8. News Corp. Ltd./21st Century Fox

Umsatz 2018: $ 39,420 Mrd. (€ 33,380 Mrd.)

Überblick

2019 ging ein Großteil von Rupert Murdochs 21st Century Fox an den Disney-Konzern, zum Preis von 71,3 Milliarden Dollar: Filmproduktion, Kabel- und Satellitenfernsehen. Aus dem Rest wurde die Fox Corporation, oder „New Fox“: Das Fox-Fernsehnetwork, TV-Sender, Nachrichten- und Sportkanäle, die weiterhin der Murdoch-Familie gehören. Wie auch das Verlags- und Zeitschriftengeschäft der News Corp.
Dieser Eintrag bezieht sich noch auf den Zustand von 2018 – vor dem Disney-Deal.

Basisdaten

Hauptsitz:
1211 Avenue of the Americas
New York, NY 10036
USA
Telefon: 001 212 8527000
Internet: newscorp.com, 21cf.com

Branchen: Zeitungen, Zeitschriften, Buchverlage, Film, Fernsehsender, Satelliten-TV, Kabel-TV, Internet-Content
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.07. - 30.06.
Gründungsjahr: 1952, 2013 (Aufsplittung in News Corp. und 21st Century Fox)

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten 21st Century Fox (in Mio. $)
20182017201620152014
Umsatz 30.40028.50027.32628.98731.867
Gewinn (Verlust)4.4642.9522.7558.3064.514
Aktienkurs (in US-$, Jahresende)47,7834,1227,2527,2336,89
Beschäftigte22.40021.70021.50020.50027.000

Tab. II: Ökonomische Basisdaten News Corp. (in Mio. $)
20182017201620152014
Umsatz 9.0248.1398.2928.633 8.574
Gewinn (Verlust)(1.514)(738)179(147)239
Aktienkurs (in US-$, Jahresende)11,4616,6511,8013,9615,08
Beschäftigte28.00026.00024.00025.00022.000

Geschäftsführung

News Corp.

Management:

  • Rupert Murdoch, Executive Chairman
  • Lachlan Murdoch, Co-Chairman
  • Robert Thomson, Chief Executive
  • Susan Panuccio, Chief Financial Officer
  • Antoinette Bush, Global Head of Government Affairs
  • Anoushka Healy, Chief Strategy Officer
  • Jim Kennedy, Chief Communications Officer
  • David Pitofsky, General Counsel
  • Marc Frons, Chief Technology Officer
  • Dana Ritzcovan, Chief Human Resources Officer
  • Tracey Fellows, Acting CEO, Move, Inc. & President, Global Digital Real Estate

 
Aufsichtsrat:

  • K. Rupert Murdoch, News Corp
  • Lachlan Murdoch, News Corp
  • Peter L. Barnes, News Corp
  • Kelly Ayotte, Former United States Senator for the State of New Hampshire
  • José María Aznar, President, Foundation for Social Studies and Analysis
    Former President of Spain
  • Natalie Bancroft, News Corp
  • Joel I. Klein, Oscar Insurance Corporation
  • James R. Murdoch, Lupa Systems
  • Ana Paula Pessoa, Kunumi AI
  • Masrorr Siddiqui, Naya Capital Management UK Limited
  • Robert J. Thomson, News Corp

 

21st Century Fox

Management:

  • K. Rupert Murdoch, Executive Chairman
  • Lachlan K. Murdoch, Executive Chairman
  • James R. Murdoch, Chief Executive Officer
  • John P. Nallen, Senior Executive Vice President, Chief Financial Officer
  • Gerson Zweifach, Senior Executive Vice President & Group General Counsel, Chief Compliance Officer
  • Julie Henderson, Executive Vice President, Chief Communications Officer
  • Janet Nova, Executive Vice President, Deputy General Counsel
  • Chip Smith, Executive Vice President, Government Affairs
  • Reed Nolte, Senior Vice President, Investor Relations
  • Paul Cheesebrough, Chief Technology Officer
  • Thomas Gassmeier, Executive Vice President, Chief Human Resources Officer

Aufsichtsrat:

  • Rupert Murdoch
  • Chase Carey
  • Sir Roderick I. Eddington, J.P. Morgan
  • Delphine Arnault, Louis Vuitton Malletier
  • James W. Breyer, Accel Partners
  • David Devoe
  • Viet Dinh, Georgetown University
  • James Murdoch
  • Lachlan Murdoch
  • Jacques Nasser, One Equity Partners
  • Robert Silberman, Strayer Education
  • Tidjane Thiam, Prudential plc
  • Jeffrey W. Ubben, ValueAct Capital

