37. The Naspers Group

Umsatz 2015/16: ZAR 5,930 Mrd. (€ 5,335 Mrd.)

Überblick

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Naspers ist der größte Medienkonzern Afrikas. 1915 in Kapstadt gegründet, beschränkte sich das Unternehmen bis in die 1980er Jahre auf den Printsektor in Südafrika, ehe man gemeinsam mit anderen südafrikanischen Partnern den Pay-TV-Anbieter M-Net ins Leben rief. Mitte der 1990er Jahre wurde das Portfolio um diverse Onlineaktivitäten ergänzt und die internationale Expansion besonders in Wachstumsmärkten vorangetrieben.

Basisdaten

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Hauptsitz:
40 Heerengracht
Cape Town
8001 South Africa
Tel.: +27 (0)21 406 2121
http://www.naspers.co.za/

Branche: Internet, Pay-TV, Zeitungen, Zeitschriften, Bücher
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.04. – 31.03.
Gründungsjahr:  1915

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. ZAR)
20162015201420132012201120102009200820072006
Umsatz6.089*5.930*73.09262.72850.24939.48733.08527.99826.69020.51817.219
Gewinn (Verlust)1.899*1.001*14.0246.5296.7483.2024.0564.0413.7833.8783.416
Aktienkurs (Jahresende)92,2212151,5109,654,335,338,730,016,616,316,6
Beschäftigte25.00027.00024.00022.500

21.000

19.00015.93212.95811.71513.81215.133

*USD

Geschäftsführung

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Management:

  • Aileen O'Toole, Group Chief People Officer
  • David Tudor, Group General Counsel
  • Pat Kolek, Group Chief Operating Officer

 

Aufsichtsrat:

  • Bob van Dijk, Group CEO
  • Basil (Vasili) Sgourdos, Group CFO
  • Mark Sorour, Group CIO
  • Nolo Letele, CEO Multichoice

Geschichte und Profil

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Naspers wurde am 12. Mai 1915 in Kapstadt als „De Nasionale Pers“ amtlich eingetragen und veröffentlichte dort gut zwei Monate später die erste Ausgabe der Zeitung „De Burger“. Sie war die erste Tageszeitung auf Afrikaans, Sprachrohr der herrschenden Nationalen Partei und richtete sich an die europäisch-stämmigen Südafrikaner. Bis weit in die 1980er Jahre verteidigte „De Burger“ das Apartheid-System in Kommentaren und Leitartikeln.

Bis 1919 erweiterte Nasionale Pers ihre Geschäftsfelder vom Drucken und Verlegen der Zeitung um das Verlegen von Magazinen und Büchern und eine Buchgemeinschaft. In den folgenden Jahrzehnten baute Nasionale Pers ihr Tageszeitungsgeschäft mit neuen Titeln aus, bis in die 1950er Jahre jedoch auf Kapstadt und den südafrikanischen Oranje-Freistaat beschränkt.

Die 1950er Jahre waren bei Nasionale Pers durch die Ausweitung der Verlagstätigkeiten geprägt: Zu Beginn des Jahrzehnts erfolgte die Gründung von Nasionale Boekhandel, zum Ende die Übernahme von Tafelberg Uitgewers. 1963 wurde der Lehrbuchverlag Nasou gegründet. Dank der industriellen Entwicklung des südafrikanischen Nordostens in den 1960er Jahren konnte Nasionale Pers dort die Sonntagszeitung „Die Beeld“ (heute „Rapport“) etablieren. Es kamen weitere Verlage zu Nasionale Pers (Via Afrika, Human & Rousseau) sowie neue Buchgemeinschaften (Leserskring; Leisure Hour, 1982) hinzu.

Mitte der Achtziger Jahre stieg Nasionale Pers in das in Südafrika noch junge Fernsehgeschäft ein, indem in Zusammenarbeit mit anderen Medienkonzernen des Landes das Pay-TV-System M-Net aufgebaut wurde. 1993 wurde M-Net bereits aufgeteilt: Ein Anteil am europäischen Pay-TV-Service FilmNet, das Mobilfunkgeschäft, das Ausstrahlungs-System und die Abonnentenverwaltung gingen in das neue Unternehmen MultiChoice Limited über, das drei Jahre später zu Nasionale Pers‘ Investment-Arm MIH Holdings Limited (Myriad International Holdings) werden sollte. Der Name MultiChoice blieb auch nach 1996 erhalten, da das Pay-TV-Geschäft mittlerweile von den Tochtergesellschaften MultiChoice South Africa (MCSA) und MultiChoice Africa (MCA) fortgeführt wurde.

In den Jahren 1996 und 1997, kurz nach dem Ende der Apartheid-Politik, gab es die ersten Verkäufe von Marken der südafrikanischen Medienkonzerne an schwarzafrikanische Gruppen - auch Nasionale Pers verkaufte die Mehrheit an „City Press“ an ein schwarzes Konsortium. 1997 begann Nasionale Pers auch ihr Online-Geschäft, indem MIH Limited den Provider MWEB Holdings gründete. Schon im Jahr darauf starteten news24.com und weitere Webangebote. Im Laufe des Jahres 2000 begann Naspers schließlich damit, alle Print-Geschäfte unter dem Dach von Media24 zusammenzufassen. 

