30. Lagardère Media

Umsatz 2018: € 7,258 Mrd.

Überblick

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Seit dem Verkauf der restlichen Anteile an EADS (Airbus Group) im April 2013 und somit dem Ausstieg aus dem Geschäft mit Rüstung, Luft- und Raumfahrt ist die Lagardère-Gruppe ein reiner Medienkonzern, aktiv in den Bereichen Presse, Verlage, Pressevertrieb, Sportrechte sowie Fernsehen, Radio und Multimedia. Lagardère ist in rund 30 Ländern vertreten und beschäftigt rund 30.000 Mitarbeiter.

Basisdaten

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Hauptsitz:
4, rue de Presbourg
75016 Paris
Telefon: 0033 1 40 69 16 00
lagardere.com

Branche: Buchverlage, Zeitungen, Magazine, Pressevertrieb, Radio, Spartensender, Satelliten-TV, TV-Produktion, Multimedia, Sportvermarktung
Rechtsform: Kommanditgesellschaft auf Aktien
Geschäftsjahr: 01.01. - 30.12.
Gründungsjahr: 1826 (Hachette), 1992 (Lagardère Groupe)

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. €)
2018201720162015201420132012
Umsatz Gesamt 7.2587.0847.3917.1907.1707.2167.370
Gewinn222214741852401.319106
Aktienkurs (in €, Jahresende)22,0226,9026,4027,4521,9027,0125,93
Beschäftigte 28.73828.88628.57529.53125.93323.76723.818
Tab. II: Medien-Umsatz nach Geschäftsfeldern (in Mio. €)
2018201720162015201420132012
Lagardère Book Publishing2.2522.2892.2642.2062.0042.0662.077
Lagardère Active8959299159629589961.014
Lagadère Services--------3.8143.7453.809
Lagardère Sports/Entertainment438454517515394409470
Lagardère Travel Retail3.6733.4123.6953.510------
Gesamt7.2587.0847.3917.1907.1707.2167.370

Geschäftsführung

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Management:

  • Arnaud Lagardère, General and Managing Partner, Lagardère SCA
  • Pierre Leroy, Co-Managing Partner, Lagardère SCA
  • Thierry Funck-Brentano, Co-Managing Partner, Lagardère SCA
  • Ramzi Khiroun, Spokesperson, Lagardère SCA; Chief External Relations Officer
  • Gérard Adsuar, Chief Financial Officer, Lagardère SCA
  • Arnaud Nourry, Chairman and CEO, Hachette Livre
  • Dag Rasmussen, Chairman and CEO, Lagardère Travel Retail
  • Constance Benqué, CEO, Lagardère News
  • Éric Thomas, General Counsel, Lagardère SCA
  • Isabelle Juppé, CSR Director, Lagardère SCA

Aufsichtsrat:

  • Susan M. Tolson
  • Jamal Benomar
  • Soumia Malinbaum
  • Xavier de Sarrau
  • Hélène Molinari
  • Aline Sylla-Walbaum
  • Patrick Valroff
  • Martine Chéne
  • Yves Guillemot
  • Francois David
  • Nathalie Andrieux
  • Georges Chodron de Courcel
  • Gilles Petit

Geschichte und Profil

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Louis Hachette (1800-1864) kaufte 1826 die Pariser Librairie Brédif und wurde so europäischer Marktführer im Geschäft mit Schulbüchern, Enzyklopädien, Reiseführern und Publikumszeitschriften. 1945 erschien erstmals das bis heute bekannteste Blatt des Hauses, die Frauenzeitschrift Elle. In Zusammenarbeit mit Henri Filipacchi entstand 1953 Le Livre de Poche, Frankreichs bestverkaufte Taschenbuch-Reihe; zudem kontrollierte Hachette seit den 1950er Jahren die Verlagshäuser Grasset, Fayard und Stock. 1986 übernahm Hachette den quotenstarken Radiosender Europe 1.

