21. Baidu Inc.

Umsatz 2018: RMB 102,300 Mrd. (€ 12,600 Mrd.)

Überblick

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Baidu ist der zweitgrößte Online- und Medienkonzern Chinas, einer der drei BAT genannten Großen (Baidu, Alibaba, Tencent). Ähnlich wie das westliche Pendant Google hat Baidu eine Reihe von Karten-, Cloud- und Social Networking-Diensten um sein Hauptprodukt, der gleichnamigen chinesischsprachigen Suchmaschine, angesiedelt. Baidu liegt auf Platz fünf der weltweit am häufigsten aufgerufenen Webseiten („Alexa top 500 sites on the web“).

Basisdaten

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Hauptsitz:
Baidu Campus
No. 10 Shangdi 10th Street
Haidian District
Beijing 100085
China
Telefon: 0086 10 5992 8888
Internet: ir.baidu.com

Branche: Suchdienste, Social Media, Cloud-Computing, Software
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 2000

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. RMB)
2018201720162015

2014

Umsatz102.27784.80970.54966.38249.052

Gewinn

27.57318.30111.63233.66413.197

Mitarbeiter

42.26739.34345.88741.46746.391

Geschäftsführung

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Management:

  • Robin Li, Co-Founder, Chairman and CEO
  • Herman Yu, Chief Financial Officer
  • Haifeng Wang, Chief Technology Officer
  • Dou Shen, Senior Vice President
  • Victor Liang, Vice President and General Counsel
  • Shansan Cui, Vice President 

Board of Directors:

  • Robin Li, Baidu
  • James Ding, GSR Ventures
  • Yuanqing Yang, Lenovo Group
  • Brent Callinicos, Chairman of the Audit Committee
  • Jixun Foo, GGV Capital

Geschichte

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1989 entschied sich Eric Xu, damals ein Außendienstler für eine Biotech-Firma, einen Dokumentarfilm über Innovation in Silicon Valley zu drehen. Gemeinsam mit zwei Geschäftsfreunden, dem Paar Melissa und Robin Li, interviewte Xu damals auch unter anderem den Yahoo-Gründer Jerry Yang. Insbesondere Robin Li zeigte sich beeindruckt, wie ein chinesischer Landsmann wie Yang es in den USA geschafft hatte, den damals größten Onlinekonzern zu formen.

Li, seit jeher fasziniert von Suchmaschinen, hatte bereits Jahre zuvor einen Algorithmus entwickelt, der genau wie Googles PageRank Suchergebnisse auf Basis von Links hierachisierte. Im Januar 2000 gründeten Xu und Li Baidu (deutsch etwa: hunderte Male) gemeinsam mit dem singapurischen Venture-Capitalist Finian Tan, der als Gründungspartner dem Start-up Baidu eine Anschubfinanzierung von 7,5 Millionen Dollar besorgte. Danach ging es bergauf. 2001 startete Baidu eine eigene anzeigenfinanzierte Suchmaschine und erhielt ironischerweise eine fünf Million-Dollar-Finanzspritze von Google. Wo man offenbar Pläne verfolgte, das Unternehmen später ganz aufzukaufen. Microsoft und Yahoo wollten Baidu dann ebenfalls übernehmen. Beim Börsengang im August 2005 verfünffachte sich der erste Kurs von „Chinas Google“ und Li wurde Chinas erster Internet-Milliardär. Investor Draper besaß beim Börsenstart 28,1 Prozent an der Suchmaschine und damit mehr als Baidu-Mitgründer und -Vorstandschef Robin Li mit 25,8 Prozent.

Ein Riesenvorteil für Baidu war natürlich, dass die Konkurrenz der US-Internetgiganten, allen voran Google, in China nie Fuß fassen konnte. 2009 fing es an, als die chinesische Regierung im Vorfeld des 20.?Jahrestags des Tiananmen-Massakers Twitter aussperrte. Kurz danach wurde auch der Zugang zu Youtube und Facebook gesperrt – nach Unruhen in den Provinzen Tibet und Xinjiang. Google ist seit 2014 nicht mehr erreichbar, nur in Hongkong und Macau (Sonderverwaltungsregionen außerhalb der „Great Firewall“).

Baidu konnte so innerhalb weniger Jahre in China eine Quasi-Monopolstellung für Internetsuche erreichen. Trotzdem kommt auch aus dem eigenen Land Kritik auf. Das Staatsfernsehen CCTV veröffentlichte Recherchen über Baidus Geschäftspraktiken und Beziehungen zu diversen Sektoren der Industrie. Einzelne Parteifunktionäre haben laut darüber nachgedacht, mit Hilfe von staatlichen Zeitungen oder der Nachrichtenagentur Xinhua quasi-staatliche Suchmaschinen zu entwickeln. Und mit dem Aufstieg von Tencent und Alibaba hat sich eine starke Konkurrenzsituation zwischen Onlineunternehmen entwickelt. Insbesondere Tencent ist mit seinen Messaging-Tools und Online Games an Baidu vorbeigezogen. Um weiter zu wachsen und die Aktionäre zufrieden zu stellen, began Baidu 2015 damit, durch Übernahmen von und Investitionen in Start-Ups sein Kerngeschäft um E-Commerce- und Games-Dienste zu erweitern.

