6. Tencent Holdings Ltd.

Umsatz 2019: RMB 377,300 Mrd. (€ 48,780 Mrd.)

Überblick

Bekannt wurde Tencent mit der Universal-App WeChat, und ist heute laut Marktkapitalisierung der drittwertvollste Konzern Asiens (nach Saudi Aramco und Alibaba, Stand: 31.3.2020), weltweit die Nummer Acht. Neben der WeChat-Plattform, ohne die es, wie es heißt, „fast unmöglich ist, in China zurechtzukommen", betreibt Tencent das weltgrößte Unternehmen für Video- und Online-Games. Dazu Film, Fernsehen, Musik und Bücher: Tencent ist einer der drei chinesischen Tech-Giganten („BAT": Baidu, Alibaba, Tencent), viele sprechen auch vom „chinesischen Disney“.

Basisdaten

Hauptsitz:
Tencent Binhai Towers No. 33
Haitian 2nd Road
Nanshan District
Shenzhen 518054
China
Telefon: 0086 755 86013388 50726
Website: tencent.com/en-us/investors.html

Branchen: Internet-Medien, Online-Gaming, Werbung, Finanztechnologie, Unternehmensdienstleistungen
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1998

 

Tab.I: Ökonomische Basisdaten
2019201820172016
Umsatz (in Mio. RMB)377.289312.694237.760151.938
Gewinn (in Mio. RMB)119.901142.120116.92584.499
Aktienkurs (in $, Jahresende)49,0340,6255,8724,22
Mitarbeiter62.88554.30944.79638.775

Geschäftsführung

Management:

  • Ma Huateng (Pony Ma), Co-Founder, Chairman of the Board & Chief Executive Officer
  • Lau Chi Ping, Executive Director and President
  • Xu Chenye, Co-Founder, Chief Information Officer
  • Ren Yuxin (Mark Ren), Chief Operating Officer, President of Interactive Entertainment Group, President of Platform & Content Group
  • Zhang Xiaolong (Allen Zhang), Senior Executive Vice President, President of Weixin Group
  • James Mitchell, Chief Strategy Officer, Senior Executive Vice President
  • Tong Taosang (Dowson Tong), Senior Executive Vice President, President of Cloud and Smart Industries Group, Chairman of Tencent Music Entertainment Group
  • Lu Shan, Senior Executive Vice President, President of Technology and Engeneering Group
  • David Wallerstein, Chief Exploration Officer, Senior Executive Vice President
  • Ma Xiaoyi (Steven Ma), Senior Vice President
  • Davis Lin, Senior Vice President
  • John Lo, Chief Financial Officer, Senior Vice President
  • Guo Kaitian (Leon Guo), Senior Vice President
  • Xi Dan, Senior Vice President
  • Yeung Kwok On (Arthur Yeong), Senior Management Adviser

Advisor Emeritus:

  • Zhang Zhidong (Tony Zhang), Co-Founder
  • Chen Yidan (Charles Chen), Co-Founder
  • Zeng Liqing (Jason Zeng), Co-Founder

Geschichte

Tencent und Gründer Ma Huateng (Pony Ma) sind heute quasi ein Synonym für Chinas Erneuerungskraft im Internetsektor. Im November 1998, als das Unternehmen in Shenzhen gegründet wurde, waren Tencents Internet-Dienstleistungen eher Plagiate und nichts Besonderes in dem dichtgedrängten Feld großer „Internet-Service-Portale", die zwischen 1996 und 1998 entstanden waren (darunter Sina, Sohu und Netease). Diese Portale, für die eigene „newsgathering operations“ verboten waren, wurden nicht als „Medien" betrachtet, sondern als Entertainment-Sites. Über zusätzliche Inhaltsangebote aber konnte man wachsende Nutzerzahlen und höhere Werbeumsätze generieren.