Geschichte

Die Wiege der News Corporation stand in Australien: Nach einem Studium in Oxford und – für die spätere Karriere wohl weitaus wichtiger – einem Job bei der Londoner „Daily Mail“ als Junior Reporter, erbte der 21jährige Rupert Murdoch 1952 die angeschlagenen „Adelaide News“ von seinem Vater Sir Keith Murdoch. Als wenig später der Verleger des übermächtigen lokalen Konkurrenztitels die „Adelaide News“ günstig übernehmen wollte, zeigte der junge Rupert zum ersten Mal die Zähne und wandte eine Taktik an, die er 40 Jahre später mit ähnlich durchschlagendem Erfolg am britischen Pressemarkt wiederholen sollte: Er senkte den Preis. Die Konkurrenz schlief, verlor scharenweise ihre Leser und musste wenig später ihrerseits an Murdoch verkaufen. 1964 gründete Murdoch die erste landesweite australische Tageszeitung und startete 1968 in Großbritannien durch. Hier kaufte er zunächst die Massenblätter „News of the World“ und „The Sun“, die er zu populär-konservativen Sensationstiteln umbaute. Das Page-Three-Girl sorgte für Furore und dürfte einer der Gründe sein, warum Rupert, anders als sein eigentlich gar nicht so wichtiger Vater Sir Keith, bis heute ohne Ritterschlag geblieben ist.

Im Jahr 1973, seit dem Kauf der „San Antonio Express News", mischte Murdoch zum ersten Mal auf dem US-Medienmarkt mit. Erster Höhepunkt der US-Karriere war 1976 die Übernahme der schwächelnden „New York Post“, bei der Murdoch mit der „Sun“-Taktik in kurzer Zeit ebenfalls die Auflage erheblich steigern konnte. Erst 1979 schlug die offizielle Geburtsstunde der heutigen News Corporation. 1980 übernahm Murdoch mit der Londoner „Times“ und der „Sunday Times“ erstmals Qualitätsblätter von Weltformat, später kamen andere Zeitungen in Australien und den USA hinzu. Bis 1986 blieb News Corp. ein reiner Verlagsriese. Mit der Übernahme der Twentieth-Century-Fox-Filmstudios begab sich Murdoch erstmals auf audiovisuelles Terrain. Als Australo-Brite vom amerikanischen TV-Markt ausgeschlossen, schwor Murdoch 1986 den Eid auf die amerikanische Verfassung, kaufte sofort sechs lokale TV-Sender und bastelte daraus die Keimzelle von Fox Broadcasting, der ersten landesweiten TV-Network-Gründung seit 1948. 1989 ging in Großbritannien Europas erstes Satelliten-Fernsehen Sky Television auf Sendung. Nach 18 Monaten fusionierte Sky mit dem erfolglosen British Satellite Broadcasting zu BSkyB.

Trotz des Engagements auf dem Fernsehmarkt wuchs die News Corp. auch im Verlagsbereich weiter. Anfang der 1990er Jahre brachen die Unsummen verschlingenden TV-Aktivitäten News Corp. fast den Hals: Kurzfristig wurden 7,6 Milliarden Dollar Schulden fällig, einige Gläubigerbanken wurden nervös und verweigerten zunächst eine Umschuldung. News Corp., so Murdoch-Biograph William Shawcross, war knapp von der Liquidation entfernt. Gerettet haben sollen Murdoch ausgerechnet die Einnahmen aus „Kevin allein zu Haus“, dem Weihnachts-Blockbuster seiner bislang eher erfolglosen Twentieth Century Fox. Die Warnung kam allerdings an, News Corp. begrenzte die Neuverschuldung drastisch und sorgte für besseren Cash-Flow in Krisenzeiten. Murdoch war bald wieder obenauf und übernahm ab 1993 nach und nach den asiatischen Satelliten-Sender Star TV. Außerdem kaufte er sich 1994 zunächst mit einem 20-Prozent-Anteil bei der US-Senderkette New World Communications ein, die dafür ihre zehn Stationen dem Fox-Network anschloss. Anfang 1996 übernahm Murdoch New World komplett und startete seinen eigenen Nachrichtensender Fox News als Konkurrenz zu CNN.

Am 31. Juli 2007 gab die Verleger-Familie Bancroft bekannt, sie habe sich dafür entschieden, Murdochs Offerte für den Kauf des Zeitungsunternehmens Dow Jones anzunehmen, das auch das renommierte „Wall Street Journal“ herausgibt. Um die Bedenken einiger Mitglieder der Eigentümerfamilie auszuräumen, Murdoch könnte zu viel Einfluss auf die redaktionelle Unabhängigkeit der Publikationen des Verlages nehmen, wurden Erklärungen abgegeben und Versicherungen unterzeichnet, die eine zu starke Einflussnahme seitens des News Corp. Chefs verhindern sollen. Ein prominent besetztes Aufsichtsgremium sollte außerdem die journalistische Unabhängigkeit überwachen.

