7. Charter Comm. Inc.

Umsatz 2018: $ 43,620 Mrd. (€ 36,930 Mrd.)

Überblick

Charter Communications ist der zweitgrößte Kabelnetzbetreiber der USA (nach Comcast) und versorgt 28,1 Mio. Kunden unter dem Spectrum-Brand mit TV-, Internet- und Telefondiensten.

Basisdaten

Hauptsitz:  
400 Atlantic Street
Stamford, Connecticut 06901
USA
Telefon: 001 203 9057801
Internet: ir.charter.com

Branchen: Kabelnetze, Internet-Service, Video-on-Demand
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1993

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. US-Dollar)
201820172016

Umsatz

43.63441.58129.003
Gewinn (Verlust) nach Steuern1.2309.8951.457
Aktienkurs (in US-$, Jahresende)285,08338,03287,92
Beschäftigte98.00094.80091.500

 

Tab. II: Umsatz nach Geschäftsfeldern (Beträge in Mio. US-Dollar)

Branche/JahrVideoInternetVoiceAdvertising SalesCommercial
201611.9559.2702.0051.2353.923
201716.62114.1012.5421.5105.920
201817.34815.1812.1141.7856.193

Geschäftsführung

Management:

  • Thomas M. Rutledge, President and Chief Executive Officer
  • John Bickham, President and Chief Operating Officer
  • Christopher L. Winfrey, Chief Financial Officer
  • David G. Ellen, Senior Executive Vice President
  • Tom Adams, Executive Vice President, Field Operations
  • Mike Bair, Executive Vice President, Spectrum Networks
  • James Blackley, Executive Vice President, Engineering and Information Technology
  • Catherine Bohigian, Executive Vice President, Government Affairs
  • Richard J. DiGeronimo, Chief Product and Technology Officer
  • Richard Dykhouse, Executive Vice President, General Counsel and Corporate Secretary
  • Charles Fisher, Executive Vice President, Corporate Finance and Development
  • Cliff Hagan, Executive Vice President, Customer Operations
  • Jonathan Hargis, Executive Vice President and Chief Marketing Officer
  • Kevin D. Howard, Executive Vice President, Chief Accouting Officer and Controller
  • David Kline, Executive Vice President, President Spectrum Reach
  • Paul Marchand, Executive Vice President, Human Resources
  • Philip G. Meeks, Executive Vice President, President Spectrum Enterprise
  • Stephanie Mitchko, Executive Vice President, Chief Technology Officer
  • Tom Montemagno, Executive Vice President, Programming Acquisition
  • James Nuzzo, Executive Vice President, Financial and Business Planning
  • Scott Weber, Executive Vice President, Network Operations

 

Board of Directors

  • Thomas Rutledge, Charter Communications
  • W. Lance Conn, Vulcan Capital
  • Kim C. Goodman, American Express Company
  • Craig A. Jacobson, Hansen, Jacobson, Teller, Hoberman, Newman, Warren, Richman, Rush and Kaller L.L.P
  • Gregory B. Maffei, Liberty Media Corporation
  • John C. Malone, Liberty Media Corporation
  • John D. Markley, Jr., Bear Creek Capital Management
  • David C. Merritt, BC Partners Inc.
  • James E. Meyer, Sirius XM Hodings
  • Steve A. Miron, Advance Communication, Bright House Networks
  • Balan Nair, Liberty Global
  • Michael A. Newhouse, Advance/Newhouse Companies
  • Mauricio Ramos, Millicom International Cellular
  • Eric L. Zinterhofer, Searchlight Capital Partners

Geschichte

Charter Communications (CC) startete 1993 als lokaler Kabelnetzbetreiber in St. Louis (Missouri), übernahm Gaylord Entertainment Co. aus Nashville (Tennessee) und stieg schnell zum zehntgrößten Kabelnetzbetreiber der USA auf. Im Jahr 1998 wurde CC, nachdem es die Marcus Cable Company aus Dallas (Texas) für 2,77 Mrd. Dollar gekauft hatte, für 4,5 Mrd. $ von der Investmentfirma Vulcan Inc. übernommen. Hinter Vulcan steckte der Microsoft-Mitbegründer und, laut dem US-Magazin Forbes, zeitweise drittreichste Mann der Welt, Paul G. Allen. Allen zog sich krankheitsbedingt 1983 aus dem operativen Geschäft bei Microsoft zurück und begann, nach dem Teilverkauf seiner Microsoft-Anteile, in verschiedene New Media-Firmen zu investieren. Nachdem 1993 sein Versuch gescheitert war, den damaligen „Narrowband"-Branchenführer AOL zu übernehmen, richtete er Mitte der 1990er Jahre sein Augenmerk auf das Kabelnetz, um im Breitband-Segment Marktführer zu werden. Allen versuchte, mit dem Kauf der beiden Kabelnetzbetreiberfirmen seine Vision der „verkabelten Welt" („Wired World") umzusetzen, in der jeder Mensch über PC und ein Breitbandkabel unzählige interaktive Informations- und Unterhaltungsmöglichkeiten nutzen kann.

