25. Oath

Umsatz 2016: $ 10,260 Mrd. (€ 9,269 Mrd.)

Überblick

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Oath ist das Produkt der Zusammenführung der einstigen Internet-Größen Yahoo und Aol unter dem Dach von Telekommunikationskonzern Verizon. Ziel von Oath ist es die Millionen von mobilen Nutzerdaten von Verizon mit dem Aol- und Yahoo-Content zwecks Vermarktung zu kombinieren.

Basisdaten

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Hauptsitz:

Verizon Digital Network
140 West St, New York, NY 10013, USA
Internet: www.oath.com

Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.

Umsatz Yahoo 2016: 5.169 Mio. $
Umsatz Verizon (Other, inkl. Aol) 2016: 5,091 Mio. $

 

 

 

Geschäftsführung

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  • Tim Armstrong, CEO
  • Jeff Bonforte, Head of Communications
  • John DeVine, Head of global sales and customer operations
  • Holly Hess, CFO
  • Ralf Jacob, Head of Digital Media Services platforms
  • Julie Jacobs, General Counsel
  • Simon Khalaf, Head of media brands and products
  • Allie Kline, CMO
  • Atte Lahtiranta, Head of technology
  • Tim Lemmon, Head of operations and search partnerships
  • Tim Mahlman, Head of programmatic ad tech platforms
  • Mark Roszkowski, Head of corporate development, strategy, and global partnerships
  • Bob Toohey, CPO

Geschichte und Profil Yahoo

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Anfang der neunziger Jahre trafen sich die beiden Studenten Jerry Yang und David Filo auf dem Universitätsgelände in Stanford. Eine folgenschwere Begegnung, wie sich später herausstellen sollte.
Yang, ein Taiwanese, kam mit 10 Jahren in die USA. Er lernte in Rekordzeit die englische Sprache und wurde aufgrund seines diplomatischen Geschicks schon bald Schulsprecher seiner High School. Später bekam er ein Stipendium für die Stanford University und begann Jura und Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Seinen Abschluss machte er jedoch als Elektroingenieur. Während dieser Zeit arbeitete er in der Universitätsbibliothek, wo er ein verbessertes Verfahren zur Systematisierung des Bücherbestands entwickelte.
Filo, bereits mit einem Abschluss für Technische Informatik der Universität Tulane in New Orleans ausgestattet, freundete sich mit Yang auf dem Campus an. Die Studienveranstaltungen, die sie besuchten, langweilten sie, und so wandten sie mehr Zeit darauf auf, im noch jungen Internet zu surfen als sich auf ihr Studium zu konzentrieren.

Im Januar 1994 erschufen Yang und Filo eine Website mit dem Namen „Jerry’s Guide To The World Wide Web“, ein hierarchisch angelegtes Verzeichnis anderer Websites. Die beiden Studenten wussten, dass ein enormer Bedarf innerhalb der Internet-Community bestand, einen einzigen Ort im Netz zu haben, um geeignete Websites zu finden. Die Doktoranden entwickelten also eine Navigationshilfe, um die rasant wachsende Anzahl von Internetseiten des Webkatalogs in Kategorien zu ordnen.

Drei Monate später wurde „Jerry’s Guide To The World Wide Web“ in “Yahoo!” umbenannt. Laut Aussage von Yang und Filo wurde der Name aus drei Gründen gewählt. Ursprünglich bedeutet Yahoo! “rau, unverfälscht, grob“. Außerdem ist „Yahoo!“ eine Abkürzung für „Yet Another Hierarchical Officious Oracle“. Eine weitere Inspiration für die Namensgebung war Yangs regelmäßiger Ausruf „Yahoo!“ (zu Deutsch etwa: „Juhu!“), immer wenn er eine neue Website entdeckt hatte, die er seinem Verzeichnis hinzufügen konnte. Da bereits ein Anbieter von Barbecue-Soße das Copyright auf den Namen hatte, wurde ein Ausrufezeichen hinzugefügt.

