34. Activision Blizzard Inc.

Umsatz 2018: $ 7,500 Mrd. (€ 6,350 Mrd.)

Überblick

Activision Inc. ist nach Sony und Microsoft der größte Publisher von interaktiven Unterhaltungssoftwareprodukten mit einem Produktportfolio, das sich über eine Vielzahl von Genres erstreckt und auf zahlreichen Hardwareplattformen und Betriebssystemen spielbar ist. Das Unternehmen hat verschiedene Marken mit hohem Bekanntheitsgrad hervorgebracht, lizenziert und erworben, die es an eine immer breiter gefächerte Zielgruppe vermarktet. Zu den bekanntesten Titeln von Activision gehören "World of Warcraft" sowie seit der Übernahme von King Entertainment im November 2015 auch "Candy Crush Saga".

Basisdaten

Hauptsitz:
3100 Ocean Park Boulevard
Santa Monica, CA 90405
USA
Telefon: 001 310 2552000
Internet: investor.activision.com
 
Branche: Entwicklung und Publishing von interaktiver Unterhaltungssoftware
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01 – 31.12
Gründungsjahr: 1979

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten in Mio. USD
20182017201620152014
Umsatz7.5007.0176.6084.6644.408
Gewinn (Verlust)1.813273966892835
Aktienkurs (in $, Jahresende)46,5763,3236.1138.7120.15
Mitarbeiter9.9009.8009.6007.3006.800

Geschäftsführung

Management:

  • Robert Kotick, Chief Executive Officer
  • Spencer Neumann, Chief Financial Officer
  • Dennis Durkin, Chief Corporate Officer
  • Collister Johnson, President and Chief Operating Officer
  • Michael Morhaime, President & Chief Executive Officer, Blizzard
  • Ricardo Zacconi, CEO, King

Board of Directors:

  • Reveta Bowers
  • Robert J. Corti, former CFO, Avon Products
  • Hendrik J. Hartong III, Brynwood Partners
  • Brian Kelly, Chairman of the Board, Activision Blizzard
  • Robert Kotick, CEO, Activision Blizzard
  • Barry Meyer, former Chairman and CEO of Warner Bros. Entertainment
  • Robert Morgado, former Chairman and CEO of Warner Music Group
  • Peter Nolan, Leonard Green & Partners
  • Casey Wasserman, Wasserman
  • Elaine Wynn, Wynn Resorts

Geschichte

Activision wurde 1979 vom ehemaligen Plattenboss Jim Levy sowie den Programmierern David Crane, Bob Whitehead, Larry Kaplan und Alan Miller gegründet. Crane und Co. hatten genug davon, für Atari Videospiel-Bestseller zu produzieren, ohne am finanziellen Erfolg beteiligt und als Programmierer individuell wahrgenommen zu werden. David Crane produzierte zum Beispiel bei einem Jahresgehalt von 20.000 US-Dollar in kompletter Eigenregie Spiele, die sich zwanzig Millionen mal verkauften. Zudem hatte sich Warner Communications bei Atari eingekauft und die dortige hippieesque Arbeitskultur zugunsten einer eher traditionellen Konzernatmosphäre abgeschafft. Da die vier für etwa die Hälfte aller damaligen Atari-Spiele verantwortlich waren, weigerte sich Atari zunächst, das Programmiererteam gehen zu lassen. Erst 1982 wurde ein entsprechender Gerichtsprozess zugunsten von Activision entschieden. In dem Jahr hatte das neu gegründete Unternehmen mit „Pitfall!“ einen ersten großen Hit. Das Spiel gilt heute als einer der Urväter aller folgenden Plattform/Jump’n’Run-Spiele und begründete die Popularität ähnlicher Titel in den 1980er und 1990er Jahren.

Ab Mitte der 80er Jahre begann Activision durch die Akquise anderer Spielehersteller zu expandieren. Erstes Übernahmeobjekt war das Unternehmen Infocom, das sich in Zeiten von grafisch unterentwickelten 8-Bit Computern auf die Produktion von damals sehr beliebten Text-Adventures spezialisiert hatte. Als Bruce Davis 1986 Jim Levy als CEO beerbte, sorgte er durch gravierende Managementfehler für die Auflösung von Infocom im Jahr 1989. Zu dieser Zeit war niemand der fünf Gründungsmitglieder mehr an Bord von Activision.