Management

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Baidu-Gründer und -CEO Robin Li (geb. 1968), verheiratet, vier Kinder, ist der wahrscheinlich einzige Medienkonzernchef mit einem eigenen Fanclub. Insbesondere junge chinesische Studenten verehren den in Peking und New York ausgebildeten Informatiker und Sohn von Fabrikarbeitern aufgrund seines Erfolges, und seines Aussehens. Er begann seine Karriere als einfacher Ingenieur bei Infoseek und belegt mit einem Vermögen von rund zehn Milliarden Dollar bei Forbes Platz 35 der reichsten Chinesen.

Kritiker werfen Li vor, die Baidu-Suchergebnisse zu manipulieren, indem Seiten von direkten Wettbewerbern wie Tencent oder Alibaba in den Suchergebnissen benachteiligt werden. Zudem gab es Gerüchte, dass Baidu seine wichtigsten Werbekunden zu nahesteht. So wurden angeblich Informationen über den Milchproduzenten Sanlu Group aus der Baidu-Suche entfernt, der 2008 vergiftete Milch in den Handel brachte. Li hat mehrfach eingeräumt die Suchergebnisse nach den Wünschen der chinesischen Regierung zu zensieren. Kritikern hält er entgegen, sich nur an die geltenden Gesetze zu halten. Bloomberg News zitiert ihn mit: „Ich bin ein Unternehmer und kein Politiker."

Geschäftsbereiche

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Baidu besteht im Wesentlichen aus zwei Geschäftsbereichen: dem Suchmaschinen-Segment und der Videoplattform iQiyi.

Die App Baidu.com ist die fünftmeistbesuchte Webseite der Welt, hat etwa 174 Millionen tägliche Nutzer und bietet, neben der flagship app der Baidu-Suchmaschine u.a. die folgenden Dienste: Baidu PostBar (social media-Plattform), Baidu Encyclopedia, Baidu Maps, Image Search, Video Search, News Search.

iQiyi (zuvor Qiyi) ist das größte Videoportal Chinas mit monatlich sechs Milliarden auf iQiyi verbrachten Stunden und monatlich 500 Millionen aktiven Nutzern. Um die kostenpflichtige iQiyi-Version („Netflix-like video streamer“) populärer zu machen produziert Baidu bzw. die Tochter iQiyi Motion Pictures eigenen Content. Seit Mitte 2018 besteht sogar die Möglichkeit, ausgesuchte wirkliche Kinos zu mieten, um sich dort iQiyi-Filme anzusehen. Ende Juni 2019 hatte iQiyi 100 Millionen zahlende Abonnenten (im März 2018 waren es noch 61,3 Millionen).

Aktuelle Entwicklungen

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Mitte Mai 2018 wandte sich Robin Li, CEO des sogenannten „chinesischen Google“, in einem offenen Brief an die Belegschaft. Er gab zu: Baidu befinde sich in einer düsteren Lage („a grim situation“). Trotzdem, für künftiges Wachstum müsse man weiter investieren. Li befand sich in einer ungewohnten Position. Zum ersten Mal seit 2005 sah er sich im ersten Quartal 2018 mit einem Verlust konfrontiert. Dafür verantwortlich hohe Ausgaben in Programminhalte für iQiyi und in new business initiatives um Big Data und mit künstlicher Intelligenz wie den DuerOS-Sprachassistenten oder die Apollo-Plattform (zum Thema autonomes Fahren). Ausgaben für next gen technologies also, die von einer Marktreife noch entfernt sind.

Trotz des Verlustes lässt sich Li nicht beirren. Am 4.7.2019 wird gemeldet: „Google-Rivale Baidu verbündet sich mit Toyota und Geely“. Google forscht mit seiner Filiale Waymo an selbstfahrenden Autos. Baidu macht es anders. Hier sind es der weltgrößte Autohersteller und der kleinere chinesische Geely, die sich Baidus Apollo-Plattform anschließen. Vor allem China, so liest man, investiert in die Automatisierung, um mit Tesla oder Waymo mithalten zu können, und stellt schon Regeln für selbstfahrende Fahrzeuge auf. Baidu hat schon jetzt die Erlaubnis, autonome Autos auf einigen innerstädtischen Straßen einzusetzen. Und vier Monate später kommen die Deutschen und schreibt die FAZ: „VW hat einen neuen Partner für Roboterautos“. VW mache „keine halben Sachen“ und steige als Partner bei Apollo: „führendes Technologiekonsortium für autonomes Fahren in der Volksrepublik, wo die Entwicklung von Roboterautos rasant voranschreitet.“

Inhalte

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