Rasch verzeichnete die neue Suchmaschine eine Million Anfragen von über 100.000 Benutzern. 1995 wurde Yahoo! offiziell gegründet. Im März desselben Jahres wurde Yahoo! in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Mitte August 1995 begann man erstmals Anzeigen auf der Internetseite zu präsentieren. Ebenfalls 1995 wurde Tim Koogle erster CEO von Yahoo!. 1996 ging Yahoo! an die Börse. Yang und Filo wurden nicht nur über Nacht zu Multimillionären, sondern auch Prototypen des modernen Geschäftsführers - als junge, anti-korporative Unternehmer, die in Jeans das Büro betraten und bis spät in die Nacht barfuss auf Augenhöhe mit den Angestellten arbeiteten.

Ausgestattet mit Risikokapital von Sequoia Capital, das später auch den Konkurrenten Google Starthilfe gab, sowie Reuters Ltd. und der japanischen Investmentfirma Softbank folgte eine weltweite Expansion des Erfolgsmodells. So wurden bis 2000 schrittweise die nationalen Märkte von Deutschland, Japan, Großbritannien, Japan, Frankreich (jeweils 1996), Singapur, Australien, Korea, Dänemark, Norwegen, Schweden (jeweils 1997), Italien, Spanien (jeweils 1998), China (1999), Argentinien, Indien, Kanada (jeweils 2000) mittels in der jeweiligen Landessprache verfasster Portale erschlossen.

Bald nach dem Börsengang wurde Yahoo! von einer bloßen Suchmaschine in ein Web-Portal umgewandelt. Dieses geschah größtenteils durch die Akquirierung anderer internetbasierter Dienstleistungsfirmen. Bezeichnend für die Abkehr von Yahoo! von einer reinen Suchmaschine hin zu einer multimedialen Entertainment-Plattform war ein Abkommen, das Yahoo! und Konkurrent Google im Jahr 2000 unterzeichneten. Dieses Abkommen besagte, dass auf der Homepage von Yahoo! getätigte Suchanfragen künftig von der Google-Suchmaschine bearbeitet würden. Diese Zusammenarbeit wurde im Jahr 2004 beendet. Yahoo! benutzt fortan wieder seine eigenen Suchalgorithmen.

Nach sechs sehr erfolgreichen Jahren geriet Yahoo! 2001 jedoch in seine erste große Krise. Andere Internet-Dienstleiter und Web-Portale, insbesondere Google, drangen schrittweise in das von Yahoo! besetzte Marktsegment der Online-Suche ein. War Anfang 2000 eine Yahoo!-Aktie noch 235 $ wert, sank der Wert auf 11 $ pro Aktie im August 2001.

2004 beendete Koogles Nachfolger Terry Semel die Partnerschaft mit Google im Suchmaschinensegment und verbesserte die eigene Suchtechnologie. Das Upgrade der Suchmaschine war aber weniger ein Resultat der Innovationskraft der eigenen Ingenieure, sondern erfolgte vielmehr durch die Akquisition von Inktomi, Overture Services Inc., von deren Filialen AltaVista und AlltheWeb.  

Mit dem Kauf von Flickr, einem digitalen Photo-Portal und blo.gs, einem Weblog-Forum, dem Launch von Yahoo! 360° (inzwischen wieder eingestellt) und Yahoo! Music wurde im Jahr 2005 auf die Web 2.0-Revolution reagiert. Erneut wurde hier die Handschrift des zweiten CEO Terry Semel sichtbar, der sich offenbar der Techniken bediente, die er bei  Warner Music kennen gelernt hatte. Zu erwähnen ist auch der eine Milliarde Dollar teure Einstieg beim chinesischen Online-Händler Alibaba. Der Wert der Alibaba-Anteile sollte sich in den nächsten zehn Jahren verfielfachen und sogar letzlich den Wert des Kerngeschäfts von Yahoo übersteigen. Gerügt wurde Yahoo indes für sein Engagement in China. Der Journalist Shi Tao wurde 2006 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem er eine regimekritische Email über sein Yahoo Mail-Account an eine Nicht-Regierungsorganisation verschickt hatte. Verschiedene Zeitungen berichteten, dass Yahoo direkt mit der chinesischen Regierung zusammengearbeitet habe, um die Festnahme zu ermöglichen.

