51. Nippon Television Holdings

Umsatz 2016/17: JPY 416,704 Mrd. (€ 3,467 Mrd.)

Überblick

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Die Nippon Television Network Corporation ist einer der größten Medienkonzerne in Japan. Kernstück des Unternehmens ist der Fernsehsender Nittere.

Basisdaten

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Hauptsitz:
1-6-1 Higashi Shinbashi, Minato-ku
Tokio 105-7444, Japan
Telefon: 0081- 3-6215-1111
Fax: 0081-3-6215-8249
Internet: www.ntv.co.jp

Branche: Fernsehen
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.04. – 31.03.
Gründungsjahr: 1952, 2012 (als Nippont Television Holdings)

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. Yen)
20162015201420132012201120102009200820072006
Umsatz416.7044147,81362.497341.720326.422305.460297.895296.934324.563342.188343.651
Gewinne (nach Steuern)40.78736.88430.46727.82727.20011.20021.04916.5955.62210.62518.331

Geschäftsführung

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  • Yoshio Okubu, Representative Director, President

Geschichte und Profil

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Matsutaro Shoriki, einer der schillerndsten Medienunternehmer Japans, erhielt 1952 die erste private Fernsehlizenz nach dem neuen Rundfunkgesetz von 1950 und gründete damit „Nihon Terebi Hosomo KK“, abgekürzt NTV. Shoriki, damals bereits 67 Jahre alt, wurde auch Präsident des neuen Senders. Im August 1953, nur ein halbes Jahr später als die öffentliche Rundfunkanstalt NHK, nahm NTV den Sendebetrieb auf. Es war ein riskantes Unternehmen, denn es gab nur einige tausend Fernsehgeräte in Japan, und NTV war – anders als NHK – auf Werbeeinnahmen angewiesen, um zu überleben. Um das neue Medium zu popularisieren, ließ Shoriki in Tokio und einigen Nachbarstädten riesige Bildschirme aufstellen und Sportübertragungen live senden: Baseball, Sumo, die erste Boxweltmeisterschaft in Japan, Profi-Ringkämpfe. Das Interesse war gewaltig, Tausende von Passanten drängten sich vor den NTV-Geräten. Die Skepsis der Werbewirtschaft verflog, und die Leute kauften Fernseher. Der erste private Fernsehsender Japans war bald auch kommerziell ein Erfolg. Mit dem Sendebeginn von „Yomiuri TV“ in Osaka begann 1958 der Aufbau des landesweiten Verbundnetzes NNN. Ab Herbst 1960 wurde – zeitgleich mit NHK – das reguläre NTV-Programm schrittweise auf Farbfernsehen umgestellt. Die Hochzeit von Kronprinz Akihito – dem heutigen Kaiser – mit der bürgerlichen Unternehmertochter Michiko Shoda im April 1959 war eine Sternstunde des japanischen Fernsehens. Entlang der Route der offenen Kutschenfahrt des Brautpaars hatte NTV allein 39 Standkameras aufgestellt. Ebenfalls 1959 wurde die NTV AG als erstes Medienunternehmen Japans an der Tokioter Börse eingeführt. 1963, zehn Jahre nach der Eröffnung des Senders, erreichte das reguläre Tagesprogramm von NTV schon 18 Stunden - von morgens sechs bis Mitternacht. Inzwischen besaß jeder zweite Haushalt in Japan ein Fernsehgerät. Die Olympischen Spiele von Tokio machten die Japaner 1964 endgültig zu einem Volk von Fernsehern. 1967 eröffnete NTV sein erstes Auslandsstudio in New York. 1969 endete mit dem Tod von Matsutaro Shoriki die Pionierphase des Privatsenders. Ab 1971 wurde das gesamte Fernsehprogramm in Farbe gesendet. 1978 begann NTV als erster Fernsehsender der Welt, mit Stereo- und Zweisprachentechnik zu experimentieren. Seit 1985 können aus dem New Yorker NTV-Studio Live-Sendungen über Satellit nach Japan übertragen werden; 1989 steigt NTV voll in die Satellitenübertragung ein. Ab 1987 liefert die NTV-Tochter NCN („Nippon Cable News Network“) per Satellit Nachrichtensendungen an Kabelfernseh- und Satellitenbetreiber im Inland. 1988 begann NTV Versuchssendungen mit „Clear Vision“ (Klare Sicht), seiner eigenen Version der hochauflösenden Fernsehbildtechnik, die ab 1989 für einzelne Programmsendungen eingesetzt wird. Eine Weiterentwicklung für breite Bildschirme („Wide Clear Vision“ oder EDTV2) kam 1995 zum Einsatz. 2001 begann die Programmübertragung per Rundfunksatellit (BS) ins Ausland. NTV sendet seit Oktober 2003 mit modernster Digitaltechnik aus seinem neuen Fernsehzentrum, dem 32stöckigen und ohne die Antenne fast 193 m hohen „Nihon Terebi Tower“. Auch die inländischen Fernsehprogramme werden nun mit Hilfe von Kommunikationssatelliten (CS) übermittelt. NTV hat sich in den vergangenen Jahren zum führenden Anbieter für Programmangebote für Mobiltelefone (1-SEG) entwickelt.

