26. Bloomberg L.P.

Umsatz 2018: $ 10,000 Mrd. (€ 8,467 Mrd.)

Überblick

Bloomberg L.P. ist ein globaler Informationsdienstleister, dessen Service hauptsächlich aus der Übermittlung von Finanzdaten besteht. Mit seinen sogenannten Terminals, auch bekannt als Professional Service, bietet Bloomberg rund 330.000 Nutzern weltweit eine einheitliche Plattform an, über die diverse Finanz- und Marktinformationen abgerufen werden können. Zu dem Medienunternehmen gehören außerdem weitere Informationsdienste, eine Nachrichtenagentur, ein Fernsehprogramm, Radiosender, ein Verlag und Onlinedienste. Bloomberg beschäftigt in 192 Ländern rund 20.000 Mitarbeiter. Michael Bloomberg ist mit einem Anteil von ca. 90 Prozent nicht nur Gründer sondern auch Haupteigner des Unternehmens. Nach seiner Wahl zum Bürgermeister von New York zog sich Bloomberg 2001 aus der Unternehmensführung zurück, ehe er 2014 nach drei Amtszeiten als CEO und Präsident zu Bloomberg L.P. zurückkehrte.

Basisdaten

Hauptsitz:
731 Lexington Avenue
New York, NY 10022
USA
Telefon: 001 212 3182000
Internet: bloomberg.com

Branche: Nachrichtenagentur, Internet-Dienste, Free-TV, Radio, Zeitschriften, Buchverlag
Rechtsform: Private Company
Geschäftsjahr: 01.01.-31.12.
Gründungsjahr: 1981

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. US-Dollar)
2018201720162015201420132012
Umsatz*10.0009.6009.2009.0009.0009.0007.920

Bloomberg hat aktuell über 15.000 Beschäftigte.
*Schätzungen. Das Unternehmen ist nicht börsennotiert, offizielle Zahlen sind entsprechend schwer erhältlich.

2012: Quelle Financial Times
2013: Quelle New York Times
2014: Quelle Business Insider
2015: Quelle Recode.net
2016: Quelle New York Post
2017: Quelle Forbes
2018: Quelle Burton Taylor International Consultung

http://online.wsj.com/article/SB10001424052970203537304577031870359843842.html

Geschäftsführung

Management:

  • Michael Bloomberg, President, CEO
  • Elizabeth Mazzeo, Chief Operating Officer
  • Thomas Secunda, Global Head of Financial Products and Services
  • John Micklethwait, Editor in Chief, Bloomberg News
  • Gregory C. McCaffery, Chief Executive Officer, Bloomberg Law
  • Richard DeScherer, Chief Legal Officer
  • Justin B. Smith, Chief Executive, Bloomberg Media Group

 
Aufsichtsrat:

  • Thomas Secunda, Bloomberg
  • Matthew Winkler, Bloomberg
  • Richard DeScherer, Bloomberg
  • Peter Grauer, Chairman of the Board, DaVita HealthCare
  • Arthur Levitt Jr., Goldman Sachs
  • Jane Quinn, Main Street Connect
  • Frank Savage, Savage Holdings
  • Martin Geller, Geller & Company

Geschichte

Michael Bloomberg (*14.2.1942) war schon früh klar, dass der weltweite Wirtschaftsjournalismus durch die Globalisierung eine Blütezeit erleben sollte. Er gründete 1981 das Unternehmen Innovative Marketing Systems und begann daraufhin mit der Vermarktung des Bloomberg Terminals: ein Datenmonitor, der "real-time market data, financial calculations and other financial analytics“ v.a. für Wall Street-Firmen bereitstellte. Die finanziellen Mittel für das Projekt stammten aus den geschätzten 10 Millionen Dollar Abfindung, die Bloomberg nach seinem Ausscheiden bei Salomon Brothers erhielt. Seit Mitte der siebziger Jahre war Bloomberg dort als Leiter des Aktienhandels tätig gewesen. Er verließ das Unternehmen kurz nach dessen Privatisierung.

Der Finanzdienstleister Merrill Lynch & Co., Inc. wurde mit dem Kauf mehrerer Bloomberg Terminals der erste Kunde und sicherte sich 1985 für 39 Millionen Dollar einen 30-prozentigen Anteil am Unternehmen. Mit dem Einstieg von Merill Lynch begann auch die Serienproduktion der Bloomberg Terminals. Die Maschinen stehen heute weltweit in rund 330.000 Büros und Privatwohnungen, im Vatikan wie in der Redaktion der „New York Times“, und machen dank einer Jahresmiete pro Terminal von derzeit 24.000 Dollar etwa 85 Prozent des Umsatzes aus.

