34. BBC

Umsatz 2017/18: £ 5,040 Mrd. (€ 5,700 Mrd.)

Überblick

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Die 1927 gegründete British Broadcasting Corporation ist die größte Rundfunkanstalt der Welt. Innerhalb Großbritanniens produziert die BBC ein ausschließlich gebührenfinanziertes Radio- und Fernsehprogramm, das seine Zuschauer „informieren, bilden und unterhalten" soll. Im Ausland erwirtschaftet der kommerziell agierende Arm BBC Studios (zuvor BBC Worldwide) durch den Betrieb von TV-Kanälen, die Lizenzierung von Fernsehformaten und die Veröffentlichung von Büchern zusätzliche Erträge, die an die Anstalt zurückgeführt werden und die Gebührenzahler entlasten sollen. Im Onlinebereich betreibt die BBC mit ihrer Homepage die reichweitenstärkste Internetseite Europas.

Basisdaten

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Hauptsitz:
Broadcasting House
Portlands Place
London W1A 1AA
Großbritannien
Telefon: 0044 20 7580 4468
Internet: www.bbc.co.uk/aboutthebbc

Branchen: Fernsehsender, Radio, Rechtehandel, TV-Produktion, TV-Spartenkanäle
Rechtsform: Öffentlich-rechtliche Anstalt 
Geschäftsjahr: 01.04. - 31.03.
Gründungsjahr: (1922) 1927

Tab.: Ökonomische Basisdaten (in Mio. £)

2017/182016/172015/162014/152013/142012/13
Etat/Umsatz 5.0634.9544.8274.8055.0665.102
davon Licence Fee 3.8303.7873.7433.7353.7263.656
sonstiges 1.2331.1671.0841.0701.3401.446
Beschäftigte21.58321.27120.91618.97418.64721.828

Geschäftsführung

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Executive Committee:

  • Tony Hall, Director-General
  • Wendy Aslett, BBC Group HR Director
  • Kerris Bright, Chief Customer Officer
  • Rachel Currie, BBC Group HR Director
  • Tim Davie, CEO, BBC Studios
  • Glyn Isherwood, Chief Financial Officer
  • Sarah Jones, Group General Counsel
  • David Jordan, Director, Editorial Policy and Standards
  • Ken MacQuarrie, Director, Nations and Regions
  • Charlotte Moore, Director, Content
  • Matthew Postgate, Chief Technology and Product Officer
  • James Purnell, Director, Radio and Education
  • Gautam Rangarajan, Director, Strategy
  • Juna Sarpong, Director, Creative Diversity
  • Bob Shennan, BBC Group Managing Director
  • John Shield, Director, Communications and Corporate Affairs
  • Clare Sumner, Director, Policy
  • Francesca Unsworth, Director, News and Current Affairs

 

BBC Board:

  • David Clementi, Chairman
  • Tony Hall, Director-General
  • Elan Closs Stephens, Member for Wales
  • Tim Davie, CEO BBC Studios
  • Shirley Garrood, Non-executive Director
  • Tanni Grey-Thompson, Non-executive Director
  • Ian Hargreavesm Non-executive Director
  • Tom Ilube, Non-executive Director
  • Ken MacQuarrie, Director, Nations and Regions
  • Steve Morrison, Member for Scotland
  • Nicholas Serota, Senior Independent Director
  • Ashley Steel, Member for England
  • Francesca Unsworth, Director, News and Current Affairs

Geschichte

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1922 wurde die British Broadcasting Corporation von britischen und amerikanischen Elektrogeräteherstellern als Kapitalgesellschaft gegründet, um den Absatz ihrer Rundfunkempfänger zu steigern. Die britische Postbehörde erteilte der BBC die exklusive Sendelizenz, um eine chaotische Situation wie im damals unregulierten US-amerikanischen Radio zu verhindern. Nachdem die gesellschaftliche Bedeutung der BBC deutlich geworden, ihr Geschäftsmodell jedoch gescheitert war, wurde sie 1926 in eine Körperschaft im Staatsbesitz umgewandelt und erhielt 1927 die erste „Royal Charter", die sie, wie die Bank von England, zu einer staatlichen Institution außerhalb des Einflussbereichs der Regierung, nicht aber des Parlaments machte. Ausschließlich finanziert über eine so genannte „Licence Fee“ war so der unabhängige, öffentlich-rechtliche Rundfunk geboren. Kern des BBC-Programmauftrags ist bis heute, durch Information, Bildung und Unterhaltung „dem öffentlichen Interesse zu dienen“.