Mit ähnlicher Energie, Innovationsfreude und Risikobereitschaft wie bei NTV hatte Shoriki zuvor die „Yomiuri Shimbun“ zu einer der drei größten Tageszeitungen Japans gemacht. Ohne jede Medienerfahrung übernahm der studierte Fachmann für deutsches Recht 1924 die Führung des Tokioter Blattes. Später scheute er nicht davor zurück, die „Yomiuri“-Auflage auch mit sensationell aufgemachter Kriegsberichterstattung hochzutreiben. Das trug Shoriki nach der Kapitulation Japans die Verhaftung wegen des Verdachts auf Kriegsverbrechen und die Verbannung aus dem öffentlichen Leben ein. Aus der Untersuchungshaft wurde er bald wieder entlassen, das Quasi-Berufsverbot aber wurde erst 1951 aufgehoben. Shoriki kehrte sofort in die Führungsriege der „Yomiuri“ zurück, etablierte 1952 neben der Tokyoter Zentrale ein zweites Redaktions- und Druckzentrum in Osaka und wurde 1954 Verleger der Gesamtzeitung. 1955 entstand die englische Ausgabe der Zeitung, „The Daily Yomiuri“. Die aggressive Expansion wurde auch nach Shorikis Tod fortgesetzt. 1977 stieg die „Yomiuri“ zur größten Zeitung Japans auf, seit demselben Jahr wird eine Faksimile-Ausgabe in New York gedruckt. Das Guinness-Buch der Rekorde führt die „Yomiuri Shimbun“ seit 1978/79 als größte Tageszeitung der Welt. 1994 – 120 Jahre nach Gründung der Zeitung 1874 – erreichte die durchschnittliche Tagesauflage der Morgenausgabe erstmals 10 Millionen Exemplare. Diese Auflagenzahl blieb auch während der Krisenjahre 2008 und 2009 weitestgehend konstant.

Im Oktober 2012 wurde Nippon Television Networks in Nippon Television Holdings umbenannt und agiert nun als eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen.

Management

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Die politische Grundhaltung des Gesamtkonzerns ist volkstümlich-konservativ. Dabei gibt es Unterschiede zwischen dem Fernsehen und der Zeitung. Während NTV die Volkstümlichkeit herausstreicht und sich mit kontroversen politischen Meinungen zurückhält, will die „Yomiuri Shimbun“ ganz bewusst politischen Einfluss nehmen. Typisch dafür war eine Initiative im November 1994: Aus Anlass des 120. Jubiläums ihrer Gründung veröffentlichte die Zeitung den Entwurf einer neuen Verfassung, in dem das Recht zur Aufstellung eigener Streitkräfte ausdrücklich anerkannt und ihre Teilnahme an Friedensoperationen der Vereinten Nationen für zulässig erklärt wird. Japans Nachkriegsverfassung ist noch keinmal geändert worden, die bloße Diskussion darüber war Jahrzehnte lang weitgehend tabu. Der Wille zum direkten politischen Engagement in konservativer Richtung kam schon 1991 in der Berufung von Tsuneo Watanabe zum Chefredakteur und Präsidenten der „Yomiuri“ zum Ausdruck; Watanabe gilt als Anhänger des früheren Ministerpräsidenten Yasuhiro Nakasone (1982-87), der zum rechten Flügel der konservativen Regierungspartei LDP gehört. Watanabe wurde 2007 in Cannes mit dem Media Person of the Year Award für sein Engagement im Konzern ausgezeichnet.