1988 änderte Activision den Namen in Mediagenic, u.a. weil das Unternehmen neben Computerspielen mittlerweile auch Büro-Organisationssoftware anbot. Der Ausflug in Videospiel-fremde Märkte war aber keine gute Idee: 1992 musste Mediagenic Insolvenz anmelden. Robert „Bobby“ Koteck und seine BHK Corporation übernahmen Mediagenic und gaben ihr ihren ursprünglichen Namen Activision zurück. Koteck wurde der Nachfolger des erfolglosen Bruce Davis und schaffte es, Activision von einer bankrotten Firma in einen der erfolgreichsten Game Publisher der Gegenwart zu verwandeln. Sein Erfolgsrezept bestand darin, den Unternehmenssitz in die Nähe der Filmindustrie nach Los Angeles zu verlegen, die Belegschaft effektiv zu verkleinern, die bekanntesten Spieleentwickler einzustellen und Hollywood-Stars und prominente Sportler als Werbeträger zu engagieren. In den darauffolgenden Jahren expandierte Activision durch Aufkäufe von Konkurrenzfirmen (unter anderem Take Us!, Head Game Publishing und Neversoft) sowie durch den Erwerb wertvoller Lizenzen für die Entwicklung von Videospiel-Adaptionen von Kino-Blockbustern (unter anderem Marvels „Spiderman“, Tony Hawk, und „Transformers“).

2007 schließlich unterzeichneten Activision und der einstige Konkurrent Vivendi Games, Eigentümer des Videospielverlags Blizzard („World of Warcraft“), ein Abkommen über eine Fusion, woraus Mitte 2008 Activision Blizzard entstand. Die Strategie war: Electronic Arts die Marktführerschaft abzujagen. Die Transaktionskosten der Fusion lagen bei 18,9 Milliarden US-Dollar. Im Sommer 2013 wurde die Fusion jedoch teilweise wieder rückgängig gemacht. Activision kaufte zunächst 48 Prozent der Anteile für 6,2 Milliarden Euro zurück. Vivendi hielt zunächst weiterhin zwölf Prozent, bzw. 5,7 Prozent der Anteile. Diese gingen jedoch Anfang 2016 für 1,1 Milliarden endgültig an Activision zurück. Ebenfalls 2016 kaufte Activision die E-Sport Liga „Major League Gaming“ für 48 Millionen Dollar.

Langfristig will Activision Blizzard mehr sein als nur ein Games Studio und hat bereits damit begonnen, die Popularität seiner Charaktere und Gamesreihen in anderen Feldern zu monetarisieren. So wurde im Herbst 2015 mit Nick van Dyk ein ehemaliger Walt Disney-Stratege engagiert, um ein TV- und Filmproduktionsstudio ins Leben zu rufen. Anstatt von einem großen Medienkonzern übernommen zu werden, produziert der Konzern die Filme und Serien - etwa basierend auf der "Call of Duty"-Reihe - selbst. Dabei kooperiert das Unternehmen beim Vertrieb mit Hollywood-Studios; für Serien könnte Activision jedoch auch seinen eigenen Streamingdienst starten und mit seinen diversen Online-Games verknüpfen. Das auf Activision-Titeln basierende Filme - zumindest in Asien - durchaus erfolgreich sein können, bewies im Sommer 2016 die Adaption von "World of Warcraft", die in China Rekordergebnisse erzielte. Und nachdem Disney die Produktion seiner "Infinity"-Reihe 2016 überraschend einstellte, hat Activision mit Time Warners "Lego Dimensions" nur noch einen Konkurrenten auf dem Spielzeug/Games-Hybrid-Markt.

Management

Robert Kotick, seit 1991 Direktor, Vorstandsvorsitzender und CEO, hat auch nach der Fusion zu Activision Blizzard seine Chefrolle beibehalten. Kotick, bis Mai 2019 liiert mit Facebook Chief Operating Officer Sheryl Sandberg, hat in Interviews zugegeben, kein großer Fan von Videospielen zu sein. Laut Eigenaussage ist das einzige Spiel, mit dem er sich aktiv auseinandersetzt, die Rock-Simulation „Guitar Hero“, bei der man mit einem gitarrenförmigen Controller vor dem Fernseher populäre Rocktitel nachspielt, die man auch bei iTunes erwerben kann. Den öffentlichen Diskurs über einen möglichen Zusammenhang zwischen Gewalt und Videospielen bezeichnet Kotick als „Kommunikationsproblem“. Er verweist stets darauf, dass mehr als 50 Prozent aller Videospiele-Konsumenten zwischen 18 und 35 Jahren alt sind und nur an denselben (gewaltnahen) Inhalten wie im Fernsehen und Kino interessiert seien.

