32. Amazon.com Inc.

Umsatz 2015: $ 6,435 Mrd. (€ 5,800 Mrd.)

Überblick

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Amazon entwickelte sich von einem Online-Buchhändler zum größten Versandhandel der Welt. Um seine Premium-Mitgliedschaft Amazon Prime zu promoten und sein Geschäft zu diversifizieren, agiert Amazon seit spätestens 2013 als klassischer Medienkonzern und produziert aufwändige TV-Serien und Filme für seinen Streaming-Dienst und hat diverse eigene Buchverlage ins Leben gerufen. Amazon-Gründer Jeff Bezos kontrolliert zudem seit 2013 mit der "Washington Post" eine der einflussreichsten Tageszeitungen der USA.

Die oben genannte Umsatzzahl bezieht sich auf den geschätzten Umsatz, den Amazon im Jahr 2014 durch seine Prime-Mitglieder erwirtschaftet hat (siehe dazu entsprechende Berichte zur Nutzerzahlenentwicklung von USA Today und Geekwire) 

Basisdaten

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Hauptsitz:
Amazon.com Inc.
1200 12th Avenue South, Suite 1200
Seattle, WA 98144  
Telefon: 001-206-266-1000
Telefax: 001- 206-622-2405
Internet:  www.amazon.com


Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 1994, seit 1997 börsennotiert

Tab. I: Ökonomische Basisdaten
20162015201420132012201120102009200820072006
Umsatz (in Mio. $)135.987107.00688.98874.45261.09348.07734.20424.50919.16614.83510.711
Gewinn (Verlust) nach Steuern (in Mio. $)2.371596(241)274(39)6311.152902645476190
Aktienkurs (Jahresende)749,87675,89310,35398,79250,87173,10180134,5251,2892,6739,46
Beschäftigte341.400230.000154.100117.30088.40056.20033.70024.30020.70017.00013.900
Tab. II: Umsatz nach Sparten (Beträge in Mio. $)
20162015201420132012201120102009200820072006
Nordamerika79.78563.07855.46944.51734.81326.70518.70712.82810.2288.0955.869
International43.98335.41833.51929.93526.28021.37215.49711.6818.9386.7404.842
Web Services12.2197.8804.6443.108--------------

Geschäftsführung

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Management:

  • Jeffrey P. Bezos, President, CEO & Chairman of the Board
  • Jeffrey Blackburn, Senior Vice President, Business Development
  • Andrew R. Jassy, CEO, Amazon Web Services
  • Shelley L. Reynolds, Vice President, Worldwide Controller & Principal Accounting Officer
  • Diego Piacentini, Senior Vice President, International Consumer Business
  • Brian T. Olsavsky, Senior Vice President and Chief Financial Officer
  • Jeffrey A. Wilke, CEO, World Wide Consumer
  • David A. Zapolsky, Vice President, General Counsel and Secretary


Vorstand:

  • Jeffrey P. Bezos, Amazon
  • Tom A. Alberg, Madrona Venture Group
  • John Seely Brown, USC
  • William B. Gordon, Kleiner Perkins Caufield & Byers
  • James A. Gorelick, Wilmer Cutler Pickering Hale and Dorr LLP
  • Judith A. McGrath, Astronauts Wanted
  • Alain Monié, Ingram Micro Inc.
  • Jonathan J. Rubinstein, Bridgewater Associates LP
  • Thomas O. Ryder, Reader’s Digest Association Inc.
  • Patricia Q. Stonesifer, Martha's Table
  • Wendell P. Weeks, Corning Incorporated

Geschichte und Profil

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Der Amazonas, wasserreichster Fluss der Welt und Mündungsdelta für mehr als 10.000 Flüsse, ist Namensgeber und passende Metapher für ein Unternehmen, das heute verschiedenste Waren verkauft und selbstproduzierte Medieninhalte nutzt, um den Verkauf anzukurbeln. Jeffrey P. Bezos gründete das Unternehmen 1994 im US-Bundesstaat Washington unter dem Namen Cadabra.com. 1995 ging Amazon.com online. Zunächst in Kooperation mit dem amerikanischen Buchhändler Barnes & Noble entstand der Online-Büchershop in Nordamerika. Seit 1997 wird Amazon an der amerikanischen Technologie-Börse NASDAQ unter der Abkürzung AMZN gehandelt. Als eines der wenigen New-Economy-Unternehmen überlebte Amazon die Internet-Krise. Stetiges und langsames Wachstum waren von Beginn an Jeff Bezos Geschäftsdevise.

