15. Liberty/Qurate Retail, Inc.

Umsatz 2018: € 18,710 Mrd.

Überblick

Die Liberty Media Corporation (zuvor: Liberty CapStarz) umfasst Mehrheitsbeteiligungen an Sirius XM Holdings, Inc. (Satellitenradio), der Braves Group (Atlanta Braves Baseball-Team) und der Formula One Group. Unter dem Dach der Qurate Retail Group (zuvor: Liberty Interactive) finden sich Homeshopping-Angebote wie QVC und HSN. Der Gründer der beiden Unternehmen John C. Malone ist im jeweiligen Aufsichtsrat noch präsent.

Basisdaten

Hauptsitze:

Liberty Media Corporation
12300 Liberty Boulevard
Englewood, CO 80112
USA
Telefon: 001 720 8755400
Internet: libertymedia.com

Qurate Retail, Inc.
12300 Liberty Boulevard
Englewood, CO 80112
USA
Telefon: 001 720 8755300
Internet: qurateretail.com

Branchen: Teleshopping, Satellitenradio, Motorsport, Baseball
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1991 wurde die Liberty Media als Holdinggesellschaft für Senderbeteiligungen mitsamt einigen Kabelnetzen aus der Unternehmensgruppe des Kabelnetzbetreibers Tele-Communications, Inc. (TCI) ausgegliedert.
Ausgründungen: Liberty Media International, Inc. (LMI) im Juni 2004 (inzwischen mit UnitedGlobalCom zu Liberty Global fusioniert); Discovery Holding Company (DHC) im März 2005 

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten Liberty Media Corporation (in Mio. US-Dollar)
20182017201620152014
Umsatz 8.0407.5945.2764.7954.450
Gewinn (Verlust)5311.35468064178
Mitarbeiter4.5554.3083.5463.4233.612
Tab. II: Ökonomische Basisdaten Qurate Retail, Inc. (in Mio. US-Dollar)
20182017*2016*2015*2014*
Umsatz 14.07010.40410.6479.98910.499
Gewinn (Verlust)8232.035775631538
Mitarbeiter21.40017.10017.70017.60017.300
* Liberty Interactive Corporation

Geschäftsführung

Management Liberty Media Corporation:

  • John C. Malone, Chairman
  • Gregory B. Maffiei, President & CEO
  • Courtnee Chun, Chief Portfolio Officer & SVP, Investor Relations
  • Albert E. Rosenthaler, Chief Corporate Development Officer
  • Brian J. Wendling, SVP, Principal Financial Officer and Controller
  • Renee L. Wilm, Chief Legal Officer

Board of Directors Liberty Media Corporation:

  • Evan D. Malone
  • David E. Rapley
  • Larry E. Romrell
  • Brian M. Deevy
  • Gregory B. Maffei
  • Andrea L. Wong
  • Robert R. Bennett
  • M. Ian G. Gilchrist
  • John C. Malone

 

Management Qurate Retail, Inc.:

  • Gregory B. Maffiei, Chairman
  • Michael A. George, President & CEO
  • Courtnee Chun, Chief Portfolio Officer & SVP, Investor Relations
  • Albert E. Rosenthaler, Chief Corporate Development Officer
  • Brian J. Wendling, SVP, Principal Financial Officer and Controller
  • Renee L. Wilm, Chief Legal Officer

 Board of Directors Qurate Retail, Inc.:

  • Fiona P. Dias
  • Evan D. Malone
  • David E. Rapley
  • Larry E. Romrell
  • Gregory B. Maffei
  • Richard N. Barton
  • Michael A. George
  • John C. Malone
  • M. Ian G. Gilchrist
  • Mark Vadon
  • Andrea L. Wong

Geschichte

Ursprünglich war Liberty Media eine Beteiligungsholding für TV-Programmanbieter, die zu Tele-Communications Inc. (TCI) gehörte, einem der führenden US-Kabelanbieter (das TCI-Kabelnetz wurde 1999 an AT&T Broadband und 2001 schließlich an Comcast verkauft). Als TCI 1973 ins Straucheln geriet, wurde der damals 32-jährige John C. Malone zum CEO berufen. Malone restrukturierte das Unternehmen und baute es in den 80er und 90er Jahren zum Marktführer im US-amerikanischen Kabelgeschäft auf. Dabei spielte Malone seine starke Position als Herr über die technischen Distributionskanäle voll aus, um sich Beteiligungen an Programmanbietern wie Discovery Channel oder Tri-Star Pictures zu sichern, die ihre Programme über die TCI-Kabelinfrastruktur verbreiten wollten. 1987 eilte TCI dem hoch verschuldeten Turner Broadcasting System zur Hilfe, was TCI eine 12%-Beteiligung an der Sendergruppe einbrachte. Auf diese Weise entstand ein breit gefächertes Portfolio US-amerikanischer und internationaler Medienbeteiligungen.