Im Sommer 2011 trennte sich News Corp. von der Social Community MySpace. Das Start-Up wurde 2005 für 580 Millionen US-Dollar übernommen, damals noch als das größte soziale Netzwerk der Welt. Anfangs glaubte Murdoch, MySpace irgendwann für sechs Milliarden US-Dollar weiterverkaufen zu können. Nachdem aufgrund von technischen Schwachstellen, internen Führungskämpfen und Managementfehlern die User in Strömen zu Konkurrent Facebook abwanderten, verlor auch Murdoch das Interesse am Unternehmen. Im Juli 2011 wurde Myspace für 35 Millionen US-Dollar an ein Konsortium bestehend aus dem Onlinewerbevermarkter Specific Media sowie dem Popstar Justin Timberlake verkauft.

Für den größten Skandal der Unternehmensgeschichte sorgte ein 2011 in seiner Gänze bekannt gewordener Abhörskandal beim Boulevard-Blatt "News of the World". Die Zeitung engagierte seit 1998 Privatdetektive, die sich in die Mobiltelefone von britischen Prominenten einhackten. Polizeibeamte wurden systematisch bestochen, um an vertrauliche Informationen zu gelangen. Die Mehrheit der rund 550 Opfer der Abhöraktionen einigten sich außergerichtlich mit News International gegen die Zahlungen hoher Summen (insgesamt zahlte News Corp. über eine Milliarde an Schadensersatz). Im Juli 2011 kam zudem heraus, dass die „News of the World" sich 2002 in das Mobiltelefon des vermissten und später ermordeten Teenagers Milly Dowler und ihrer Familie hackte und so die Polizeiermittlungen systematisch behinderte. Zudem wurden über 25 Journalisten beim Schwester-Blatt "The Sun" vorrübergehend wegen Bestechung verhaftet. Aufgrund des enormen öffentlichen Drucks entschlossen sich Murdoch und Sohn James zu einem radikalen Schritt und stellten die 150 Jahre alte Zeitung ein. Trotz negativer Publicity muss das Handling des Skandals durch Murdoch als Erfolg gewertet werden. Die Anwälte konnten im Prozess 2014 das Bild aufrechterhalten, die News Corp.-Führungskräfte hätten von den ganzen illegalen Aktivitäten nichts gewusst. Einzig der ehemalige stellvertretende Chefredakteur und spätere Sprecher von Premierminister David Cameron, Andy Coulson, wurde schuldig gesprochen. Frei gesprochen wurde hingegen Chefredakteurin und Murdoch-Intimus Rebekah Brooks. Sie kehrte 2015 als Chefin von News UK wieder zurück an ihre alte Wirkungsstätte. 

Im Sommer 2013 der Split. Die News Corp. wurde in zwei Unternehmen aufgespalten: in einen Print- und Bildungsarm (die neue News Corporation) und in einen Film- und Fernsehkonzern (21st Century Fox). Zum einen ging es damals, laut Murdoch, darum, „den wahren Wert beider Unternehmen und ihrer unterschiedlichen Vermögenswerte zu erschließen, so dass Investoren von den einzelnen strategischen Möglichkeiten profitieren können, die sich aus einer gezielteren Führung der einzelnen Geschäftsbereiche ergeben". Zum anderen ging es sicherlich auch darum, den nach dem „News of the World“-Skandal beschädigten Ruf wiederherzustellen.

Vier Jahre später zeichnet sich der nächste massive Einschnitt ab. Nach Gerüchten bestätigt die Walt Disney Company Ende 2017 den Plan einer Übernahme eines Großteils des Konkurrenten 21st Century Fox (etwa das Filmstudio 20th Century Fox, Pay TV-Sender wie FX Networks, Fox Sport Networks, National Geographic Partners). Mitte 2019 war der Kaufprozess abgeschlossen. Und aus 21st Century Fox wurde die Fox Corporation (oder „New Fox”), weiterhin von der Murdoch-Familie kontrolliert.

Management

Keith Rupert Murdoch
Das Geheimnis von Rupert Murdochs Erfolg liegt laut Biograph William Shawcross, darin, dass er die Instinkte eines Glücksspielers mit puritanischer Disziplin kombiniert. Als „Apostel der globalen Kommunikation“ erreicht er mit seinen Fernsehsendern, Zeitungen und Magazinen eine Reichweite von 4,7 Milliarden Menschen oder drei Viertel der Weltbevölkerung.

