38. Pearson plc

Umsatz 2016: GBP 4,552 Mrd. (€ 5,555 Mrd.)

Überblick

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Der britische Medienkonzern Pearson mit Sitz in London hat sich nach dem Verkauf der renommierten Wirtschaftszeitung "Financial Times" auf die Bereitstellung Bildungsangeboten aller Art spezialisiert. Aktiv in Europa, Nordamerika und China kontrolliert mittlerweile einen erheblichen Teil der Lehrpläne und des lukrativen Markt für standardisierte Tests.

Basisdaten

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Hauptsitz:
80 Strand, London WC2R 0RL, Großbritannien
Telefon: 0044-20-7010-2000
Telefax: 0044-20-7010-6060
Internet: www.pearson.com

Branche: Zeitungen, Zeitschriften, Lehrmittel, Bücher, Informationsdienste, Multimedia, Internet-Services
Rechtsform:  Aktiengesellschaft (seit 1969)
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1844

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. £)
20162015201420132012201120102009200820072006
Umsatz 4,5524.7804.5405.1776.1125.8625.6635.6244.8114.2184.423
Gewinn (Verlust)  635723720736936942857858762634592
Aktienkurs (in £, Jahresende)9,9910,3518,4518,2919,5418,8715,8914,059,3114,577,62*
Mitarbeiter36.44141.04140.87642.11542.13541.52136.12737.16433.68032.69234.341

*Ende des Geschäftsjahres: 9. Januar des Folgejahres

Tab. II: Umsätze nach Sparten (in Mio. £)
20152014201320122011201020092008200720062005
Education ----4.3184.4264.3904.2073.7803.1122.6842.8772.663
Penguin----5131.0531.0451.0531.002903846848804
FT Group----449443427403842796688698629
Professional8521.152410390382------------
School1.8802.027------------------
Higher Education1.7361.152------------------

 

 

Geschäftsführung

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Management:

  • John Fallon, Chief Executive Officer
  • Coram Williams, Chief Financial Officer

 

Board of Directors:

  • Sidney Taurel, Chairman
  • John Fallon, Pearson
  • Coram Williams, Pearson
  • Elizabeth Corley, Allianz Global Investors
  • Vivienne Cox, BP
  • Joshua Lewis, Salmon River Capital
  • Linda Lorimer, Non-executive director
  • Harish Manwani, Non-executive director
  • Tim Score, ARM Holdings
  • Lincoln Wallen, DWA Nova

Geschichte und Profil

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1844 begann S. Pearson & Son als bescheidene Baufirma in Yorkshire, doch schon bald wuchs das Unternehmen über Nordenglands Grenzen hinaus. Erste Spezialität waren Straßentunnel unter den Flüssen Londons und New Yorks und später der Eisenbahnbau in aller Welt. Als erfolgreiche Privatleute investierten die Pearsons in die unterschiedlichsten Branchen: Banken, Stahl- und Hochbau, Erdöl und Verlagswesen. Als man 1969 an die Börse ging, gehörten bereits die Regional- und Lokalzeitungskette Westminster Press, die renommierte "Financial Times" und Beteiligungen an den großen britischen Buchverlagen Penguin und Longman zum Portfolio. Zu solch eher prosaischen Aktivitäten kamen noblere Unternehmungen wie der Erwerb von Anteilen an den Edel-Weinbergen von Château Latour und der königlichen Porzellanmanufaktur Royal Doulton, die allerdings den ersten Verschlankungen der 80er Jahre zum Opfer fielen. Seit 1990 im Fernsehgeschäft präsent, wurde Pearson Television Ende der 90er Jahre eines der größten europäischen TV-Produktionsunternehmen, ging aber inklusive seiner Senderbeteiligungen im Jahr 2000 in der von Bertelsmann geführten RTL Group auf.  Zehn Jahre später waren die Ölgesellschaft Camco sowie weitere Unternehmen im Baugewerbe verkauft.

