8. Sony Entertainment

Umsatz 2016/2017: ¥ 3.109,000 Mrd. (€ 25,865 Mrd.)

Überblick

Sony ist der größte japanische Unterhaltungselektronik-Hersteller und Medienkonzern. Über 40 Sony-Tochtergesellschaften gibt es in Japan, weltweit sind es über 900. In den vergangenen Jahren hat sich Sony zunehmend auf seine Film- und Gamessparte konzentriert; Elektronik- und Hardware-Segmente wurden zunehmend abgespalten und in eigene Gesellschaften ausgegliedert. Unter der Kazuo Hirai, der 2012 CEO wurde, und seiner "One Sony"-Strategie wurde das Unternehmen verschlankt und rund 15.000 Mitarbeiter entlassen.

News

10.07.17 / Sony Entertainment, Walt Disney Corp.

"Spider-Man": Erfolgreiche Kooperation zwischen Sony und Disney

20.02.17 / Sony Entertainment, Facebook.com

Virtual Reality: ernüchternde Bilanz für Medienkonzerne

16.01.17 / Sony Entertainment

Sonys Filmsparte: Mehr Einfluss für Kazuo Hirai

Basisdaten

Hauptsitz: 1-7-1 Konan, Minato-ku, Tokyo 108-0075, Japan 
Telefon: 0081-3-6748-2111  
Internet: www.sony.net

Branchen: Audio, Video, Fernsehen, Unterhaltungselektronik (Hardware), Videospiele (Hardware, Software), Film, Finanzdienstleistungen (dazu zählen z. B. eine Lebensversicherung und eine Bank), Halbleiter, Zubehör, Computer Hardware, Mobiltelefonie. 
Rechtsform: Aktiengesellschaft (seit 1958)
Geschäftsjahr: 01.04. - 31.03.
Gründungsjahr: 1946

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mrd. ¥)
20162015201420132012201120102009200820072006
Konzernumsatz 7.6038.1068.2167.7676.4986.4937.1817.2147.1108.8717.567
Medienumsatz*3.1093.0782.8302.3121.8821.8311.8692.1102.3102.5252.361
Gewinn (Verlust)**73148(126)(128)230(67)2003222747572
Aktienkurs (Jahresende, in USD)28.0323.8820.4717.2911.2018.0435.7129.0021.8753.8242.27
Mitarbeiter128.400125.300131.700140.900146.300162.700168.200167.900171.300180.500163.000

*In die Berechnung des Medienumsatzes gehen die Sparten „Games“, „Pictures“ und Music, bzw. „All Other“ ein.
**Operating income

Geschäftsführung

Management:

  • Kazuo Hirai, Chairman, CEO & President
  • Kenchiru Yoshida, Executive Vice President, CFO
  • Tomoyuki Suzuki, Executive Deputy President, R&D Plattform, Energy Business, and Storage Media Business
  • Shiro Kambe, Executive Vice President, Legal, Compliance, Corporate Communications, CSR and External Relations
  • Masashi Imamura, Executive Vice President, Manufacturing, Logistics, Procurement, Quality & Environment
  • Shigeki Ishizuka, Executive Vice President, Imaging Products and Solutions Business, President of Digital Imaging Group and Professional Solutions and Services Group
  • John Kodera, President and Global CEO, Sony Interactive Entertainment LLC
  • Michael Lynton, Executive Vice President, Pictures and Music Businesses, CEO, Sony Entertainment Inc., Chairman & CEO, Sony Pictures Entertainment Inc., CEO, Sony Corporation of America
  • Ichiro Takagi, Executive Vice President, Home Entertainment & Sound Business and Consumer AV Sales & Marketing, Representative Director and President, Sony Visual Products Inc., Representative Director and President, Sony Video & Sound Products Inc.
  • Hiroki Totoki, Executive Vice President, Mobile Communications Business, President & CEO, Sony Mobile Communications Inc., President and Representative Director, So-net Corporation

 

Board of Directors:

  • Kazuo Hirai, Sony
  • Kenichiro Yoshida, Sony
  • Osamu Nagayama, Chugai Pharmaceutical Co. Ltd.
  • Takaaki Nimura, Sony
  • Eikoh Harada, McDonalds Holding Japan
  • Tim Schaaff, Intertrust Technology
  • Kazuo Matsunaga, Hitotsubashi University
  • Koichi Miyata, Sumitomo Mitsui Financial Group
  • John V. Roos, Wilson Sonsini Goodrich & Rosati
  • Eriko Sakurai, Dow Corning Toray Co.
  • Kunihito Minakawa
  • Shuzo Sumi