Im August 2001 trennte sich AT&T von Liberty Media. Der unter Druck geratene Telekommunikationsriese folgte einerseits einem weit reichenden Restrukturierungsplan, andererseits waren zunehmend Interessensgegensätze zwischen Malone und AT&T deutlich geworden. Malone hatte schnell verstanden, dass Infrastrukturen immer nur so gut sein können wie die Inhalte, die sie transportieren. Und so baute Liberty Media das Netz seiner Beteiligungen konsequent mit Content-Anbietern aus. Seine Anteile an den zuvor gemeinsam mit Rupert Murdoch gegründeten FOX/Liberty Networks veräußerte Malone gegen eine achtprozentige Konzernbeteiligung an News Corp.. Diesen Anteil erhöhte er im Jahr 2004 unerwartet auf 18 Prozent und tauschte seine nichtstimmberechtigten Anteile gegen stimmberechtigte Aktien. Durch diesen Coup wurde Liberty Media zum zweitgrößten Eigner – und Entscheider – im Murdoch-Imperium. Es gab Gerüchte darüber, dass Malone Rupert Murdoch, den Vorstands- und Verwaltungschef des Unternehmens, der zu diesem Zeitpunkt bereits 74 Jahre alt war, beerben würde. Im Zuge dieser Entwicklung schienen die beiden befreundeten Medientycoone Erzrivalen geworden zu sein. Inzwischen haben sich Malone und Murdoch auf einen Rücktausch der Anteile geeinigt, so dass Malone keine Anteile mehr an News Corp. besitzt.

In den vergangenen Jahren kam es zu erheblichen Verschiebungen innerhalb des Konzerns: Die Cash Cows von Liberty Media im US-Markt sind mittlerweile Pay- und Homeshopping-TV. An den Beispielen Starz Entertainment (2009 als separates Unternehmen an die Börse gebracht) und QVC zeigt sich außerdem, wie Malone mittel- bis langfristig plant. Hohe Investitionen, kostenintensive Aufkäufe sowie der Ausbau von Stimmrechts- oder Beteiligungsverhältnissen werden zugunsten der erwarteten Gewinne nicht gescheut. Diese Strategie ist bisher aufgegangen.

Anfang September 2008 gab das Unternehmen Pläne bekannt, seine Anteile an der DirecTV Gruppe in eine neue Gesellschaft unter dem Namen Liberty Entertainment Group (LEI) auszugliedern. Der Merger wurde im Mai 2009 begonnen und im November 2009 abgeschlossen- Der 54%-Anteil von Liberty Media an DirecTV machte damit den Löwenanateil des Werts von Liberty Entertainment aus. Mit dieser Ausgliederung reduzierte John Malone seine Liberty-Stimmrechte von knapp 50% auf 24%. Den umfangreichen Film- und Serienkatalog übernahm die Tochter Liberty Starz Group. Die Umstrukturierung teilt die alte Liberty-Gruppe in Liberty Interactive, Liberty Capital und die Liberty Starz Group.

Im Herbst 2015 erfolgte eine weitere Restrukturierung des Liberty-Konglomerats. Liberty Interactive gliederte zwei wesentliche Geschäftsbereiche - den E-Commerce-Zweig CommerceHub sowie Liberty Expedia (Expedia und Bodybuilding.com) - in die Liberty Ventures Group aus. Zeitgleich änderte Liberty Media seine Aktienstruktur. Künftig gibt es drei verschiedene Sorten von Liberty Media Aktien: Die Liberty Braves Gruppe (die im wesentlichen aus dem gleichnamigen Baseball-Team aus Atlanta besteht), die Liberty Sirius Group (Satellitenradio) und schließlich solche, die weiterhin unter Liberty Media firmieren (Unternehmensbeteiligungen an Live Nation, Time, Time Warner und Viacom).

Ende 2016 sorgte Malone zweimal für Aufsehen. Zunächst kaufte er bzw. kaufte Liberty Media Anfang September für 4,6 Milliarden Dollar dem Finanzinvestor CVC die 35,5 Prozent der Stimmrechte ab, die er an der Formel-1-Rennserie bzw. an der Formel-1-Muttergesellschaft Delta Topco hielt. Ob sich der 35,5-prozentige Anteil an der zuletzt kriselnden Formel 1-Rennserie dauerhaft auszahlt, hing von Anfang an auch davon ab, ob Malone es gelingen würde, die traditionell skeptischen US-Zuschauer (die die Rennserie Nascar bevorzugen) für das Rennspektakel zu begeistern. Dafür wurde mit Chase Carey, einst rechte Hand von Rupert Murdoch bei News Corp. und Fox, ein Schwergewicht der Medienwelt verpflichtet. Dann, im Dezember 2016 verkaufte Malone den Pay-TV-Sender Starz für 4,4 Milliarden Dollar an das Hollywood-Studio Lionsgate.