Zu Activisions ambitioniertesten Errungenschaften unter der Ägide des in der Gamer-Szene umstrittenen Kotick zählt die Entwicklung von „dynamic ad serving technology“, die es Activision erlaubt, zusätzliche Einnahmen durch die Platzierung von Werbung in Videospielen zu generieren. Dabei kooperiert Activision mit dem Unterhaltungssoftware-Werbevermarkter Massive, der von Microsoft akquiriert wurde. Für reichlich Unglauben und Kritik sorgte jedoch Koticks Entscheidung, "Candy Crush"-Publisher King zu übernehmen. Insbesondere der Preis von knapp sechs Milliarden Dollar - mehr als beispielsweise Disney für die Marvel- und Star Wars-Lizenzen ausgab, wie der "Guardian" bemerkte - und fehlende Synergieeffekte für die anderen Activision-Titel sorgte für Kopfschütteln in der Branche. Dennoch konnte Kotick die Zahl der Activision follower mit der Akquisition mit einem Schlag um 500 Millionen erhöhen.

Geschäftsbereiche

Das Unternehmen, the world's most successful standalone interactive entertainment company, hat fünf operative Einheiten:

Activision: Entwicklungsstudio und Publisher von Spielen für Konsolen, Mobilgeräten und PCs. Insbesondere auf dem Markt für first person-shooter ist Activision mit blockbuster franchises wie „Call of Duty" und „Skylanders“ führend, weiter mit „Destiny" und „Overwatch". "Call of Duty: Black Ops II" generierte 2012 zwei Wochen nach Erscheinen mehr als eine Milliarde Dollar an Umsätze und war damit lukrativer als "Avatar", der damals erfolgreichste Film aller Zeiten. Enorm profitabel ist auch die "Skylanders"-Reihe, die echte Spielzeugfiguren mit Videospielen kombiniert. Aktuelle Versionen: „Call of Duty: Modern Warfare“ (2019), „Skylanders: Imaginators“ (2016).

Blizzard Entertainment produziert hingegen Abonennement-basierte „Massive Multiplayer Online Role Playing Games“ (MMORPG). Neben „World of Warcraft", das über eine Community von mittlerweile 5,5 Millionen Spieler verfügt, sind die wichtigsten Blizzard-Franchises das in Korea enorm populäre „Starcraft" sowie „Diablo", „Hearthstone“, „Heroes of the Storm" und „Heroes of Warcraft". Blizzard betreibt außerdem die Onlineplattform Battle.net.

King Digital Entertainment entwickelt interaktives Entertainment für Mobilplattformen. Mit mehr als 200 Titeln beinhalten die King-Marken „Candy Crush”, „Farm Heroes”, „Pet Rescue” und „Bubble Witch”.

Major League Gaming (MLG, New York) ist eine professionelle E-Sport Liga, seit 2011 die größte der Welt. Activision gab bekannt, MLG 2016 auch deshalb gekauft zu haben, um die Liga als Basis von noch zu gründenden TV-Kanälen zu nutzen.

Activision Blizzard Studios produziert auf Figuren/Geschichten aus global bekannten Activision Spielen basierenden Film- und Fernsehcontent.

Aktuelle Entwicklungen

Für ganz andere News sorgte der Spielekonzern im Oktober 2019. Als der "Hearthstone"-Profi Chung Ng Wai alias "Blitzchung" während der Live-Übertragung eines E-Sport-Wettbewerbs eine Botschaft an die Demonstranten in seiner Heimat Hongkong sendete, reagierte der Veranstalter Activision mit drakonischen Maßnahmen. Blitzchung hatte während eines Interviews in einem taiwanesischen Stream nach einem Spiel der Asia Pacific Hearthstone Grandmasters eine Gasmaske und eine Skibrille aufgesetzt und "Befreit Hongkong, die Revolution unserer Zeit" gerufen. Die beiden Interviewer, wie man lesen konnte, versteckten sich unter dem Tisch und lachten. Zwar wurde direkt Werbung eingeblendet, trotzdem wurden die Interviewer bestraft und entlassen. Blitzchung, der als Großmeister zu den besten 48 der Welt gehört, wurde von Activision Blizzard für ein Jahr gesperrt. Sein Status wurde offiziell aberkannt und seine Preisgelder in Höhe von 14.500 Euro für die laufende Saison einbehalten.

Laut der offiziellen Regeln ist es für "Hearthstone"-Großmeister verboten, "öffentliche Äußerungen zu machen, die den Ruf des Online-Sammelkartenspiels 'Hearthstone' und des Herausgebers Blizzard schädigen könnten". Dazu sollte man wissen, dass fünf Prozent der Aktien von Activision Blizzard dem chinesischen Mischkonzern Tencent gehören.