Geschichte und Profil

In über 40 Jahren schufen Masaru Ibuka und Akio Morita in ihren benachbarten Tokioter Büros einen Weltkonzern und eine der bekanntesten internationalen Marken. 1946 gründeten der 25-jährige Morita, Stammhalter einer prominenten Reiswein-Dynastie, und der 13 Jahre ältere Ibuka die Tokyo Tsushin Kogyo (Tokyo Telecommunications Engineering). Trotz schwieriger Produktionsbedingungen konnte sich das Unternehmen mit Produkten wie dem ersten japanischen Kassettenrekorder (1950) und dem Transistorradio „TR-55" (1955) eine wichtige Position im neuen Markt für Konsumelektronik sichern. Mit Blick auf eine internationale Expansion beschloss Morita 1958, die Firma in „Sony" umzutaufen (von lat. „sonus", der Ton). Der neue Name war nicht nur weltweit verständlich und aussprechbar, er verschleierte zudem Sonys Herkunft. Japanische Produkte galten im Westen damals als minderwertig.

Ab 1960 drang Sony massiv auf den US-Markt, wo der Konzern bald die Hälfte der Gesamtproduktion absetzte. Nach der Lancierung des Trinitron-Farbfernsehgeräts 1968 folgte ein Jahrzehnt extensiven Wachstums, an dessen Ende die traumatische Niederlage im Duell um die Videoformate stand. Der qualitativ bessere Sony-Betamax-Standard unterlag dem preisgünstigeren VHS-System der Matsushita-Tochter JVC. Sony wurde Opfer seines teuer bezahlten Entwicklungsvorsprungs. Das Betamax-Debakel zwang Sony, umzudenken. Morita propagierte die Diversifizierung des mittlerweile weltweit produzierenden Konzerns und erzielte hohe Gewinne dank seiner Innovationen in der Unterhaltungselektronik, etwa mit dem legendärenWalkman 1979, oder der Entwicklung der CD-Technologie (1982, zusammen mit Philips). Später stieg der Konzern in die Produktion von Software und Medieninhalten ein, zumal die Betamax-Norm nicht zuletzt daran gescheitert war, dass Sony keine attraktiven Videofilme anbieten konnte.

Sony erwarb 1988 für zwei Milliarden Dollar CBS Records, die größte Schallplattenfirma der Welt. Bald zog der Konzern als letzte Konsequenz der Strategie, sich im Markt global verwertbarer, US-geprägter Populärinhalte zu behaupten, den Kauf eines Hollywood-Studios in Betracht. Durch Vermittlung von „Superagent" Michael Ovitz, damals Geschäftsführer der Talentagentur CAA, erfolgte 1989 die erste Übernahme eines traditionsreichen Majors durch ein japanisches Unternehmen. Für rund fünf Milliarden Dollar kaufte Sony dem Besitzer Coca-Cola die Filmfirma Columbia ab. Seither zählt Sony mit Sony Pictures Entertainment zu den Big Five der Filmindustrie.

Die ersten Jahre in Hollywood gerieten allerdings zum Fiasko. Peter Guber und Jon Peters, eher zweitrangige Produzenten, die nur einen Erfolgsfilm („Batman") vorzuweisen hatten, wurden zu den Studiochefs von Columbia/TriStar ernannt. Aber Guber und Peters fielen mit verworrener Personalpolitik, Nepotismus und der Zweckentfremdung von Sony-Millionen für private Extravaganzen negativ auf. Allein die Ablösesummen und Abfindungen, hervorgerufen durch das sich stetig drehende Personalkarussell, kosteten Sony mindestens zwei Milliarden Dollar. Das Missmanagement spiegelte sich in Misserfolgen an den Kinokassen wider. Columbia und TriStar reihten teure Pleiten aneinander. 1994 machte Sony mit drei Milliarden Dollar einen der höchsten Verluste der japanischen Unternehmensgeschichte, der böse Zungen von einer „Wiedergutmachung für Pearl Harbor" sprechen ließ.