Ein Blick auf die Literatur über den Aufstieg von Murdoch lässt zwei entgegengesetzte Strömungen erkennen. Manche Autoren, darunter Michael Wolff, Autor der wohl einflussreichsten Murdoch-Biographie, argumentieren, Murdoch sei in seinem Herzen immer noch der Reporter geblieben, der er zu Beginn seiner Karriere als Lokalredakteur einer australischen Zeitung war. Murdoch, so Wolff, würde journalistische Ideale wie stete Neugier und eigenständige Recherche hochhalten und sei auf diese Weise zu einem der erfolgreichsten Medienunternehmer der Welt avanciert.

Andere Journalisten behaupten das Gegenteil. Für Autor Bruce Page sind alle News Corp.-Blätter „Pseudo-Zeitungen“, die mit einer „Kitsch-Ideologie“ und vorgeheuchelter Anti-Establishment-Rhetorik angereichert werden. Robert Greenwald hat mit seiner Dokumentation „Outfoxed“ gezeigt, wie „Fox News“ Berichterstattung und Kommentar vermischt, Rufmordkampagnen gegen liberale Politiker und Aktivisten initiiert und die permanente Propagierung rechter Ideologien als „fair and balanced“ verkauft. Für Greenwald ist klar: Rupert Murdoch führt einen Krieg gegen seriösen Journalismus.

Bei dem von Murdoch selbst gezeichneten Bild eines Mannes aus kleinen Verhältnissen, der im Auftrag des Subproletariats gegen elitäre Zirkel und die herrschenden Machtverhältnisse zu Felde zieht, sind Zweifel angebracht. Seine Familie war Teil der post-kolonialen Oberschicht Australiens. Die Eltern Murdochs schickten den Sohn auf die Eliteuniversität Oxford. Im Verlauf seiner Karriere suchte er stets den Kontakt zu den obersten politischen Führungsriegen. Legendär sind in diesem Zusammenhang die Besuche von Margaret Thatcher in den Redaktionsräumen der britischen „Sun“, wo sie mit Murdoch Whiskey trank.

Es ist unklar, wo genau man Murdoch auf dem politischen Koordinatenkreuz verorten kann. Seine Allianzen zu politischen Machthabern wirken beliebig. Unter den von ihm favorisierten Politikern, zu denen er in der Vergangenheit zwecks Verbesserung der medienpolitischen Rahmenbedingungen die Nähe gesucht hat, sind Persönlichkeiten wie Tony Blair, John Major, Ronald Reagan und Deng Xiaoping. Im Juni 2015 zog sich Murdoch jedoch aus dem operativen Tagesgeschäft von 21st Century Fox zurück und überließ das Feld seinen Söhnen James (CEO) und Lachlan (Executive Co-Chairman). Als großer Influencer konnte Rupert Murdoch es allerdings nicht lassen, bei der Meinungsfindung vor der Brexit-Abstimmung im Sommer 2016 mitzumischen. Schließlich erreicht er mit seinen Medien theoretisch die Hälfte der Weltbevölkerung.

Murdochs Agenda war klar: Brexiteer, konservativ, europafeindlich, anti-deutsch und anti-französisch. Ein ihm zugesprochenes, später von ihm dementiertes Zitat (z.B. im Guardian): “When I go into Downing Street, they do what I say; when I go to Brussels, they take no notice.” Oder: Über ein Treffen mit Murdoch vor den Unterhauswahlen 1997 äußerte sich der damalige Premier John Major: „Er machte deutlich, dass ihm meine Europapolitik nicht gefiel. Er wünschte, dass ich das ändere. Sonst könnten und würden seine Zeitungen die konservative Regierung nicht mehr unterstützen. So weit ich mich erinnere war von „redaktioneller Unabhängigkeit“ keine Rede. Er sprach immer nur von „wir“, wenn es um seine Zeitungen ging.“ Weiter: „Im Anschluss haben wir beide Wort gehalten, sind wir beide von unserer Linie nicht abgewichen. Mister Murdochs Blätter haben sich dann tatsächlich gegen die Konservativen gewandt. Für mich war es keine Überraschung, dass er kurz nach unserem Treffen seine Unterstützung für Labour bekannt gab.“ Drei Monate später: New Labour gewann die Wahl mit einem Erdrutschsieg. Tony Blair wurde neuer Prime Minister. Zurück zum Brexit. Murdochs The SUN titelte am 22.6.2016 (Tag vor dem Referendum): „Die Sun sagt: Unterstützt den Brexit! Das ist die Wahl unseres Lebens. Unsere LETZTE Chance, um uns von der undemokratischen Brüsseler Maschine zu befreien.“

James und Lachlan Murdoch
Weil die beiden älteren Töchter sich für größere Aufgaben im Unternehmen nicht interessierten, blieb als favorisierter Thronfolger aus der Murdoch-Familie lange nur der jüngste Sohn James (geb. 1972). Er war Vorstandschef bei BSkyB, dem digitalen Bezahlfernsehen in Großbritannien, und machte die Firma zu einem der erfolgreichsten kommerziellen Fernsehsender im Vereinten Königreich. 2016 wurde er Chairman von Sky, ein Posten, den er nach dem Verkauf von Sky an Comcast im Oktober 2018 abgab.

