42. S&P Global

Umsatz 2016: $ 5,661 Mrd. (€ 5,114 Mrd.)

Überblick

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S&P Global (ehemals McGraw-Hill Financial) ist ein Medienunternehmen aus den Vereinigten Staaten, dessen Firmenhauptsitz sich in New York befindet. McGraw-Hill trennte sich 2012 von seiner Bildungssparte und ist seitdem exklusiv im Markt für Medien- und Finanzfachinformationen tätig.

Basisdaten

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Hauptsitz: 1221 Ave. of the Americas New York, NY 10020-1095
Tel: 001 (212) 904-2000
Fax: 001 (212) 512 3840
Internet: www.mcgraw-hill.com

Branche: Fachinformationen, Finanzdienstleister, Marketing, Rating-Agenturen
Rechtsform: Aktiengesellschaft 
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1888 (1909) 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. US-Dollar)
20162015201420132012201120102009200820072006
Umsatz 5.6615.3135.0514.8754.4506.2466.1685.9516.3556.7726.225
Gewinn (Verlust) nach Steuern2.1061.268(13)1.4464929118287307991.013882,2
Aktienkurs (Jahresende)98,1888,7078,2054,6744,7236,4133,5123,1943,8168,02
Beschäftigte20.00020.40017.00016.40017.00022.66020.75521.07712.64921.17120.214

 

 

Geschäftsführung

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Management: 

  • Douglas L. Peterson, President & CEO
  • John L. Berisford, President, S&P Global Ratings
  • Jack F. Callahan Jr., Executive Vice President, CFO
  • Martina L. Cheung, Executive Managing Director, Global Risk Services, S&P Global Market Intelligence
  • Mike Chinn, President, S&P Global Market Intelligence
  • Courtney Geduldig, Executive Vice President, Public Affairs
  • France M. Gingras, Executive Vice President, Human Resources
  • David Goldenberg, Acting General Counsel & Acting Chief Legal Officer
  • Imogen Joss, President, S&P Global Platts
  • Alex J. Matturi, Chief Executive Officer, S&P Dow Jones Indices
  • Krishna Nathan, Chief Information Officer
  • Paul Sheard, Executive Vice President and Chief Economist
  • Ashu Suyash, Managing Director and Chief Executive Officer, CRISIL
  •  

Aufsichtsrat:

  • Marco Alverà, Snam
  • Sir Winfried Bischoff, JP Morgan Securities
  • Stephanie C. Hill, CSAT
  • Monique F. Leroux, International Cooperative Alliance
  • Maria R. Morris, MetLife
  • William D. Green, Accenture
  • Charles E. Haldeman, Jr., KCG Holdings
  • Douglas L. Peterson, S&P Global
  • Sir Michael Rake, BT Group
  • Edward B. Rust, Jr., State Farm Insurance Companies
  • Kurt L. Schmoke, University of Baltimore
  • Richard E. Thornburgh, Credit Suisse Holdings

Geschichte und Profil

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Die Geschichte von McGraw-Hill, dem Vorläufer von S&P Global, begann auf dem Höhepunkt des Eisenbahnzeitalters. 1888 hatte James H. McGraw das „American Journal of Railway Appliances“ gekauft und wenig später John A. Hill, damals Redakteur beim „Locomotive Engineer“, kennengelernt. Beide bauten nach und nach eigene Verlage für Ingenieur-Zeitschriften und ein entsprechendes Buchprogramm auf. 1909 legten sie ihre Buchsparten zusammen, nach dem Tod von John A. Hill wurden 1917 auch die anderen Unternehmensbereiche in einer Firma zusammengefasst. McGraw-Hill war geboren. 1929 erfolgte der Börsengang und die Gründung des Wirtschaftsmagazins „Business Week“. Über die Jahre kamen mehr und mehr Fachzeitschriften aus Bereichen wie Industrie, Verkehr oder Gesundheit dazu.