Management

John Malone, eine, man kann fast sagen, legendäre Figur, gilt in der Branche als gefürchteter Verhandlungspartner, wegen seiner aggressiven Deals auch „Cable Cowboy“ genannt. Als einem der aktivsten Medienmanager der USA wird ihm nachgesagt, dass es ihm nicht um Macht geht, sondern ausschließlich um Geld. Laut Eigenaussage ist es ihm wichtig, in Wachstumsmärkte zu investieren, durch Übernahmen zum richtigen Zeitpunkt neue Geschäftsfelder zu erschließen, das Festgeldkonto aktiv zu managen sowie Unternehmen an die Gesellschaft des eigenen Unternehmens auszugründen. Insbesondere die flexible Firmenstruktur von Liberty Media macht das Unternehmen erfolgreich: Während andere nach Fusionen, Abspaltungen oder Beteiligungsübernahmen durchatmen, plant Malone den nächsten Deal.

Geschäftsfelder

Liberty Media Corporation

Liberty umfasst drei consolidated subsidiaries: Sirius XM Holdings Inc., Formula 1, Braves Holdings, LLC

An Sirius XM (New York, Chairman: Greg Maffei), dem größten kostenpflichtigen Satelliten-Radiosender der USA mit ca. 34,5 Millionen Abonnenten und mehr als 175 Kanälen, hält Liberty 71 Prozent. Dazu besitzt Liberty 5 Prozent von iHeart Media, einem der führenden Streaming-Radios.

Die Braves Holdings LLC ist eine 100-prozentige Liberty-Tochter. Dazu gehören das Major League-Baseball Team Atlanta Braves und das gleichnamige Stadion.

Die Formula One Group umfasst den Liberty-Anteil an der Formel-1-Rennserie und den am führenden Ticketing- und Konzertveranstalter der USA „Live Nation Entertainment, Inc.“.

Qurate Retail, Inc.

Das Herzstück von Qurate ist das Homeshopping-Segment von QVC, nach Amazon einer der größten Versandhändler der Welt. Die QVC-Sender werden von über 160 Millionen Haushalten weltweit empfangen. Das Unternehmen ist in Großbritannien, Deutschland und Japan vertreten. Dazu kommen sieben weitere retail brands wie das Home Shopping Network (HSN), zulily, Ballard Designs, Frontgate, Garnet Hill, grandinroad, Ryllace.

Aktuelle Entwicklungen

Zuletzt tauchte John Malone Ende Juli 2019 auf, in Deutschland etwa im Handelsblatt mit der Schlagzeile: „Der US-Konzern Liberty Media will die Formel 1 umkrempeln“. Worum es ging? Zweieinhalb Jahre nach dem teuren Kauf wollen die Eigentümer aus den USA nun für andere Verhältnisse sorgen, für Sport, Spiel, Spannung. Ein neues Regelwerk (das sogenannte „Concorde Agreement“, wie es bei der Formel 1 heißt) soll Anfang 2021 für mehr Wettbewerb, mehr Chancengleichheit, mehr Spannung sorgen. Die Autos sollen besser überholen können und die Kosten nicht ausufern, es soll mehr „fighting“ geben, neue Reifen und andere Sieger als immer nur Mercedes.

Auch im digitalen Bereich versucht man mehr - von Podcasts und Storys über Facebook, Youtube, Instagram bis hin zu einer E-Sports-Plattform. Es gibt einen eigenen Streamingdienst („F1 TV“) und auf Netflix die zweite Staffel der Serie „Formula One: Drive to Survive“. Anfallende Daten im Internet lässt man jetzt mit Partner Amazon verwerten. Der Fan, durchschnittlich 39 Jahre alt, soll besser verstanden werden.

Das Ziel: eine globale Medien- und Entertainment-Marke mit Vergnügungsgarantie. Die börsennotierte Formula One Group, die 2019 erstmals zwei Milliarden Dollar Umsatz geschafft haben dürfte, soll endlich damit anfangen, den enormen Einstiegsaufwand wieder einzuspielen.

Literatur

-   Mark Robichaux: Cable Cowboy: John Malone and the Rise of the Modern Cable Business, 2002.
-   L.J. Davis, The Billionaire Shell Game, New York 1998.