Murdochs ältester Sohn Lachlan (geb. 1971) stieg im Frühjahr 2014 zum non-executive Co-Vorsitzenden der News Corp. und von 21st Century Fox auf und avancierte so wieder zum Vertrauten seines Vaters. Zuvor waren Beobachter davon ausgegangen, dass sich Lachlan aus dem Unternehmen zurückziehen würde, nachdem er 2005 alle Ämter niedergelegt und seine eigenen Produktions- bzw. Investmentfirmen NOVA und Illyria gegründet hatte. Aktuell, nach dem Verkauf von 21st Century Fox an Disney im März 2019, wurde Lachlan Murdoch Chairman und CEO der Fox Corporation.

Geschäftsfelder

Die News-Corp.-Aktivitäten einer Branche sind in jedem Land als eigene Gesellschaft mit weiteren Untergesellschaften eingetragen. Im Juni 2012 beschlossen Murdoch und News Corps operativer Chef Chase Carey eine Abspaltung der Zeitungs-, Buch- und Bildungssparte vom weitaus profitableren Film- und Fernsehsegment. Letzteres generiert rund zwei Drittel des Konzernumsatzes und 90 Prozent des Gewinns. Nach der im Sommer 2013 abgeschlossenen Aufspaltung steht Murdoch dem Zeitungsunternehmen als Chairman vor und bleibt formell Chef des Film- und Fernsehkonzerns. Die Zeitungssparte wird hingegen von Robert Thompson, bisher Chefredakteur des Wall Street Journal, geleitet.

21st Century Fox

Fernsehen
Mit Fox News, dem zuschauerstärksten 24-Stunden Nachrichtenkanal und Fox Business Network und dem Fox News Radio Network erreicht das Unternehmen 94 Millionen Rezipienten in den USA. Mit Fox Sports Net betreibt der Konzern die größte regionale Sportsenderkette. Der Kabel-Sportsender Fox Sports überträgt unter anderem College Basketball und -Football, Champions League Fußball, Nascar-Autorennen und Golf. Hinzu kommen 28 regional Fernsehsender in neun der zehn reichweitenstärksten Regionen der USA sowie Content-Abkommen der Fox-Senderkette mit 207 weiteren Lokalsendern. FX (sowie Schwesterkanal FXX) ist neben National Geographic der wichtigste Kabelsender für die Ausstrahlung von hochwertigen TV-Serien (u.a. „The Americans", „American Horror Story", „Fargo") und TV-Premieren der 20th Century Fox-Filme. Hinzu ist Fox im Besitz eines Drittels der Anteile am Streamingportal Hulu.com.

Außerhalb der USA kontrolliert Fox zahlreiche Kabel- und Sportsender in Europa, Lateinamerika, Afrika und Asien. In Europa besitzt 21st Century Fox einen 39-prozentigen Anteil am Pay-TV-Riesen Sky. Weitere wichtige Marken sind STAR India, das indische Streamingportal Hotstar (mit über 70 Millionen Nutzern), Fox Pan American Sports und Fox Sports Asia.

Film- und TV-Produktion
Twentieth Century Fox Film (TCFF) ist weiterhin eines der größten Hollywood-Studios, das jährlich durchschnittlich 25 Filme in die Kinos bringt. Zu TCFF gehören die Studios Twentieth Century Fox und Fox 2000, die Blockbuster produzieren; die Indie-Tochter Fox Searchlight Pictures, das Animationsstudio Fox Animation und der Ableger Fox International Production. Das TV-Pendant Twentieth Century Fox Televsion (TCFTV) produziert TV-Serien und -Formate für die eigenen Sender sowie die Konkurrenz. Zu den wichtigsten internationalen TV-Produktions- und Vertriebsfirmen von Fox zählen ein Joint Venture mit der Endemol Shine Group und ein 30-prozentiger Anteil an der indischen Tata Sky-Gruppe. Außerdem hält Fox einen Minderheitsanteil an VICE Media.

News Corp.