Jean-Luc Lagardère (1928-2003) wechselte 1963 von Dassault Aviation als Generaldirektor zum Rüstungskonzern Matra (Mécanique Aviation Traction) und wurde dort 1977 zum Firmenchef ernannt. 1980 übernahm Matra dann über 40 Prozent des Medienhauses Hachette. Zwei spektakuläre Firmenzusammenschlüsse folgten 1999. Matras Technologie- und Rüstungspol fusionierte mit der staatlichen Aerospatiale und im Oktober verschmolzen Aerospatiale-Matra und Daimler-Chrysler Aerospace (Dasa) zur European Aeronautic Defense and Space Company (EADS).

Lagardère, der Beamtensohn aus der Gascogne, ist heute eine französische Unternehmer-Legende, der Inbegriff des Familienkapitalisten. Erst Diplomingenieur, dann Waffenhändler, Medientycoon, Luftfahrt-Enthusiast, Frankreichs bedeutendster Pferdezüchter und stets auf Du mit all den Pariser Präsidenten und Premiers formte er aus einem mittelständischen Unternehmen ein globales Konglomerat. Und eigentlich blieb ihm nur eines verwehrt: ein eigener terrestrischer Fernsehkanal. Beim Privatisierungsrennen um den französischen Marktführer TF1 unterlag Lagardère 1987 dem (qua Profession sehr politiknahen) Bauunternehmer Francis Bouygues.

Der einzige Sohn Arnaud Lagardère (Jg. 1961) trat 1986 in das Unternehmen ein und wurde als Chef der Mediensparte an die Firmenleitung herangeführt. „Ich liebe meinen Sohn", hat Jean-Luc Lagardère gesagt, „und ich liebe mein Unternehmen. Beides zu verbinden ist für mich das Größte." Weiter: „Er ist ich, und ich bin er.“ Als Lagardère Senior 2003 nach einer eigentlich unkomplizierten Hüft-OP an einer Blutvergiftung stirbt, war die Nachfolge geregelt.

2006 begann Arnaud Lagardère eine weitreichende Neuordnung des Konzerns. Das Presse-Segment Hachette Filipacchi Médias (HFM) wurde mit Lagardère Active (TV, Radio, Internet) zur neuen medienübergreifenden Sparte Lagardère Active Media zusammengeführt. Das Geschäft mit der Regionalpresse rentierte sich  bald nicht mehr und Mitte August 2007 stieß Lagardère seine südfranzösischen Titel ab (darunter Nice-Matin, La Provence und Var Matin). Im Frühjahr 2011 schließlich wurde der Großteil von Lagardères „International Magazine Business“ für 606 Mio. Euro an die Hearst Corporation abgegeben. Im April 2013 wurde Lagardère vom Misch- zum reinen Medienkonzern: Für 2,3 Milliarden Euro wurden die letzten EADS-Anteile verkauft.

Management

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Es war kein Geheimnis, dass Arnaud Lagardère mit Industrie und Rüstung nie viel anfangen konnte. Innerhalb von zehn Jahren nach dem Tod seines Vaters hat er die Lagardère-Gruppe halbiert. Vom Pariser Finanz-Establishment wird er deshalb misstrauisch beobachtet; Kritiker werfen ihm vor nur ein blasses Abbild des Seniors und großen Konzernlenkers Jean-Luc zu sein. In seinen Reden auf den Hauptversammlungen bleibe er unverbindlich und blass und interessiere sich nicht wirklich für das Tagesgeschäft. Für die französische Öffentlichkeit wurde er zur Witzfigur als ein Making-of eines Fotoshootings mit ihm und dem 30 Jahre jüngeren Dessous-Model Jade Foret im Juli 2011 online gestellt wurde. Das Video wurde zum PR-Desaster und ließ große Teile der französischen Öffentlichkeit weiter an den Führungsqualitäten von Arnaud zweifeln.