Nach dem zweiten Weltkrieg weitete McGraw-Hill vor allem das Lehrbuch-Segment aus. Neben den etablierten Reihen für College-Studenten wurden jetzt auch Schulbücher für Grund- und weiterführende Schulen aus allen Unterrichtsbereichen produziert. 1966 stieg McGraw-Hill mit dem Kauf der Rating-Agentur Standard & Poor’s in den Bereich der Business-Information und Analyse ein.

Peinlich wurde für den Konzern das Jahr 1970. Ein damals unbekannter Autor hatte einem der McGraw-Hill-Buchverlage eine Biographie des angeblich im Sterben liegenden, exzentrisch-zurückgezogen lebenden Milliardärs Howard Hughes angeboten, die sogar von diesem autorisiert sei. Doch das Buch war eine Fälschung, Hughes erschien aus der Versenkung und klagte gegen Verlag und den Autor, der zu 30 Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

1972 expandierte das Unternehmen erstmals Richtung elektronische Medien und erwarb TV-Stationen u.a. in San Diego, Indianapolis und Denver. Eine schleppende Geschäftsentwicklung insgesamt und dagegen überdurchschnittlich gute Ergebnisse bei Standard & Poor’s führten 1979 zu einem – allerdings erfolglosen – Übernahmeversuch durch American Express. 1980 überstiegen die Umsätze erstmals die Grenze von einer Milliarde US-Dollar. 1995 wurde das Unternehmen in drei Geschäftsbereiche Education, Financial Services und Information & Media Services umstrukturiert, 1996 lag der Umsatz bereits bei über drei Mrd. US-Dollar. Nach einem „familienfremden“ Interregnum von 1988-1998 führte mit Harold McGraw III bis 2013 der Nachkomme eines Firmengründers das Verlagsimperium.

Auch an McGraw-Hill ging die letzte Wirtschafts- und Finanzkrise nicht spurlos vorüber. "An 2008 wird man sich lange als eines der schwierigsten Jahre für unser Land, unsere Wirtschaft – und unser Unternehmen erinnern“, schrieb Harold McGraw III im Anfang 2009 erschienen Jahresbericht: Der Umsatz ging um 6,2 Prozent auf rund 6,36 Milliarden US-Dollar zurück, der Gewinn brach sogar um über ein Fünftel auf nur noch 799,5 Millionen Dollar ein. Weitaus größer war jedoch der gesamte volkswirtschaftliche Schaden sowie der Imageverlust von S&P. Denn die Ratingagentur war mit ihren übertrieben positiven Bewertungen der hypothekenbesicherten Wertpapiere oder mortgage-backed securities einer der Hauptakteure, die die Immobilienblase schließlich zum Platzen brachte. Das US-Justizministerium verklagte daraufhin S&P im Namen von 19 Bundesstaaten; schließlich einigte man sich auf die Strafzahlung von 1,4 Milliarden Dollar - die Behörde stellte im Gegenzug ihre Ermittlungen ein.. McGraw-Hill III räumte schließlich Fehler ein, verteidigte aber das Vorgehen seines Unternehmens auch: „Es ist nur ein schwacher Trost, dass beinahe alle Marktteilnehmer – Banken, Rating-Agenturen, Hausbesitzer, Regulierungsbehörden und Investoren – den anhaltenden Verfall des US-Immobilien- und Hypothekenmarktes nicht vorhergesehen haben“, behauptete der Konzernchef: „Hätten wir – und andere – diese außergewöhnlichen Entwicklungen vorhergesehen, hätten wir ohne Zweifel viele der Ratings, die wir vergeben haben, nicht vergeben.“

Zu Änderungen kam es 2012 beim Spartendesign des Medienkonzerns, der in McGraw-Hill Financial umbenannt wurde. Auf Druck der Aktionärsversammlung wurden die Bereiche McGraw-Hill Markets und der Bildungsverlag McGraw-Hill Educations zunächst getrennt, ehe der Bildungsarm für 2,5 Milliarden an den Finanzinvestor Apollo verkauft wurde. Die Aktionäre erhofften sich neben einer Steigerung des Unternehmenswertes auch dass S&P unabhängiger bei der Ratingvergabe agieren kann. Um sich auch symbolisch vom Bildungs- und Verlagsgeschäft zu verabschieden wurde der Name des Konzerns im April 2016 schließlich in S&P Global geändert.