Die 1980er Jahre waren die erste Hochphase. Der Finanzdatenhandel wurde zum Kernsegment des Unternehmens, welches im Jahre 1986 in Bloomberg L.P. umbenannt wurde. Auch den Aktien-Crash 1987 überstand man relativ unbeschadet, in der Folgezeit wurden Auslandsbüros in London und Tokyo eröffnet.

Da Bloomberg am Anfang nur ein geringes Werbebudget zur Verfügung stand, gründete er 1990 die Nachrichtenagentur Bloomberg Business News, um dadurch eine höhere Medienpräsenz zu erreichen. Eine eigens eingerichtete Redaktion rekrutierte namhafte Journalisten, unter anderem vom Wall Street Journal und Forbes. Die Nachrichten werden seither direkt über die Terminals ausgestrahlt. Zeitungen wurde die kostenlose Benutzung der Terminal angeboten, im Gegenzug mussten sich diese verpflichten, unter dem Anbieternamen Meldungen abzudrucken. Seither, so erklärte Bloomberg einmal seine Strategie, könne er sich über wohlwollende Kritik freuen, da das Unternehmen als zuverlässige Nachrichtenquelle gelte. Das Fachblatt "Columbia Journalism Review" sprach in diesem Zusammenhang davon, dass sich die Journalisten für Bloombergs Werbegeschenk „mit Tinte“ revanchierten. Zeitungen, die sein Informationsangebot zu selten nutzten, drohte Bloomberg regelmäßig mit Entzug.

1992 kaufte Bloomberg eine New Yorker Radiostation und formte diese zu einem reinen Nachrichtensender um, es folgten ein hausinternes Fernsehstudio und eine Satelliten-TV-Station. 1994 erschien zum ersten Mal die Zeitschrift „Bloomberg Personal Finance Magazin“. Auch im Internet stellte Bloomberg ab 1995 Geschäftsinformationen zur Verfügung. Kurz darauf wurden Informationsangebote, die bis dahin nur über die Terminals abrufbar waren, PC-kompatibel gemacht und auch an Drittanbieter weiterverkauft. Außerdem wurde in diesem Jahr das Bloomberg Tradebook eingeführt, ein elektronisches Handelssystem. Ein Jahr später wurde das Unternehmen erneut verlegerisch tätig und brachte mehrere Bücher heraus. Das Tagesprogramm des New Yorker Fernsehsenders WPXN wird seit 1996 ebenfalls von Bloomberg produziert. 1996 kaufte Bloomberg für 200 Millionen Dollar zehn Prozent der Unternehmensanteile von Merrill Lynch zurück. Das Unternehmen hatte zu der Zeit einen geschätzten Marktwert von zwei Milliarden Dollar.

1998 verdrängte Bridge Information Systems, ein Teil von Reuters, durch den Kauf der Dow Jones Märkte Bloomberg von Platz zwei auf Platz drei der am häufigsten installierten Finanzinformationsterminals. Trotzdem vergrößerte sich Bloomberg durch Kooperationen mit Internetfirmen sowie durch die Herausgabe der Magazine „Bloomberg Money“ (1998) und „Bloomberg Wealth Manager“ (1999). Auch eine Kooperation mit der Australischen Börse und einem spanischen Fernsehsender erweiterten das Tätigkeitsfeld. 2000 wurde das E-Commerce-Portal von Merrill Lynch für Bloomberg-Kunden zugänglich gemacht. 2004 verkündete das Unternehmen, dass es den Sender E! Entertainment Television für die nächsten drei Jahre mit Wirtschaftssendungen beliefern werde.

Die ersten Jahre des neuen Jahrtausends waren für Bloomberg durch den harten Wettbewerb mit den beiden großen, inzwischen fusionierten Konkurrenten Thomson und Reuters geprägt. Im Jahr 2001 wurde Bloomberg auf Schadensersatz wegen Verbreitung einer Falschmeldung verklagt, die zu heftigen Kursverlusten des Unternehmens Emulex geführt hatte. Der Skandal löste Diskussionen darüber aus, ob der harte Wettbewerb zwischen den Informationsanbietern und der daraus resultierende Zeitdruck die Qualität der Berichterstattung zu stark beeinflusse. Vor allem in der Belegschaft der Bloomberg-News-Sparte wurden Stimmen laut, die einen Qualitätsverlust der Berichterstattung aufgrund eines unqualifizierten Managements fürchteten. Aussteiger sprachen von einem „journalistischen Sweat-Shop“. Der Protest gipfelte 2004 in der Bestrebung, eine Gewerkschaft zu gründen, die jedoch nie realisiert wurde.

