9. Apple Inc.

Umsatz 2017/18: $ 37,190 Mrd. (€ 31,490 Mrd.)

Überblick

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Apple ist einer der führenden Anbieter von Computer-Hardware und -Software. Seit 2000 konnte das Unternehmen aus Cupertino, Kalifornien erst dem iPod, dann mit dem iPhone, dem iPad, und dem Launch des iTunes-Stores ganze Unterhaltungsbranchen revolutionieren. Heute ist dem Management klar, dass die Zeiten des schnellen Wachstums mit Hardware zu Ende gehen. Jetzt will der Konzern mehr von den rund 1,4 Milliarden Nutzern von Apple-Geräten profitieren, die schon im Umlauf sind. Ein Abo-Angebot mit Serien und Filmen aus eigener Produktion mit Namen Apple TV+ startete am 1.11.2019.

Für die Einordnung von Apple in das Medienkonzern-Ranking wurde nur der Umsatz des Geschäftsbereichs „Services" als Grundlage genommen, der Verkäufe beinhaltet der digitalen content stores und Streaming-Dienste, AppleCare, Lizenz- und andere Dienstleistungen. Seit dem ersten Quartal 2019 berechnet Apple die Amortisierung von Maps, Siri und kostenlosen iCloud-Diensten als „Services“-Nettoumsatz. Die Umsätze der Sparte „Services“ wurde daraufhin für die Jahre 2018 und 2017 neu berechnet, um mit der Darstellung für das Jahr 2019 übereinzustimmen.

Basisdaten

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Hauptsitz:
One Apple Park Way
Cupertino, CA 95014
USA
Telefon: 001 408 9961010
Internet: investor.apple.com
 
Branchen:
Abo- und Streamingdienste (Musik, Film), Lizenzverkäufe
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.10. – 30.9.
Gründungsjahr: 1976

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. $)
2017/182016/172015/162014/152013/142012/13
Umsatz265.595229.234215.639233.175182.795170.910

Gewinn (Verlust)

59.53148.35145.68753.39439.51037.037
Aktienkurs (Jahresende)137,20142,70111,1699,3393,4958,82
Mitarbeiter132.000123.000116.000100.00092.60080.300

 

 

Tab. II: Umsätze "Services" (in Mio. $) nach Neufestlegung
2018/192017/182016/17
Gesamtumsatz260.174265.595229.234

"Services"

46.29139.74832.700

Geschäftsführung

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Management:

  • Tim Cook, Chief Executive Officer
  • Katherine Adams, Senior Vice President and General Counsel
  • Eddy Cue, Senior Vice President Internet Software and Services
  • Craig Federighi, Senior Vice President, Software Engineering
  • John Giannandrea, Senior Vice President
    Machine Learning and AI Strategy
  • Jonathan Ive, Chief Design Officer
  • Sabih Khan, Senior Vice President Operations
  • Luca Maestri, Senior Vice President and Chief Financial Officer
  • Deirdre O’Brien, Senior Vice President, Retail and People
  • Dan Riccio, Senior Vice President, Hardware Engineering
  • Philip W. Schiller, Senior Vice President, Worldwide Marketing
  • Johny Srouji, Senior Vice President, Hardware Technologies
  • Jeff Williams, Chief Operating Officer

Board of Directors:

  • Arthur D. Levinson, Former Chairman and CEO, Genentech
  • James A. Bell, Former CFO and Corporate President, The Boeing Company
  • Tim Cook, CEO, Apple
  • Al Gore, Former Vice President of the United States
  • Andrea Jung, President and CEO, Grameen America
  • Ronald D. Sugar, Former Chairman and CEO, Northrop Grumman Corporation
  • Susan L. Wagner, Co-founder and Director, BlackRock

Geschichte

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Anfang der 1970er Jahre trafen sich Steve Jobs und Stephen „Woz" Wozniak erstmals in dessen Garage. Jobs hatte von dem Computer „Cream Soda" gehört, den Wozniak in Eigenregie gebaut hatte. In den Schulferien arbeiteten beide bei Hewlett-Packard, wo sie sich besser kennen lernten. Ihr erstes gemeinsames Projekt war der Bau von „Blue Boxes“, mit denen man Gratis-Ferngespräche führen konnte, da die Geräte die entsprechenden Töne der Telefongesellschaft simulierten. Hier zeigte sich erstmals die Arbeitsteilung, die das Gespann Jobs/Wozniak so erfolgreich werden ließ: Wozniak war mit seinem technischen Know-how für die Herstellung der Geräte verantwortlich, Jobs organisierte das Material und leitete den Verkauf. An jeder verkauften Blue Box verdienten die beiden Jung-Unternehmer 90 Dollar.