Geschäftsfelder

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Lagardère Publishing
Hachette Livre ist der drittgrößte Bücherverlag der Welt und Marktführer in Frankreich, wo die Gruppe allein 40 Tochterverlage kontrolliert. Bekannteste Marken sind Schulbuchverlage wie Hatier und Larousse, auf Ratgeber spezialisierte Marken wie Hachette Pratique und Marabout oder der Comicverlag Éditions Albert-René, der die berühmte Asterix-Reihe herausgibt. In den USA betreibt Hachette den Ableger HBG der das Resultat der 2006 erfolgten Übernahme der Time Warner Book Group ist. Die Gruppe geriet 2014 im Zuge eines Disputs mit Amazon in die Schlagzeilen. Weil sich Hachette mit dem Online-Versandhandel nicht über die Preispolitik seiner E-Books einigen konnte, stoppte Amazon kurzerhand den Vorverkauf von Hachette-Titeln.

Lagardére Active
Die Active-Sparte umfasst unter anderem Magazine und Zeitschriften wie Elle und Paris Match, private Radiosender Europe 1 und Virgin Radio, den Kinder-TV-Kanal Gulli und das Gesundheits Onlineportal Doctissimo. Insgesamt betreibt Lagardère 24 Radio- und 16 TV-Sender sowie gibt 15 Magazine heraus.

Lagardère Sports and Entertainment
Lagardère ist einer der größten Sportvermarkter der Welt und in den Bereichen Stadium- und Eventmanagement, Rechtehandel und Live-Entertainment aktiv. So kontrolliert Lagardère beispielsweise die Medien- und Vermarktungsrechte an den Olympischen Spielen 2016 in Rio. 70 europäischen Fußball-Klubs, davon 15 aus der Bundesliga werden von Lagardère vermarktet. In Afrika und Asien hält das Unternehmen die Rechte am Afrika-Cup, bzw. Asien-Cup. Zudem managet der Konzern diverse Top-Tennis- und Golfspieler

Lagardère Travel Retail
Die Reise-Sparte von Lagardére umfasst im wesentlichen den Verkauf und Vertrieb von Zeitungen und Zeitschriften an Flughäfen. Das Unternehmen verkündete 2014 sich Schritt für Schritt aus dem Pressevertrieb zurückziehen zu wollen.

Aktuelle Entwicklungen

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Die Aktionäre beginnen sukzessive das Vertrauen in Arnaud Lagardère und seine Strategie zu verlieren. Im März 2016 fiel der Aktienkurs auf ein sieben Jahres-Tief, unter anderem auch weil der langjährige Finanzchef Dominique D'Hinnin überraschend das Handtuch geworfen hatte. D'Hinnin galt für viele als das wahre Hirn hinter Lagardère und als Absicherung für den von vielen als inkompetent wahrgenommenen Arnaud Lagardère. Inzwischen wird das Unternehmen als Übernahme-Kandidat gehandelt. Als möglicher Interessent gilt Vivendi, das auf enormen Cash-Reserven sitzt. Bislang scheint Arnauld Lagardère jedoch nicht verhandlungsbereit.

Die staatliche Qatar Holding ist mit mittlerweile 12,83% größter Lagardère-Aktionär. Was die Frage nach den weiteren Absichten von Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani aufwirft, Emir von Katar, Verwalter von Erdölmilliarden. Auch angesichts weiterer massiver Investitionen der Katarer in ganz Frankreich: In Bau- und Umweltkonzerne, in den Ölkonzern Total und in Immobilien von allerhöchstem Prestige (z.B. das Hotel Carlton in Cannes, das Hotel Royal Monceau in Paris, den Fußball-Klub Paris Saint-Germain). Lagardère zumindest wird der Scheich nicht komplett übernehmen können. Denn ein Gesetz verhindert, dass ein nicht-europäischer Investor mehr als 20% an einem französischen Unternehmen erwirbt, das einen landesweiten TV-Sender betreibt.

Inhalte

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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European Media Pluralism

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Mediadb.eu unterstützt die European Initiative for Media Pluralism

Partner

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Mediadb.eu wird gefördert vom medienboard Berlin-Brandenburg,

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dem Media Program der Open Society Foundations,

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der Bundeszentrale für Politische Bildung,

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der Rudolf Augstein Stiftung

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sowie der Stadt Köln

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dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie

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und dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V.