Im Mai 2001 begann die inzwischen unter dem Namen „Naspers“ firmierende Gruppe international zu expandieren. CEO Koos Bekker hatte dabei ein ausgesprochen glückliches Händchen: 2001 erwarb er für 34 Millionen Dollar fast die Hälfte es damaligen Startups Tencent Holdings Limited, dem Entwickler des in China populärsten Instant Messaging-Programms QQ - ein Investment, das mittlerweile mehr als 60 Milliarden wert ist. Im Mai 2006 investierte Naspers 422 Millionen US-Dollar in den brasilianischen Medienkonzern Abril S.A., um auch in diesem Wachstumsmarkt Fuß zu fassen. Mit einem seit 2006 wachsenden Anteil an Mail.ru, einem führenden russischen Provider von E-Mail-Diensten und Blogs, ist Naspers in einem weiteren der BRIC-Wachstumsstaaten aktiv. Nachdem sich MIH 2009 bereits an drei Web-Diensten in Südostasien beteiligte, kam im September des folgenden Jahres ein Mehrheitsanteil an Multiply Inc., dem größten Internet-Marktplatz für Privatkunden in Südostasien, hinzu. Mittlerweile ist Naspers in insgesamt 120 Ländern aktiv.

Management

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Der seit 1997 amtierende CEO von Naspers, Koos Bekker, trat im April 2014 von der Unternehmensspitze zurück. Sein Nachfolger wurde Bob van Dijk. Der gebürtige Niederländer war zuvor unter anderem Vice President bei eBay Deutschland und für den norwegischen Medienkonzern Schibsted tätig. Unter van Dijk will Naspers in den kommenden Jahren insbesondere in den Mobile-Bereich investieren, im E-Commerce-Bereich wachsen und in Lateinamerika und Südostasien ein größeres Stück vom lukrativen Online-Kleinanzeigengeschäft bekommen. Dazu hat van Dijk eine strategische Partnerschaft mit seinem ehemaligen Arbeitgeber Schibsted sowie Telenor und SPH eingefädelt. Schibstedt- und Naspers-Webseiten in Brasilien, Bangladesh, Thailand und Indonesien haben sich im Rahmen des Joint Ventures zusammengeschlossen. Van Dijk bevorzugt eine dezentralisierte Management-Struktur und lässt die jeweiligen Chefs der internationalen Töchterfirmen relativ freie Hand.

Geschäftsfelder

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Internet: Gemessen an der Anzahl der Beteiligungen und deren weltweiter Verbreitung ist das Internet das Haupt-Operationsfeld des Konzerns. Man beteiligt sich an Webdiensten verschiedenster Art, wie beispielsweise Handels-, Community-, Kommunikations- und Spieleplattformen.

Neben den enorm lukrativen Investments in Tencent und Mail.ru hält Naspers 97 Prozent der Anteile an Allegro, einer aus Polen stammenden Online-Handelsplattform. Naspers hält in Brasilien unter anderem Mehrheitsbeteiligungen an dem führenden Preisvergleichsportal (BuscaPé), dem größten Online-Kleinanzeigenmarkt (OLX) und dem Online-Entertainment-Dienst Movile. In Indien kontrolliert Naspers das größte Online-Reiseportal ibibo sowie in Großbritannien den Web Analytics-Spezialisten SimilarWeb.

Fernsehen und Kabeldienste: Im Fernsehbereich konzentriert sich Naspers über ihre Tochterunternehmen „MultiChoice South Africa“ (MCSA) und „MultiChoice Africa“ (MCA) ganz auf Pay-TV). Mit seinen Marken GOtv, M-Net, SuperSport und Irdeto erreicht Naspers so zehn Millionen Haushalte in 50 afrikanischen Ländern. Obwohl ein reiner „Internet Service Provider“, zählt Naspers die Firma MWEB South Africa zum Pay-TV, da sie Teil des größeren Bezahlfernseh-Unternehmens MultiChoice ist. MWEB wurde 1997 gegründet, wobei 2009 das Geschäft im Rest Subsahara-Afrikas („M-Web Africa“) an die Firma Telkom verkauft wurde.

Presse und Buchverlage:
Das Unternehmen führt mit seiner Printsparte Media24 den Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchverlagsmarkt mit mehr als 80 Zeitungen (darunter "Daily Sun", "Die Burger" und "Beeld") und ca. 70 Magazinen (finweek, Drum und TopGear) und den Buchverlagen Jonathan Ball und NB Publishers an.