Im Oktober 2007 – Michael Bloomberg hatte inzwischen sein Unternehmen verlassen, um Bürgermeister von New York City zu werden - kam Bloomberg L.P. in die Schlagzeilen, weil erneut mehrere Frauen gegen das Unternehmen klagten. Es ging wie schon bei dem Prozess Anfang der 1990er Jahre darum, dass Frauen, nachdem sie dem Unternehmen ihre Schwangerschaft mitgeteilt und Mutterschaftsurlaub genommen hatten, in der Bezahlung herabgestuft und auf schlechtere Posten versetzt wurden. Während ursprünglich nur vier Frauen im Oktober 2007 geklagt hatten, stieg die Zahl der Klägerinnen bis Mai 2008 auf insgesamt 61 an. Im Sommer 2011 wurde die Klage von einem Bundesgericht in erster Instanz zurückgewiesen.

Die 2007 einsetzende Wirtschafts- und Finanzkrise war für Bloomberg Chance und Problem zugleich. Chance, weil es für einen Finanzdienst nun viel zu berichten gab. Problem, weil Bloombergs Geschäft auf der Vermietung von Finanzterminals beruht und Kunden absprangen: Allein durch den Bankrott von Lehmann Brothers verlor Bloomberg 2007-2009 bis zu 4.000 Kunden. Das Kerngeschäft von Bloomberg – der Vertrieb von Wirtschaftsdaten – bekam indes durch die im Mai 2013 bekannt gewordene Ausspähung der Terminal-Aktivitäten durch die hauseigenen Journalisten ein erhebliches Glaubwürdigkeitsproblem. Glaubt man den Vorwürfen, so wurden die Premium-Kunden (Broker, Bänker, Wirtschaftsbosse) systematisch ausspioniert und deren private Daten weitergegeben. Zudem sollen Daten wie private Telefonnummern oder Beziehungsstatus für persönliche Belange der Reporter missbraucht worden sein.

Nach drei Amtszeiten als Bürgermeister von New York kehrte Michael Bloomberg im Herbst 2014 schließlich an die Spitze des Unternehmens zurück. Eigentlich wollte sich der Multimilliardär und sechzehntreichste Mensch der Welt nach seinem Rückzug aus der Politik zurückziehen und sich auf diverse Charity-Aktivitäten konzentrieren. Doch Bloomberg konnte es nicht lassen, sich zunehmend in das Tagesgeschäft seines Medien- und Informationskonzerns einzumischen. Der seit 2007 amtierende Präsident und CEO von Bloomberg, Daniel Doctoroff, sah seinen Einflussbereich immer weiter schrumpfen und verkündete seinen Rückzug zum Jahresende 2014.

Management

Nach drei Amtszeiten als Bürgermeister von New York ist Michael Bloomberg mittlerweile wieder voll in alle Unternehmensfragen involviert – von der Integration der diversen News-Outlets bis hin zur Kennzeichnung der Papierhandtücher auf den Büro-WCs. Er stammt aus einer kleinbürgerlichen Familie und wuchs in einem kleinen Ort in Massachusetts auf. Demut und Bescheidenheit galten nie als Stärken von Bloomberg. „Ich glaube, dass ich alles besser kann", lautet einer seiner Sprüche. Sein Selbstbewusstsein dürfte ihm geholfen haben, binnen 15 Jahren vom Sekretär zum Leiter des Aktienhandels bei Salomon Brothers aufzusteigen. Er war immer etwas früher und etwas länger im Büro als seine Vorgesetzten und wurde so zu einem der bestbezahlten Wall-Street-Broker der Investmentbank. 1981 aber ging sein Ehrgeiz zu weit: Bloomberg forderte mehr Macht und musste gehen. Er erhielt zehn Millionen Dollar als Abfindung, die er zum Aufbau seines Medienunternehmens nutzte.

Die Arbeitshaltung und Prinzipien, die er für seinen Erfolg als Börsenmakler verantwortlich machte, übertrug er auf seine neue Karriere als Medienunternehmer. In der hauseigenen Kantine liegen Snacks, Getränke und Obst zum Mitnehmen bereit. Im Juni 2019 erhöhte er die bei Bloomberg gewährte Elternzeit von 18 auf 26 Wochen. Er zahlt übertariflich. Dafür verlangt er von den Angestellten, dass sie hoch motiviert sind und auch Überstunden ohne Klagen hinnehmen. Jeder neue Mitarbeiter erhält das Buch des Chefs und eine dreihundertseitige Verhaltensfibel. Es gilt die Richtlinie, wonach Mitarbeiter, die Bloomberg verlassen, nicht erneut angestellt werden dürfen. Um Klagen wegen sexueller Belästigung zu vermeiden, zensiert Bloomberg seine Mitarbeiter und hat seinen Terminal für gewisse Ausdrücke gesperrt.