Der Desktop-basierte Instant-Messager von Tencent, OICQ, wurde im Februar 1999 eingeführt und war eine virtuelle Kopie von ICQ, einem zwei Jahre zuvor von der israelischen Firma Mirabilis geschaffenen Dienst. Ein vom ICQ-Eigentümer AOL im selben Jahr angestrengter Fall von Markenverletzung zwang Tencent dazu, seinen Dienst in „QQ" umzubenennen. Aber der QQ-Messaging-Dienst sorgte bald dafür, dass Tencent sich von der Konkurrenz klar unterschied. Die Nutzung des Dienstes war kostenlos, seine Beliebtheit wuchs schnell bei jungen Internetnutzern, insbesondere bei Studenten.

2001, zu einer Zeit, als Tencent laut Branchenkennern noch „unrentabel und kaum bekannt" war, erwarb die südafrikanische Verlagsgruppe Naspers über die Tochtergesellschaft MIH Holdings eine 46,5-prozentige Beteiligung an dem Unternehmen, für 34 Millionen Dollar. Besondern vielversprechend schien Tencents wachsende Nutzerbasis und der beliebte Nachrichtendienst. Zwar hatte Naspers Erfahrung mit unrentablen Medieninvestitionen in China und sogar den Ausstieg aus dem Markt in Erwägung gezogen. Die Investition in Tencent aber würde sich definitiv auszahlen. Die von Naspers 2019 gegründete, in Amsterdam gelistete Beteiligungsgesellschaft Prosus (Naspers-Anteil: 72,5 Prozent) besitzt heute noch knapp 31 Prozent an Tencent.

Ende 2001 hatte QQ bereits mehr als 90 Millionen registrierte Benutzer, 2003 war Tencent klarer Marktführer im Bereich Instant Messaging, gefolgt von Netease. Die Nutzer von QQ gehörten überwiegend der Altersgruppe der 15-29-Jährigen an und bezeichneten sich online oft als "Q-Generation". Ein hohes Maß an Identifikation mit der App also, die Naspers und andere Investoren angezogen hatte. Das Maskottchen des Dienstes, ein eiförmiger Pinguin, wurde in China zu einer Ikone. In einem Tencent-Profil von Bloomberg (2011) hieß es, der QQ-Nachrichtendienst habe „doppelt so viele Nutzer wie die USA Einwohner".

Am 16. Juni 2004 ging Tencent an die Hongkonger Börse und schloss sich damit einer Welle chinesischer Internetfirmen an. Der Instant-Messaging-Dienst dominierte noch immer das Geschäft, laut einer Umfrage von iResearch (Schanghai) beispielsweise verwendeten fast drei Viertel der Chinesen Tencents QQ. Doch die nächste Expansion war bereits in Arbeit. 2003 hatte man die Tochtergesellschaft „Tencent Games“ gegründet, die 2004 eine erste Reihe von Online-Spielen („QQ Tang") auf den Markt brachte, mit kostenlosen Downloads von QQ-Software, aber mit kostenpflichtigem Spielzubehör und gebührenpflichtigen Abonnements. Dazu begann Tencent mit der Lizenzierung von sogenannten massive multiplayer online games (MMOG) wie z.B. „Sephiroth" des südkoreanischen Entwicklers Imazic. Danach setzte Tencent den Vorstoß in das Online-Gaming 2007 und 2008 fort, lizenzierte Spiele wie „Dungeon & Fighter“ (auch aus Südkorea) und profitierte von seiner Community-Basis von 300 Millionen aktiven Nutzern. Gleichzeitig begann man mit der Entwicklung eigener Spiele und der Übernahme wichtiger Entwicklungsfirmen.

2011 kaufte Tencent für 400 Millionen US-Dollar eine 93-prozentige Beteiligung an Riot Games, dem Entwickler des Erfolgsspiels „League of Legends“. 2015, als Tencent den restlichen Anteil an Riot übernahm, „explodierte League of Legends als E-Sport weltweit". 2012 investierte Tencent 330 Millionen US-Dollar in Epic Games, Entwickler von Spielehits wie Fortnite und Paragon. Die Fusion von Tencent und Epic Games bedeutete: Ein großer Games-Entwickler konnte jetzt von Konsolen- zu Live-Service-Spielen wechseln und von Tencents riesigem Nutzerpool und der entsprechenden Reichweite profitieren. 2018 gehörte Tencent zu einer Gruppe von Investoren, die dem französischen Spieleentwickler Ubisoft halfen, eine feindliche Übernahme durch Vivendi abzuwehren. Danach konnte Tencent Ubisoft-Spiele auf dem chinesischen Markt veröffentlichen. Mit dieser Strategie wurde Tencent zum heute weltweit größten Videospielunternehmen. Das Spielgeschäft war 2019 mit einem Umsatz von 18 Milliarden der lukrativste Geschäftsbereich (etwa 40 Prozent des Gesamtumsatzes).