Geschäftsfelder

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Das Verbundsystem von NTV/NNN ist mit 31 Sendern das größte unter den japanischen Privatsendern. Das Auslandsnetz besteht aus der in New York ansässigen US-Tochter „NTV International Corporation“ (NTVIC) mit Zweigstellen in Washington und Los Angeles; der Europa-Tochter „NTV Europe“ mit Büros in London, Paris und Moskau und weiteren 5 Korrespondentenbüros in aller Welt. Außerdem kooperiert NTV weltweit mit 21 Rundfunksendern.

Als Konzernmitglieder nennt NTV außer der Yomiuri Shimbun die in verschiedenen Produktionssparten tätigen Töchter „NTV Eizo Center“ (EC), „NTV Art“, „Nihon Terebi Video (NVTV) und „Nihon Terebi Enterprise“ („NTV Enterprises Co. Ltd.“), die Musiktochter „Nihon Terebi Ongaku KK“ („Nippon Television Music Corporation“, NTVM), den Datenübermittler „NTV Moji Hoso“ („Access Four“/„Axes 4“), den Sportfunk „Radio Nippon“ in Yokohama, die Dienstleister „Nihon Terebi Work 24 KK“ („NTV Work 24“ – Gebäudeverwaltung, Fußball) und „Nihon Terebi Service“ („NTV Services Inc.“ – Systementwicklung, Wohnungen und Versicherungen, Golf) sowie die Profi-Fußballmannschaft „Nihon Terebi Football Club Verdy Kawasaki“ („NTV FC Co.“, Ltd.).

NTV sendet seit Oktober 2003 mit modernster Digitaltechnik aus seinem neuen Fernsehzentrum, das im 32-stöckigen, ohne Antenne fast 193 m hohen „Nihon Terebi Tower“, untergebracht ist. Auch die inländischen Fernsehprogramme werden nun mit Hilfe von Kommunikationssatelliten (CS) übermittelt. Ins Ausland erfolgt die Übertragung der NTV- Programme schon seit 2001 per Rundfunksatellit (BS).

Auch NTV hat seit 2008 stark mit sinkenden Werbeeinnahmen zu kämpfen. Das Network investiert daher in neue Geschäftsfelder, wie beispielsweise einen eigenen Home-shopping-Kanal und eine Einkaufs-Website. Im Februar 2014 wurde die japanische Hulu-Version von den Anteilseignern Walt Disney, NBC und 21st Century Fox erworben. Das Video-Streaming Portal wird weiter den bisherigen US-Content von Hulu ausstrahlen, diesen jedoch mit heimischen Nippon TV-Serien anreichern.

Engagement in Deutschland/ Europa

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NTV/NNN und „Yomiuri Shimbun“ haben zahlreiche Korrespondenten in Europa stationiert – NTV/NNN in London, Paris, Berlin und Moskau; „Yomiuri“ in London, Paris, Brüssel, Genf, Rom, Frankfurt, Berlin, Wien und Prag. NTV kooperiert mit mehreren europäischen Rundfunkgesellschaften. Eine Satellitenausgabe der „Yomiuri“ für Europa wird täglich in London produziert, die Zeitung hat in Europa Kooperationsabkommen mit „The Independent“, „The Guardian“, „The Economist“, „Le Figaro“, „Die Welt“ und „Komsomolskaja Prawda“. NTV und „Yomiuri“ engagieren sich auch kulturell stark in Europa.

Literatur

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Michael Muzik, Presse und Journalismus in Japan: Yomiuri Shimbun – die auflagenstärkste Zeitung der Welt, 1996.

Inhalte

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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European Media Pluralism

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Mediadb.eu unterstützt die European Initiative for Media Pluralism

Partner

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Mediadb.eu wird gefördert vom medienboard Berlin-Brandenburg,

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dem Media Program der Open Society Foundations,

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der Bundeszentrale für Politische Bildung,

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der Rudolf Augstein Stiftung

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sowie der Stadt Köln

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dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie

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und dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V.