Geschäftsfelder

Informationsdienste
„The Terminal“. Der Informationsdienst Bloomberg Professional Service funktioniert als Plattform, auf der Finanzdaten, Nachrichten, Berichte und Analysen dargestellt werden. Weitere Funktionen wie E-Mail und E-Commerce sind integriert. Das Interface-Design wird häufiger als unmodern moniert und mit dem Layout von MS DOS verglichen. Die Terminals informieren sekundenschnell über weltweite Börsenbewegungen. Der interaktive Online-Service richtet sich vor allem an Börsenmakler und ist leichter zu handhaben als die lange schwerfälligen Informationsdienste von Reuters und Dow Jones. Bloomberg bot mit der Zeit neben Börsendaten und Unternehmensnachrichten auch Sportresultate, Wetterberichte und Horoskope ebenso wie Kinoprogramme und Menükarten ausgewählter Restaurants über seine Terminals an. Man wollte, so Bloomberg, den vielgeplagten Brokern auch Entspannungsmomente bieten, denn im Grunde, so die Philosophie des Firmenchefs, sollten „Arbeit und Privatleben doch eins sein".

„Industry Products
2011 wurden die Dienste Bloomberg Law und Bloomberg Government ins Leben gerufen. Während Erstere gegen eine monatliche Pauschale von 450 USD einen Informations- und Datenbankservice zu Rechtsthemen bietet, zielt das in Washington ansässige Bloomberg Government vor allem auf die Nutzung durch Finanz- und Wirtschaftslobbyisten. Hier werden die Kunden gegen eine jährliche Nutzungsgebühr von 5700 USD mit aktuellsten Meldungen und Analysen rund um den Kongress, die Ministerien und das Weiße Haus beliefert. Weitere Datenbankdienste zu den Themen Steuern, Umwelt und Energie wurden auch eingerichtet (Bloomberg Tax, Bloomberg Environment, BloombergNEF).

News
Folgende Nachrichtendienste bietet Bloomberg heute an: „Bloomberg Markets“, „Bloomberg Technology“, „Bloomberg Pursuits“, „Bloomberg Politics“, „Bloomberg Opinion“, „Bloomberg Businesswork“. Rund 2.200 Journalisten sind weltweit für Bloomberg News aktiv, sie produzieren täglich 5.000 Artikel. Neben den Bloomberg Medien verfügen auch noch 400 weitere Zeitungen und Zeitschriften über Lizenzen und können so auf das Informationsangebot zurückgreifen.

TV & Radio
1994 gegründet, erreicht der Pay-Kanal Bloomberg Television mittlerweile weltweit über 310 Millionen Zuschauer und hat Ableger in Europa, Afrika und Lateinamerika. Bloomberg Radio sendet Wirtschaftsnachrichten mit der Unterstützung von 2.700 Journalisten in über 120 Ländern. 

Print
Das defizitäre, 1929 gegründete Wirtschaftsmagazin BusinessWeek hatte Bloomberg L.P. 2009 vom Medienkonzern McGraw-Hill übernommen.

Aktuelle Entwicklungen

Ende 2018 kamen Gerüchte auf über Bloombergs mögliche Präsidentschaftskandidatur 2020, die er ein Jahr später bekannt gab. Für die es ihm sein atemberaubender Reichtum sogar ermöglichte, eigene Regeln aufzustellen. Nachdem erste demokratische Kandidaten schon 2017 ihre Bewerbungen eingereicht hatten, nachdem am 26. und 27. Juni 2019 und Ende Juli schon TV-Debatten stattgefunden hatten, trat Bloomberg am 24. November auf den Plan. Der normale Prozess der Kandidatenfindung schien ihn nicht zu interessieren. Er stieg einfach ins Rennen ein, vorbei an den mehr als ein Dutzend Bewerbern der Demokratischen Partei, die sich schon seit langem mühten, überhaupt als Präsidentschaftskandidat aufgestellt zu werden. Bloomberg sagte, auf Wahlkampfspenden nicht angewiesen zu sein, weil er alles aus eigener Tasche zahlen würde. Für Donald Trump hatte er nicht einmal ein müdes Lächeln übrig. „Wenn Trump sagt, er würde die amerikanische Regierung führen, wie er sein Geschäft führt, dann sage ich: Gott, hilf! Er ist kein Geschäftsmann, und er versteht nichts von Finanzen.“ Bloomberg glaubte, niemand außer ihm könne Trump besiegen.

Er investierte über eine halbe Milliarde Dollar in den Vorwahlkampf, trat erstmals am 3.3.2020 zum Super Tuesday an. Und gewann in nur Amerikanisch-Samoa. Einen Tag später zog Bloomberg seine Kandidatur zurück und erklärte, von jetzt an Joe Biden unterstützen zu wollen.