Im Februar 2008 erschütterte Microsoft mit einem 45 Milliarden US-Dollar schweren Übernahmeangebot für Yahoo! die gesamte Internetbranche. Der Software-Riese versprach sich vom Aufkauf von Yahoo! Synergieeffekte, die jährlich eine Milliarde US-Dollar an Einsparungen bringen könnten und die führende Stellung von Google auf dem Online-Anzeigenmarkt beeinträchtigen würde. Die Reaktion von Google ließ nicht lange auf sich warten. In seinem Blog bezeichnete David Drummond, „Chief Legal Officer“ des Suchmaschinen-Marktführers, die Offerte von Microsoft als feindliche Übernahme, die die Offenheit und die Freiheit des Internets bedrohe. Außerdem warnte er davor, dass Microsoft auf dem besten Weg sei, eine ähnliche Monopolstellung im Internet zu erreichen, wie sie der Konzern bereits in Bezug auf Betriebssystemen von Computern etabliert hätte.

Der Microsoft-CEO Steve Ballmer hatte sich schon in den Jahren 2006 und 2007 mit dem damaligen Yahoo!-Manager Terry Semel getroffen, um eine Übernahme zu diskutieren. Damals setzte sich jedoch Nachfolger von Semel, Yahoo!-Gründer Jerry Yang vehement gegen den Aufkauf seines Unternehmens ein. Es war wohl vor allem Yang zuzuschreiben, dass die Übernahme gestoppt wurde, für die Microsoft sogar bereit war, einen Kredit aufzunehmen und sich mit rund 23 Milliarden US-Dollar zu verschulden. Die Ablehnung der Offerte wurde nicht von allen Beteiligten begrüßt. Zehn Tage nach der Zurückweisung verklagten zwei in Detroit ansässige Rentenfonds, die unter anderem auf Basis von Yahoo!-Aktien operierten, den Konzern und seinen Vorstand. Der Vorwurf der Klage lautete, dass Yahoo! unverantwortlich mit seinen Aktionären umgegangen sei, indem das Übernahmeangebot abgelehnt wurde.

Ende Juli 2009 kam es dann doch noch zur Kooperation zwischen Microsoft und Yahoo. In Rahmen der Anfang 2010 gestarteten Zusammenarbeit werden die Suchanfragen auf Yahoo-Seiten von Microsofts neuer Suchmaschine Bing bearbeitet. Beide Unternehmen versprachen sich von der Zusammenarbeit eine Aufwertung ihres Werbegeschäfts.

Angesichts der mäßigen Ergebnisse und einem Exodus an Führungskräften wurde Yangs Nachfolgerin an der Spitze von Yahoo, Carol Bartz, im September 2011 nach nur anderthalb Jahren wieder entlassen. Ihr wurde vorgeworfen, die Marke Yahoo nicht eindeutiger zu definieren und auf Gewinn- und Umsatzrückgänge nur mit Massenentlassungen reagiert zu haben. Die stagnierende wirtschaftliche Situation hatte Yahoo inzwischen zu einem Übernahmekandidaten gemacht. Doch es kam noch schlimmer: Bartz Nachfolger Scott Thomson musste Anfang 2012 wieder gehen, weil er seinen Lebenslauf manipuliert und einen nicht vorhandenen Abschluss in Computerwissenschaft vorgetäuscht hatte. Nachfolgerin wurde die ehemalige Google-Führungskraft Marissa Meyer. Doch die Vorschlusslorbeeren halfen nichts: nach vier Jahren Amtszeit, in den Mayer unter anderem durch Zukäufe (tumblr) und eigenproduzierten TV-Serien ("Community) vergeblich versuchte, das Ruder herumzureissen, wurde Yahoo im Frühjahr 2016 offiziell zum Verkauf angeboten.