Der Boom der Online-Spiele hat aber auch Herausforderungen und Kontroversen mit sich gebracht. Videospielinhalte wurden in den letzten Jahren in China von von offiziellen Stellen stärker unter die Lupe genommen, wobei die Regulierungsbehörden Einschränkungen bei der Lizenzierung neuer Spiele eingeführt haben. Die Tatsache, dass weltweit verfügbare Spiele aus innenpolitischen Gründen zensiert werden, hat international scharfe Kritik ausgelöst. So kündigte Ubisoft im November 2018 an, blutige Szenen und Anspielungen auf Sex und Glücksspiel aus seinem beliebten Spiel Rainbow Six Siege zu streichen, um sich an den chinesischen Markt anzupassen. Dies löste eine Gegenreaktion von Fans des Spiels in der ganzen Welt aus, die das Unternehmen beschuldigten, sich der chinesischen Zensur zu beugen. Angesichts des enormen Umsatzpotenzials der Spiele haben auch andere chinesische Unternehmen, darunter traditionelle Rivalen wie Netease und Emporkömmlinge wie ByteDance, den Wettbewerbsdruck auf Tencent erhöht.

Am 21. Januar 2011 startete Tencent eine neue Messaging-App namens Weixin, auf Deutsch „Mikrobriefe", die innerhalb weniger Jahre die Kommunikationslandschaft in China revolutionieren würde. Zum Zeitpunkt der Markteinführung wurde das kostenlos Weixin (zunächst für das iPhone) mit dem kanadischen Kik und anderen Diensten verglichen – die breite Palette an Funktionen und Plattformen aber, die man unter dem Dach der App finden konnte, würde Weixin bald von anderen globalen Social-Media-Plattformen wie Facebook unterscheiden. Im April 2012, kurz nach der Einführung der Android-Version, wurde Weixin im Ausland in WeChat umbenannt und um eine Reihe von Funktionen erweitert. Im August 2012 hatte der Dienst 100 Millionen Nutzer. Auf der Grundlage dieser immensen Nutzerbasis begannen große internationale Marken wie Nike auf die Plattform zu strömen. Bald gab es in China mehr mobile als Desktop-Nutzer.

Während Analysten 2012/2013 WeChat noch mit Plattformen wie WhatsApp (das es seit 2009 gab) verglichen, wurde deutlich, dass sich WeChat zu einem eigenen Benutzeruniversum entwickelte. Was einige als „Super-App" oder „Super-Plattform" bezeichneten. „Das Phänomenale an der App ist", so Ben Lamb, Spezialist für digitales Marketing aus Schanghai, „dass man sie für so viele Dienste nutzen kann, so dass man ständig mit ihr zu tun hat.“ Bald ging nichts mehr ohne WeChat. Ende 2012 hatte die Plattform mehr als 200 Millionen Nutzer.

Zwar nahm die Bedeutung von WeChat als interaktives und kommerzielles Instrument zu. Doch konnte man diesen Erfolg nicht losgelöst betrachten von den wachsenden politischen Problemen, mit denen Chinas äußerst populäre Social-Media-Plattform Weibo konfrontiert war (ähnlich wie Twitter, betrieben von der Sina Corporation, auf Platz 90 im aktuellen IfM-Ranking). Weibo war nur ein Jahr nach dem Start 2009 zu einer sozialen und politischen Kraft geworden, zu einer offenen Plattform, über die viele Millionen Chinesen über aktuelle Nachrichten und andere Themen diskutieren konnten. Journalisten und Intellektuelle mit Millionen Followern bekamen mehr Einfluss als die großen Zeitungen.