Management

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Douglas Peterson wurde 2012 Chef von S&P und ein Jahr später CEO der gesamten McGraw-Hill Gruppe. Seine Verpflichtung stand im unmittelbaren Zusammenhang mit der Rolle der Ratingagentur im Vorfeld der globalen Finanzkrise. Peterson kam vom japanischen Ableger von Citigroup, wo er erfolgreiches Krisenmanagement an den Tag legte, als die japanische Regierung 2004 CitiBank wegen unlauterer Tradingpraktiken untersuchte.

Petersons Hauptaufgabe besteht weiterhin darin, das ramponierte Image der Ratingagentur zu reparieren (dass S&P 2011 zum ersten Mal in seiner Geschichte die Kreditwürdigkeit der USA downgradete machte dem Unternehmen in Washington nicht unbedingt mehr Freunde). Die Kriterien und Methoden müssen verfeinert und aktualisiert werden, damit sich die Fehleinschätzungen von vor 2008 nicht wiederholen. Peterson befindet sich in einem ständigen PR-Gefecht mit Wirtschaftsjournalisten, Politikern und Verbraucherschützern, die zunehmend den Nutzen und Mehrwert von Ratingagenturen in Frage stellen.

Geschäftsbereiche

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S&P Ratings betreibt Büros in 25 Ländern und versorgt unter anderem Regierungen, Bänker, Investoren und Versicherungsunternehmen mit Finanzinformationen und Beurteilungen zur Kreditwürdigkeit. Die Unterfirmen Capital IQ und SNL liefern Fachinformationen und Analysen für diverse Sektoren der Wirtschaft (SNL Kagan beispielsweise ist einer der führenden Anbieter für Prognosen zur Entwicklung des Medien- und Kommunikationssektors). SNL wurde 2015 für 2,2 Milliarden von der Investorengruppe New Mountain Capital übernommen. Im Rahmen eines Joint Ventures mit der CME Group und News Corp. publiziert S&P Dow JOnes Indices eine Reihe von Aktienindices, mit denen Lizenz- und Abonementgebühren erlöst werden. Die Commodities & Commercial-Sparte ist mit den Marken Platts und J.D. Power wiederum auf Business-to-business Informationen spezialisiert.

Aktuelle Entwicklungen

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Die Glaubwürdigkeitskrise von S&P ist noch lange nicht überwunden. Stimmen werden lauter, die behaupten, dass Ratingagenturen insgesamt obsolet geworden sind. Den Beweis liefert Kritikern zufolge S&P selbst. Als das Unternehmen etwa neben Griechenland, Portugal und Irland auch Frankreich und Österreiche in Punkto Kreditwürdigkeit herabstufte, reagierten nicht entsprechend. Die kontroverse Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA, die Präsident Obama sogar in einer Rede an die Nation öffentlich kritisierte, beinhaltete eine Prognose die um zwei Billionen Dollar zu hoch angesetzt war (S&P blieb dennoch bei seinem AA rating; die Konkurrenz von Moody's und Fitch schloss sich dieser Bewertung jedoch nicht an) Stärkere Regulierung des Rating-Marktes auf EU-Ebene, in den USA sowie in Russland und der Türkei machen S&P zudem zunehmend das Leben schwer. In EU-Kreisen werden Rufe nach einer unabhängigen europäischen Ratingagentur lauter. Dennoch ist S&P Global nach wie vor elementarer Bestandteil der internationalen Finanzarchitektur. Am größten Kritikpunkt - dass sie von den Auftraggebern bezahlt werden, die sie kritisch bewerten sollen - hat sich nach wie vor nichts entscheidend geändert.

News

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14.10.09 / The McGraw-Hill Comp. Inc., Bloomberg L.P.

Bloomberg kauft Wirtschaftsmagazin BusinessWeek

Inhalte

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