46. ITV plc

Umsatz 2015: £ 2,972 Mrd. (€ 4,095 Mrd.)

Überblick

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ITV ist das führende privatwirtschaftliche Free-TV-Unternehmen in Großbritannien. Zum Portfolio des Konzerns gehören diverse TV-Sender, Produktionsfirmen und Online-Portale.

Basisdaten

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Hauptsitz:
The London Television Centre, Upper Ground
London SE1 9LT, Großbritannien
Telefon: 0044-20-7620-2000
Telefax: 0044-20-7261-3520
Internet: www.itvplc.com    

Branche: Fernsehsender, Produktion, Vertrieb, Rechtehandel
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01.-31.12.
Gründungsjahr: 2003 (1934 Granada, 1985 Carlton)

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. £)
20162015201420132012201120102009200820072006
Umsatz3.0642.9722.9562.7532.5462.4322.0461.8792.0292.0802.181
Gewinn*857865730620520462408202211188375

Aktienkurs (in

Pence, Jahresende)

203,20271,86212,33191,69103,6768,1570,0552,3539,7585,40106,50
Mitarbeiter6.1216.2385.2174.6524.0593.9583.9474.5195.2325.6345.788

*Operating EBITA

Geschäftsführung

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Management:

  • Ian Griffiths, Chief Operating Officer and Finance Chief
  • Mary Fagan, Group Communications and Corporate Affairs Director
  • Andrew Garard, Group Legal Director and Company Secretary
  • Kevin Lygo, Director of Television
  • Simon Pitts, Managing Director, Online, Pay-TV, Interactive & Technology
  • David Osborn, Human Resources Officer
  • Kelly Williams, Managing Director of Commercial
  • Julian Bellamy, Managing Director, ITV Studios

 

Aufsichtsrat:

  • Sir Peter Bazalgette, Endemol UK
  • Adam Crozier, ITV
  • Ian Griffiths, ITV
  • Andy Haste, RSA Insurance Group
  • John Ormerod, Tribal Group plc
  • Roger Faxon, EMI Music
  • Mary Harris, Reckitt Benckiser Group
  • Anna Manz, Diageo

Geschichte und Profil

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Die Geschichte von ITV ist die Geschichte der Konsolidierung des privaten britischen Fernsehmarktes. 1954/55 wurde das „Independent Television“ als werbefinanzierte Alternative zur öffentlich-rechtlichen BBC eingeführt, aufgeteilt in 15 regionale Lizenzen, die wie das deutsche ARD-Fernsehen ein Gemeinschaftsprogramm mit regionalen Fenstern zu bilden hatten. ITV gilt als kommerzieller Sender gleichwohl als „Public Service Broadcaster“ und muss quasi-öffentlich-rechtliche Auflagen hinsichtlich Umfang, Qualität und Ausgewogenheit von Nachrichten- und Informationsprogrammen erfüllen. Bis Ende der 1990er Jahre hatten sich hier zwei Medienunternehmen durchgesetzt: Granada und Carlton kontrollierten 11 der 15 ITV-Lizenzen.

Granada war 1934 gegründet worden, um eine Kette von Kinos zu übernehmen. Ein Jahr später erfolgte der Börsengang, und bis in die 1970er Jahre, als aus Filmpalästen Bingo-Schuppen wurden, gehörte das Unternehmen zu den größten landesweiten Kinobetreibern. Gleich mit der Einführung von ITV stieg Granada 1954 mit der Lizenz für den Norden Englands ins Fernsehgeschäft ein: Granada Television sendete von Manchester aus, erfand die Daily Soap („Coronation Street“ läuft seit 1960) und war eines der profitabelsten TV-Unternehmen Großbritanniens.

Carlton hatte in der Druckbranche begonnen und wechselte Mitte der 1986 in die Film- und Fernsehproduktion (Post Production, Special Effects). Dies gelang mit dem Kauf eines 20 Prozent-Anteils am ITV-Sender Central. Nach der ersten Deregulierung des TV-Marktes durch die Regierung Thatcher erhielt Carlton bei der Neuvergabe der Lizenzen 1991 den Regionalmarkt London. Dort lancierte sie das neue Programm "Carlton Broadcasting". 1993 übernahm Carlton die restlichen 80 Prozent von Central TV. Bis 2000 kamen noch vier weitere ITV-Lizenzen dazu.