2012 war der chinesischen Führung klar, dass Weibo selbst mit automatisierten und anderen Kontrollen für die Kommunistische Partei ein Problem wurde. 2013 und 2014 ging die Führung dann aggressiv vor, um insbesondere die „Großen V's" zum Schweigen zu bringen: Verified members, bekannte Weibo-User, die die öffentliche Meinung beeinflussen konnten. Nach den staatlichen Interventionen wurde Weibo für viele langweilig. Man wechselte zu WeChat, das eine vielfältigere Nutzererfahrung bot – mit Moments-Timelines (ähnlich wie bei Facebook), so genannten „öffentlichen Konten", die wie Blogs wirkten, und privaten Chatgruppen (ähnlich wie bei WhatsApp). Wenn Weibo wie ein riesiger Bankettsaal war, in dem jeder gesehen und gehört werden konnte, war WeChat weniger öffentlich.

Zumindest anfangs befürworteten Medienkontrollbeamte den stärker abgeschotteten Charakter von WeChat. Hier war es für Diskussionen über breaking news viel schwieriger, massenhaft Aufmerksamkeit zu erregen. Doch die immense Popularität von WeChat machte eine „Informationskontrolle“ doch notwendig. Seit 2013 wird die Plattform häufig kritisiert, weil sie die Aktivitäten von Nutzern außerhalb Chinas durch die Blockierung sensibler Schlüsselwörter zensiert hat.

Mit der Implementierung von Zahlungsdiensten wurde WeChat 2013 zu einer echten Super-Plattform. Konkurrenten wie Alibaba hatten zwar auch Erfolg mit mobile E-Commerce. Doch die Allgegenwärtigkeit von WeChat erwies sich als klarer Vorteil. WeChat hatte Ende 2019 monatlich mehr als eine Milliarde aktiver Nutzer, und WeChat Payments kann für den Kauf sowohl online als auch im Geschäft genutzt werden. Tencents WeChat-Plattform bleibt „in das Leben des chinesischen Volkes eingenäht", wie die Financial Times bemerkte. Aber wie alle großen chinesischen Technologie- und Medienunternehmen geht ihr Erfolg auf Kosten einer immer größeren Wachsamkeit der Regierung – Tencent muss weiterhin enge Beziehungen zum Staat aufrechterhalten. Die man, von außen betrachtet, durchaus als problematisch sehen kann. Im Inland haben die chinesischen Behörden WeChat und eine Reihe anderer Produkte von Tencent, insbesondere Spiele, stark zensiert. Seit 2018 wurden einige beliebte Spiele – darunter Honor of Kings, eines der erfolgreichsten Spiele von Tencent – mit der Begründung ausgesetzt oder gänzlich verboten, dass sie die Online-Spielsucht der Jugend fördern. Die Zusammenarbeit mit Zensoren und Regulierungsbehörden ist sowohl eine Belastung für die Geschäftsentwicklung als auch eine Voraussetzung dafür, überhaupt weitermachen zu können. Die Haltung der Regierung ist einfach: „Wenn wir den Geldhahn zudrehen wollen, drehen wir den Geldhahn zu." Die Zensur von WeChat ist unübersehbar, selbst neutrale Hinweise auf die Regierung, die aus den staatlichen Medien stammen, werden entfernt. Was an die Art von Zensur erinnert, die Sinas Weibo in den Jahren 2013-2014 erlebte und die zum Anstieg der Popularität von WeChat beitrug.