Zeitungen
Das News Corp.-Zeitungsgeschäft besteht aus dem Finanzinformationsdienstleister Dow Jones („Wall Street Journal", Barron's, Marketwatch, Factiva), News Corp. Australia („The Australian", „The Daily Telegraph", „Herald Sun", „The Courier Mail" und „The Advertiser") News UK („The Sun" und „The Times") der New York Post und die News America Marketing, die ihren Umsatz durch die Veröffentlichung von Zeitungs-Coupons für Lebensmittel und das Aufstellen von Werbematerial innerhalb von Supermärkten.

Bücher
News Corp. kontrolliert mit HarperCollins den zweitgrößten Buchverlag der Welt, zu dem die Töchterverlage Avon, William Morrow, Zondervan, Thomas Nelson und Harlequin Enterprises gehören. Zusammen halten sie die Rechte an über 300.000 Titeln.

Fernsehen
Fox Sports Australia ist die einzige TV-Senderkette, die unter dem Dach von News Corp. (und nicht 21st Century Fox) angesiedelt ist.

Bildung
Mit Amplify stieg News Corp. unter der Aufsicht des US-Bildungspolitiker Joel Klein in den wachsenden Markt für digitale Bildungsmedien ein. Amplify produziert Tablet-basierte Lernsoftware für Lehrer und Schüler.

Engagement in Europa

Nach einem Anfang 2010 abgeschlossenen kompletten Rückzug aus Osteuropa (Bulgarien, Lettland, Serbien und Polen) konzentrieren sich die Geschäftsaktivitäten von News Corp. in Europa in erster Linie auf Deutschland, Großbritannien und Italien.

Deutschland
Auf dem deutschen Markt hat Rupert Murdoch oft schlechte Erfahrungen gemacht. 1991, wenige Monate nach der Wiedervereinigung, startete er mit Hubert Burda das Boulevardblatt „Super“ für die neuen Bundesländer mit dem Ziel, „Bild“ insbesondere auf dem ostdeutschen Markt Konkurrenz zu machen. 1992 wurde das Projekt bereits begraben. Die „Super“ hatte die Erwartungen verfehlt. Auch mit seinem Engagement am deutschen Fernsehmarkt hatte Murdoch wenig Glück. Seine Beteiligungen an den Sendern Vox (Bertelsmann) und TM3 (Kirch Gruppe) verkaufte er rasch wieder. Auch die Millionen, die er in eine Beteiligung an den Pay-TV-Sender Premiere gesteckt hatte, waren schnell weg. Sein Partner Leo Kirch meldete 2002 Insolvenz an. Im Zuge von Kirchs Untergang musste Murdoch um die 1,7 Mrd. Euro abschreiben.

Doch Murdoch gab nicht auf. Im Januar 2008 kaufte er erneut 14,58 Prozent der Aktien an Premiere (heute Sky) vom einstigen Besitzer Unity Media. Der Anteil wurde zwischen 2008 und 2013 auf 54,5 Prozent aufgestockt. Nach Jahren des Verlusts aber konnte sich bei Sky die Situation deutlich verbessern – vor allem durch die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga.

Großbritannien
Neben diversen britischen Tageszeitungen (darunter "The Sun" und "The London Times") ist das Herzstück von News Corps Engagement in Großbritannien der Satellitensender BSkyB, dessen komplette Übernahme (News Corp. hält nur 39 Prozent) wegen des Abhörskandals auf Eis gelegt wurde. Im Rahmen der Leveson Inquiry, dem Untersuchungsausschuss zum Abhörskandal, kamen Emails an Licht, die nahelegen, dass sich Kulturminister Jeremy Hunt gemeinsam mit einem News Corp-Lobbyisten hinter verschlossenen Türen für die komplette Übernahme durch Murdoch konspirativ eingesetzt haben soll. Ganz enorme Bedeutung haben für Sky natürlich die Übertragungsrechte an der britischen Premiere League, die das Unternehmen seit Jahren hält.

Konsolidierung des europäischen Pay-TV-Marktes
Im Mai 2014 spaltete Murdoch das europäische Pay-TV-Segment von 21st Century Fox ab. BSkyB übernahm die Fox-Anteile an Sky Deutschland (geschätzer Wert: rund drei Milliarden Euro) und Sky Italia (hundert Prozent, fünf Milliarden). So avancierte BskyB, im November 2014 in Sky umbenannt, zu einem pan-europäischen Pay-TV-Riesen, während sich Fox ganz auf die Produktion von TV- und Filminhalten konzentrieren konnte.

Engagement in Asien

News Corp. hat in Asien laut der Consulting Firma Media Partners Asia 2011 einen Umsatz von einer Milliarde US-Dollar und 250 Millionen operativen Gewinn erwirtschaftet. 

