22. Microsoft Corporation

Umsatz 2014/15: $ 10,248 Mrd. (€ 9,178 Mrd.)

Überblick

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Microsoft ist der größte Softwareproduzent der Welt. Die erfolgreichsten Produkte sind das Betriebssystem Windows sowie die Bürosoftware Microsoft Office. Mit der Gründung des Onlineportals MSN stieg Microsoft 1995 in den Internetmarkt ein. In den letzten Jahren erweiterte Microsoft seine Produktpalette und produziert auch erfolgreich Unterhaltungselektronik und Games (Xbox).

Für die Einordnung von Microsoft in das Medienkonzernranking wurden ausschließlich die Umsätze aus den Geschäftssparte "Entertainment and Devices", bzw. "Computing and Gaming"  als Grundlage genommen.

News

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12.06.17 / Microsoft Corporation/MSN

Xbox One X: Microsoft zielt auf Hardcore-Gamer

05.12.16 / Facebook.com, Google Inc., Microsoft Corporation/MSN

EU: Internetkonzerne tun zu wenig gegen Online-Hetze

28.11.14 / Google Inc., Microsoft Corporation/MSN, Facebook.com, Amazon.com Inc., Apple Inc.

Nach europäischer Google-Resolution: Werden US-Onlinekonzerne künftig stärker sanktioniert?

Basisdaten

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Hauptsitz:
Microsoft Corporation
One Microsoft Way
Redmond, WA 98052-7329
USA
Tel: (425) 882-8080
Fax: (425) 706-7329
http://www.microsoft.com

Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 31.06. – 30.06.
Gründungsjahr: 1975

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (inMio. US-Dollar)
20162015201420132012201120102009200820072006
Umsatz 85.32093.58086.83377.84973,72369,94362.48458.43760.42051.12244.282
Gewinn (Verlust)16.79812.19322.07421.86316,97823,15018.76014.56917.68114.06512.599
Aktienkurs (Jahresende)62,1455,4846,1237,4126,7126,0022,4729,4119,4436.3129.98
Beschäftigte114.000118.000128.00099.00094.00090.00089.00093.00091.00079.00071.000
Tab. II: Umsatz nach Segmenten 2006-2015 (in Mio. US-Dollar)
20162015201420132012201120102009200820072006
Client/ Windows19.23918.37319.02419.49414.71216.86514.97213.089
Server & Tools20.28118.68617.09615.37814.12613.10211.1759.652
Online Services3.2012.8672.5282.2013.0883.2142.4742.299
Business Division24.72423.99122.18619.07618.89418.92916.39614.486
Entertainment & Devices10.1659.5938.9136.1687.7538.2066.0834.756
Devices & Consumer41.50137.674
Commercial51.87549.574
Corporate & Other(6.669)204(415)
Productivity and Business Processes26.487
Intelligent Cloud25.042
More Personal Computing40.460

Geschäftsführung

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Management:

  • Satya Nadella, Chief Executive Officer and Executive Director
  • Chris Capossela, Executive Vice President and Chief Marketing Officer
  • Kurt DeBene, Executive Vice President, Corporate Strategy and Planning
  • Scott Guthrie, Executive Vice President, Microsoft Cloud and Enterprise Group
  • Kathleen Hogan, Executive Vice President, Human Relations
  • Amy Hood, Executive Vice President and Chief Financial Officer
  • Peggy Johnson, Executive Vice President, Business Development
  • Harry Shum, Executive Vice President, Technology and Research
  • B. Kevin Turner, Chief Operating Officer
  • Qi Lu, Executive Vice President, Applications and Services
  • Brad Smith, General Counsel, Executive Vice President, Legal & Corporate Affairs
  • Terry Meyerson, Executive Vice President, Windows and Devices Group

 

Board of Directors:

