3. The Walt Disney Company

Umsatz 2014: $ 48,813 Mrd. (€ 35,308 Mrd.)

Überblick

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Walt Disney: der weltweit viertgrößte Medien- und Unterhaltungskonzern. Zur Unternehmensgruppe gehören unter anderem die Walt Disney Filmstudios und deren Tochterunternehmen Touchstone, das auch für den internationalen Fernsehmarkt produziert, der Comic- und Filmverlag Marvel Entertainment und mit ABC (American Broadcasting Company) einer der drei terrestrischen US-Taditionssender, zahlreiche Spartenkanäle wie Disney Channel, Disney XD und Disney Junior, der amerikanische Sportkanal ESPN und die Disneyland-Themenparks. 2019 übernahm Disney die Filmsparte des Konkurrenten 21st Century Fox.

Basisdaten

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Hauptsitz:
500 South Buena Vista Street
Burbank, CA 91521
USA
Telefon: 001 818 5601000
Website: corporate.disney.go.com

Branchen: Film, Free-TV/Pay-TV-Sender, TV-Produktion, Rechtehandel, TV-Sendestationen, Video/DVD, Radio,  Multimedia, Internet-Services, Buchverlage, Zeitschriften, Merchandising, Freizeitparks, Hotels
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.10. - 30.09.
Gründungsjahr: 1923 (Disney Brothers Cartoon Studio), 1986 (Walt Disney Company)

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. USD)
201820172016201520142013
Umsatz 59.43455.13755.63252.46548.81345.041
Gewinn (Verlust) 13.0669.3669.7908.8527.5016.136
Aktienkurs (Jahresende)93,0190,40104,22105,0894,1975,44
Beschäftigte201.000199.000195.000185.000180.000175.000

 

 

Tab. II: Umsatz nach Sparten (Beträge in Mio. US-Dollar)
20182017201620152014
Media Networks24.50023.51023.68923.26421.152
Parks & Resorts20.29618.41516.97416.16215.099
Studio Entertainment9.9878.3799.4417.3667.278
Interactive Media1.1741.299
Consumer Product4.6514.8335.5284.4993.985

Geschäftsführung

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Management:

  • Robert A. Iger, Executive Chairman and Chairman of the Board, The Walt Disney Company
  • Bob Chapek, Chief Executive Officer, The Walt Disney Company
  • Alan Bergman, Co-Chairman, The Walt Disney Studios
  • Alan Braverman, Senior Executive Vice President, General Counsel and Secretary, The Walt Disney Company
  • Alan F. Horn, Co-Chairman and Chief Creative Officer, The Walt Disney Studios
  • Kevin Mayer, Chairman of Direct-to-Consumer and International
  • Christine M. McCarthy, Senior Executive Vice President, Chief Financial Officer, The Walt Disney Company
  • Zenia Mucha, Senior Executive Vice President, Chief Communications Officer, The Walt Disney Company
  • Jayne Parker, Senior Executive Vice President and Chief Human Resources Officer, The Walt Disney Company
  • James Pitaro, President of ESPN and Co-Chair, Disney Media Networks
  • Peter Rice, Chairman, Walt Disney Television and Co-Chair, Disney Media Networks
  • Jonathan S. Headley, Senior Vice President, Treasurer and Corporate Real Estate
  • Lowell Singer, Senior Vice President, Investor Relations
  • Brent Woodford, Executive Vice President, Controllership, Financial Planning and Tax, The Walt Disney Company 

 
Aufsichtsrat:

  • Robert A. Iger, Walt Disney Company
  • Bob Chapek, Walt Disney Company
  • Susan E. Arnold, former President, Procter & Gamble
  • Mary T. Barra, General Motors
  • Safra A. Catz, Oracle Corporation
  • Francis A. Desouza, Illumina, Inc.
  • Michael Froman, Mastercard
  • Maria Elena Lagomasino, WE Family Offices
  • Mark G. Parker, Nike
  • Derica W. Rice, CVS Health

