelmann, Deutsche Post

Geschichte und Profil

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Der Grundstein für das Unternehmen Thomson wurde 1934 gelegt: Der Kanadier Roy Thomson (1894–1976) erwarb mit der “Timmins Press” aus Ontario seine erste Zeitung. In den folgenden Jahrzehnten baute Thomson das größte Zeitungsimperium Kanadas auf. In den 50er Jahren begann er, sich im Ausland nach Betätigungsfeldern umzusehen, und wurde in Großbritannien, seiner neuen Wahlheimat, fündig. 1959 erwarb er den Zeitungsverlag Kemsley Group, zu der die einflussreiche Regionalzeitung „The Scotsman“ gehörte. 1967 folgte die Akquise des Kronjuwels der britischen Zeitungslandschaft, der Londoner Tageszeitung „The Times“. Die 70er Jahre waren von einem Ausflug des Unternehmens ins Ölbusiness geprägt. Thomson beteiligte sich an der Erschließung eines Ölfelds in der Nordsee. Zu dieser Zeit übernahm auch Thomson-Sohn Kenneth (1923–2006) die Leitung der Gesellschaft. Zu Beginn der 80er Jahre wandte man sich schließlich dem Segment des Informationshandels zu und baute die Aktivitäten in den folgenden Jahren durch Zukäufe kontinuierlich aus. Durch den Erwerb von Anbietern spezialisierter Informationen in den Bereichen Recht, Gesundheit, Wissenschaft und Finanzen sowie von Datenbank-Firmen entstand sukzessive ein neues Firmenprofil. Das Engagement bei verschiedenen britischen Zeitungen wurde 1995 beendet. Die „Times“, war bereits 1981 an Murdochs News International Ltd. verkauft worden.

Den Umbau - weg von Print hin zu elektronischen Informationsdiensten und Datenbanksystemen - setzte ab 1997 CEO Richard Harrington fort, der bereits seit 1982 für Thomson gearbeitet hatte. Ziel war ein schlankes und fokussiertes Unternehmen. Auch wurden Sparten abgestoßen, die nicht mehr ins Konzept passten. Paradebeispiel ist der Verkauf der Tourismussparte Thomson Travel im Jahr 1998. Innerhalb von sechs Jahren verkaufte Harrington 130 Zeitungen und über 60 Tochterfirmen. Da die meisten Tochterfirmen in den damaligen Spitzenzeiten des New-Economy-Booms hoch profitabel arbeiteten, war die Liquidität des Konzerns nach den Verkäufen äußerst hoch. Die Erlöse wurden zunächst zur Akquise von über 200 Spezialinformationsfirmen aus den Bereichen Recht, Steuern und Buchführung, Bildung, Finanzen, Wissenschaft und Gesundheitswesen genutzt. 2007 legte Thomson schließlich ein Übernahmeangebot für die Nachrichtenagentur Reuters in Höhe von 17,6 Milliarden Dollar (ca. 13 Milliarden Euro) vor. ?

Fusionspartner Reuters war über 80 Jahre vor Gründung der Thomson Corporation entstanden und blickte auf eine traditionsreiche Vergangenheit als eine der wichtigsten Nachrichtenagenturen der Welt zurück. Allerdings wurden zum Zeitpunkt der Fusion kaum mehr zehn Prozent des Umsatzes mit klassischen Nachrichten generiert. Institutionelle Kunden aus dem Finanzsektor, die über spezielle Terminals mit Finanzdaten beliefert werden, machten den Großteil des Geschäfts aus.