Carlton und Granada hatten schon seit 1998 beim Aufbau einer eigenen digitalen Pay-TV-Plattform kooperiert, doch ONdigital wurde einer der größten Flops der britischen Mediengeschichte. Im April 2002 wurde das noch kurz zuvor in ITV Digital umbenannte Projekt abgeschaltet. Die beiden Unternehmen hatten zusammen rund eine halbe Milliarde Pfund vernichtet.

Parallel zur Kooperation hatten Carlton und Granada über eine Fusion verhandelt - zunächst jedoch mit wenig Erfolg. Ein Firmenzusammenschluss hätte kaum den damals gültigen Kartellvorschriften entsprochen. Die Lage änderte sich als die Regierung von Tony Blair im Mai 2002 ein deutlich liberalisiertes Mediengesetz verabschiedete: Bislang durfte ein TV-Unternehmen maximal 15 Prozent aller Werbebuchungen im Free-TV-Bereich auf sich vereinigen. Im Umkehrschluss bedeutete dies, dass die Beherrschung des ITV-Verbundes durch ein großes Medienunternehmen tabu war. Doch diese Vorschrift wurde nun genauso gekippt wie die Aufteilung des Ballungsraums London auf zwei ITV-Lizenzen für den Werktag bzw. das Wochenende. Der Weg zum einheitlichen ITV war frei, im Oktober war die sechs Milliarden Pfund schwere Fusion von Granada und Carlton perfekt. Allerdings dauerte es wegen Prüfungen der Kartellbehörden noch knapp anderthalb Jahre, bis Aktien der ITV plc erstmals am 2. Februar 2004 an der Londoner Börse gehandelt wurden.

Nachdem das Unternehmen zwischenzeitlich hart von der Finanzkrise und sinkenden Werbeeinnahmen getroffen wurde, gelang 2011 unter dem neuen CEO Adam Crozier der Umschwung. Anfang 2013 war die wirtschaftliche wieder dermaßen positiv, dass öffentlich über ITV plc als heißen Übernahmekandidaten in Europa spekuliert wurde. Seit 2005 sich der Aktienkurs des britischen Medienunternehmens fast verdoppelt. Zeitgleich mit diesen Spekulationen gab ITV plc die Zahlung einer Sonderdividende in Höhe von rund 156 Millionen Pfund bekannt.

Im Jahr 2013 kaufte ITV plc in verschiedenen Märkten Produktionsfirmen. Das bisher unabhängige Fernsehproduktionsunternehmen The Garden wurde im April für rund 18 Millionen Pfund gekauft. Es folgten Beteiligungen an den US-amerikanischen Produktionsfirma High Noon Entertainment, Thinkfactory Media und Big Talk Productions sowie DiGa Vision.

Management

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Seit Anfang 2010 ist Adam Crozier als Nachfolger des erfolglosen Michael Grade CEO von ITV. Crozier gilt als Multitalent: Zuvor leitete er die Tierfutter-Abteilung des Lebensmittelkonzerns Mars, den englischen Fußballverband The Football Association (The FA), die britische Post (Royal Mail) und die Werbeagentur Saatchi & Saatchi. Dafür, dass er ITV in Folge der Finanzkrise wieder in ruhige Fahrwässer führte und den Gewinn um 30 Prozent erhöhte, erhielt er im 2013 ein Gehalt von 8,4 Millionen Pfund inklusive Boni und Aktienpaketen. Den ITV-Angestellten wurde im selben Jahr jedoch nur eine zweiprozentige, unter dem Inflationsniveau liegende Gehaltserhöhung, woraufhin es zu Streikdrohungen kam.

Crozier hat sich in der britischen Debatte über eine Reform der öffentlich-rechtlichen BBC öffentlich als größter Gegner der Anstalt positioniert. So ist er mehrfach vor der Medienkommission des House of Commons erschienen und forderte ITVs größter Wettbewerber sollte seine Unternehmenszentrale in London verkaufen, große Teile seines Managements entlassen, diverse BBC-Sender fusionieren und sämtliche internationale Aktivitäten einstellen. Die Einstellung von BBC 3 hingegen kritisierte er und unterstellte der Anstalt, absichtlich ein beliebten Sender eliminiert zu haben, um die Öffentlichkeit gegen weitere, in seinen Augen notwendigen, Kürzungen abzuschrecken. ITV, dass in den vergangenen Jahren massive Rückgänge der Einschaltquoten hinnehmen musste, kämpft um jeden Zuschauer. Auch deshalb fordert Crozier immer wieder eine Einschränkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Der Medienkommission sagte er: "Die Idee, dass die BBC jährlich vier Milliarden Pfund an öffentlichen Geldern erhält und dabei nicht erwartet, dass wir eine Debatte führen müssen, wie das Geld ausgegeben wird, ist absurd."