Geschichte und Profil Aol

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AOL war ursprünglich eine Computerspielfirma. 1983 als Control Video Corporation gegründet entwickelte das Unternehmen die GameLine-, bzw. die "Q-Link"-Services mit denen man Spiele für Atari-Konsolen und Commodore-Computer über Telefonleitungen bestellen konnte.

Ende der 1980er Jahre verschob die zwischenzeitlich in Quantum Computer Services umbenannte Firma ihren Fokus auf Internetzugangssoftware. Nach einer erneuten Umbenennung in America Online veröffentlichte das Unternehmen 1989 erstmals die gleichnamige Software für DOS und Windows. Die ersten Jahr wurde die Internetnutzung von America Online stündlich abgerechnet, erst 1996 wurde eine monatliche Flatrate von knapp 20 Dollar eingeführt. Spätestens ab dann wurde AOL, das seine auf CD-Roms gebrannte Software millionenfach unter die Leute brachte, zum Synonym für Internetzugang. Der Versand von kostenlosen CDs und Disketten mit Probier-Versionen von AOL nahm dermaßen große Züge an, dass Ende der 1990er rund die Hälfte aller produzierten Datenträger AOL-CDs waren. Die Anzahl der weltweiten AOL-User stieg von 10 Millionen im Jahr 1995 auf bis zu 35 Millionen im Jahr 2002.

Der Erfolg machte AOL zu einem Übernahmekandidaten für die Medienkonzerne der Old Economy. Der damalige Time Warner Chef Jerry Levin kündigte 2000 an, sein Unternehmen mit AOL verschmelzen zu wollen. Ein Jahr später kam es dann zu dem Merger, der de facto eine Übernahme von Time Warner durch AOL darstellte: 55 Prozent der Anteile an AOL Time Warner hielten AOL-Aktionäre obwohl Time Warner mit einem damaligen Umsatz von 27 Milliarden neun mal so groß war. Es dauerte nicht lange bis klar wurde, dass AOL und Time Warner einfach nicht zusammenpassten. Zum einen fiel die Fusion just in die Zeit vor dem Zerplatzen der Dot.com-Blase, die den Aktienwert des Unternehmens von 225 auf 20 Milliarden reduzierte; zum anderen begannen Breitband-Anschlüsse AOLs auf Telefonleitungen spezialisiertes Geschäft zu eliminieren.

AOL versuchte auf die Krise mit Zukäufen zu reagieren und auf dem wachsenden Social Media-Markt Fuß zu fassen. Doch allem voran die 850 Millionen Dollar schwere Übernahme des sozialen Netzwerk Bebo, das anschließend in der Versenkung verschwand, geriet zum Desaster. AOL wurde 2009 aus dem Time Warner-Imperium ausgegliedert und positionierte sich von da an als digitales Medienunternehmen. Neuer CEO wurde der ehemalige Google-Manager Tim Armstrong, der so gleich das von ihm gegründete Regional-News-Portal Patch kaufte. Patch war zwei Jahre lang neben dem Technologie-Blog TechCrunch Kernstück des neuen AOL. Dies änderte sich im Februar 2011 als es Armstrong gelang das internationale Blog-Netzwerk Huffington Post für 315 Millionen Dollar zu kaufen und Gründerin Ariana Huffington zur Medienchefin von AOL macht.

Aufgrund der HuffPo-Übernahme sowie des Kaufs der Video-Werbeplattform Adapt.tv konnte AOL seine Stellung auf dem Display-Werbemarkt signifikant verbessern. 2015 - Patch war inzwischen bereits wieder verkauft - wurde das Unternehmen deshalb erneut zum Übernahmekandidaten. Den Zuschlag erhielt schließlich der Telekommunikationskonzern Verizon für 4,4 Milliarden Dollar. Verizon verspricht sich- auch im Zuge der 2016 erfolgen Übernahme von Yahoo- Mehreinnahmen durch den Einstieg in den Onlinevideo-Werbemarkt.

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