China
Murdoch betont in seinen spärlichen Interviews gerne die Macht der internationalen Medien, Diktaturen und Unrechtsregime durch Information schlagen zu können – sobald es die Wirtschaftsinteressen von News Corp. erfordern, steht er aber selbst  auf der Seite der Mächtigen: Als der chinesischen Staats- und Parteiführung das über Murdochs Asia2Sat in ganz Asien ausgestrahlte Nachrichtenprogramm von BBC World ein Dorn im Auge war und Konsequenzen für Murdochs Star TV drohten, nahm er die BBC einfach vom Satelliten. Diese Haltung ist bis heute Garant für Murdochs Erfolg im chinesischen Markt: Joint-Venture-Partner für die Online-Dienste ist die kommunistische Parteizeitung, seine Partner bei Phoenix Satellite Television sind in den Augen der Pekinger Führung wohlgelittene Geschäftsleute und Ex-Militärs. Als der chinesische Staatschef Jiang Zemin 1999 Großbritannien besuchte, berichtete die Murdoch-Presse übertrieben wohlwollend und sparte das Thema Menschenrechte aus.

Im Mai 2012 erwarb News Corp. 19,9 Prozent an der chinesischen Bona Film Group. 

Indien
In Indien hat News Corp. seit 1993 bereits mehr als zwei Milliarden US-Dollar investiert. Murdoch betreibt dort 13 Fernsehsender, darunter auch den Marktführer Star India Plus, der ein hindisprachiges Programm ausstrahlt. Mittlerweile stammen siebzig Prozent des Umsatzes, den News Corp. im asiatischen Raum generiert, aus den Aktivitäten in Indien. Deshalb wurde im September 2008 weiter kräftig investiert: fünf weitere Fernsehsender wurden gestartet, zwei davon in den Sprachen Marathi und Gujarati. Außerdem wurden die Fox Star Studios ins Leben gerufen, die Hollywoodfilme in Indien vertreiben und eigenständige Bollywood-Werke produzieren sollen.

Türkei
Auch für den türkischen Fernsehmarkt kann sich Murdoch offenbar begeistern. Im Juli 2006 erwarb Murdoch mit seinem Geschäftspartner Achmet Ertegün für rund 77 Millionen Euro die Mehrheit an dem Privatsender TGRT. TGRT gehört zur Unternehmensgruppe Ihlas, die wiederum zu den größten Medien-Holdings der Türkei zählt und betreibt diverse türkische Fox-Sender. Darüber hinaus will News Corp. die türkische Mediengruppe Sabah-ATV übernehmen. Wegen des britischen Abhörskandals gelten die Erfolgschancen jedoch eher als gering.

Saudi-Arabien
Im Februar 2010 erwarb News Corp. für 70 Millionen US-Dollar einen neunprozentigen Anteil an der saudischen Mediengruppe Rotana. Das Unternehmen betreibt mehrere Fernsehsender und Plattenfirmen und kontrolliert einen erheblichen Teil der in Ägypten ansässigen arabischen Filmproduktion. Ein erfolgreicher Einstieg bei Rotana würde News Corp. den Zugang zu mehr 300 Millionen Menschen des mittleren Ostens erschließen. Langfristig möchte News Corp. in die Produktion von arabischsprachigem Content einsteigen. So ist es durchaus denkbar, dass eine arabische Version von Fox News als Konkurrenz zu Al Jazeera und Al Arabiya gelauncht wird.

Als im Sommer 2010 der Bau eines muslimischen Gemeindezentrums in der Nähe von Ground Zero in New York intensiv in der amerikanischen Öffentlichkeit diskutiert wurde, fiel die Berichterstattung von Fox News besonders ablehnend aus. Einer der auf Fox News immer wieder vorgetragenen Gründe, warum das Zentrum dort nicht gebaut werden dürfte: einer der Hauptinvestoren des Projekts, Al-Waleed bin Talal, finanziere angeblich islamischen Terrorismus und radikale Koranschulen. Was den Fox News-Zuschauern dabei verheimlicht wurde: Rotana-Chef Al-Waleed hält neun Prozent der stimmberechtigten Aktien von News Corp. und ist damit der größte Anteilseigner, dessen Nachname nicht Murdoch lautet.

Vereinigte Arabische Emirate
Im Mai 2012 ging in den VAE der arabischsprachige Nachrichtensender Sky News Arabia on Air. Der Sender ist das Resultat einer Partnerschaft zwischen BskyB und der Abu Dhabi Investment Corp. von Sheikh Mansour bin Zayed al-Nahayan, dem auch der britische Fußballklub Manchester City gehört.