Im Zuge internationaler Expansion ist die Sorge vor Datenspionage immer ein Problem für chinesische Technologiefirmen wie Tencent. Im Mai 2019, nachdem die Trump-Administration eine trade blacklist order für Huawei und den Telekommunikationsausrüster ZTE veröffentlicht hatte, warnte Tencents CEO Pony Ma davor, dass so ein „verlängerter Tech-Krieg" zwischen den USA und China entstehen könne. Angesichts dieser Spannungen drückte Ma auch die Sorge aus, dass China, dessen Internet-Entwicklung weitgehend auf der Entwicklung anwendungsbasierter Produkte im Gegensatz zur Entwicklung von High-End-Produkten beruht, möglicherweise nicht auf so einen Wettbewerb vorbereitet sei. Die Ära des „Borrowing" („Ausleihen“), wie Ma es bezeichnete, sei für chinesische Firmen ohnehin vorbei. „Wenn wir uns nicht um die Entwicklung unserer eigenen Infrastruktur und Kerntechnologie bemühen, ist die digitale Wirtschaft in China nur schwer aufrechtzuerhalten.“

Das Werbegeschäft von Tencent wurde unlängst an zwei Fronten herausgefordert: durch die allgemeine Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft seit 2018 und durch die harte Konkurrenz im Inland, sowohl durch aufstrebende Unternehmen wie ByteDance als auch durch Traditionsrivalen wie Baidu und Alibaba. Im Cloud- und Fintech-Bereich beispielsweise ist Alibaba derzeit der größte inländische Konkurrent.

Management

 

Im Februar 2021 war Ma Huateng (bekannt als Pony Ma), 1971 geborener Mitgründer von Tencent, laut Forbes mit 73,4 Milliarden US-Dollar der reichste Mann Chinas, vor Alibaba-Gründer Jack Ma (62,3 Milliarden US-Dollar). Huateng ist eine respektierte Figur in der chinesischen und globalen Tech-Szene, und gleichzeitig von besonderer Bedeutung für die chinesischen KP bzw. für das offizielle Narrativ über chinesische Innovationskraft. Ma ist ein gutes Beispiel für die enge Beziehung zwischen den Führungskräften chinesischer Spitzenunternehmen und der politischen Führung und ist auch Delegierter des Nationalen Volkskongresses.

Offen ist weiterhin die Frage, wer Ma einmal nachfolgen wird. Im Januar 2020 verkaufte er laut „persönlicher finanzieller Gründe“ 260 Millionen Dollar in Tencent-Aktien. Dieser Schritt, der mit Mas Rücktritt als Vorsitzender der Fintech-Division Tenpay Micro Loan zusammenfiel und auf seinen Rücktritt von Tencent Credit im September 2019 folgte, löste Spekulationen aus, dass er sich bald aus der Beteiligung an Nicht-Kerngeschäften zurückziehen könnte.

Martin Lau (Lau Chi Ping) ist der derzeitige Präsident von Tencent Holdings, seit 2005 im Unternehmen nach seinem Ausscheiden bei Goldman Sachs als Chief Strategy and Investment Officer. Der in Peking geborene Lau ist in Hongkong aufgewachsen und hat in den USA studiert. Er leitete eine Reihe von großen Übernahmen von Tencent, darunter die des finnischen Mobilfunkgeräte-Entwicklers Supercell im Jahr 2016, für 10,2 Milliarden Dollar.

Geschäftsbereiche

Kommunikation und social media:

Weixin (gegründet 2011, außerhalb Chinas bekannt unter dem Namen WeChat) bleibt das Herzstück von Tencents Social-Media-Geschäft, mit 1,2 Milliarden monatlich aktiven Nutzern (MAU), die für März 2020 gemeldet wurden. Im umfassenden WeChat-Kosmos shoppen die User, bezahlen, bestellen ihr Essen u.v.m. Die App ist sogar zum beliebtesten Mittel für den Austausch persönlicher und geschäftlicher Kontakte bei face-to-face-Meetings geworden. Tencents QQ-Messaging-Plattform für Mobiltelefone (seit Februar 1999) verzeichnete im März 2020 768 Millionen MAU. 2005 gründete Tencent den in QQ integrierten networking/blogging service Qzone, mittlerweile eines der führenden sozialen Netzwerke weltweit mit 808 MAU im zweiten Quartal 2019.

 

Digitale Inhalte:

Tencent Games, also das Online-Spielegeschäft, bleibt der wichtigste Umsatzträger des Konzerns und stützt sich auf die riesige Social-Media-Nutzerbasis. Und was den E-Sport betrifft, den elektronischen sportlichen Wettkampf mit Computerspielen: Ein Großteil dieser weltweit rasant wachsenden Branche gehört Tencent. Der Konzernbereich Tencent Esports besitzt einige der wichtigsten Spiele (oder Tencent ist an den Entwicklern beteiligt) und organisiert eSport-Ligen und Turniere.