Die Reuters Historie hatte kurios begonnen: Der Deutsche Paul Julius Reuter (1816-1899) nutzte Mitte des 19. Jahrhunderts eine Lücke im Telegrafennetz zwischen Aachen und Brüssel, um mit Hilfe von Brieftauben Informationen zu versenden. Als die Telegrafenleitung fertig gestellt worden war, eröffnete Reuter 1851 ein Büro in London und betrieb seinen Informationshandel von dort aus über das Calais-Dover-Unterseekabel. In den folgenden Jahrzehnten expandierte Reuters und belieferte britische Zeitungen mit Nachrichten. Zunächst aus Büros in ganz Europa, später aus aller Welt. So wurde 1872 ein Büro in Japan eingeweiht, nachdem die Öffnung des Landes erzwungen worden war. Während der beiden Weltkriege wurden die Reuters–Berichte von der britischen Regierung zensiert, woraufhin die Eigentümer 1941 den Reuters–Trust konstituieren. Dieser sollte die Unabhängigkeit der Agentur sicherstellen. Die Grundsätze des Trusts untersagten Beteiligungen von über 15 Prozent. Außerdem hielt die Reuters Founders Share Company Ltd. seit dem Börsengang von 1984 eine „Goldene Aktie“, mit der ein Vetorecht bei Entscheidungen der Hauptversammlung verbunden war. Mit diesen Prinzipien sollte die Überparteilichkeit und Unabhängigkeit von Reuters gesichert werden. Reuters konnte seine Position auf dem internationalen Nachrichtenmarkt in der Vergangenheit auch durch eine frühe Adaption neuer Technologien ausbauen. Ab 1923 erfolgte die Nachrichtenübermittlung per Funk, ab 1961 per Satellit und ab 1971 per Computerverbindung. In den 90er Jahren expandierte Reuters stark – eine Strategie, die nach Ende des dot.com-Booms zu Beginn des neuen Jahrhunderts Probleme verursachte. Das Angebot war zu unübersichtlich geworden; die Kunden kündigten reihenweise die als unflexibel geltenden Reuters-Terminals. Vor diesem Hintergrund übernahm 2001 Tom Glocer den Chefposten von Peter Job. Zu diesem Zeitpunkt erwirtschaftete das Unternehmen zwar Gewinne, verlor jedoch zunehmend Marktanteile an Wettbewerber Bloomberg. Die Marke Reuters war zudem in den Vereinigten Staaten wenig bekannt und das Unternehmen rutschte kurz darauf zum ersten Mal seit dem Börsengang 1984 in die Verlustzone. In der Folgezeit konnte sich Glocer als harter Sanierer profilieren.

Der Zusammenschluss der zwei Unternehmen war aus wettbewerbsrechtlicher Sicht nicht unumstritten: Der neue Konzern werde zusammen mit Bloomberg zwei Drittel des Marktes kontrollieren, so das Argument, es entstehe ein Duopol. Überraschenderweise fiel die seit Oktober 2007 laufende Prüfung durch die EU-Kommission als zuständige Kartellbehörde für Europa trotz solcher "erheblicher Bedenken" jedoch milde aus. Den beiden beteiligten Unternehmen gelang es, den Großteil der Vorbehalte zu zerstreuen. Wesentliches Zugeständnis des neuen Konzerns war der Verkauf diverser Datenbanken an Mitbewerber. Thomson hat sich verpflichtet, eine Kopie seiner Thomson Fundamentals (Worldscope) Datenbank zu verkaufen. Reuters muss analog jeweils Kopien der Datenbanken Reuters Estimates, Reuters Aftermarket Research und Reuters Economics (EcoWin) auf dem Markt anbieten.

Die Integration von Reuters in den Thomson-Konzern verlief schleppend, da die Fusion mitten in das Epizentrum der globalen Finanz- und Bankenkrise 2007/08 fiel. Im Zuge der Krise waren immer weniger Investmentfirmen und Fond Manager bereit, hohe Summen für Reuters Finanzinformationen und Marktanalysen zu bezahlen. Zudem wurden tausende Mitarbeiter von Banken und Finanzinstitutionen entlassen, vielen von ihnen Abonennten der Fachinformationen von Thomson Reuters.

Im Zuge des Zusammenschlusses ist die Familie Thomson über ihren Investmentarm Woodbridge im Besitz von 53% der Aktien. Dies hatte eine Änderung der Reuters–Grundsätze erforderlich gemacht, da diese bis dahin einzelnen Reuters–Aktionären einen maximalen Anteil von 15% der emittierten Aktien gestatteten. Im Gegenzug für die Satzungsänderung gelten die Unabhängigkeitsprinzipien des Reuters Trusts (heute: Thomson Reuters Trust) nun für das gesamte neue Unternehmen. Die aus der Reuters Founders Share Company hervorgegangene Thomson Reuters Founders Share Company, die über die Einhaltung der Prinzipien des Trusts zur Sicherung der Unabhängigkeit des Unternehmens wacht, verfügt mittels der so genannten „Goldene Aktie“ wie ihre Vorgängerin über ein Vetorecht bei Übernahmeversuchen.