Jobs und Wozniak gehörten 1975 zur ersten Generation des „Homebrew Computer Clubs“. Dort konnten technikbegeisterte Hobby-Computeringenieure ihre Projekte Gleichgesinnten vorstellen und ihr Know-how austauschen. Dort präsentierte Stephen Wozniak einen selbst gebastelten Computer, der mit einer Tastatur versehen war und an einen Fernseher angeschlossen werden konnte. Jobs war von dem Prototyp begeistert und überzeugte Wozniak, eine eigene Firma für eine serienmäßige Herstellung des Rechners zu gründen.

Apple Computer, so der Name der Firma, wurde 1976 im Schlafzimmer von Jobs' Elternhaus in der Nähe von San Francisco gegründet. Jobs gab später an, den Namen „Apple" unter anderem deswegen gewählt zu haben, um vor Atari im Telefonbuch zu erscheinen. Neben Jobs und Wozniak gehörte Ronald Wayne zu den Gründungsmitgliedern. Der Grafiker war ein Freund von Steve Jobs, den er beim gemeinsamen Arbeitgeber Atari kennengelernt hatte. Jobs stattete Wayne, der auch das erste Apple-Logo designte, mit zehn Prozent der Unternehmensanteile aus, um im Ernstfall mit ihm zusammen ein Vetorecht gegenüber Wozniak ausüben zu können, der wie Jobs 45 Prozent hielt.

Erstes Produkt wurde also der von Wozniak entwickelte Holzcomputer, der „Apple I" getauft wurde. Vom Nachfolgemodell Apple II wurden von 1977 bis 1980 etwa 50.000 Exemplare abgesetzt. Lag die Zahl der Apple-Mitarbeiter 1977 noch bei rund 50 Angestellten, so waren es 1979 bereits mehr als 1.000. Das Elternhaus von Steve Jobs war längst zu klein geworden, also zog die Belegschaft Ende 1977 in die neue Firmenzentrale in Cupertino, Kalifornien. 1980 wagte Apple den Schritt an die Börse und war damit das erste Start-Up-Unternehmen aus dem Silicon Valley, dessen Wertpapiere an der Wall Street gehandelt wurden. Steve Jobs und viele Mitarbeiter wurden über Nacht zu Multimillionären.

Die Konkurrenzsituation auf dem Computermarkt war zu Beginn der 1980er Jahre eine ganz andere als noch Mitte der 1970er. Inzwischen boten Unternehmen wie Commodore, Atari und IBM ähnliche und teilweise leistungsstärkere Rechner an. Eine besondere Herausforderung war für Apple, dass IBM 1981 den „IBM PC" vorstellte, während die dritte Generation der Apple-Computer gefloppt war. Der IBM PC war als reiner Business-PC konzipiert, verfügte mit dem von Microsoft hergestellten DOS über ein benutzerfreundliches Betriebssystem und erfüllte damit alle Vorraussetzungen, in großen Firmen und Verwaltungsbehörden zum Einsatz zu kommen. Als erste Reaktion schaltete Apple eine ganzseitige Anzeige in einer Tageszeitung, die den Einstieg IBMs in den Personal Computer-Markt arrogant mit der Überschrift „Welcome IBM, seriously“ kommentierte.

Zu dieser Zeit konnte Apple kein vergleichbares Produkt anbieten. Der Apple II lieferte zwar weiterhin gute Verkaufszahlen, jedoch nur unter technikbegeisterten Privatanwendern. Um mit IBM mithalten zu können, sollte 1982 ein würdiger Nachfolger des Apple II auf den Markt gebracht werden (nach dem Flop des Apple III). Dann kam Apple Lisa (wahlweise nach der Abkürzung für "Local Integrated Software Architecture" oder nach der Tochter von Steve Jobs benannt). Lisa sollte Benutzern eine neuartige Erfahrung im Umgang mit Computern ermöglichen. Wichtigster Bestandteil sollte ein mausbasiertes, grafisches Betriebssystem sein, wie es zuvor nur der Computerhersteller PARC in sein Modell "Xerox Alto" integriert hatte. Um an die technische Expertise für die Implementierung eines solchen „Graphical User Interface“ (GUI) zu gelangen, ließ sich Steve Jobs von Xerox informieren und bot PARC-Managern Optionen auf Apple-Aktien an. Mehrere Programmierer wechselten zudem komplett von PARC zu Apple, um das Lisa-Entwicklungsteam zu unterstützen.