Zunächst auf den Hörfunk beschränkt, nahm die BBC 1946 den regelmäßigen Fernsehbetrieb auf, 1952 gelang mit der internationalen Live-Übertragung der Krönung von Elisabeth II. ein erster Durchbruch für das neue Medium. Bereits 1955 erhielt das BBC-Fernsehprogramm kommerzielle Konkurrenz durch die Einführung der werbefinanzierten, regional organisierten ITV-Sender (Independent Television). Mitte der 60er Jahre wurde der BBC und später dann, Anfang der 1980er Jahre, auch dem Privatfernsehen jeweils ein weiteres Programm genehmigt (BBC 2 bzw. Channel Four). Seit dem Einstieg ins digitale Fernsehen Mitte der 1990er Jahre baut die BBC planmäßig ihr Programmangebot aus. Durch Übernahme der eigentlich für einen kommerziellen Veranstalter vorgesehenen Lizenz für terrestrisches Digitalfernsehen in Großbritannien durch ein Konsortium aus BBC und Rupert Murdochs Pay-TV-Plattform BSkyB (FreeView) ist die öffentlich-rechtliche Anstalt dominierende Kraft im britischen TV-Markt.

Alle kommerziellen Aktivitäten der BBC sind – national wie international – seit 1994 im Tochterunternehmen BBC Worldwide zusammengefasst. Worldwide vermarktet die über die Rundfunkgebühr finanzierten Programminhalte und Spin-Offs wie Magazine, Bücher usw. und ist selbst – vor allem im Ausland – Programmveranstalter. Alle Gewinne von BBC Worldwide werden an die BBC-Mutter zurückgeführt. Alle BBC-TV- und Radio-Programme sind werbefrei und werden aus der Rundfunkgebühr finanziert, die in Großbritannien ausschließlich von TV-Zuschauern zu entrichten ist. Der Empfang von Radioprogrammen ist frei.

Die 2007 beschlossene Gebührenanpassung auf 151,50 Pfund bis zum Jahr 2012 galt zunächst als Traditionsbruch. Seit 1988 war die von Regierung und Unterhaus festgesetzte „Licence Fee“ an die Inflationsrate gekoppelt. Diese Indexierung war damit nun passé und es kam zu einzelnen Streiks. Der BBC-Generaldirektor betonte, dass die Finanzierungslücke Konsequenzen für das Programm haben könne, und kündigte eine hauseigene Bestandsaufnahme an, um Einsparmöglichkeiten zu finden. Weiteren Druck erhielt die BBC mit dem Mitte Juni 2009 veröffentlichten „Digital Britain Reports“: Man verlangte von der BBC, ab 2013 3,5 Prozent der Rundfunkgebühren an die kommerziellen Rivalen abzugeben, um deren „Public-Service“-Angebot mitzufinanzieren. Intern legte sich die Anstalt bereits 2006 auf ein eigenes Sparprogramm mit dem Namen „Delivering-Creative-Future" fest und konnte Einsparungen in Höhe von zwei Milliarden. Pfund bis 2013 erzielen, unter anderem durch einen Abbau von 1.500 Arbeitsplätzen und den Verkauf des „BBC Television Centre“ in London. 2011 dann zog das Unternehmen in das traditionsreiche Londoner „Broadcasting House“ und in die „MediaCityUK“ in Salford (Raum Manchester) um.

Wegen der Wirtschaftskrise entschied die Regierung Mitte Oktober 2011, die eigentlich bis 2012 steigenden Rundfunkgebühren auf dem Niveau von 2010 (145,50 Pfund) einzufrieren. Dieses neue „Licence Fee Settlement“ lief bis 2017. Weitere Einsparungen sollen unter anderem durch Kürzungen bei Gehältern (besonders beim Management, nachdem im Sommer 2013 überhöhte Abfindungszahlungen an 150 BBC-Manager bekannt geworden waren) und erhöhte Ressourcen-Effizienz erreicht werden (allein 2012 wurden 875 Laptops von BBC Mitarbeitern verlegt oder gestohlen. Kosten in Höhe von 255.000 Pfund entstanden so, für die die Gebührenzahler aufkommen).

