10. Altice Group

Umsatz 2016: € 23,522 Mrd.

Überblick

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Die 2001 vom marrokanischen Unternehmer Patrick Dahi gegründete Altice Gruppe ist ein Telekommunikations- und Medienkonzernen der nach einer Reihe von Zukäufen mittlerweile in Westeuropa, Israel, der Karibik und den Vereinigten Staaten aktiv ist. Seit der Übernahme des US-Unternehmens Cablevision ist Altice zum viertgrößten Kabelkonzern der USA geworden.

Basisdaten

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Hauptsitz:
Altice NV
Prins Bernhardplein 200
1097 JB Amsterdam
Tel.: +41 79 946 49 31
www.altice.net

Branche: Kabelnetze, Telekommunikation, TV, Sportrechte
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01-31.12.
Gründungsjahr: 2001

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. €)
20162015201420132012*2011*2010*
Umsatz23.52217.49513.46414.1091.092784167
Gewinn (Verlust) 8.8896.6715.6714.279(190)12440
Aktienkurs (Jahresende)18,6913,25----------
Mitarbeiterk.A.k.A.k.A.4.2205.6476.0365.120

*als Altice VII S.à r.l.

Geschäftsführung

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Management:

  • Patrick Drahi, Founder
  • Michel Combes, Chief Executive Officer
  • Dexter Goei, President, Chairman & CEO, Altice USA
  • Jérémie Bonnin, General Secretary
  • Dennis Okhuijsen, Chief Financial Officer


Aufsichtsrat:

  • Dexter Goei, Altice
  • Michel Combes, Altice
  • Dennis Okhuijsen, Altice
  • Jérémie Bonnin, Altice
  • Jurgen van Breukelen, KPMG
  • Scott Matlock, PJT Partners
  • Jean-Luc Allavena, Apollo Management

Geschichte und Profil

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Patrick Drahi wuchs als Sohn eines Mathematik-Lehrerpaars in Marrokko auf. Laut "Wall Street Journal" soll Drahi schon früh sein Talent für Zahlen nachgewiesen haben, in dem er Mathearbeiten benotete, die seine Eltern nach Hause brachten. Nachdem seine Familie nach Frankreich zog, wo er einen begehrten Studienplatz  an der renommierten École Polytechnique ergattern konnte, begann er seine Karriere zunächst als Abteilungsleiter beim Eletronikhersteller Philips.

Doch schon bald begann er sich für den regionalen Kabelmarkt in der französischen Provence zu interessieren. Drahi kündigte kurzerhin seinen Job und tourte durch die USA, um sich über den dortigen Kabelmarkt zu informieren. Wieder zurück in Frankreich begann er sich für den hochgradig fragmentierten heimischen Kabelmarkt zu interessieren und Schritt für Schritt kleinere Unternehmen in seiner Region aufzukaufen. Drahi vereinte sie unter dem Dach seiner Holding UPC France, die er jedoch bereits 1999 wieder verkaufte.

Mit dem Erlös setzte er in den folgenden Jahren seine Einkaufstour in Frankreich, Belgien und Israel fort. Inzwischen verfügte Drahi über beste Kontakte in die internationale Kabelszene - unter anderem auch zu Schwergewicht John Malone, in dessen Auftrag er den Kauf des französischen Time Warner Cable Ableger abwickelte. Drahis neue Holding Altice wuchs derweil rasant. Die Gruppe übernahm 40 Prozent der Anteile am französischen Numericable-Konglomerat; 2006 kaufte er seine ehemalige Firma UPC für einen Bruchteil des Verkaufspreises zurück; 2009 erwarb Drahi den israelischen Pay-TV-Anbieter HOT; und in der Dominikanischen Republi gründete Altice ein Joint Venture mit dem Telekommunikationsunternehmen Orange.

Das Profil des bis dahin recht unscheinbaren Drahi erschien aber spätestens auf dem Schirm von Medienpolitikern und Regulierungsbehörden als Altice zunächst für 17 Milliarden Euro den Telekommunikationskonzern SFR von Vivendi übernahm (und sich dabei unter anderem gegen Interessenten wie Bouygues Telecom durchsetzte) und anschließend für rund acht Milliarden Portugal Telecom akquirierte.

Sein Meisterstück lieferte Drahi jedoch in den USA ab. Durch Kontakte zur private equity Gruppe BC Partners, die Anteile am relativ kleinen Kabel Suddenlink hielten, gelang es ihm, Mehrheitsanteile im Wert von neun Milliarden US-Dollar zu erwerben. Doch die Einkaufstour war noch längst nicht vorbei. Berauscht von zehn Jahren durch günstige Kredite finanzierte Übernahmen wagten sich Drahi und Altice an einen der großen Fische des US-Telekommunikationsmarktes: Time Warner Cable. Doch nach dem die Verhandlungen in die entscheidende Runde ging, realisierten Drahi und sein Team, dass sie sich übernommen hatten und nicht die Manpower besaßen, um die Übernahme zu stemmen (Charter Communications erhielt schließlich den Zuschlag für Time Warner Cable).

Stattdessen besann sich Altice wieder auf die alte Strategie, solange durch die Übernahme von kleineren Unternehmen zu wachsen, bis man die Größe erreicht hat, die Marktführer anzugreifen. Nächstes Ziel wurde Cablevision, der Kabel- und Medienkonzern aus dem Großraum von New York. Für zehn Milliarden Dollar kaufte Altice das Unternehmen von der Dolan-Familie und machte es zum Herzstück seiner neuen Altice USA-Sparte. Die FCC erlaubte den Deal jedoch nur unter Auflagen: Altice darf in den ersten fünf Jahren keine Entlassungen vornehmen und muss eventuelle Einsparungen an die Kunden weitergeben.