Mit einem Umsatz von mehr als zehn Milliarden US-Dollar stieg Amazon 2006 unter die Fortune-500-Unternehmen.  Rund 20 Jahre nach Gründung steht Amazon so gut da wie noch nie. Das Unternehmen hat sich zu einem Wall Street-Liebling entwickelt, wächst unaufhaltsam und weist jedes Quartal signifikante Umsatzsteigerungen auf. Im Herbst 2012 wurde die bislang gemietete Unternehmenszentrale in Seattle für eine Milliarde US-Dollar gekauft, dem teuersten Immobiliendeal in den USA seit langem. Zudem wird Amazon nicht müde in seine Distributionsinfrastruktur zu investieren und die Konkurrenz zu schwächen. War Amazon vor 15 Jahren der Underdog, der sich gegen Buchladenketten wie Borders durchsetzen musste, haben sich die Verhältnisse inzwischen umgekehrt: Barnes musste Konkurs anmelden, während Amazon zuletzt 15 neue Warenlager in den USA eröffnete. Freuen konnte sich das Unternehmen auch über die erstinstanzliche Verurteilung von Konkurrent Apple im Sommer 2013 wegen der Bildung eines illegalen E-Book-Kartells mit dem Ziel Amazon Niedrigpreispolitik zu attackieren. Das Unternehmen unterhält exzellente Verbindungen nach Washington (nicht erst seit Jeff Bezos Übernahme der "Post" im Jahr 2013): zuletzt wurde Obamas ehemaliger Pressesprecher Jay Carney als Cheflobbyist und PR-Fachmann engangiert.

Amazons 2007 eingeführter E-Book-Reader Kindle hat  längst zu einem Milliardengeschäft entwickelt. Im Jahr 2012 stiegen die Verkäufe des Geräts und der Kindle-Editionen von Büchern um 70 Prozent, während der Verkauf von gedruckten Büchern um vergleichsweise geringe fünf Prozent anstieg. Die im Sommer 2014 gelaunchte umstrittene Download-Flatrate "Unlimited" für Kindle-Nutzer zementierte die Vormachtstellung des Unternehmens weiter. Seit 2013 steckt Amazon außerdem große Summen in eigene Medieninhalte und begann seine Website und Hardware mit immer mehr selbst produzierten Content  zu verknüpfen. Dazu gehören seit 2013 in Eigenregie produziert Serien für seinen VoD-Dienst, seit 2015 Kinofilme sowie seit der Übernahme des Games Studio Double Helix Anfang 2014 auch Videospiele. Mit der TV-Set Top Box Fire TV, die seit April 2014 verkauft wird, will Amazon seinen Einfluss bis in die Wohnzimmer und auf die heimischen Fernseher ausdehnen: mit dem 99 US-Dollar teuren Gerät kann auf das Amazon Video-Archiv zugegriffen, Games gespielt, eigene Homevideos geschnitten und geteilt sowie natürlich Produkte über Amazon bestellt werden. Mit dem Streamingdienst Amazon Video, der seit April 2016 auch unabhängig von einer Prime-Mitgliedschaft ist, reagierte das Unternehmen vor allem auf den Erfolg von Hauptkonkurrent Netflix.

Einen je nach Lesart Imageschaden oder -gewinn erfuhr Amazon im November 2010, als sich das Unternehmen dafür entschied, die Enthüllungswebsite WikiLeaks von seinen Servern zu entfernen. Zwar hieß es offiziell, Wikileaks hätte gegen die Geschäftsbedingungen verstoßen, indem es Inhalte veröffentlichte, deren Rechte es nicht besitze. Doch wie im Zuge von Presseberichten publik wurde, war es wohl politischer Druck, der Amazon dazu bewog, der Organisation von Julian Assange auf seinen Servern keine Plattform mehr zu bieten.

Ein weiteres Beispiel für die wachsende Marktmacht des Unternehmens war der seit Anfang 2014 schwelende Disput mit dem Großverlag Hachette. Amazon wollte die E-Book-Versionen der Hachette-Titel günstiger auf seiner Plattform verkaufen. Da Hachette damit nicht einverstanden war, wurden die gedruckten Hachette-Bücher bis auf weiteres nicht mehr bei Amazon verkauft. Insgesamt 1000 namhafte Hachette-Autoren, darunter u.a. Stephen King und John Grisham, forderten den Amazon-Aufsichtsrat in Anzeigen und einem offenen Brief auf, dies zu unterlassen. Schließlich wurde der Disput im November 2014 im Rahmen eines nicht näher bekannten Vertrags bis auf weiteres beigelegt.