Der damalige Apple-CEO Michael Scott sah Steve Jobs' Involvierung in das Lisa-Projekt skeptisch. Jobs war schon für das gescheiterte Apple III-Modell verantwortlich, das dem Unternehmen mehrere Millionen Dollar gekostet hatte. Scott war nicht ein zweites Mal bereit, Jobs mit allen Freiheiten bei der Entwicklung eines neuen Computers auszustatten. Er zog ihn aus der Lisa-Abteilung ab und machte ihn zum Pressesprecher. Doch nach einem kurzen Intermezzo als Chef der PR-Abteilung interessierte sich Jobs für ein Apple-Projekt, das bis dahin mit nur vier verantwortlichen Programmierern ein Schattendasein gefristet hatte. Seit 1979 arbeitete das kleine Team unter der Führung von Jef Raskin an dem nach Raskins Lieblings-Apfelsorte „McIntosh“ benannten Computer, der über hochwertige Grafikkapazitäten verfügen und mit einem Preis von 500 Dollar trotzdem noch für jeden erschwinglich sein sollte. Ärgerlich, aus dem Lisa-Projekt verbannt geworden zu sein, riss Steve Jobs die Führung des Macintosh-Teams an sich, das er in den Jahren zuvor ironischerweise mehrfach auflösen wollte. Jef Raskin, der eigentliche Vater des Macintosh, wurde von Jobs in eine andere Abteilung versetzt und verließ Apple kurze Zeit später. Der Name „Bicycle“, den das Projekt dann bekommen sollte, konnte sich nicht durchsetzen.

Das Betriebsklima bei Apple litt unter dem, auch von Jobs ausgelösten, Konkurrenzkampf zwischen dem Lisa-Team und den Macintosh-Ingenieuren (die angeblich Teile von Lisa kopierten). Auch die Apple II-Abteilung, die nach wie vor das profitabelste Produkt der Firma herstellte, fühlte sich benachteiligt. Als Steve Jobs auch Stephen Wozniak in die Macintosh-Abteilung holte, verlor das Apple II-Team seinen wichtigsten Mitarbeiter. Die negative Stimmung hatte auch personelle Konsequenzen. CEO Scott musste gehen. Es war ihm nicht gelungen, den Betriebsfrieden aufrechtzuerhalten. 1981 wurde auf Drängen von Steve Jobs John Sculley als neuer CEO verpflichtet. Sculley, der vom Getränkeriesen PepsiCo kam, hatte in den 1970ern Pepsi zu einer Getränkemarke ausgebaut hatte, die es mit dem Marktführer Coca-Cola aufnehmen konnte. Legendär in diesem Zusammenhang wurde Steve Jobs' Frage, mit der er Sculley vom Einstieg bei Apple überzeugte: „Willst du den Rest deines Lebens Zuckerwasser verkaufen oder willst du eine Chance haben, die Welt zu verändern?“

Nachdem der Lisa-Computer ein Reinfall wurde, blieb CEO Sculley nichts anderes übrig, als auf das Macintosh-Team rund um Steve Jobs zu setzen. Die beiden verstanden sich anfangs gut, für die Presse und Mitarbeiter waren sie ein „dynamisches Duo“. Sie teilten ihre Leidenschaft für ungewöhnliche Werbekampagnen und beauftragten die Agentur Chiat/Day damit, die Einführung des Macintosh 1984 zu vermarkten. Die Agentur engagierte Regisseur Ridley Scott, um einen Werbespot zu drehen, der nur einmal in der Halbzeitpause des Super Bowl ausgestrahlt wurde, und in einer von Orwells „1984“ inspirierten Zukunft spielte, in der eine Frau mit einem Hammer den Bildschirm von "Big Brother" zerstört. Am Ende wurde der berühmt gewordene Slogan eingeblendet: „On January 24th, Apple Computer will introduce Macintosh. And you’ll see why 1984 won’t be like ’1984’"

Zunächst verkaufte sich der Macintosh sehr gut, blieb jedoch deutlich hinter den Erwartungen. Management und Vorstand von Apple machten Jobs dafür verantwortlich. Er hatte die Nerven von Entscheidungsträgern, Aufsichtsrat und Angestellten so strapaziert, dass er zur unerwünschten Person innerhalb des Unternehmens geworden war, das er selbst zehn Jahre zuvor gegründet hatte.