Nach einem Hirnschlag zog sich der damalige 73-jährige Präsident Morita 1994 aus dem Firmengeschäft zurück. Norio Ohga wurde sein Nachfolger als CEO und Nobuyuki Idei neuer Sony-Präsident. Letzterer kümmerte sich vor allem um die Filmsparte. Er entließ die glücklosen Manager von Sony Pictures Entertainment und machte im November 1996 den erfahrenen John Calley zum Vorsitzenden der Sony-Studios. Bald schrieb Sony Pictures wieder schwarze Zahlen.

Im Juni 1999 rückte Nobuyuki Idei als Sony-Chef nach. Er reformierte die Konzernstruktur, um Sony für das digitale Zeitalter zu rüsten. „Ibuka war ein Transistor-Kid“, äußerte Idai, und „Morita ein Walkman- und Ohga ein CD-Kid. Und wir werden digital dream kids sein.“ Die Ernennung Sir Howard Stringers zum CEO der Gesamtgruppe im März 2005 kam einer Sony-internen Revolution gleich. Damit wurde der Riesenkonzern erstmals nicht von einem Japaner und nicht von jemandem, der auf Technik spezialisiert ist, gesteuert. Doch die Vision von Stringers Vorgänger Nobuyuki Idei eines "auf Digitaltechnik basierenden Multimedia-Unterhaltungskonzerns" wurde nicht zur Realität. Sie sollte der Firma ab 2007 eine Gewinnmarge von 10 Prozent bescheren, lag aber 2004 bei nur mageren 1,5 Prozent.

Stringer hingegen wartete mit Erfolgen auf. Als Chef der Sony Corporation of America gelang es ihm, das volatile Filmsegment zum verlässlichen Gewinnbringer aufzubauen. Bei der Sanierung der Kinosparte dürften Stringer sein „low-key management style“ (Economist) und seine Kenntnis der Entertainmentbranche sehr geholfen haben. Seinen Aufstieg verdankte Stringer auch seiner konsequenten Personalpolitik. So feuerte er den extravaganten US-Musikchef Tommy Mottola und ersetzte ihn durch den Kostensenker Andrew Lack, der die Sparte für die Fusion mit BMG fit machte.

Doch gegen Ende von Stringers Amtszeit geriet Sony wieder in eine Schieflage. Der Konzern wurde von der Konkurrenz aus den USA und seinen asiatischen Nachbaren links und rechts überholt.  Der Erfolg des Walkmans in den 1970er und 1980er Jahren - sieht man von der Einführung der Playstation ab - konnte  nicht ins digitale Zeitalter übertragen werden. Apple dominiert heute den Markt für Musikplayer und Smartphones. Südkoreanische Firmen wie Samsung oder LG haben das japanische Unternehmen in Bezug auf Fernsehgeräte längst abgehängt (das Geschäft mit TV-Geräten soll deshalb aus dem Unternehmen ausgegliedert werden). Zudem sorgte höhere Gewalt dafür, dass Sony weiter zurückgeworfen wurde: Die Erdbeben/Tsunami-Katastrophe im Jahr 2011 ließ japanische Fabriken stillstehen. Der starke Yen tat sein übriges dazu, dass die Wettbewerbsfähigkeit eingeschränkt wurde.

Als Kazuo Hirai 2012 seinen Posten als neuer Sony-Chef antrat, verkündete er sogleich die "One Sony"-Strategie, die vorsah, die diversen Medien- und Techniksparten weiterhin in einem Unternehmen zu vereinen. Doch nachdem 2014 das Vaio-Fernsehsegment ausgegliedert wurde, folgen nun Kameras und Mp3-Player. Offenbar stehen auch andere Geschäftsbereiche mittelfristig vor einem möglichen Entkopplung. Statt "One Sony" wird es also bald viele Sonys geben.

Management

CEO Kazuo Hirai leitete zuvor erfolgreich die Videospiel-Sparte von Sony und gilt als Hirn des globalen Siegeszugs der Playstation. Er machte zu Amtsbeginn unmissverständlich klar, dass sich das Unternehmen in einer "ernsten Krise" befindet. Für japanische Manager ungewöhnlich spricht Hirai fließend englisch, was dabei helfen könnte, besser zwischen amerikanischen und japanischen Unternehmensteilen zu vermitteln. Hirais Ziel war es zunächst die verlorene Vorherrschaft in den Bereichen Mobiltelefone, Fernseher und Musikplayer wiederherzustellen. Die Film- und Musiksparten überließt er dem erfahrenen Manager Michael Lynton. Doch nach dem Verkauf diverser Elektroniksparten und dem PR-Desaster, das der vermutlich nordkoreanische Hack der Sony Pictures Emails auslöste, hat Hirai begriffen welche Bedeutung Sonys Mediengeschäft für den Konzern hat. Als Reaktion auf die andauernde Krise veranlasste Hirai im Mai 2014, dass die Boni für ihn und weitere Top-Manager zurückgezahlt werden müssen. Das jährliche Gehalt der Führungsriege halbierte sich damit in etwa - ein einmaliger Vorgang in der internationalen Medienkonzernwelt.