Aktuelle Entwicklungen

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Das Schicksal von Naspers ist mittlerweile streng gekoppelt an die Entwicklung von Tencent. In den letzten fünf Jahren korrelierte die Entwicklung der Naspers Aktie fast direkt mit der des chinesischen Onlinekonzerns, an dem Naspers 46,5 Prozent der Anteile hält. Die erfolgreiche Entwicklung von Tencent gleicht momentan Investments in Lateinamerika, Indien, und Südostasien aus, bei denen längst noch nicht gewiss ist, ob sie sich langfristig wirklich auszahlen. Solange der Unternehmenswert von Tencent weiter steigt, hat Naspers die Finanzkraft um weiter zu expandieren. Wenn der chinesische Internet-Boom jedoch ein jähes Ende finden sollte, dann würde das für Naspers negative Konsequenzen haben.

Allerdings ist der Konzern durch sein lukratives Pay-TV-Geschäft in der Sub-Sahara-Region sowie sein Investment in den russischen Social Media-Marktführer mail.ru breit aufgestellt. Der ehemalige CEO Koos Bekker wird für seine Entscheidung, bereits Mitte der 1990er Jahre in Internetgeschäfte zu investieren in Investmentkreisen als einer der größten Medienkonzernchefs der letzten 30 Jahre gefeiert. Michael Moritz, Vorsitzender von Sequoia Capital, hat das einstige Zeitungshaus Naspers jüngst mit der Entwicklung der New York Times Company verglichen. Während Naspers mutig genug war, sein Geschäft fast komplett auf das Internet auszurichten, begriff die New York Times den technologischen Wandel viel zu spät. Heute ist der Umsatz von Naspers in etwa sechsmal so hoch.

Weiterführende Literatur

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  • Fourie, Pieter J. 2001: Media Studies: Institutions, Theories, and Issues. Lansdown: Juta Education.
  • Hydén, Göran et al. 2003: Media and Democracy in Africa. New Brunswick: Transaction Publishers.

Inhalte

Ranking - Die 50 größten Medienkonzerne 2015*

  1. Alphabet Inc.
  2. Comcast
  3. The Walt Disney Company
  4. News Corp. Ltd. / 21st Century Fox
  5. AT&T Entertainment Group (DirecTV)
  6. Time Warner Inc.
  7. Viacom Inc./CBS Corp.
  8. Sony Entertainment
  9. Apple Inc.
  10. Altice Group
  11. Bertelsmann SE & Co. KGaA
  12. Cox Enterprises Inc.
  13. Facebook, Inc.
  14. Liberty Media Corp./Liberty Interactive/Starz
  15. Tencent Holdings Ltd.
  16. Dish Network Corporation
  17. Thomson Reuters Corporation
  18. Vivendi S.A.
  19. The Hearst Corporation
  20. Rogers Comm.
  21. Baidu Inc.
  22. Microsoft Corporation
  23. Charter Comm. Inc.
  24. RELX Group
  25. Bloomberg L.P.
  26. Lagardère Media
  27. BBC
  28. ARD
  29. Pearson plc
  30. Netflix
  31. Advance Publications
  32. Amazon.com Inc.
  33. Discovery Communications
  34. iHeart Media
  35. Nielsen Holdings plc
  36. Shanghai Media Group
  37. The Naspers Group
  38. Nippon Hoso Kyokai
  39. Grupo Televisa
  40. S&P Global
  41. Fuji Media Holdings, Inc.
  42. Yahoo! Inc.
  43. Globo Communicação e Participações S.A.
  44. Wolters Kluwer nv
  45. Activision Blizzard Inc.
  46. ITV plc
  47. Electronic Arts
  48. Verizon (AOL)
  49. Nintendo Company Ltd.
  50. Mediaset SpA
  51. Axel Springer SE
  52. ProSiebenSat.1 SE
  53. Phoenix Publishing & Media Group
  54. France Télévisions S.A.
  55. Nippon Television Holdings
  56. IAC/InterActiveCorp.
  57. Time Inc.
  58. Bonnier AB
  59. TEGNA
  60. Quebecor Inc.
  61. Grupo Clarin
  62. Scripps Networks Interactive
  63. Gannett Co. Inc.
  64. Tokyo Broadcasting System Holdings, Inc.
  65. Univision Communications
  66. Daily Mail & General Trust plc
  67. RAI Radiotelevisione Italiana Holding S.p.A.
  68. Bandai Namco Holdings Inc.
  69. Graham Holdings Company
  70. Bauer Media Group
  71. Hubert Burda Media Holding Gmbh & Co.
  72. China Central Television
  73. ZDF
  74. Lionsgate Entertainment Corporation
  75. Bell Media
  76. TF1 S.A.
  77. Twitter
  78. Hunan Broadcasting System
  79. Spotify AB
  80. tronc, Inc.
  81. Modern Times Group
  82. Georg von Holtzbrinck GmbH
  83. Sanoma Group
  84. Schibsted Media Group
  85. Grupo Planeta
  86. Egmont Group
  87. John Wiley & Sons, Inc.
  88. SRG SSR
  89. Asahi Shinbun Company
  90. Tribune Media
  91. Essel Group
  92. Scholastic Corporation
  93. NOS
  94. Meredith Corporation
  95. New York Times Company
  96. Gazprom-Media
  97. Grupo PRISA
  98. China Publishing Group
  99. Ubisoft Entertainment
  100. De Persgroep