Geschäftsbereiche

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ITV plc ist seit der Verschmelzung der Konzerne Granada und Carlton in nur noch zwei Geschäftsfelder (Broadcast & Online, ITV Studios) aufgeteilt. Von Unternehmensbeteiligungen im Post-Produktions- (Moving Picture Company), Verlags- (Carlton Books) und Kinowerbungs-Bereich (Carlton Screen Advertising, Screenvision) trennte sich ITV plc in den letzten Jahren und konzentrierte sich auf seine beiden Kerngeschäftsfelder.

Die ITV-Senderfamilie (Hauptsender ITV sowie ITV 2-4, CITV, ITV Be und ITV Encore) hatte 2015 einen Marktanteil von mehr als 21 Prozent. Fast die Hälfte (46,1 Prozent) der gesamten britischen TV-Werbespots wurde 2015 im ITV-Programm geschaltet. Der Konzern investiert jährlich etwa eine Milliarde in die Produktion seiner Formate. Die ITV-Shows sind auch online über die VOD-Plattform ITV Hub einsehbar.

ITV Studios betreibt Produktionsstätten in Großbritannien, den USA, Niederlanden (Talpa Media), Frankreich, Deutschland, Australien und Skandinavien. ITV Studios UK ging aus der Granada Media Group und produziert heute nicht nur für die ITV-Sender, sondern auch für BBC, Sky, Channel 4 und Channel 5. ITV America ist hingegen die größte unabhängige Produktionsfirma für Reality TV in den USA. Insgesamt versorgen die internationalen ITV-Ableger jährlich weltweit 90 Sender mit mehr als 7000 Stunden an TV-Inhalten.

Engagement in Deutschland

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Der Markteintritt auf dem deutschen Fernsehmarkt fand im Jahr 2000 mit der Gründung der Granada Produktion für Film- und Fernsehen GmbH (mittlerweile umbenannt in ITV Studios Germany) statt. Zu den Kunden gehören sowohl die öffentlich-rechtlichen als auch die kommerziellen Fernsehsender. Die in Berlin und Köln ansässige Firma produziert mit „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ (RTL) die deutsche Version von „I’m a celebrity…“, sowie Formate wie „Let’s Dance“ (RTL) oder „Das perfekte Dinner“ (Vox). Neben diesen Non-fiktionalen Programmen stellen die ITV Studios Germany auch fiktionale Programme wie "Der letzte Bulle" (SAT.1) her. 2008 übernahm ITV zudem 50,1 Prozent der Anteile an der Produktionsfirma Imago TV.

Aktuelle Entwicklungen

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Trotz glänzender wirtschaftlicher Lage befinden sich ITVs Einschaltquoten seit geraumer Zeit im Tiefflug. Im ersten Quartal 2015 gab es einen sechsprozentigen Rückgang an Marktanteilen im ITV-Hauptprogramm. Experten und Investoren sind zunehmend skeptisch, ob sich der Sender aus dem Loch befreien kann: Die letzte Staffel der auch international enorm populären Serie "Downton Abbey", ITVs größtem Hit der letzten Jahre, lief Ende 2015 und die quotenträchtigen Übertragungsrechte der Champions League liegen mittlerweile bei BT. ITV versuchte den beliebten ehemaligen Moderator der BBC-Sendung "Top Gear", Jeremy Clarkson, zu engagieren, scheiterte jedoch an einer Klausel, die es ihm verbot bei ITV anzuheuern. Stattdessen wird Clarksons Show nun von Amazon produziert.

Den Rückgang der Einschaltquoten lässt sich zum Teil auch durch die veränderten Sehgewohnheiten jüngerer Zuschauer erklären. Deshalb will ITV seine VOD-Plattform ITV Hub in den kommenden Jahren weiter ausbauen. ITV Hub hat mit elf Millionen registrierten Nutzern deutlich mehr User als der britische Netflix-Ableger (fünf Millionen Nutzer, Stand März 2016). Doch ITV befindet sich in ersten Verhandlungen mit Rivale BBC über den Launch eines gemeinsamen, globalen Streamingportal, um Netflix Konkurrenz zu machen. ITV könnte mit den Abo-Gebühren sinkende Werbeerlöse ausgleichen und die BBC mit dem Verkauf ihres Content die Gebührenzahler entlasten.