  • William Henry Gates III, Microsoft Corporation
  • G. Mason Morfit, ValueAct Capital
  • Charles H. Noski, Bank of America
  • Dr. Helmut Panke, BMW AG
  • John W. Thompson, Virtual Instruments
  • Satya Nadella, Microsoft
  • Teri L. List-Stoll, Kraft Foods
  • Charles W. Scharf, Visa Inc.
  • John W. Stanton, Trilogy Equity Partners
  • Sandra E. Peterson, Johnson & Johnson
  • Padmasree Warrior, NextEV

Geschichte und Profil Microsoft

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William Henry Gates wurde 1955 in Seattle als Sohn eines Anwalts und einer Lehrerin geboren. 1967 begann er die renommierte Privatschule Lakeside School zu besuchen. Dort lernte er Paul G. Allen kennen. Zusammen bauten sie Microsoft auf, den größten Softwarekonzern der Welt. 1972 gründeten Gates und Allen ihre erste Firma mit dem Namen „Traf-O-Data“, deren erster Auftrag darin bestand, ein Analyseprogramm für Geräte zu erstellen, die den Autoverkehr maßen. Es war insbesondere der Mikroprozessor 8008 von Intel, der ihnen in modifizierter Version bei der Programmierung half. Ein Jahr später trennten sich die Wege der Freunde. Allen besuchte die Washington State University, während Gates an der Harvard Universität studierte. Dort freundete er sich mit Steve Ballmer an, der 1998 Präsident von Microsoft werden sollte.

Dem Gründungsmythos zufolge war das wichtigste Ereignis in der Microsoft-Unternehmensgeschichte, das Erscheinen der neuesten Ausgabe des Hobby-Technik-Magazins „Popular Electronics“ im Januar 1975. Auf der Titelseite war eine Abbildung des bis dato leistungsstärksten Minicomputers, dem Altair 8800, der nach einem Ort im Serienuniversum von Star Trek benannt war und als Vorläufer des heutigen Personal Computers gilt. „Popular Electronics“-Leser konnten für 400 Dollar einen Bausatz zum Basteln eines Altair bestellen. Als Paul Allen den entsprechenden Artikel las, hatte er die Vision von einem riesigen Markt für die von ihm und Gates programmierte Software. Das Duo entwickelte eine Version der Programmiersprache BASIC („Beginner’s All-purpose Symbolic Instruction Code“) für den Altair. Nach fünf Wochen harter Arbeit flog Allen nach Albuquerque, New Mexico, zur Geschäftsstelle des Unternehmens MITS (Micro Instrumentation and Telemetry Systems), das den Alstair entwickelt hatte. Nach erfolgreicher Demonstration unterzeichneten Allen und Gates einen Vertrag, dessen Ausgestaltung wesentlich zum späteren Erfolg von Microsoft beitrug. MITS durfte künftig die BASIC-Version auf ihren Computern vertreiben, unter der Bedingung, dass sie Gates und Allen, die weiterhin die Rechte an ihrer BASIC-Version behielten, einen Anteil an jedem verkauften Rechner zahlten.

Im August 1975 war es soweit, Gates und Allen institutionalisierten ihre Partnerschaft und nannten ihre Firma „Micro-Soft“ als Kurzformel für „Microcomputer-Software“. Ein Jahr später verschwand der Bindestrich im Firmennamen. Microsoft begann damit, erste Mitarbeiter einzustellen und eröffnete ein erstes Büro in Albuquerque. Die Vereinbarung, die Gates und Allen trafen, sah vor, dass Allens Anteil an dem Unternehmen 36 Prozent betrug, während Gates Anteil 64 Prozent ausmachte, da Gates der Meinung war, einen größeren Beitrag geleistet zu haben. In ihrem ersten Geschäftsjahr erwirtschaftete Microsoft einen Umsatz von 100,000 US-Dollar.
1977 expandierte Microsoft weiter, indem die Firma ihre BASIC-Version jetzt auch für die Computerhersteller Tandy („TRS-80“), Commodore („PET“) und Apple („Apple II“) produzierte.
Gates war zu diesem Zeitpunkt so sehr mit seiner Firma beschäftigt, dass er sich entschloss, sein Studium in Harvard abzubrechen.