Nach Jobs' Rauswurf ging es mit Apple bergauf. Hauptgrund dafür war die Entwicklung des technisch verbesserten Macintosh II, den man bis 1993 zwölfeinhalb Millionen Mal verkaufen konnte. Auch der Apple II blieb bis zum Jahr seiner Einstellung relativ erfolgreich und verkaufte sich insgesamt fünf Millionen Mal. Die Sculley-Ära war außerdem durch einen der größten Urheberrechtsstreite der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte geprägt, in dem sich Microsoft und Apple gegenseitig beschuldigten, dem anderen die Idee für grafische Betriebssysteme gestohlen zu haben.  Mitte der 1990er, nachdem Sculley und drei weitere CEOs vergeblich versucht hatten, Apple wieder in die Erfolgsspur zurückzuführen, kam Steve Jobs zurück. Apple benötigte dringend ein neues Betriebssystem und Jobs in der Zwischenzeit gegründete Firma NeXT hatte gerade eines entwickelt. NeXT wurde von Apple übernommen und Jobs wieder Geschäftsführer.

Ein erster Erfolg war der iMac, der sich auch dank der „Think Different"-Werbekampagne gut verkaufte. Doch bereits 2001 befand sich die gesamte Computerbranche in einer Krise, die auch Apple schwer traf, zu einer Zeit, als der Markt für internetfähige Heimcomputer gesättigt war. Flops wie der Power Mac G4 Cube verschärften die Krise. Einige Computerhersteller sprachen bereits vom Ende des PCs. Jobs aber entgegnete den Pessismisten, der Heimcomputer müsse künftig andere Aufgaben erfüllen. Das Zauberwort, das Jobs in zahlreichen Präsentationen prägte, lautete „Digital Lifestyle“. Apple-Computer sollten künftig mit Unterhaltungselektronik kompatibel sein und mit dieser interagieren. Zu diesem Zweck entwickelte Apple die Videosoftware iMovie und das Programm iTunes, mit dem man MP3s auf seinem Rechner kategorisieren und brennen kann.

Das wichtigste Produkt, das Apple im Zuge der Digital Lifestyle-Offensive herausbrachte, war 2001 der iPod. Der Musikplayer verfügte mit seiner fünf Gigabyte-Festplatte über so viel Speicherplatz wie kein MP3-Gerät zuvor. Das von Jonathan Ive entwickelte Design, das weißen Kunststoff und Chrom verband, machte den iPod zu einem Prestigeobjekt. Eine kluge Werbekampagne sorgte für einen Hype, wie man ihn zuvor wohl nur bei der Einführung des Sony Walkman Ende der 1970er gesehen hatte. Von 2001 bis 2008 verkaufte Apple mehr als 170 Millionen iPods. Ein wichtiger Bestandteil des Phänomens iPod ist der iTunes Store, der virtuelle Musikladen, in dem man ganz legal Musiktitel gegen Bezahlung herunterladen konnte. Apple wurde zum Vorreiter in Sachen Online-Musikvertrieb. 

Im Anschluss dachte Jobs über ein Gerät nach, das die Funktionen des iPod mit denen eines BlackBerry und eines Mobiltelefons verbinden sollte. Er konnte dabei auf Erfahrungen zurückgreifen, die man mit dem Newton-PDA seit Ende der 1980er Jahre gesammelt hatte. 2004 richtete Apple eine tausendköpfige Arbeitsgruppe für das streng vertrauliche „Project Purple“ ein. Über einen Zeitraum von 30 Monaten und für geschätzte Entwicklungskosten in Höhe von 150 Millionen Dollar wurde das iPhone entwickelt. Mit dem „i“ als Symbol für: „internet, individual, instruct, inform, inspire“. Dann, am 9. Januar 2007, auf der Macworld im Moscone Center (San Francisco). Der Firmenname wurde von Apple Computer, Inc. zu Apple Inc. geändert und Steve Jobs begann seine Rede mit: “Every once in a while, a revolutionary product comes along that changes everything.” In einem Facebook-Kommentar schreibt jemand: “Die Leute, die da waren, wussten nicht, dass das ein historischer Moment war.“ Das iPhone kam auf den Markt und wurde schnell zum größten Erfolg der Unternehmensgeschichte. Zwischen 2005 und 2015 versechzehnfachte sich der Umsatz, bis November 2018 wurden 2,2 Milliarden iPhones verkauft.