Der Aufstieg von Charter vollzog sich rasant. 1999 ging CC an die Börse, 2001 wurde es in den Nasdaq 100-Index aufgenommen und galt als der Aufsteiger des Jahres in der Technologiebranche. Zwischen 1999 und 2000 expandierte das Unternehmen, indem es mehrere lokale Kabelnetzbetreiber übernahm. Mit dem Zusammenbruch der New Economy begannen aber für Charter, dessen Schuldenberg zeitweise auf knapp 20 Milliarden Dollar anstieg, die Probleme. Hatte der Konzern 2001 noch den „Outstanding Corporate Growth Award" der Association of Corporate Growth gewonnen, musste Charter auf Grund von Unregelmäßigkeiten in den Geschäftsberichten der Jahre 1999 und 2000 insgesamt 144 Mio. Dollar an klagende Aktionäre zahlen. Zwischen 2002 und 2003 verbuchte das Unternehmen infolge hoher Abschreibungen erhebliche Verluste. Um diese aufzufangen, bot Chairman Paul Allen aus seinem Privatvermögen 300 Millionen Dollar als Darlehen an und tauschte seine Führungsebene aus; gehen musste auch Carl A. Vogel, der Präsident und Chief Executive von 2001-2004, in dessen Amtszeit Charter geschätzte 800.000 Kunden verlor.

Nur die Unterstützung einiger Großbanken rettete den Konzern vor dem endgültigen Bankrott. Doch ein Kredit über acht Milliarden Dollar Anfang 2004 sowie Restrukturierungsmaßnahmen reichten auch in den nächsten Jahren nicht aus, um Charter wieder in die Gewinnzone zu bringen. 2006 verlor die Aktie innerhalb von 11 Monaten 90 Prozent ihres Wertes. Das Unternehmen verstärkte daraufhin seine Konsolidierungsbemühungen. Von einem neuen Marketingkonzept und der Bevorzugung von „high return investments“, also Ausgaben mit einem hohen Rücklauf der Kosten innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums, erwartete sich die Firmenspitze positive Akzente. Doch lediglich bei den Highspeed-Internet-Anschlüssen mit seinen hohen Zugangsgeschwindigkeiten und Datendurchgangsraten sowie der Internetelefonie verzeichnete das Unternehmen aber Zuwächse. Die enormen Investitionen in die Verbesserung des Kabelnetzes brachten jedoch erst langfristig Gewinn.

Dazu kam ein Konflikt mit den großen US-Hollywood-Studios 2004/2005, die sich von den Netzbetreibern in Sachen Filmrechte-Vermarktung im Kabel das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen wollten: So rollten 2004 die ersten Klagewellen der Motion Picture Association of America (MPAA) gegen die Nutzer von Filmtauschbörsen an. Allerdings urteilten die Gerichte, dass allein Verdachtsmomente keinen Zwang für einen Internet Provider bedeuten, die Daten von Nutzern herauszugeben. Damit wurde Charter nicht für eventuelle Copyright-Verstöße seiner Nutzer verantwortlich gemacht. Allerdings ging die RIAA bald daraufhin dazu über, Anklage gegen Unbekannt einzureichen. Seit 2005 muss auf Verlangen des Gerichts ein Provider in Einzelfällen seine Daten offenlegen.

Am 27. März 2009 erklärte Charter in New York seinen Konkurs nach Chapter 11 (unter Gläubigerschutz) zur Restrukturierung. 21,7 Milliarden Dollar Schulden konnten aus den bestehenden Geschäften nicht mehr refinanziert werden. In der Folge wurde ein Restrukturierungsplan eingereicht, der vorsah, acht Milliarden Dollar Schulden in Aktien umzuwandeln. Damit war das Konkursverfahren beendet und Charter wieder handlungsfähig.

In den folgenden Jahren konnte sich Charter im Zuge der Übernahmen von Kabelnetzen in Montana, Wyoming, Colorado und Utah, die Konkurrent Cablevision abgekauft wurden, breiter aufstellen. Der wohl wichtigste stabilisierende Faktor war der Einstieg von Kabelbaron John Malone, der 27,3 Prozent der Anteile übernahm und diese später in seine Holding Liberty Broadband Corporation überführte.