Der Tencent Music Entertainment Group gehören nicht nur Chinas größte Musik-Apps (QQ Music, Kugou, Kuwo, WeSing) mit zusammengerechnet über 800 Millionen MAU. Der Anteil von Tencent Music an der weltweit größten Musikfirma Universal Music (Teil von Vivendi, Platz 20 im aktuellen IfM-Ranking) beträgt 20 Prozent, dazu kommen neun Prozent an Spotify (Platz 36 im aktuellen IfM-Ranking) und zwei Prozent an der Warner Music Group (drittgrößte Musikfirma weltweit, Teil von Access Industries, Platz 46 im aktuellen IfM-Ranking). Auch Vertriebsvereinbarungen mit internationalen Playern hat Tencent Music in den vergangenen Jahren abgeschlossen, darunter mit Warner, YG Entertainment und Sony.

Tencent Video wurde 2011 gegründet und bietet Streaming- und Video-on-Demand-Dienste für Mobiltelefone an. Bis Juni 2019 hatte Tencent Video 96,9 Millionen Abonnements. Die internationale Version des Dienstes nennt sich WeTV.

Die konzerneigene, 2015 gegründete film production unit heißt Tencent Pictures, besitzt sechs Studios und produziert, vertreibt und vermarktet für Kino und TV. In China, dem bald weltweit größten Markt für Kino („what is soon expected to be the world's top movie market”). Am chinesischen Blockbuster „The Eight Hundred“, der weltweit erfolgreichsten Produktion 2020, war Tencent Pictures beteiligt. „China fordert Hollywood heraus“, so der Spiegel vom 5.2.2021.

Tencent Animation and Comics ist die größte anime platform in China mit 120 Millionen MAU und 30.000 Online-Anime-Comics. Seit März 2019 gibt es auch mit WeComics eine internationale Version auf englisch und indonesisch.

China Literature Limited betreibt die führende chinesische Literaturplattform mit, Stand Juni 2020, 8,9 Millionen Autoren und 13,4 Millionen online literary works in 200 Genres. Tencent-Anteil: rund 57 Prozent.

Tencent Sports („China’s leading internet sports media platform“) besitzt Internet-Senderechte für headline global Sportereignisse wie Fußball-Weltmeisterschaften, Olympische Spiele, die French Open, Formel Eins, NBA, MLB, NHL, NFL.

Schließlich veranstaltet Tencent die populäre Nachrichten-App Tencent News. Regelmäßig, und wenig überraschend, kommt es hier zu Konflikten mit Zensurbehörden, z.B. im Januar 2019, als die chinesische Cyberspace Administration der Tencent-App vorwarf, „vulgär, negativ und schädlich“ zu sein, und „die Onlinewelt zu beschädigen“.

 

FinTech und Business Services:

Tencent besitzt ein expandierendes „Fintech“-Geschäft, das 2019 zusammen mit „Business Services“ 27 Prozent des Umsatzes ausmachte. Auch den Ausbau des Cloud-Computing-Geschäfts für Firmenkunden hat Tencent vorangetrieben.

Engagement in Europa

Im Dezember 2019 kündigte Tencent Pläne an, 2020 10 Milliarden Dollar in Europa zu investieren, davon etwa ein Drittel in Deutschland. Ein Schwerpunkt dieser Expansion in Europa ist der Cloud-Service: Li Shiwei, Europa-Chef des Tencent Cloud-Bereichs, sagte, Tencent habe Pläne, in den kommenden drei Jahren 2.000 bis 3.000 Arbeitsplätze in Europa zu schaffen und habe nach geeigneten Standorten für die Rechenzentren gesucht. Ende 2019 dann trafen sich Tencent-Manager mit serbischen Regierungsvertretern, um ein Cloud-Rechenzentrum in dem Land zu planen, das voraussichtlich 2025 der Europäischen Union beitreten wird. Probleme könnten hier allerdings entstehen wegen europäischer Bedenken hinsichtlich nationaler Sicherheit, Technologiediebstahl und Datenschutzes.