Management

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Mit Thomas Glocers vorzeitigen Abgang im Jahr 2011 verließ der letzte ehemalige Reuters-Manager das Unternehmen. Sein Nachfolger James Smith, vormals COO des Unternehmens ist gelernter Journalist. Smith stammt aus einfachen Verhältnissen. Er wuchs in einer Kleinstadt in Kentucky auf und erhielt ein Football-Stipendium, das ihm den Zugang zu einer Universität verschaffte. Er begann seine Karriere als Chefredakteur der "Charleston Daily Mail" und betreute später bei Thompson die nordamerikanische Zeitungssparte.

Geschäftsfelder

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Thomson Reuters ist in drei Geschäftsbereiche unterteilt:
Die Financial & Risk-Sparte umfasst sämtliche Nachrichten- und Informationsdienste (inklusive Reuters), die sich an Trader und Angestellte der Finanzindustrie wenden. 2015 stammten 40 Prozent der Umsätze dieser Sparte aus Desktop-Applikationen, insbesondere dem Flaggschiff-Produkt Eikon (daneben gibt es momentan noch die Dienste Thomson ONE, Thomson Reuters BETA, Thomson Reuters Elektron, Thomson Reuters Enterprise Platform, FX Trading Solutions und Tradeweb. Das Segment Legal umfasst wiederum alle internationalen Fachinformationsdienste die sich an Juristen, Regierungen und Ministerien richten (unter anderem Westlaw, Sweet & Maxwell, Carswell, Aranzadi, La Ley und Revista dos Tribunais). Die Informationsdienste der Tax & Accounting-Sparte richten sich widerum an die Mitarbeiter von Steuerbüros, Konzernen und Regierungen (unter anderem ONESOURCE, Checkpoint, Onvio, Digita).

Aktuelle Entwicklungen

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Insgesamt kämpfen vier große Unternehmen um Marktanteile im Geschäft mit Fachinformationen. Neben Thomson Reuters sind dies Bloomberg, Dow Jones sowie Fact Set Research System. Insbesondere Bloomberg hat sich in den vergangenen Jahren als hartnäckigster Konkurrent von Thomson Reuters etabliert. Das dem gleichnamigen Bürgermeister von New York gehörende Unternehmen bietet ebenfalls Fachinformationen aus den Bereichen Finanzen und Recht an. Zudem hat sich der Bloomberg-Terminal ("Bloomberg Professional Service"), ein Desktop-Computer, der in Echtzeit neueste Informationen für Broker und Bänker zur Verfügung stellt, längst gegen Thomson Reuters Konkurrenzprodukt "Eikon" durchgesetzt.

Mit Reuters TV, einem "radikal neuen Art und Weise" des News-Streaming möchte der Konzern seit 2015 den wachsenden Markt für Nachrichten-Video-Apps erobern. Die nun zunächst in den USA und Großbritannien gelaunchte App - laut Unternehmensangaben eine Art "Netflix für Nachrichten"- ist exklusiv für das iPhone erhältlich und soll 1,99 US-Dollar im Monat kosten sowie zusätzlich durch Werbung finanziert werden. Dafür bekommen User laufend aktualisierte und personalisierte, auf Grundlage von Algorithmen zusammengestellten Videofeeds die zwischen fünf und 30 Minuten dauern. Auch Live-Übertragungen der rund 2,500 Journalisten aus 160 Ländern sind Teil der Mobile-News-Offensive. Mit der Anwendung möchte Reuters insbesondere eine mobile und global engagierte Zielgruppe der 30- und 40-jährigen ansprechen, die keine Zeit mehr haben, um Fernsehnachrichten zu gucken. Doch ob sich ausreichend zahlende Nutzer finden lassen, ist angesichts des großen und teilweise kostenfreien Angeboten der Konkurrenz fraglich. NBC (Breaking News App), CBS (CBSN digital news initiative), News Corp. (Storyful) und Yahoo (Yahoo News Digest) sowie BBC, Sky News, CNN, Bloomberg und CNBC haben bereits vergleichbare Nachrichten-Apps veröffentlicht.

News

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05.03.15 / Bloomberg L.P., Thomson Reuters Corporation, Dish Network Corporation

Die reichsten Medienunternehmer der Welt 2015

11.11.13 / Bloomberg L.P., Thomson Reuters Corporation

Medienkonzerne in China: Selbst-Zensur oder Ausschluss

Inhalte

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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European Media Pluralism

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dem Media Program der Open Society Foundations,

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der Bundeszentrale für Politische Bildung,

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der Rudolf Augstein Stiftung

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sowie der Stadt Köln

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dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie

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und dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V.