Management

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Jeff Bezos, Gründer und Präsident des Unternehmens wurde 1964 in Albuquerque, New Mexico geboren. Zunächst in Houston, Texas, später in Miami, Florida, lebte er mit seinem kubanischen Stiefvater, seiner Mutter und seinen beiden Geschwistern zusammen. Sein Großvater, ein pensionierter Manager der amerikanischen Atom-Energie-Behörde (Atomic Energy Commission) entfachte seine Neugier und Leidenschaft für die Naturwissenschaften. Mit dem Ziel, Physik zu studieren, schrieb Bezos sich an der Princeton Universität ein, wechselte jedoch zu Informatik und Elektrotechnik und schloss sein Bachelor-Studium im Jahr 1986 ab. Nach dem Studium arbeitete er zunächst an der Wallstreet als Computerexperte. 1994 wagte er sich dann mit der Gründung seines Online-Unternehmens in die Selbständigkeit. Seit 1993 ist er mit der Romanautorin Mackenzie Bezos verheiratet, beide haben drei gemeinsame Söhne und eine Adoptivtochter.

Im Jahr 1999 kürte ihn das Time Magazin für seinen großen Einfluss als „New-Era Entrepreneur“ und „King of Cybercommerce“ zur Persönlichkeit des Jahres. Laut dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes zählt Bezos zum Kreis der weltweit reichsten Menschen. 2015 landete er mit seinem Vermögen von rund 60 Milliarden US-Dollar auf Platz 4 der entsprechenden Rangliste. Dass Jeff Bezos Visionen hat, zeigt auch sein Engagement in ganz anderen Sphären. 2004 gründete er Blue Origin, ein Unternehmen, das langfristig kostengünstig Weltraumflüge anbieten will. Die Labore und das Testgebiet liegen in West-Texas, in der Nähe der Farm seines Großvaters. 2013 kaufte er sich die Traditionszeitung "Washington Post" für den Schnäppchenpreis 250 Millionen US-Dollar. Zur selben Zeit erschien Brad Stones Bezos-Biographie "Der Allesverkäufer", das den Amazon-Gründer als rein profitorientierten, gegenüber Mitarbeitern und Wettbewerbern gnadenlosen Manager porträtiert, der das Unternehmen im Stil eines "grausamen Lohnherren" führt.

Geschäftsbereiche

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Das lange Zeit ambitionierteste Projekt von Amazon war das „Kindle“, mit dem Jeff Bezos das zum Jahrtausendwechsel bereits tot geglaubte Konzept des E-Books revitalisiert hat . Bezos, selbst mit einer Autorin liiert, hat großen Respekt vor dem traditionellen Buch, schließlich hat ihn der Online-Handel mit Romanen und Sachbüchern zum Milliardär gemacht. "The Girl With The Dragon Tattoo" von Kriminalautor Stieg Larrson war das erste Buch, dessen Kindle-Version die Schallmauer von einer Million verkauften Exemplaren durchbrach. Inzwischen verkauft Amazon laut eigenen Angaben mehr Kindle-E-Books als herkömmliche Bücher. Mit immer mehr Großverlagen - darunter Simon & Schuster (Pearson), HarperCollins (News Corp.) und Hachette (Lagarder - hat sich Amazon aber auf eine individuelle Preispolitik geeinigt. Amazon hatte sich lange Zeit gegen höhere Preise gesträubt, weil der Konzern das E-Book-Format popularisieren wollte. Im Zuge der Veröffentlichung des iPads von Apple, das ebenfalls Preisabsprachen mit den Verlagen getroffen hat, ließ sich der Einheitspreis jedoch nicht mehr aufrechterhalten. 

Besonders innovativ ist das Konzept, mit dem Amazon im April 2013 seine in Eigenregie produzierten Serien vorstellte: Amazon-Kunden wurden insgesamt gleichzeitg 14 Pilotfolgen neuer Serien vorgestellt. Welche der Piloten zu einer vollständigen Serie ausgebaut wurden, entschieden die Zuschauer per Online-Fragebogen sowie wurde von den Streaming-Quoten abhängig gemacht. Von den diversen Serien-Projekten konnten sich vor allem "Alpha House", "Mozart in the Jungle" und "Transparent" etablieren, das als erste Streaming-Serie 2015 einen Golden Globe erhielt. Regie-Größen wie Spike Lee oder Woody Allen werden künftig Filme, bzw. Serien für Amazon Video herstellen. Im Juni 2013 wurde zudem ein umfangreiches Abkommen mit Viacom für die Streaming-Rechte von Kinderserien abgeschlossen. Mit der Internet Movie Data Base betreibt Amazon zudem eine der größten Film-Websites.