1978 wurde die Firmenzentrale  von Albuquerque nach Bellevue, Washington, verlegt. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte Microsoft bloß zwölf Mitarbeiter. Doch Microsoft durchbrach erstmals die Umsatz-Schallmauer von einer Million US-Dollar. Anfang der 80er Jahre wurden für den Konzern entscheidende Weichenstellungen vorgenommen. Microsofts Manager Steve Wood verließ den Konzern und wurde durch Gates alten Studienkumpel Steve Ballmer ersetzt, der zunächst als Assistent des Präsidenten fungierte. Ballmers Hauptaufgabe bestand darin, möglichst schnell mehr qualifiziertes Personal einzustellen. Außerdem wurde Microsoft 1981 zu einem börsennotierten Unternehmen. Microsoft, Inc. beschäftigte zu dieser Zeit mehr als 100 Mitarbeiter.

Ebenfalls zu Beginn der 80er Jahre verschob Microsoft seinen Fokus von Programmiersprachen auf Betriebssysteme. Wichtigster Abnehmer wurde zu dieser Zeit IBM, an das Gates ein im Wesentlichen auf der Software QDOS basierendes Betriebssystem lizenzierte. An andere Hardware-Hersteller wurde das Programm unter dem Namen MS-DOS verkauft.

Zum endgültigen Siegeszug verhalf Microsoft jedoch sein Betriebssystem Windows. Seit 1981, als Apple und VisiCorp der Öffentlichkeit erstmals so genannte GUIs (Graphical User Interfaces) präsentierten, stand Microsoft unter Druck, ein ähnliches grafisches und Maus-unterstütztes Betriebssystem zu präsentieren. Fakt ist, dass Bill Gates bei der Entwicklung von Windows stark von Apples Betriebssystem Mac OS inspiriert wurde, als Jobs ihm persönlich frühe Prototypen des Macintosh gezeigt hatte. Als Windows 1.0 1985 auf den Markt kam, war das Programm voller Fehler und arbeitete langsam. Im Prinzip handelte es sich bei der ersten Windows-Version um eine erweiterte Form von MS-DOS. Um Windows zu verbessern, traf sich Gates zu geheimen Verhandlungen mit Apple und lizenzierte einige Features von Mac OS, so zum Beispiel den „Papierkorb“, überlappende Fenster und Multitasking-Funktionen. Im Gegenzug erhielt Apple Garantien, dass Microsoft sein Schreibprogramm Word für den Macintosh entwickeln und die Veröffentlichung der Excel-Software auf das Jahr 1986 verschieben würde

Die Windows-Version 2.0, die 1987 veröffentlicht wurde, war fast deckungsgleich mit Mac OS, sichtbar für Laien daran, dass sie erstmals Icons, die Dateien darstellten, beinhaltete. Apple, das der Meinung war, der Lizenz-Deal würde sich nur auf Windows 1.0 beschränken, warf Microsoft Urheberrechtsverletzungen vor und verklagte das Unternehmen. Die Folge war ein sechsjähriger Prozess, der unter dem Namen „Apple Computer, Inc. vs. Microsoft Corporation“ in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Der zentrale Vorwurf der Apple-Anwälte lautete, dass Microsoft das Copyright-geschützte „Aussehen und Gefühl“ (look and feel) des Macintosh-Betriebssystems kopiert hätte. Microsoft behauptete hingegen, dass Apple den Prozess initiiert hatte, um an die geistigen Eigentumsrechte für graphische Benutzeroberflächen im Allgemeinen zu gelangen. 1994 wies das zuständige Gericht bis auf unbedeutende Details alle wesentlichen Vorwürfe von Apple zurück.