Iran
Im Iran betreibt News Corp. den Fernsehsender Farsi1, der unter anderem synchronisierte Wiederholungen der Oprah Winfrey Show ausstrahlt. Ein zweiter Sender ist in Planung.

Australien
In seinem Heimatland kontrolliert Murdoch fast drei Viertel des gesamten Printsektors, darunter die führenden Tageszeitungen in vier australischen Großstädten. Hauptfeind von Murdoch und seinen der konservativen Partei nahestehenden Chefredakteuren: die rot-grüne Regierungskoalition um Premierminister Kevin Rudd. Dieser plant ein staatliches und für jedermann erschwingliches Super-Breitbandnetz zu installieren, dass eine Bedrohung für Murdochs Foxtel-Kabelgeschäft darstellt. Im Wahlkampf 2013 starteten die Murdoch-Zeitungen deshalb niveaulose Polemisierungen gegen Rudd.

Aktuelle Entwicklung

Murdochs Festhalten am Zeitungsgeschäft wurde lange als Altersstarsinn interpretiert. Wenn sich News Corp. weiter an chronisch defizitäre Medien wie der „New York Post" oder der britischen „Times" festklammere, so klagten Aktionäre, würde das profitable Film- und Fernsehgeschäft darunter leiden. Die 2012 verkündete Abspaltung des Zeitungsgeschäftes wurde konzernintern daher mit Erleichterung aufgenommen.

Wie Rupert Murdoch die eigene Zukunft plant, ist nach wie vor unklar, trotz des ziemlich fortgeschrittenen Alters (er ist Jahrgang 1931). Oft hat man seinen baldigen Rücktritt vorausgesagt. Etwa nach seiner Krebserkrankung 2000, verbunden mit hohen Kursverlusten der News Corp.-Aktie. Er trat nicht zurück und besiegte die Krankheit. Oder nach dem Skandal um „News of the World". Als er vors britische Parlament zitiert wurde, sagte Murdoch, er sei nicht verantwortlich und habe nicht vor, als Chef der News Corp. zurückzutreten. Dann im Januar 2018 die schwere Rückenveretzung, die sich der zu dem Zeitpunkt 86jähriger auf der Segeljacht seines Sohnes Lachlan zuzog. Gleich wurde spekuliert, der Deal mit Disney (d.h. der Verkauf von 21st Century Fox) könne scheitern. Wieder aber erholte sich Murdoch, der große Disney-Deal fand statt.

Gerne weist Rupert Murdoch darauf hin, dass seine Mutter 104 Jahre alt geworden ist. Und außerdem: Die Frage nach dem Kronprinz/Nachfolger ist ja auch noch nicht endgültig entschieden.

Lektüre

  • Arsenault, Amelia/Castells, Manuel 2008: Switching Power: Rupert Murdoch and the Global Business of Media Politics: A Sociological Analysis, in: International Sociology, July 2008, Vol. 23(4): S. 488–513.
  • Barthel, Nadine 2008: Murdoch, Keith Rupert. In: Hachmeister, Lutz (Hrsg.): Grundlagen der Medienpolitik. DVA, München, S. 272-277.
  • Chenoweth, Neil 2002: Rupert Murdoch: The Untold Story of the World’s Greatest Media Wizard, Crown Business, New York.
  • Chenoweth, Neil 2012: Murdoch's Pirates: Before the Phone Hacking, There Was Rupert's pay-TV skullduggery. Allen & Unvwin, Sydney.
  • Crainer, Stuart 2001: Big Shots. Business the Rupert Murdoch Way. Capstone, Mankato.
  • Davies, Nick 2014: Hack Attack: The Inside Story of How the Truth Caught Up with Rupert Murdoch. Faber & Faber, London.
  • Ellison, Sarah 2010: War At The Wall Street Journal. Inside The Struggle To Control an American Business Empire. Houghton Mifflin Harcourt, Boston.
  • Folkenflik, David 2013: Murdoch's World. The Last of the Old Media Empires. Perseus Books, London.
  • Guthrie, Bruce 2011: Man Bites Murdoch. Carlton: Melbourne University Press.
  • Page, Bruce 2004: The Murdoch Archipelago. Pocket Books, London.
  • Shawcross, William 1997: Murdoch. The Making of a Media Empire. Simon & Schuster, New York.
  • Sherman, Gabriel 2014: The Loudest Voice in the Room: How the Brilliant, Bombastic Roger Ailes Built Fox News--and Divided a Country. Random House, New York.
  • Watson, Tom/Hickman, Martin 2012: Dial M for Murdoch. News Corporation and the Corruption of Britain. London, Allen Lane.
  • Wolff, Michael 2008: The Man Who Owns the News: Inside the Secret World of Rupert Murdoch. Broadway, New York.