Seit Sommer 2012 produziert Amazon auch eigene Social- und PC-Games. Amazon Games Studio ist eng verzahnt mit der Webhosting-Sparte AWS und Twitch.tv, dem führenden Portal für die Live-Übertragung von Videospiel-Turnieren.

Engagement in Deutschland

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Mit der Übernahme von Telebook. Inc., den Inhaber der deutschen ABC Bücherdienst GmbH, startete das Unternehmen im Oktober 1998 den deutschen Online-Versandhandel amazon.de. Betrieben wird die deutsche Website von der Amazon EU S.a.r.l mit Sitz in Luxemburg. Die deutsche Firmenzentrale hat heute ihren Sitz in München. Mitte 2004 wurde die Entwicklungsabteilung der Amazon.de-Website in München geschlossen. In Bad Hersfeld in Hessen befindet sich ein Distributionslager. Seit August 2006 unterhält Amazon in Leipzig ein weiteres Versandlager mit ca. 300 Arbeitsplätzen. Ralf Kleber ist seit 10 Jahren Geschäftsführer von Amazon Deutschland und für 40.000 Mitarbeiter verantwortlich.

Zu einem massiven Imageverlust des Unternehmens kam es im Zuge einer im Februar 2013 ausgestrahlten ARD-Dokumentation über die schockierenden Lebens- und Arbeitsbedingungen europäischer Leiharbeiter, die im Weihnachtsgeschäft in den deutschen Amazon-Lagern eingesetzt wurden.

Im Frühjahr 2014 startete Amazon in Deutschland ein eigenständiges deutschsprachiges Verlegerprogramm mit dem Schwerpunkt auf Belletristik. Mit Fire TV wurde im Sommer 2014 eine eigene Set-Top-Box zum Streamen von Onlinevideos auf den Markt gebracht und reagierte damit auf die ähnlichen Angebote von Google, Microsoft und Apple.

 

 

Aktuelle Entwicklungen

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Jeff Bezos versucht mit allen Mitteln die Vormacht von Netflix und YouTube zu brechen, die gemeinsam für rund die Hälfte des gesamten Web-Traffics verantworlich sind. Mit einem monatlich um ein Dollar günstigeren Prime Video-Abo attackierte Amazon im Frühjahr 2016 Hauptkonkurrent Netflix. Doch um Netflix Kunden streitig machen und sich von der Konkurrenz abzusetzen bedarf es mehr Original-Serien und Filme. Deshalb plant Amazon in den kommenden Jahren massiv in weitere Inhalte zu investieren. Amazon-Studios-Chef Roy Price hat deshalb damit begonnen, eifrig Indiefilme auf Festival einzukaufen und hochkarätige Regisseure zu verpflichten. Die Cash-Reserven, über die ein Unternehmen wie Amazon verfügt, stechen dabei oft sogar etablierte Hollywood-Studios aus. In Bezug auf Filme verfolgt Amazon eine etwas andere Taktik: anstatt sie unmittelbar zum Streaming anzubieten werden die Filme zunächst in Partnerschaft mit Verleihern in die Kinos gebracht und zeitlich versetzt ins Amazon Video-Angebot aufgenommen. Auf diese Art und Weise will der Konzern in den nächsten Jahren 10-12 Filme mit einem Budget von bis zu 40 Millionen Dollar in die Kinos bringen. Das Unternehmen erhofft sich so weitere Umsätze durch Kartenverkäufe und eine stärkere Würdigung durch Kritiker.

Durch den Kauf der "Washington Post", die sich auch wirtschaftlich positiv entwickelt hat, konnte Jeff Bezos deutlich an Profil und Einfluss gewinnen. Attacken auf die Integrität seines Unternehmens etwa in Steuerfragen wie zuletzt geschehen durch Donald Trump helfen dabei nur. Bezos wandelte Trumps Kritik kurzerhand in ein Plädoyer für die Bedeutung einer freien Presse um. Dass sich drei der größten Zeitungen der USA inzwischen in den Händen von Milliardären befinden, erwähnte er dabei jedoch nicht.

News

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23.11.16 / Amazon.com Inc.

Amazon: Globale Video- und Sportoffensive

27.02.15 / Comcast Corp., Google Inc., Amazon.com Inc., Yahoo! Inc., Cablevision Systems Corp.

Netzneutralität: Welche Konsequenzen hat der FCC-Beschluss für US-Medienkonzerne?