30. beIN Media Group

Umsatz 2018: $ 8,600 Mrd. (€ 7,280 Mrd.)

Überblick

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Mehr als nur ein Medienkonzern: Das globale Sport- und Unterhaltungs-Netzwerk der beIN Media Group mit Sitz in Doha, Katar wurde 2014 aus dem Nachrichtenkanal Al Jazeera ausgegründet und ist heute der dominierende Sportsender der arabischen Welt. Und gewinnt auch außerhalb dieser Sphäre zunehmend an Bedeutung. Mittlerweile gehören zu beIN 60 Sender, die auf fünf Kontinenten, in 43 Ländern und sieben Sprachen ausgestrahlt werden. beIN sendet Live-Sport, Unterhaltung und internationale Events und ist eng mit dem katarischen Herrscherhaus verbunden.

Basisdaten

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Hauptsitz:
beIN Media Group
P.O. Box 23231
Doha
Qatar
Website: www.beinmediagroup.com

Branchen: Sport- und Entertainment-Sender
Rechtsform: Private Company
Gründungsjahr: 2003 (als Al Jazeera Sport), 2012 (beIN SPORTS FRANCE), 2014 (rebranding als beIN MEDIA GROUP)

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. $)
2018
Umsatz (Mrd. $)
8600
Mitarbeiter
3700

Geschäftsführung

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Management:

  • Nasser Al-Khelaifi, Chairman
  • Yousef Al-Obaidly, Chief Executive Officer
  • Tareq Zainal, Executive Director of Human Resources and Financial Affairs
  • Sophie Jordan, General Counsel
  • Ziad Hammoud, Executive Director of Strategy and Investments
  • Mohammad Al-Subaie, Executive Director of Commercial Affairs
  • Mohammed Al-Bader, Executive Director of Brand and Creative
  • Abdulla Al-Bader, Executive Director of Corporate Services
  • Israel Esteban, Executive Director of Technology
  • Daniel Markham, Senior Vice President of Content Strategy

Geschichte

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Al Jazeera: Zuvor hatte es den im April 1996 von der saudischen Regierung geschlossenen Gemeinschaftssender der BBC und der saudi-arabischen Medienfirma Orbit gegeben. Der damalige Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani, stellte dann 17 der entlassenen BBC-Mitarbeiter ein und gründete im selben Jahr in Katar den Newskanal Al Jazeera (deutsch: „Die Insel“ bzw. „die arabische Halbinsel“), bald bekannt als das „CNN Arabiens“, der besonders nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und mit dem Krieg in Afghanistan weltbekannt wurde. In der Folge revolutionierte Al Jazeera die arabische Medienlandschaft; ohne das eminent wichtige Al Jazeera und den durch den Sender geförderten Pluralismus, so viele Beobachter, hätte es den arabischen Frühling, die Revolutionen und Aufstände ab Dezember 2010 nicht gegeben.

beIN war anfangs die 2003 gegründete Al Jazeera-Filiale für Sport. Im Juni 2012 entstand beIN SPORTS, zunächst in Frankreich (weil es hier noch keine eigenständigen Sportkanäle gab). Im Januar 2014 dann wurden die Al Jazeera-Sportsender endgültig in die beIN Media Group umbenannt, als Holding für die Aktivitäten von beIN SPORTS. Wenig überraschend kann man den milliardenschweren Konzern aus Doha und sein Herkunftsland nicht unabhängig voneinander betrachten. Schon Scheich Hamad, der Emir von Katar von 1995 bis 2013, der, in einem Beduinenzelt geboren, sein Emirat mit dem schier endlosen Erdgasvorkommen zum reichsten Land der Erde machte, hatte mit der Diversifikation begonnen. Auch um das internationale Profil zu stärken.