Auch 2011: der Jimmy Savile-Missbrauchskandal. Der langjährige BBC-Musikmoderator starb 2011 zwei Tage vor seinem 85. Geburtstag. Schon seit 1961 hatte die Polizei gegen ihn wegen Pädophilie ermittelt, ohne jemals etwas nachweisen zu können. Nach seinem Tod, besonders nach einer ITV-Reportage im Oktober 2012, meldeten sich immer mehr Missbrauchsopfer, zu 80 Prozent weibliche. 80 Prozent waren zum Zeitpunkt des Missbrauchs minderjährig. Ein massiver Skandal, laut Scotland Yard war Savile „der schlimmste Sexualverbrecher in der Geschichte des Landes“.

In der Folge gab es zwei Untersuchungsberichte zur Rolle der BBC. Gleich zu Beginn hatte man bei der Aufarbeitung im eigenen Hause schwerwiegende Fehler gemacht, und beispielsweise die Ausstrahlung eines kritischen Savile-Nachrufs Ende 2011 verhindert. BBC-Generaldirektor George Entwistle musste nur zwei Monate nach Amstantritt im September 2012 zurücktreten. Es hatte sich herausgestellt, dass man in einer BBC-Sendung einen ehemaligen Spitzenpolitiker zu Unrecht des Kindesmissbrauchs verdächtigt hatte, und das, während Savile offenbar auf dem BBC-Gelände Missbrauch verübte. Im Februar 2016 die Ergebnisse des zweiten Berichts: BBC-Verantwortliche hätten „systematisch weggesehen“. Eine „Atmosphäre der Angst“ und eine „sexistische Macho-Kultur“ hatte bei der BBC geherrscht.

Die BBC stand so zunehmend unter Druck, ihre aufgeblähte Organisationsstruktur zu verschlanken und ihre Aufsichtsmethoden zu reformieren. Auch die Regierung nahm die Skandale und Geldverschwendung (Beispiel: 100 Millionen Pfund gingen durch ein gescheitertes Digitalprojekt verloren) zum Anlass, um 2016 Reformpläne aufzustellen. Die alte Tante („Auntie Beeb“, wie Briten auch sagen) sollte verjüngt werden, effizienter und transparenter. Die Lenkungsstruktur sollte vereinfacht werden, die Namen aller Mitarbeiter veröffentlicht, die auf ein Jahreseinkommen von 450.000 Pfund (umgerechnet 570.000 Euro) und mehr kommen, die BBC durch die Medien- und Telekommunikationsaufsicht Ofcom reguliert werden. Die letzte, 2017 erneuerte (und bis 2027 gültige) „Royal Charter“ griff diese Reformvorschläge auf.

Management

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Generaldirektor ist seit März 2013 Tony Hall. Er war fast dreißig Jahre in verschiedenen Positionen in der BBC tätig (unter anderem als Nachrichtenchef), ehe er 2001 die Leitung des Royal Opera House übernahm. Lord Hall of Birkenhead (so sein offizieller Titel) war die Wunschlösung des BBC Trusts; kein anderer Kandidat wurde kontaktiert. Er gilt als Ideallösung, weil er die BBC kennt, jedoch in den skandalumwitterten Jahren ausreichend Abstand bewahrt hat. Als einer seiner ersten Amtshandlungen setzte er das Limit der umstrittenen Abfindungszahlungen für BBC-Manager auf 150.000 Pfund. Nebentätigkeiten der Manager kritisierte er dagegen verhalten; berufliche Aktivitäten außerhalb der BBC, sofern sie nicht Überhand nähmen, könnten sogar von Vorteil für die Anstalt sein, da so ein Blick über den Tellerrand möglich sei.