Literatur

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  • Johnson, Catherina/Turnock, Rob (2005): ITV Cultures: Independent Television Over Fifty Years. Maidenhead : Open University Press.
  • Mark, Sebastian (2011): The Brighter Side. Eine Analyse der Markenführung des Senders ITV 1. In: Förster, Kati (Hrsg.): Strategien erfolgreicher TV-Marken : Eine internationale Analyse. Wiesbaden: VS Verlag, S. 97-113. DOI 10.1007/978-3-531-92836-4_5
  • Medhurst, Jamie (2010): A History of Independent Television in Wales. Cardiff: University of Wales Press.
  • Potschka, Christian (2012): Towards a Market in Broadcasting. Communications Policy in the UK and Germany. Basingstoke: Palgrave Macmillan. DOI: 10.1057/9780230370197

News

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09.06.10 / ARD, ZDF, TF1 S.A., France Télévisions S.A., Walt Disney Corp., BBC, ITV plc

WM-Rechte: Medienkonzerne geben Rekord-Summen aus

13.03.09 / BBC, ITV plc

ITV und BBC bestätigen Kooperation

Inhalte

Ranking - Die 50 größten Medienkonzerne 2015*

  1. Alphabet Inc.
  2. Comcast
  3. The Walt Disney Company
  4. News Corp. Ltd. / 21st Century Fox
  5. AT&T Entertainment Group (DirecTV)
  6. Time Warner Inc.
  7. Viacom Inc./CBS Corp.
  8. Sony Entertainment
  9. Apple Inc.
  10. Altice Group
  11. Bertelsmann SE & Co. KGaA
  12. Cox Enterprises Inc.
  13. Facebook, Inc.
  14. Liberty Media Corp./Liberty Interactive/Starz
  15. Tencent Holdings Ltd.
  16. Dish Network Corporation
  17. Thomson Reuters Corporation
  18. Vivendi S.A.
  19. The Hearst Corporation
  20. Rogers Comm.
  21. Baidu Inc.
  22. Microsoft Corporation
  23. Charter Comm. Inc.
  24. RELX Group
  25. Bloomberg L.P.
  26. Lagardère Media
  27. BBC
  28. ARD
  29. Pearson plc
  30. Netflix
  31. Advance Publications
  32. Amazon.com Inc.
  33. Discovery Communications
  34. iHeart Media
  35. Nielsen Holdings plc
  36. Shanghai Media Group
  37. The Naspers Group
  38. Nippon Hoso Kyokai
  39. Grupo Televisa
  40. S&P Global
  41. Fuji Media Holdings, Inc.
  42. Yahoo! Inc.
  43. Globo Communicação e Participações S.A.
  44. Wolters Kluwer nv
  45. Activision Blizzard Inc.
  46. ITV plc
  47. Electronic Arts
  48. Verizon (AOL)
  49. Nintendo Company Ltd.
  50. Mediaset SpA
  51. Axel Springer SE
  52. ProSiebenSat.1 SE
  53. Phoenix Publishing & Media Group
  54. France Télévisions S.A.
  55. Nippon Television Holdings
  56. IAC/InterActiveCorp.
  57. Time Inc.
  58. Bonnier AB
  59. TEGNA
  60. Quebecor Inc.
  61. Grupo Clarin
  62. Scripps Networks Interactive
  63. Gannett Co. Inc.
  64. Tokyo Broadcasting System Holdings, Inc.
  65. Univision Communications
  66. Daily Mail & General Trust plc
  67. RAI Radiotelevisione Italiana Holding S.p.A.
  68. Bandai Namco Holdings Inc.
  69. Graham Holdings Company
  70. Bauer Media Group
  71. Hubert Burda Media Holding Gmbh & Co.
  72. China Central Television
  73. ZDF
  74. Lionsgate Entertainment Corporation
  75. Bell Media
  76. TF1 S.A.
  77. Twitter
  78. Hunan Broadcasting System
  79. Spotify AB
  80. tronc, Inc.
  81. Modern Times Group
  82. Georg von Holtzbrinck GmbH
  83. Sanoma Group
  84. Schibsted Media Group
  85. Grupo Planeta
  86. Egmont Group
  87. John Wiley & Sons, Inc.
  88. SRG SSR
  89. Asahi Shinbun Company
  90. Tribune Media
  91. Essel Group
  92. Scholastic Corporation
  93. NOS
  94. Meredith Corporation
  95. New York Times Company
  96. Gazprom-Media
  97. Grupo PRISA
  98. China Publishing Group
  99. Ubisoft Entertainment
  100. De Persgroep