Und die Strategie von „Sport als Wirtschaftsfaktor“ nach dem Ende des Ölzeitalters war die natural choice: Zwei Drittel der Bevölkerung der arabischen Welt sind unter 30, statistisch gesehen gibt es mehr Handys als Menschen. beIN kaufte Übertragungsrechte für verschiedene Premium-Sportveranstaltungen, in den Bereichen Fußball, American Football, Tennis, Basketball, Volleyball, Handball, Motorsport, Rugby, Radsport, Leichtathletik und mehr. Am 1. November 2015 erweiterte beIN das Portfolio um Filme, allgemeine Unterhaltung, Sach- und Kinderinhalte. Im März 2016 ging man noch weiter und kaufte, zur weiteren Diversifizierung, das von den Weinstein-Brüdern 1979 gegründete Miramax-Studio („Pulp Fiction“).

Management

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Nasser Al-Khelaifi, geboren 1973 in Doha und beIN-Chairman, ist seit seiner Karriere als Tennisprofi von 1992 bis 2002 und seinen Davis Cup-Erfolgen für Katar mit den Herrschern im Emirat vertraut. Seit 2011 leitet er die 2005 gegründete Beteiligungsfirma Qatar Sports Investment (QSI), die im selben Jahr für etwa 30 Millionen Euro den französischen Fußballverein Paris Saint-Germain (PSG) gekauft hatte (plus Schulden in Höhe von 20 Millionen Euro). Im Oktober 2011 wurde Al-Khelaifi dann PSG-Präsident. Dazu ist er jetzt Mitglied im Organisationskomitee der FIFA-Weltmeisterschaft und Delegierter der European Club Association im UEFA Exekutivkomitee. 2015 wurde er zum „beliebtesten Präsidenten“ der französischen Ligue 1 ernannt und 2016 machte L’Equipe ihn zu nicht weniger als dem „mächtigsten Mann im französischen Fußball“ (vor Didier Deschamps und Zinedine Zidane). Nasser Al-Khelaifi ist Präsident der Qatar Tennis Federation und Vize-Präsident der Asian Tennis Federation (Westasien). Im November 2013 ernannte der Emir, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, ihn zum „Minister ohne Geschäftsbereich“.

Eine große Nummer also im globalen Funktionärstum, im Geschäft mit Sport und Sportrechten. Allerdings kommt auch er um in der Branche häufig aufkommende Konflikte mit der Justiz nicht herum. Im Oktober 2017 eröffneten Schweizer Gerichte ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen des Verdachts auf private Korruption bei der Vergabe der Fernsehrechte für die WM 2026 und 2030. Am 23. Mai 2019 wurde Nasser Al-Khelaïfi zudem im Rahmen einer Untersuchung der Doha-Nominierungen für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2017 und 2019 wegen corruption active angeklagt und kam in französische Untersuchungshaft. „Diese Tatsachen betreffen ihn nicht", so sein Anwalt. Privates weiß man wenig. Milliardenschwer ist Nasser Al-Khelaïfi bestimmt, einer der begehrtesten Junggesellen der Welt auf jeden Fall.

Geschäftsbereiche

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Die beIN MEDIA GROUP vertreibt und produziert Live-Sport, internationale Großveranstaltungen und Unterhaltung, auf fünf Kontinenten, in 43 Ländern und neun Sprachen, mit über 55 Millionen Abonnenten weltweit. Und teilt das Geschäft in die folgenden sieben Sparten: 

-  beIN MENA (Middle East North Africa) aus Doha, Managing Director: Mohammed  Al Bader. Sport- und Entertainment-Sender empfangbar über DTH Satellit, IPTV und OTT-Streaming (beIN CONNECT) 

-  beIN SPORTS France, Chairman: Yousef Al-Obaidly. Französischer Sportsender in Boulogne-Billancourt, gegründet 2012, mit 3,4 Millionen Abonnenten (Stand: Sommer 2019). Im Angebot: Französische Ligue 1 und Ligue 2 bis 2024, LaLiga, Serie A, Bundesliga, Super Lig, FA Cup, Men and Women World IHF championships (2019-2025), French National Men handball Championship, Rugby Champion Cup & Challenge Cup, NBA, NFL, MLB, WTA, Wimbledon, Coupe Davis, Fed Cup, ATP Cup