Geschäftsfelder

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UK public services:

Fernsehsender BBC One und Two (mit Regionalfenstern für Schottland, Nordirland und Wales), BBC Three (nur online), BBC Four (Kultur/Bildung), CBBC (Kinder), Cbeebies (Kleinkinder), BBC News, BBC Parliament (Live-Übertragungen aus Westminster).
Radio: Radio 1 (Pop, Jugend), Radio 2 (allgemeine Unterhaltung), Radio 3 (E-Musik, Kultur), Radio 4 (Unterhaltung, Nachrichten, Hörspiele), Radio 5 Live (Nachrichten, Sport), dazu kommen regionale Hörfunk-Programme für England, Schottland, Wales und Nordirland. Fünf Radiokanäle betreibt die BBC exklusiv über digitale Sendetechnik: Radio 1Xtra (aktuelle Musik), Radio 4 Extra (Comedy, Hörspiele, Kinderprogramm), Radio 5 Live Sports Extra (mehr Kommentar als beim Schwestersender), Radio 6 Music (alternative und „indie“-Musik) sowie das an Migranten gerichtete Asian Network, das überwiegend in Englisch, zum Teil aber auch in diversen Sprachen aus Indien und angrenzenden Gebieten sendet.
Digital Services: Neben der BBC Homepage, BBC Weather und BBC News u.a. ist der BBC iPlayer (eine BBC-Mediathek) im Netz verfügbar.

Global news services:
BBC World Service sendet in über 40 Sprachen und erreicht wöchentlich rund 280 Millionen Hörer in aller Welt und wird über die licence fee finanziert.
BBC World News und BBC.com. Der Fernsehkanal ist in über 200 Ländern empfangbar, in 300 Millionen Haushalten und 1,8 Millionen Hotelzimmern.

Commercial services:
BBC Studios (zuvor BBC Worldwide) ist der kommerzielle Arm der BBC-Gruppe und zuständig u.a. für die Finanzierung, Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Inhalten. Rund 200 Millionen vom Gesamtumsatz in Höhe von 1,4 Milliarden Pfund gehen jährlich an die BBC-Gruppe.
BBC Studioworks ist der UK-weit größte Anbieter von Studio- und Post-Produktionskapazitäten in den (1914 eröffneten) Elstree-Studios in Nordlondon sowie seit 2017 im Television Centre im Westen der Stadt.

Aktuelle Entwicklungen

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Wie geht es weiter mit der BBC? Zwar ist „The Beeb“ bzw. „Auntie B.“ nach wie vor ein Schlüsselelement, das die vier britischen nations zusammenhält, gemeinsam mit der Monarchie und dem staatlichen Gesundheitssystem NHS. Zwar besteht kein akuter Handlungsbedarf, ist die BBC charter doch noch bis Januar 2028 gültig. Angesichts der weltweiten Transformation der Medienlandschaft aber wird auch die BBC, langfristig, grundsätzliche Veränderungen nicht vermeiden können. Denn ihr geht es wie vielen anderen Öffentlich-Rechtlichen. Von dem dominierenden Marktanteil von 40 Prozent vor 20 Jahren (BBC1 und BBC2 zusammen) blieben vergangenes Jahr noch 27 Prozent. Wie auch anderen Traditionssendern fällt es der BBC schwer, ein jüngeres Publikum zu erreichen. Es wird schwieriger, den Pflichtbeitrag von aktuell 154,50 Pfund zu rechtfertigen. „Watch closely – change is coming“, fasst The Guardian die Sache in einem Editorial am 17.10.2019 zusammen.

Die britische Staatssekretärin für Digitales, Kultur, Medien und Sport, the Right Honourable Baroness Nicky Morgan antwortete im Oktober 2019 auf eine parlamentarische Anfrage zur „licence fee“ (BBC-Rundfunkgebühr): In der Hinsicht sei sie „aufgeschlossen“ (open-minded) und offen für Argumente von allen Seiten. Man darf in dem Zusammenhang aber auch nicht vergessen, dass es hier eine spezielle Situation ist. Denn durch die gemeinsame Sprache laufen britische Sender und ihr markantes, distinktives televisuelles Erbe besonders Gefahr, von den Streaming-Giganten aus den USA einfach weggefegt zu werden. Wenigstens der Britbox genannte „video subscription service“ von BBC Studios und ITV (mit aktuellen und älteren britischen Serien und Filmen) konnte erfolgreich lanciert werden, in den USA (hier verfügbar seit März 2017), Kanada (seit Februar 2018) und in Großbritannien (seit dem 7.11.2019).

Inhalte

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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mediadb.eu wird gefördert von der Bundeszentrale für Politische Bildung

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und der Stadt Köln.