23. Baidu Inc.

Umsatz 2016: $ 70,549 Mrd. (€ 9,596 Mrd.)

Überblick

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Baidu ist der zweitgrößte Online- und Medienkonzern Chinas. Ähnlich wie das westliche Pendant Google hat Baidu eine Reihe von Karten-, Cloud und Social Networking-Diensten um sein Hauptprodukt, der gleichnamigen chinesischsprachigen Suchmaschine, angesiedelt. Im Bereich Internetsuche hat Baidu in China einen Marktanteil von rund 80 Prozent. Den Großteil seines Umsatzes erwirtschaftet der Konzern mit Display-Werbung.

Basisdaten

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Hauptsitz:
Baidu Campus,
No. 10, Shangdi 10th Street,
Haidian District,
Beijing 100085, China
Telefon: +86.10.5992.8888
Fax: +86.10.5992.0000

Branche: Suchdienste, Social Media, Cloud-Computing, Software
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 2000

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. RMB)
20162015

2014

20132012201120102009200820072006
Umsatz70.54964.03749.05231.94322.30614.5017.9154.4483.1981.744838

Gewinn

11.59632.43213.81710.51810.4566.6393.5251.4851.048629302

Mitarbeiter

n/a41.46746.39131.67620.87716.02810.8877.3536.3876.2523.113

 

 

Geschäftsführung

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Management:

  • Robin Li, Co-Founder, Chairman and CEO
  • Qi Lu, Vice Chairman, Group President and Chief Operating Officer
  • Ya-Qin Zhang, President
  • Hailong Xiang, Senior Vice President
  • Guang Zhu, Vice President
  • Victor Liang, Vice President and General Counsel; Executive Assistant to CEO
  • Herman Yu, Chief Financial Officer
  • Lee Liu, Vice President of HR & Admin
  • Lu Wang, Vice President
  • Haifeng Wang, Vice President

 

Board of Directors:

  • Robin Li, Baidu
  • James Ding, GSR Ventures
  • Qi Lu, Baidu
  • Yuanqing Yang, Lenovo Group
  • Brent Callinicos, Chairman of the Audit Committee

Geschichte und Profil

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1989 entschied sich Eric Xu, damals ein Außendienstler für eine Biotech-Firma, dafür, einen Dokumentarfilm über Innovation in Silicon Valley zu drehen. Gemeinsam mit zwei Geschäftsfreunden, dem Paar Melissa und Robin Li, interviewte Xu damals auch unter anderem den Yahoo-Gründer Jerry Yang. Insbesondere Robin Li zeigte sich beeindruckt, wie ein chinesischer Landsmann wie Yang es in den USA geschafft hatte, den damals größten Onlinekonzern zu formen.

Li, seit jeher fasziniert von Suchmaschinen, hatte bereits Jahre zuvor eine Algorithmus entwickelt, der genau wie Googles PageRank, Suchergebnisse auf Basis von Links hierachisierte. Einer der Talking Heads aus Xus Dokumentation, Bob King, investierte gemeinsam mit dem heutigen Aufsichtsratsmitglied Greg Penner 1,2 Millionen Dollar in Lis und Xus Firma. Zunächst lizenzierte Baidu (zu deutsch etwa: hunderte Male) seine Suchtechnologie an andere Portale wie Sina. Doch nach Unstimmigkeiten über die Bezahlung, startete das Unternehmen 2001 seine eigene anzeigenfinanzierte Suchmaschine und erhielt ironischerweise eine fünf Million-Dollar-Finanzspritze von Google, das offenbar Pläne verfolgte, das Unternehmen später ganz aufzukaufen. Microsoft und Yahoo wollte Baidu ebenfalls übernehmen.

Stattdessen ging der Konzern 2005 an die Börse und Li wurde Chinas erster Internet-Milliardär. Baidu verstand es ohne Frage wie kein anderes Unternehmen eine Suchmaschine zu entwickeln, die perfekt auf die chinesische Sprache und Kultur abgestimmt war. Der Vorwurf, systematisch von Verstoßen gegen das US-Urheberrecht zu profitieren, hat das Unternehmen seit Jahren begleitet. Zeitweise bestanden 40 Prozent des Baidu-Traffics aus seinem Musik-Dienst, der es Usern erlaubte über externe Links fast jeden erhältlichen Song gratis downzuloaden. Und doch wurde Baidu vor allem deshalb zu einer Erfolgsgeschichte, weil es das Unternehmen verstand, sich aufgrund exzellenter Beziehungen zur kommunistischen Partei Hauptkonkurrent Google vom Leib zu halten. Unter nicht vollständig aufgeklärten Umständen war die Google-Suche zeitweise nicht erreichbar oder wurde sogar auf die Baidu-Seite umgeleitet. Als Googles Server dann von chinesischen Hackern angegriffen wurde und das Unternehmen sich entschied sich bis auf weiteres aus China zu verabschieden, wurde das auch als Sieg für Baidu gewertet.