Auch mit dem WeChat Pay-Dienst will Tencent in Europa expandieren, auch wegen der wachsenden Zahl chinesischer Touristen. Die dann in Europa mit ihren mobilen Geräten und chinesischen RMB bezahlen können – was den chinesischen Kartenunternehmen wichtige Marktanteile einbringen könnte. „Gemeinsam mit unseren globalen Partnern hoffen wir, die bequeme Erfahrung von WeChat Pay im Ausland zu erweitern", sagte Dave Fan von Tencent 2019. Im Januar 2020 machte Tencent ein Übernahmeangebot in Höhe von 138 Millionen Dollar für den norwegischen Spieleentwickler Funcom. Im selben Monat investierte man 104 Millionen Dollar in Qonto – die bisher größte Finanzierungsrunde für ein französisches Fintech-Unternehmen.

Zur Kenntnis: Der südafrikanische Medien- und Internetkonzern Naspers, mit rund 31 Prozent größter Tencent-Teilhaber, brachte im September 2019 mit dem Tochter-Unternehmen Prosus „Europas teuerste Internetfirma“ an die Euronext-Börse in Amsterdam. Prosus bündelt die Naspers-Beteiligungen an chinesischen (z.B. Tencent) und russischen Internetriesen und Dutzenden weiteren Internetfirmen (wie dem deutschen Zustelldienst Delivery Hero). CNBC meldete am nächsten Tag: „A $100 billion tech company you’ve never heard of”, denn soviel war Prosus plötzlich wert. Eine Abspaltung, die Anleger schon lange gefordert hatten, denn die Tencent-Beteiligung war mit 130 Milliarden Euro mehr wert als die gesamte Marktkapitalisierung von Naspers in Johannesburg (100 Milliarden Euro). Etwas mehr als zwei Drittel der Prosus-Anteile will Naspers selbst behalten.

Aktuelle Entwicklungen

In den Vereinigten Staaten fordern einige Kartellwächter nach monatelangen Untersuchungen mittlerweile eine Zerschlagung der großen Tech-Konzerne Google, Amazon, Facebook und Apple (sie seien „übermächtige Plattformen“ mit einer Gatekeeper-Stellung). Jetzt geht auch Peking „strenger gegen die chinesische Tech-Branche vor“ (Handelsblatt vom 20.01.2021), die jahrelang ja nicht zuletzt davon profitierte, dass man die Konkurrenten aus den USA durch die „Great Firewall“ ausgesperrt hatte. Jack Ma, reichster Chinese und Mitbegründer von Tencent-Konkurrent Alibaba, war drei Monate von der Bildfläche verschwunden, nachdem er Ende Oktober in einer Rede in Schanghai die Regierung kritisiert hatte. Warum war er danach weg? Wo hat er sich aufgehalten? Unbekannt. Ende Januar 2021 tauchte er dann irgendwo vor einem Wandgemälde auf und sagte: „Während der vergangenen Zeit haben meine Kollegen und ich gelernt und nachgedacht, und wir sind entschlossener geworden, uns der Bildung des Gemeinwohls zu widmen“

„China nimmt Alibaba, Tencent und Co. an die Leine“, titelt die Neue Zürcher Zeitung am 9. Februar 2021. Der Alltag der Chinesen wird heute vollkommen von den Tech-Plattformen dominiert, etwa von Tencents alllumfassender WeChat-App; denn die großen chinesischen Techkonzerne können auf ein jahrelanges, weitgehend ungebremstes, unreguliertes Wachstum zurückblicken. Damit soll jetzt Schluss sein. Besonders in Bezug auf Fintech-Dienstleistungen veröffentlichen Regulierungsbehörden strengere Regeln, bei Verstößen wird jetzt härter durchgegriffen. Wie in den USA scheint „auch in China die Ära der ungebremsten Techriesen einem Ende entgegenzugehen.“ (Kai von Carnap, Analyst beim Berliner China-Thinktank Merics).