Management

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Patrick Drahi, mit einem Vermögen von 15 Milliarden Dollar inzwischen einer der hundert reichsten Menschen der Welt, wird in Frankreich extrem kritisch von der Öffentlichkeit beäugt. Obwohl sehr öffentlichkeitscheu wird er dafür kritisiert, seinen Wohnsitz nach Genf verlegt und seine persönliche Holding auf der Insel Guernsey angemeldet zu haben. Frankreichs Digitalministerin Fleur Pellerin hat ihn mehrfach persönlich gebeten zurück nach Frankreich zu kommen, um dort seine Steuern zu zahlen.

Sein Management-Stil gilt als kompromislos. Franzöische Medien haben bei ihm eine "Übernahme-Bulimie" diagnostiziert. Wettbewerber werden übernommen und mittels Einsparungen und Massenentlassungen wettbewersfähiger gemacht. Dass die Einkaufstour im Stile von private equity Gruppen durch die Aufnahme massiver Schulden finanziert wird, ist der Öffentlichkeit und den Wirtschaftspolitikern ein weiterer Dorn im Auge. Insider und Kabelbarone in den USA bewundern Drahi hingegen für seine aggressive Expansionspolitik. Liberty Media-Boss John Malone bezeichnete Drahi jüngst als "Genie", Discovery-Chef David Zaslav bescheinigte ihm eine spezielle "Energie". Auch angesichts solchen Lobes ist Drahi motiviert, mit Altice weiter zu wachsen. Sein Motto: "Je mehr Leute dir erzählen, dass etwas unmöglich ist, desto besser bedeutet es, dass die Idee gut ist und du sie verfolgen solltest."

Geschäftsfelder

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Die Altice Group ist momentan in mit zwölf Marken in neun Ländern aktiv. Wichtigste Konzerntochter ist seit 2015 das zweitgrößte französische Telekommunikations- und Medienunternehmen SFR, an dem Altice 78 Prozent der Anteile hält. SFR investiert momentan massiv in den Ausbau seines Glasfasernetz und plant bis 2022 mehr als 20 Millionen Franzosen zu erreichen. Zu SFRs Mediensegment zählen das Wochenmagazin L'Express und die linke Tageszeitung Libération, der 24-Stunden Nachrichtenkanal BFM TV, die Radiostation Radio Monte Carlo und die SFR Sportsenderkette. Die Telekommunikationsangebote von SFR sind über Ableger auch in Belgien, Luxemburg, Martinique, Guadeloupe und Französisch Guiana erhältlich. Neben SFR Sport kontrolliert Altice mit Ma Chaine Sport TV (MCS) einen weiteren über Kabel und Satellit empfangbaren Sport Pay-TV-Sender.

In Israel, wo Altice die führenden Pay-TV-Senderkette HOT gehört, launchte das Unternehmen 2013 den 24-Stunden-Kanal i24news - auch als publizistisches Gegengewicht zu Al Jazeera. Inzwischen gibt es auch eine französische und britische Version; Ende 2016 wird zudem ein amerikanischer Ableger gelauncht und wird in den meisten US-Kabelpaketen ausgerechnet den in den USA gescheiterten Al Jazeera-Kanal ersetzen.

Altice tritt zudem als ICT Service Provider in der Schweiz (Green.ch), in Portugal (Portugal Telecom) und der Dominikanischen Republik auf (Orange Dominicana und Tricom). In den USA hat das Unternehmen durch die Übernahmen von Suddenlink und Cablevision mittlerweile insgesamt mehr als 5,8 Millionen Kunden. Mit der Dolan-Familie, der Cablevision zuvor gehörte, einigte man sich im Zuge der Übernahme  über die Beteiligungsverhältnisse der Mediensparte: Altice hält fortan 25 Prozent an der Newsday Media Group, zu der die gleichnamige Tageszeitung aus Long Island, NY, die Gratis-Zeitung "amNewYork" und die Regionalsenderkette News 12 Network gehören.

Aktuelle Entwicklungen

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Altice und Patrick Drahi wollen weiter international und vor allem auf dem US-Markt expandieren. Die Übernahmen von Suddenlink und Cablevision sollen dabei nur der Anfang gewesen sein. Die französischen und israelischen TV-Sender allen voran die Nachrichtenkanäle BFMTV und i24news werden künftig auch in englischsprachigen Versionen in den USA empfangbar sein. Drahi hat zudem erkannt, dass er selbstproduzierten Content braucht, um sie mit seine Telekommunikationsangeboten zu verknüpfen. Dafür wurde mit Nora Melhi, dem ehemaligen Leiter der Produktionsfirmen Endemol und Shine France, eigens eine neue Position im Unternehmen geschaffen. Drahi, der Franko-Israeli mit marrokanischen Wurzeln, will mit seinem TV-Netzwerk transnationale Debatten anstoßen: "i24 soll beide Seiten zeigen - den einfachen Mann aus Gaza genauso wie den Mann aus Tel Avia. Ich möchte, dass New Yorker die Meinungen der Franzosen hören und dass sich alle gemeinsam an Diskussion beteiligen".

Die internationale Finanzpresse ist jedoch skeptisch, ob Drahi das Tempo aufrechterhalten kann, mit dem er das Wachstum seines Imperiums vorantreibt. Vor allem macht der massive Schuldenberg Sorgen, mit dem Drahi seine diversen Übernahmen finanziert hat. Allein zwischen 2012 und 2016 erhöhten sich die Altice-Schulden von 1,7 auf mittlerweile beispiellose 48,5 Milliarden Euro. Insbesondere Frankreichs Wirtschaftsminister ist skeptisch und hat Drahis Strategie wiederholt kritisiert: "Er versucht, schneller als die Musik zu rennen."

Inhalte

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