Management

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Baidus Robin Li ist der wahrscheinlich einzige Medienkonzernchef mit einem eigenen Fanclub. Insbesondere junge chinesische Studenten verehren den in Peking und New York ausgebildeten Informatiker und Sohn von Fabrikarbeitern aufgrund seines Erfolges und seines Aussehens. Er begann seine Karriere als einfacher Ingenieur bei Infoseek und avancierte mit einem geschätzen Vermögen von zehn Milliarden Dollar innerhalb von wenigen Jahren zum sechstreichsten Chinesen.

Sogar Googles ehemaliger Chef Eric Schmidt hat sich als Fan von Li geoutet - und dass obwohl Baidu sein Unternehmen mit Hilfe der kommunistischen Partei aus China verdrängt hat. Was Google unter anderem von der europäischen Kommission vorgeworfen wurde, gilt offenbar auch für Baidu: Kritiker werfen Li vor, die Suchergebnisse von Baidu zu manipulieren, indem Seiten von direkten Wettbewerbern wie Tencent oder Alibaba in den Suchergebnissen benachteiligt werden. Zudem machten in der Vergangenheit Gerüchte die Runde, dass Baidu seine wichtigsten Werbenkunden zu nahe steht. So wurden angeblich Informationen über den Milchproduzenten Sanlu Group aus der Baidu-Suche entfernt, der 2008 vergiftete Milch in den Handel brachte. Abgesehen vom Einfluss der Privatwirtschaft hat Li mehrfach offen eingeräumt die Suchergebnisse nach den Wünschen der chinesischen Regierung zu zensieren. Kritikern hält er entgegen, sich nur an die geltenden Gesetze zu halten. Bloomberg News zitiert ihn mit den Worten: "Ich bin ein Unternehmer und kein Politiker."

Geschäftsbereiche

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Baidu besteht im Wesentlichen aus drei Geschäftsbereichen: dem Suchmaschinen-Segment, dem Online-Bezahldienst Nuomi.com und der Videoplattform iQiyi. Die Suchmaschine Baidu.com ist mit monatlich mehr als 650 Millionen Usern (Dezember 2015) die viertmeistbesuchte Webseite der Welt. Mehr als eine Millionen Firmen nutzen Baidu.com, um - mit Hilfe der Werbetool BrandZone PhoenixNest und Alladin für ihre Produkte und Dienstleistungen zu werben. Integriert in Baidu.com sind unter anderem weitere Dienste wie Baidu Maps, Baidu Post Bar, Baidu Knows oder Baidu Encylcopedia oder WenKu, ein Tool zum Sharen von Dokumenten.

iQiyi ist das größte Videoportal Chinas. Um die kostenpflichtige Version von iQiyi populärer zu machen, plant Baidu massiv in die Entwicklung von eigenen Content zu investieren und hat Lizenzierungs-Deals mit den Hollywood-Studios Paramount und Lionsgate abgeschlossen. So sind bisher nur fünf der rund 500 Millionen monatlichen User bereit für eine Premium-Version zu zahlen. Das soll sich durch rund 40 neue Serien und Shows ändern, die für 2016 angekündigt sind.

Aktuelle Entwicklungen

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Baidu hat es geschafft innerhalb weniger Jahre ein Quasi-Monopol für die Internetsuche in China zu schaffen. Dennoch muss sich das Unternehmen zunehmend gegen Kritik aus dem eigenen Land wehren. Diverse Nachrichtenmedien, darunter auch das Staatsfernsehen CCTV haben investigative Recherchen über Baidus Geschäftspraktiken und Beziehungen zu diversen Sektoren der Industrie veröffentlicht. Einzelne Funktionäre der kommunistischen Partei haben in der Vergangenheit laut darüber nachgedacht, mit Hilfe von staatlichen Zeitungen oder der Nachrichtenagentur Xinhua quasi-staatliche Suchmaschinen zu entwickeln. Und mit dem Aufstieg von Tencent und Alibaba hat sich eine Konkurrenzsituation zwischen Onlineunternehmen entwickelt, wie sie in dieser Form wohl in keinem Land der Welt zu finden ist.

Insbesondere Tencent ist mittlerweile mit seinen Messaging-Tools und Online Games an Baidu vorbeigezogen. Um weiter zu wachsen und die Aktionäre zufrieden zu stellen, began Baidu 2015 damit im Zuge von diversen Übernahmen und Investitionen von Start-Ups sein Kerngeschäft um E-Commerce- und Games-Dienste zu erweitern. Das Videoportal iQiyi, dass es nicht geschafft hat, schwarze Zahlen zu schreiben, wurde indes Anfang 2016 von Robin Li persönlich aus dem Unternehmen herausgekauft um den strauchelnden Baidu-Kurs nicht weiter zu belasten.

Inhalte

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