Mit einem ähnlichen „game changer“, einem ähnlich revolutionären, disruptiven Produkt (mit dem iPhone und weiteren Smartphones musste sich z.B. die gesamte Werbeindustrie neu orientieren, weg von traditionellen Werbeplattformen wie dem Fernsehen hin zur Werbung im Internet. Google und Facebook waren die großen Gewinner) konnte Apple in der Folge nicht aufwarten. Das iPad, der Tabletcomputer mit berührungsempfindlichem Bildschirm, ab 2010 und die Apple Watch ab 2015 und ihre jeweiligen Fortentwicklungen waren sicherlich erfolgreich (mit 18 Millionen verkauften Apple Watches konnte man 2017 die gesamte Schweizer Uhrenindustrie überholen). An die alles überragenden Erfolge mit dem iPhone konnten sie nicht anknüpfen.

Die Diagnose einer seltenen Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs hatte Steve Jobs schon im Oktober 2003 erhalten. Am 05.10.2011 starb er an den Folgen der Erkrankung im Kreis der Familie in Palo Alto, Kalifornien.

Management

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Nach dem Tod von Steve Jobs im Oktober 2011 war die Rollenverteilung klar. Jobs war Apple. Er war der Visionär, der iGod. Tim Cook, zu dem Zeitpunkt 50 Jahre alt, CEO schon seit August 2011, zuvor als COO zuständig fürs Tagesgeschäft, sah sich mit einer Menge Skepsis konfrontiert. In der „Huffington Post“ hieß es kurz nach Jobs’ Tod: „Warum Apple dem Untergang geweiht ist“. Cook, Sohn eines Werftarbeiters aus Alabama, hatte Maschinenbau (Industrial Engineering) studiert, einen Master of Business Administration absolviert und für IBM im nordamerikanischen Vertrieb sowie bei Intelligent Electronics gearbeitet. Steve Jobs persönlich hatte ihn 1998 zu Apple geholt. Konnte der nüchterne Cook, der mit dem leiseren Führungsstil und definitiv kein „Technologieprophet“, die Überfigur des charismatischen Steve Jobs beerben?

Bald zehn Jahre später ist Cook unumstritten auf seinem Posten. Ein Blick auf die Apple-Aktie spricht für sich. Lag der Kurs Mitte 2013 noch bei 56,65 Dollar, ging es bis Ende Januar 2020 hoch bis knapp 318 Dollar. Mitte 2019 besaßen 1,4 Milliarden Menschen ein Apple-Gerät und 900 Millionen ein iPhone – die meisten davon verkauft in der Ära Cook. Im August 2018 konnte Apple als erster Konzern der Welt einen Marktwert von einer Billion Dollar erreichen. „Aller Kritik muss man entgegenhalten, dass mit ihm Apples Erfolgsgeschichte einfach weitergeht“, so Colin Crawford von „Macworld“. Am wichtigsten in einem Riesenkonzern sind nicht unbedingt die Produkte, sondern Lieferkette, Vertrieb, Finanzen und Marketing. Ein Business, das Tim Cook beherrscht.

Geschäftsfelder

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Im Apple-Jahresbericht 2018 (vom 01.10.2017 bis zum 28.09.2018), also dem für die 2018er Version von media.db relevanten annual report, wird unter Business vermerkt: Apple entwickelt, produziert und vermarktet Smartphones, PCs, Tablets, Wearables und Zubehör und verkauft damit verbundene Dienstleistungen. Konkret sind das Produkte wie das iPhone, Mac-Computer, iPad-Tablets, „Wearables“ (Apple Watch) und Zubehör (AirPods, Beats-Kopfhörer, iPod touch).