1985 wurden Microsoft-Aktien erstmals an der Börse gehandelt. Bill Gates Aktienpaket hatte am ersten Tag einen Wert von 300 Millionen US-Dollar. Zwei Jahre später war die Aktie derart gestiegen, dass Gates in den Klub der Milliardäre aufgenommen wurde. Parallel zur Online-Expansion, die unter dem Namen MSN vollzogen wurde, kam das Unternehmen wegen seiner zweifelhaften Geschäftspraktiken zweimal ernsthaft mit dem Gesetz in Konflikt. 1998 kam es zum „United States vs. Microsoft“-Prozess. Im Zuge der „Browser-Kriege“ wurde dem Konzern vom amerikanischen Bundesjustizministerium vorgeworfen, durch die Verknüpfung des Microsoft Internet Explorers mit dem Betriebssystem Windows von einer illegalen Monopolstellung zu profitieren. 2001 stieg der Konzern mit der Entwicklung der Spielekonsole Xbox in den Videospielmarkt ein. Um das Konkurrenzgerät zur PlayStation von Sony mit entsprechender Software zu füttern, wurde mit Microsoft Game Studios ein Game Publisher ins Leben gerufen, der Spiele für die Xbox, ihren Nachfolger Xbox 360 und für PCs produziert.

Im Februar 2008 erschütterte Microsoft mit einem 45 Milliarden US-Dollar schweren Übernahmeangebot für Yahoo! die gesamte Internetbranche. Der Software-Riese versprach sich vom Aufkauf von Yahoo! Synergieeffekte, die jährlich eine Milliarde US-Dollar an Einsparungen bringen könnten und die führende Stellung von Google auf dem Online-Anzeigenmarkt beeinträchtigen würde. Auch diesmal war es wohl vor allem Yahoo-Gründer Jerry Yang zuzuschreiben, dass die Übernahme zunächst gestoppt wurde, für die Microsoft sogar bereit war, einen Kredit aufzunehmen und sich mit rund 23 Milliarden US-Dollar zu verschulden. Rund eine Woche nach der Microsoft-Initiative verkündete der Yahoo!-Vorstand in einer Pressemitteilung, das Angebot wäre „nicht im Interesse von Yahoo! und unseren Aktionären“. Das Unternehmen, seine globale Marke, seine Zielgruppe und seine Zukunftsperspektiven seien durch das Angebot „substanziell unterbewertet“.

Management

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Neuer CEO von Microsoft ist seit Februar 2014 der ehemalige Chef der Cloud-Sparte Satya Nadella. Der erste dritte Boss in der Unternehmensgeschichte gilt mit seiner bedachten Art und Technik-Affinität für viele als Gegenteil von seinem aufbrausenden Vorgänger Steve Ballmer. Nadella stammt aus dem indischen Ort Hyderabad, der wegen der großen Nummer an Informatikern auch "Cyderabad" genannt wird und war bevor er 1992 zu Microsoft wechselte, Manager beim Hardware-Hersteller Sun Microsystems (heute Oracle). Eine seiner ersten Amtshandlungen bestand darin, rund 18.000 Mitarbeiter zu entlassen, und einen Wandel hin zu einem verstärkten Fokus auf Cloud-Dienste durchzuführen. Nadella präsentierte bei einem seiner ersten Auftritte seine persönliche "One Windows"-Strategie, die vorsieht, das Betriebssystem auf Computer, Smartphones und die Spielekonsole Xbox zu integrieren. Mit gezielten Übernahmen - etwa der 2,5 Milliarden Dollar teure Kauf des schwedischen Games Studio Mojang, das die erfolgreich Minecraft-Serie entwickelte - will Nadella das Microsofts Profil schärfen und den Konzern wieder relevanter machen.

2006, mehr als dreißig Jahre nach der Gründung von Microsoft, verkündete Bill Gates seinen Rückzug aus dem Tagesgeschäft. Gates und seine Frau Melinda wollen sich vor allem ihrer Wohltätigkeitsstiftung "The Bill & Melinda Gates Foundation" widmen. Zwischen 2010 und 2011 verkaufte Gates 90 Millionen Microsoft-Aktien, um seine Stiftung zu finanzieren und in andere Unternehmen zu investieren. Satya Nadell überzeugte Gates jedoch davon, rund 40 Prozent seiner Zeit wieder bei Microsoft zu verbringen - in keiner Rolle mit wirklichen Handlungsspielraum, sondern vor allem um die Ingenieure zu motivieren.