Pearson war der erste große internationale Medienkonzern, der von einer Frau geführt wurde. 1997 stieg die gebürtige Texanerin Majorie Scardino bei Pearson ein und sorgte für die Konzentration auf das mediale Kerngeschäft (so trennte sie sich bei Amtsbeginn unter anderem sofort von Beteiligungen an Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett) und baute den Konzern vor allem im Education-Bereich aus - ein Trend, den ihr Nachfolger John Fallon, seit 2013 im Amt, weiter verstärkte.

Management

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Ende 2012 ging die 16-jährige Ära von Marjorie Scardino an der Spitze von Pearson zuende. „Marje in charge“, die mittlerweile im Aufsichtsrat von Twitter sitzt, galt zunächst als harte Saniererin, die durch beinahe tägliche „Dear Everyone“-e-mails auch den Kontakt mit den einfachen Pearson-Mitarbeitern zu halten versuchte. Schnell wurde sie zum „Darling“ der Londoner City, die bei Pearson Renditen und Dividenden steigerte. Sie manövrierte den Konzern in ihrer Amtszeit erfolgreich durch das Zerplatzen der dot.com-Blase und die Finanzkrise 2007/2008. Berühmt wurde sie durch ihr Bekenntnis zur "Financial Times": "nur über ihre Leiche" werde sie die Zeitung verkaufen.

Ihr Nachfolger John Fallon, der zuvor die Bildungssparte betreute, verkaufte die FT im Sommer 2015 schließlich. Unter Fallon - Sohn eines Grundschullehrers - wurde Pearson so zu einem reinen Bildungsmedien-Anbieter umfunktioniert. Wichtigster Kollege von Fallon ist Pearsons Bildungsexperte Michael Barber, ein ehemaliger Professor, der im Auftrag von Tony Blair einst eine auf Testergebnissen basierte Bildungsreform in Großbritannien durchboxte und dafür zum Ritter des Königreichs ernannt wurde. Scardino, Fallon und auch Barber haben früh erkannt, dass sich mit  in einem zunehmend globalisierten Bildungs- und Arbeitsmarkt ein Vermögen verdienen lässt - insbesondere wenn man Erfahrungen im Verlagswesen, Interesse an neuen Technologien vereint und exzellente Kontakte zur Politik vereint. Exzessives Lobbying um an wertvolle Regierungsaufträge zu kommen, wurde Pearson 2011 beinahe zum Verhängnis. Als herauskam, dass das Unternehmen über seine hauseigene Stiftung US-Bildungspolitiker zu Reisen nach Brasilien oder Singapur eingeladen hatte, wurde ein Verfahren des New Yorker Staatsanwalt Eric Schneiderman, erst nach einer  Zahlung von 7,7 Millionen Dollar eingestellt.

Geschäftsfelder

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Pearson ist in drei Kernbereiche aufgeteilt: "school", "higher education" und "professional", die wiederum in die Segmente "North America", "Core" und "Growth" unterteilt sind.

In Nordamerika, wo Pearson 60 Prozent seiner Umsätze generiert produziert das Unternehmen Lehrbücher, Online-Kurse und standardisierte Tests (VUE) für Grundschulen, High Schools und Universitäten, beispielsweise das Mathematik-Tool enVisionMATH oder die Biologie-Standartwerk Miller-Levine Biology. Die Gestaltung, Durchführung und Auswertung elektronischer Tests an US-Schulen hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Dank Regierungsaufträgen wertete Pearson allein 2015 über 111 Millionen Essay und weitere Milliarden an Multiple Choice-Fragen in 25 Bundesstaaten aus. Auch im Markt für Onlinekurse ist der Konzern mit seinen Angeboten Pearson On Line Services und Connections Educations in den USA präsent.

Die Growth-Sparte umfasst aufstrebende Märkte wie Brasilien, China, Indien und Südafrika. Hier versucht Pearson das wachsende Bedürfnis nach Englischkursen zu bedienen. Millionen Menschen nutzen Lern-Tools wie COC, NAME oder Dom Bosco; wichtigste Marken sind Wall Street English, ELT (Longman), Global Scale of English und Grupo Multi. Zu den Kernmärkten zählen hingegen Großbritannien, Australien, Deutschland, Frankreich und Italien. Wichtigste Lern- und Weiterbildungs-Angebote sind hierbei Edexcel, BTEC, LCCI, Bug Club und ActiveLearn.