Geschäftsfelder (Medien)

Games & Devices
Sony Computer Entertainment produziert die Spielekonsole Playstation (momentan in ihrer vierten Generation, Ende 2016 erscheint die neueste Version namens Playstation Neo) und betreibt mehr als 15 Games-Entwicklungsstudios in Japan, den USA und Europa, darunter Naughty Dog, Team Gravity, Polyphony Digital, Bend Studio und Sucker Punch Productions. Die Playstation 4 hat sich seit Erscheinen Ende 2013 weltweit rund 35 Millionen mal verkauft und ist damit die aktuell erfolgreichste Spielkonsole.

Pictures
Sony Pictures Entertainment Inc. agiert mit seinen Tochterfirmen (den Hollywood-Studios Columbia Pictures, Screen Gems, Sony Pictures Animation, Sony Pictures Classics und TriStar Pictures) weltweit.  Das TV-Produktionssegment stellt ungefähr 60 TV-Formate her. 2015 startete Sony in den USA sein eigenes, werbefinanziertes Streamingportal Crackle, das Amazon, Netflix und Hulu Konkurrenz machen soll. Mit Playstation Vue können User in den USA das Programm von Kabelsendern streamen.

Music
Sony Music Entertainment, das zweitgrößte Musiklabel der Welt wurde von 2004 bis 2008 als Joint Venture mit Bertelsmann betrieben (Sony BMG) ehe Sony BMG Music für 600 Millionen Euro gänzlich übernahm. Das Unternehmen hat seinen Sitz in New York. Sony Music vereint Labels wie Columbia, Epic, RED und RCA Records. Im November 2011 übernahm Sony Music für 2,2 Milliarden US-Dollar die Musikverlags-Sparte vom einstigen Konkurrenten EMI (EMIs Tonträger-Sparte ging an Universal). Regulierungsbehörden in Europa und den USA stimmten dem Deal im Juni 2012 unter Auflagen zu. Sony/EMI ist nun der mit Abstand größte Musikverlag der Welt.

Aktuelle Entwicklung

Was von Sony in seiner ursprünglichen Form geblieben ist, sind neben Kamerasensoren für Smartphones vor allem die Playstation-Sparte und die Produktion von Hollywoodfilmen. Mit dieser Konzentration auf das profitable Mediensegment, hat Hirai - auch auf Druck von activist investor Dan Loeb, der sogar fordert, ein Teil des Mediengeschäfts zu verkaufen - den Aktionären nun versprochen, den operativen Gewinn bis Ende 2018 auf jährlich 4,2 Mrd. US-Dollar zu erhöhen. Sony soll zudem Schritt für Schritt seine aufgeblähten und verkrusteten Strukturen loswerden. 2.100 weitere Mitarbeiter werden in den kommenden Jahren entlassen werden. Dabei handelt es sich jedoch vor allem um einfache Angestellte - im TV- und Filmbereich wird der Konzern in den kommenden Jahren weiter kräftig investieren

Die Playstation ist derweil zum Dreh- und Angelpunkt der neuen Film- und Musikstrategie geworden. Sony plant, Kabel- und Satellitenanbietern durch die Onlineübertragung von Kabelkanälen über die Playstation Konkurrenz zu machen, wie das Netflix-Pendant Crackle und der Playstation Kabel-TV-Dient Vue bezeugen. Sony visiert insbesondere jüngere Zielgruppen an, die keine Lust mehr auf teure und oftmals sinnlos kombinierte Programmpakete haben. Stattdessen sollen Kunden nur die Kanäle on Demand bestellen können, die sich auch wirklich sehen möchten - eine Geschäftsidee, die das Jahrzehnte lang funktionierende Geschäftsmodell der Kabelkonzerne maßgeblich beschädigen könnte. Im Musikbereich wird Sony seinen eigenen erfolglosen Streaming-Dienst Music Unlimited schließen und stattdesen künftig mit Spotify kooperieren.