Geschäftsbereiche

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Microsoft ist in fünf Geschäftsfelder unterteilt: "Client" (Betriebssysteme), "Server & Tools", "Online Services", „Business“ und „Entertainment & Devices“, bzw. "Computer & Games".

Die Sparte Entertainment & Devices ist für die Entwicklung von Unterhaltungshardware und -software verantwortlich und war in den letzten Jahren einer der profitabelsten Geschäftsbereiche von Microsoft. Von 2001 bis 2006 produzierte der Konzern die Spielekonsole Xbox, die weltweit 22 Millionen Mal verkauft wurde. Der Nachfolger Xbox 360 war ein ähnlicher Erfolg und wurde zwischen 2005 und 2016 rund 76 Millionen Mal verkauf. Die aktuelle Konsolengeneration Xbox One hat bisher nur 22 Millionen Einheiten verkauft - nur halb so viel wie Sonys Playstation 4. 

Mittels "Xbox Live" können User online mit anderen Xbox-Besitzern spielen und Serienfolgen, Filme und Extra-Content für Xbox-Spiele erwerben. Im Juli 2010 wurde erstmals die Umsatz-Schallmauer von einer Milliarde US-Dollar durchbrochen. Damit war "Xbox Live" neben "World of Warcraft" eine der ersten Online-Gaming-Plattform die nennenswerte Profite erwirtschaftete. Durch die Integrierung von Xbox Music im Herbst 2012 können User nun auch auf einen Katalog von Millionen von Musiktiteln zugreifen. Für die Xbox One wurden zeitweise auch eigenen Medieninhalte für Xbox Live produziert. Microsoft verpflichtete dazu eigens die ehemalige CBS-Führungskraft Nancy Tellem. Erstes Projekt war eine TV-Adaption der erfolgreichen Shooter-Serie "Halo", die von Steven Spielberg produziert wurde. Die entsprechende Produktionsfirma "Xbox Studios" wurde jedoch im Herbst 2014 geschlossen.


Bing
Mit seiner eigenen Suchmaschine wollte Ex-CEO Ballmer langfristig die Vorherrschaft von Google brechen. Bing ersetzt damit die erfolglosen Vorgänger Windows Live und MSN Search, die sich nie gegen die Suchmaschinen von Google und Yahoo durchsetzen konnten. Der Name Bing wurde gewählt, um das Geräusch eines erfolgreichen Funds onomatopoetisch zu repräsentieren. Kritiker unken jedoch bereits, Bing sei ein Akronym für "But It's Not Google".

Engagement in Deutschland

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Microsoft ist global gesehen in elf „Areas“ aufgeteilt. Die Bedeutung die dem deutschen Geschäft zukommt, äußert sich darin, dass Deutschland eine eigene solche „Area“ bildet. Der deutsche Markt gilt als der viertgrößte Microsoft-Markt weltweit. Direkt ins Hauptquartier nach Redmond, Washington berichtet ab 2016 Deutschland-Chefin Sabine Bendiek, zuvor bei EMC tätig.

Engagement in China

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Im Zuge des von Google verkündeten (doch nicht in die Tat umgesetzten) Rückzugs aus China, gab Microsoft-Chef Ballmer bekannt, dass sein Unternehmen nicht im Entferntesten daran denke, den chinesischen Markt zu verlassen. Stattdessen will das Unternehmen den geringen Marktanteil von Google in China ausnutzen, um dort mit seiner neuen Suchmaschine Bing Fuß zu fassen. Ein  Problem für Microsoft ist dabei jedoch die chinesische Sprache. Da Bing auf chinesisch - je nach Betonung - entweder "krank", "kalt" oder "Pfannkuchen" bedeutet, musste Microsoft den Namen in "bi ying" ändern ("antworten müssen"). Seit Juli 2011 kooperiert Bing auf dem chinesischen Marktführer Baidu: englische Suchanfragen werden von Bing bearbeitet und dann zurück and Baidu geliefert.