Die Penguin Group ist der weltweit erste und größte Taschenbuchverlag mit zahlreichen Tochterverlagen. 2012 wurde ein Mehrheitsanteil des Traditionsverlag an Bertelsmann verkauft. Dessen Buchsparte Random House hält nun 53 Prozent am Unternehmen, Pearson hingegen 47 Prozent.

Engagement in Deutschland

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Sichtbarstes Engagement von Pearson in Deutschland war für einige Jahre die seit Februar 2000 erscheinende Financial Times Deutschland (FTD). Mit dem Blatt ist Pearson allerdings seit Anfang 2008 nur noch lizenzrechtlich verbunden. Alle Anteile am frühreren Joint-Venture liegen jetzt bei der Bertelsmann-Verlagstochter Gruner + Jahr, der Pearson zunächst bis 2018 die Nutzung des FT-Labels gestattet.

Aber auch der 2000 von Pearson übernommene Sachbuchverlag Dorling Kindersley hat seit 1999 einen eigenständigen deutschen Ableger, die Dorling Kindersley GmbH mit Sitz in München. Er verlegt vor allem Lexika, Ratgeber und Kochbücher, darunter die deutschen Ausgaben des britischen Starkochs Jamie Oliver.

Pearson Education ist ebenfalls als eigenständige GmbH in Deutschland aktiv, 1999 wurde der Verlag Markt+Technik übernommen. Pearson ist nach eigenen Angaben der führende Anbieter von EDV-Literatur im deutschen Markt. Daneben gehören der Lehrbuchverlag Pearson Studium und ein auf den Englisch-Unterricht spezialisierter Ableger von Longman zur Münchner Pearson Education Deutschland GmbH.

Aktuelle Entwicklungen

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Pearson hat von der "No Child Left Behind"-Initiative der George W. Bush-Administration sowie der umstrittenen "Common Core State Standards Initiative" der Obama-Ära enorm profitiert. Die Programme sehen vor, dass US-Schüler in Grund- und Oberschulen zum Ende jeden Schuljahres standardisierte Englisch- und Mathematiktests absolvieren müssen, um allgemeine Standards zu erfüllen und auf die Hochschule vorbereitet zu sein. Pearson, das zu einem erheblichen Teil entscheidet, was in diesen Test abgefragt wird, sie durchführt und auswertet, ist deshalb in den letzten Jahren in die Schusslinie von Kritikern sowohl aus dem linken als auch aus dem konservativen Spektrum geraten.

Für linke Kritiker und Lehrergewerkschaften hat der massive Fokus auf Tests zu einer pervertierten Lernkultur geführt, in der Schüler und Lehrer sich fast auschließlich auf die Vermittlung von Testwissen beschränken. Rechte Kritiker, für die Bildungspolitik Sache der Bundesstaaten bleiben soll, befürchten hingegen eine von Pearson angeführte Zentralisierung des gesamten US-Bildungssektors.

Doch der Einfluss von Pearson geht mittlerweile über Schüler - deren schulische und berufliche Karriere nicht zuletzt von Pearson-Testergebnissen abhängen - hinaus. So hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren massiv in Online-Bildungsangebot für Erwachsene investiert. Insbesondere in Transformationsländern, wo nicht jeder Zugang zu Universitäten hat, nutzen immer mehr Erwachsene Weiterbildungsmaßnahmen aus dem Hause Pearson.

News

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22.07.15 / Bloomberg L.P., Axel Springer AG, Pearson plc

Springer und Bloomberg: Interesse an der Financial Times

10.12.12 / Pearson plc, Bloomberg L.P., Thomson Reuters Corporation

Die Zukunft der Financial Times

29.10.12 / Bertelsmann AG, Pearson plc

Random House und Penguin fusionieren (Hintergründe)

Inhalte

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European Media Pluralism

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der Rudolf Augstein Stiftung

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dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie

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und dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V.