-  beIN SPORTS Asia Pacific (Singapur) sendet 14 beIN-Sportprogramme in elf Ländern (Australien, Neuseeland, Kambodscha, Hong Kong, Indonesien, Laos, Malaysia, Philippinen, Thailand, Osttimor, Singapur) und in vier Sprachen. Managing Director, Asia Pacific: Tom Keaveny, Managing Director, Asia, Australia & New Zealand: Mike Kerr

-  beIN SPORTS Americas (Miami) sendet seit August 2012 beIN SPORTS-Inhalte in den USA und Kanada, über neun der zehn großen Kabel-/Satelliten-Provider und Streaming mit beIN SPORTS CONNECT. Präsident: Yousef Al-Obaidly

-  beIN Digiturk (Istanbul), führender Pay TV-Anbieter der Türkei mit ca. 3,5 Millionen türkischen Abonnenten (in wiederum 160 Ländern), gegründet 1999 und im August 2016 von der beIN Media Group gekauft. Portfolio: türkisches Fernsehen, Sportkanäle, Entertainment-Programme der großen US-Studios. CEO: Yousef Al-Obaidly

-  beIN Intellectual Property (London) kümmert sich seit 2014 um den weltweiten Rechteerwerb und Programmverkäufe. Senior Vice President

– Content Strategy: Daniel Markham; Senior Vice President – Global Acquisitions & Sales: Alex Wright

MIRAMAX, die 1979 von den Brüdern Harvey und Bob Weinstein gegründete Filmproduktion, ging im März 2016 im Zuge einer weiteren Programmdiversifizierung an die beIN Media Group. Und damit eine Filmbibliothek mit über 700 Titeln, 278 Oscar-Nominierungen und 68 Oscars, darunter die „Best Picture“-Gewinner „The English Patient“, „Chicago“, „Shakespeare in Love“ und „No Country for Old Men“.

Aktuelle Entwicklungen

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Am 20.12.2019 meldet Business Wire: „ViacomCBS to Make Strategic Investment in beIN MEDIA GROUP’s MIRAMAX”. Genauer gesagt: ViacomCBS erwirbt eine 49-prozentigen Beteiligung am globalen Film- und Fernsehstudio MIRAMAX, für 375 Mio. Dollar. beIN wird einen Anteil von 51% an MIRAMAX behalten, das derzeitige MIRAMAX-Führungsteam bleibt im Amt. Der Deal wird voraussichtlich im ersten Quartal 2020 abgeschlossen.

ViacomCBS bzw. das dazugehörige Film- und Fernsehstudio von Paramount Pictures erhält so Zugriff auf die über 700 Titel der MIRAMAX-Filmbibliothek und hat mit beIN exklusive, langfristige First-Look-Vereinbarungen für neue MIRAMAX-Produktionen abgeschlossen. "MIRAMAX ist ein renommiertes Studio, das für einige der ikonischsten Filme der letzten drei Jahrzehnte verantwortlich ist", so Bob Bakish, Präsident und CEO von ViacomCBS. „Wir freuen uns auf die enge Zusammenarbeit mit dem MIRAMAX-Managementteam, um neue Wege zu finden, die Titel über eine Vielzahl von Plattformen zu verbreiten und neue, überzeugende Projekte zu schaffen.“ Und Nasser Al-Khelaifi, Chairman der beIN MEDIA GROUP, dazu: „Diese Vereinbarung unterstreicht die Ambitionen von beIN im globalen Rahmen - wir sind sehr stolz darauf, uns als eine der führenden Gruppen in den Bereichen Sport, Unterhaltung und Medien etabliert zu haben".

Inhalte

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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und der Stadt Köln.