Microsoft sieht in der Zusammenarbeit mit der chinesischen Regierung jedoch kein moralisch-ethisches Problem und betont nur die örtlichen Gesetze zu respektieren, wie es das in jedem anderen Land tut. Zudem ist Microsoft auf die Kooperation der chinesischen Behörden angewiesen, um die massive Software-Piraterie in China einzudämmen, die die Profitabilität von Windows und Office bedroht. Aushilfe soll dabei die Cloud Computing-Initiative verschaffen, da Software, die nicht auf Datenträger-Technologie beruht, nicht illegal kopiert werden kann. China ist bislang der zweitgrößte Markt für PCs nach den Vereinigten Staaten. Allein 2010 stieg die Anzahl der verkauften PCs um 25 Prozent auf 67 Millionen Exemplare. Außerdem ist China der größte Markt für Mobiltelefone, der aus Sicht von CEO Ballmer nicht Google und Apple überlassen werden sollte.

Aktuelle Entwicklung

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Microsoft gilt mittlerweile als das am wenigsten dynamische Unternehmen in Silicon Valley. Der Konzern erwirtschaftet zwar noch immer gigantische Umsätze, aber sein Kerngeschäft ist rückläufig. In der letzten Dekande wurde es versäumt, sich für die Zusammenarbeit mit Wettbewerbern zu öffnen. Anstatt Innovationen voranzutreiben, begann Microsoft die Konkurrenz zu kopieren - mit teilweise katastrophalen Folgen. Die iPod-  und iPhone-Klone Zune und Kin verschwaden schnell wieder in der Versenkung. Mit der Xbox wurde zwar ein erfolgreicher Schritt in den Games-Markt unternommen, aber die mit großen Hoffnungen verknüpfte Motion-Kamera Kinect floppte und der Launch der jüngsten Xbox-Generation geriet angesichts des enormen Erfolgs von Sony Playstation  4 zum PR-Fiasko. Der Wandel hin zum mobilen Internet wurde von Microsoft komplett verschlafen: 2014 hatte das Unternehmen in Bezug auf Smartphone-Betriebssysteme nur einen mikrikgen Marktanteil von vier Prozent.

CEO Nadella versucht nun seit zwei Jahren das Ruder herumzureißen und mit Investitionen in neue Technologien dem Konzern zu alter Größe zu verhelfen. Neben der 26 Milliarden Dollar teuren Übernahme der Job-Networking-Seite LinkedIn (die sinnvoll mit Office und Skype verknüpft werden soll) ist das prestigeträchtigste Projekt hierbei die Datenbrille Project Holo Lens, die Nadella als revolutionäre neue Benutzeroberfläche beschreibt. Sollte sich Virtual Reality-Technologie tatsächlich als nächstes großes Ding durchsetzen, will Microsoft einen Stück vom Kuchen abhaben und sich gegen die Konkurrenten Facebook (Oculus) und Sony (Sony VR) durchsetzen. Vorraussetzung dafür werden jedoch Inhalte sein. Nachdem Microsoft seine Pläne, exklusive Serien für die Xbox zu produzieren, wieder begraben hat, konzentriert man sich auf Games. Wichtigstes Zugpferd für die kommenden Jahre wird "Minecraft" sein  - das digitale Äquivalent zu Lego-Bausteinen, das schon in rund 100 Millionen Kinderzimmern zu finden ist.

Microsoft wird unterdessen selber einer Prüfung durch US-Behörden unterzogen: das Unternehmen soll mit Bilanztricks operiert haben, um weniger Steuern zu bezahlen. Weil das Unternehmen 15 Millionen europäischen Windows 7-Nutzern die freie Auswahl des Browsers vorenthalten hat, wurde es im März 2013 von der EU-Kommission zu einer Geldstrafe von 651 Millionen Euro verdonnert. Für negative Publicity sorgte auch die von Whistleblower Edward Snowden enthüllte massive, proaktive Kooperation des US-Geheimdienstes NSA mit Microsoft bei der geheimen weltweiten Überwachung von Skype- und Email-Kommunikation.