Für die Einordnung von Apple in das Medienkonzern-Ranking werden nur die Umsätze des Geschäftsbereichs „Services" beachtet: Verkäufe der digitalen content stores, Streaming-Dienste, AppleCare, Lizenz- und andere Dienstleistungen. Im Detail sind das die Verkäufe der diversen App Stores, Einnahmen mit Abo-Diensten wie Apple Music (seit dem 30.06.2015, Video- und Musik-Streaming in über 100 Ländern, mit 60 Millionen Abonnenten im Juni 2019) und aus dem Geschäft mit der iCloud.

Aktuelle Entwicklungen

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Apple ändert sich fundamental. Die Zeit der ganz großen Verkaufserfolge mit dem iPhone ist vorbei (auch wenn es im Weihnachtsgeschäft 2019 noch einmal Rekordgewinne gab). Apple-Chef Tim Cook im November 2019: „In zehn Jahren wird niemand mehr Autos oder iPhones kaufen.“ Der amerikanische Tech-Experte Tien Tzuo ruft „das Ende des Besitzes“ („the end of ownership“) aus und das Abo-Zeitalter, die „subscription economy“. Apple beispielsweise habe längst aufgehört, ein Produktunternehmen zu sein. Die Strategie des Unternehmens basiere nicht mehr allein auf dem Verkauf von iPhones, deren Absatz ohnehin zurückgehe, sondern auf den Services.

Siehe die bereits existierenden Abo-Dienste Apple Music, Apple News+ (Zeitungs-Flatrate), Apple Arcade (Videospiele) und natürlich der am 1.11.2019 mit großem Aufwand gestartete Videostreamer Apple TV+ (bislang ausschließlich mit Eigenproduktionen). Und zumindest in den USA kann man sogar iPhones im Abonnement bestellen, statt sie zu kaufen. Soviel zur Transformation zur Abo-Ökonomie. Bloomberg zufolge plant Apple für 2020, auch ein bundle seiner Streamingdienste anzubieten.

Noch immer gilt Apple und gelten die Macs und iPhones usw. als anders, als eleganter, ästhetischer, nachhaltiger, als besser (und teurer), als cool. Noch immer, selbst, wie man in der Schweizer Handelszeitung lesen kann, wenn Apple für reiche chinesische Frauen die zweitbegehrteste Geschenkmarke ist – nach Bulgari, vor Chanel. Keynotes auf Apple Events waren zur Zeit von Steve Jobs und sind noch heute wie Predigten vor jubelnden Jüngern. Dazu passt die Nachricht über den Aufstieg von Tim Cook „zum einflussreichsten US-Manager“ (SZ vom 10.10.2019). Die Nachricht über Cooks direkten Draht zu Präsident Trump (obwohl er 2016 hinter Hillary Clinton stand), über seine engen Beziehungen zur Trump-Familie und wie er als „überaus erfolgreicher Lobbyist“ seiner Firma viele Milliarden Steuern einspart. Dazu passt eben auch, dass er zwar mal als „rückgratloser Opportunist“ bezeichnet wird, dass aber Protestwellen und Boykottaufrufe von links ausbleiben. Es geht ja um Apple. Und um Macbooks, die, wie sich nicht mehr übersehen lässt, in jedem Hollywood-Film und jeder Netflix-Serie mindestens einmal auf mindestens einem Tisch stehen.  

Literatur

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  • Leander Kahney: Tim Cook – The Genius Who Took Apple to the Next Level. Penguin Publishing Group 2019
  • Erdmann, Charlotte (2011): One more thing: Apples Erfolgsgeschichte vom Apple I bis zum iPad. München: Addison-Wesley
  • Isaacson, Walter (2011): Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers. C. Bertelsmann Verlag
  • Kahney, Leander (2013): Jony Ive: The Genius Behinds Apple's Greatest Products. New York: Penguin
  • Kahney, Leander (2008): Inside Steve’s Brain, New York: Portfolio
  • Young, Jeffrey S./Simon, William L. (2006): iCon Steve Jobs: The Greatest Second Act in the History of Business, New Jersey: Wiley
  • Wozniak, Steve/Smith, Gina (2007): iWoz: How I Invented the Personal Computer, Co-Founded Apple, and Had Fun Doing It. New York: W.W. Norton