Malone war auch die treibende Kraft hinter einer der größten Übernahmen der damaligen Medienkonzerngeschichte. Regulierungs- und Kartellbehörden erlaubten Malone für insgesamt 78,7 Milliarden Dollar seinen zweitgrößten Konkurrenten, Time Warner Cable sowie Bright House Networks zu übernehmen und seinen Kundenstamm mit einem Schlag auf rund 23,5 Millionen zu vervielfachen. Die Obama-Administration, die zuvor Comcast den Kauf von Time Warner Cable untersagt hatte, sorgte damit für eine weitere Konsolidierung des Kabelmarktes – in der Hoffnung, dass ein erstarktes Charter im Duell mit Comcast für mehr Wettbewerb sorgen wird. Der Merger wurde am 18.5.2016 abgeschlossen.

Management

Charter-CEO Thomas Rutledge war schon immer der Überzeugung, dass sein Unternehmen langfristig nur bestehen kann, wenn es durch Zukäufe wächst. Als Investor und Kabelveteran John Malone bei Charter einstieg, bildeten die zwei sofort eine Allianz mit dem Ziel Charter zur Nummer Zwei auf dem Kabelmarkt zu machen. Rutledge, der als Quiz-Fan mit Vorliebe für Geschichtsthemen gilt, hat das Kabelgeschäft von der Pike auf gelernt und begann seine Karriere im Vergleich zu den meisten seiner Wall Street-Freunde als einfacher Mitarbeiter, der in Pittsburgh Kundentermine wahrnahm und Kabel verlegte. Später arbeitete er im Management von unter anderem Cablevision (das er im Streit mit der Dolan-Familie verließ) und Time Warner Cable. Bei letzterem Unternehmen wurde er 2001 für viele überraschend bei der Wahl zum CEO übergangen. 15 Jahre später kaufte er das Unternehmen dann einfach selbst.

Geschäftsbereiche

Charter ist heute der zweitgrößte Kabelkonzern in den Vereinigten Staaten und einer der führenden Breitbandanbieter für etwa 28,1 Millionen Haushalte und kleinen/mittelständischen Geschäftskunden in 41 US-Staaten. Das alles unter der Marke „Spectrum“, die Kabelfernsehen (über 200 HD-Sender, plus Premium channels wie HBO und Showtime), Internet, Festnetz- und Mobiltelefonie anbietet. Nur einen Bruchteil des Umsatzes generiert Charter hingegen mit der Integrierung von lokaler Werbung in das Programm von Kabelsendern wie MTV, CNN oder ESPN.

Aktuelle Entwicklung

2018 gab es den Konflikt mit der „New York Public Service Commission“, die gegen Charter eine Geldbuße von 2 Millionen Dollar verhängte. Der Kabelbetreiber war der Verpflichtung nicht nachgekommen, das Breitbandangebot auszuweiten, für 145.000 unterversorgte Wohneinheiten in New York (über einen Zeitraum von 4 Jahren mindestens 36.250 neue Einheiten pro Jahr). Eine Verpflichtung, die man im Zusammenhang mit dem Erwerb von Time Warner Cable eingehen musste. Die Kommission drohte mit der Möglichkeit weiterer Regulierungsmaßnahmen, einschließlich des Widerrufs ihrer Kabelkonzessionen.

Am 27. Juli dann zog die NYPSC ihre Genehmigung für den Kauf von TWC durch Charter zurück. Die Franchise im Bundesstaat New York wurde somit aufgehoben (wegen wiederholter Nichteinhaltung der im Rahmen des TWC-Kaufs zugesagten Expansionsfristen). Innerhalb von 60 Tagen sollte Charter einen Plan zur Veräußerung und Migration seiner Kabelaktivitäten im Bundesstaat New York (die rund 2 Millionen Kunden bedienen) an neue Eigentümer unterbreiten.

Im April 2019 war klar: Es gibt eine Lösung und neue Konditionen. Ein Ausbau für 145.000 Wohneinheiten bis zum 30. September 2021. Und die Zahlung von 12 Millionen Dollar in einen Fonds für Breitbandausbauprojekte. Zu den Befürwortern zählt hingegen Netflix. Das führende Streamingportal, dem innerhalb der Obama-Administration und der FCC großer Einfluss nachgesagt wird, steht hinter der Übernahme, da Charter sich (im Gegensatz zu Comcast) öffentlich als Vertreter des Netzneutralitätsprinzip positioniert hat. Das bedeutet für Streaminganbieter wie Netflix oder Hulu, dass sie keine zusätzlichen Übertragungsgebühren an Charter entrichten müssten. Netflix sah sich zuvor gezwungen, eine unbestimmten Betrag an Comcast zu entrichten, um seinen Dienst einwandfrei an die Comcast-Kunden streamen zu können.