Geschichte

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Alles begann 1923 in einem Hinterzimmer in Hollywood, wo der 21-jährige Walter („Walt“) Elias Disney mit seinem Bruder Roy das Disney Brothers Cartoon-Studio gründete. Bereits drei Jahre später hatte das Unternehmen ein eigenes Studio auf der Hyperion Avenue und wurde in Walt Disney-Studio umbenannt. 1928 brachte Disney seinen ersten Mickey Mouse-Cartoon Steamboat Willie in die Kinos, gleichzeitig einer der ersten Tonfilme. Die Maus war die zentrale Figur für die Entwicklung einer der stärksten Marken im weltweiten Mediengeschäft und Ausgangspunkt für das überaus umfangreiche Merchandising-Geschäft des Disney-Konzerns. Animierte Spielfilme wie Schneewittchen oder Bambi wurden Kinoerfolge und machten weitere Figuren populär, die im Einzelhandel oder in Vergnügungsparks vermarktet werden konnten. Das erste Disneyland wurde 1955 in Kalifornien eröffnet. Im Fernsehen konnte sich Disney seit den 1950er Jahren mit der wöchentlichen Show Disneyland beim landesweiten Network ABC und mit dem Mickey Mouse Club etablieren.

Bereits unter Gründer Walt Disney wurde eine starke Markenphilosophie entwickelt. „Onkel Walt“, der auf einer Farm in Missouri in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen war, liebte die heile, puritanische Welt, die ihm nicht vergönnt gewesen war. Entsprechend schuf er die Marke Disney, die sehr auf der Reinheit der Produkte beruhte und zu einem amerikanischen Mythos wurde. Erotische Freizügigkeiten und Gewaltdarstellungen galten als Tabu in Disney-Produktionen, die als „Filme für die ganze Familie" Erfolg hatten. Bis zu seinem Tod 1966 hatte Walt Disney das Unternehmen durch seinen Ideenreichtum geprägt. Später hemmte jedoch der stets präsente „Geist Walts" die Entwicklung Disneys. Eine Modernisierung wurde lange Zeit verpasst, unter Schauspielern und Autoren galt Disney als verstaubt und altmodisch. Vielversprechende Projekte wie Spielbergs „E.T.“ wurden abgelehnt, stattdessen erfolglose Filme nach bekanntem Strickmuster produziert. Das Unternehmen geriet ins Schlingern.

So durchlief der Disney-Konzern in den 80er Jahren eine tiefe Krise. Der Aktienkurs fiel und eine feindliche Übernahme mit anschließendem Ausverkauf drohte. Doch konnte die Disney-Spitze 1984 den texanischen Immobilienmogul Sid Bass für Investitionen in den maroden Konzern gewinnen. Mit dem „Team Disney“, dem neuen Management um Michael Eisner (ehemals Paramount) und Frank Wells (ehemals Warner Bros.), begann, verbunden mit einem Wiederaufblühen des Filmstudios Ende der 1980er Jahre („Disney Renaissance“), die Modernisierung des Unternehmens. Die Walt Disney Company expandierte zur heutigen Größe. Ein entscheidender Schritt war die 19-Milliarden-Dollar-Übernahme der Capital Cities/ABC-Gruppe 1997, die dem Disney-Konzern die Kontrolle über zahlreiche TV-Sender sicherte, darunter das landesweite Network ABC und der Sport-Kabelsender ESPN.

V.a. CEO Michael Eisner prägte die Entwicklung. Mit eigenwilligen Management-Methoden führte Eisner Disney aus dem Tal der Bedeutungslosigkeit und machte es erneut zum Powerhouse der Entertainment-Industrie. Doch in den letzten Jahren seiner Amtszeit kämpfte Disney gegen sinkende Gewinne. Hinzu kamen Management-Fehler wie etwa die miserable Planung des Prestige-Objekts Eurodisney. In die Kritik geriet Eisner zudem wegen seines selbstgefälligen Umgangs mit kreativen Produktionspartnern wie Miramax und Pixar. Das ehemals unabhängige Studio Miramax war 1993 von Disney übernommen worden und stand hinter Oscar-prämierten Erfolgen wie Shakespeare in Love und die Filme von Quentin Tarantino. Das damals zum Apple-Konzern gehörige Animationsstudio Pixar produzierte Kassenschlager wie Toy Story, deren Vertrieb Disney übernahm. Ende 2004 kam es zur Revolte unter den Aktionären, angeführt vom Disney-Neffen Roy E. Disney. Verbissen kämpfte Eisner um seinen Verbleib im Amt, musste aber nachgeben und nach über 20 Jahren an der Konzernspitze als Chairman und CEO abtreten. 

Als Eisners Nachfolger wurde mit Robert „Bob“ Iger im März 2005 ein Disney-Insider der Öffentlichkeit vorgestellt. Der ehemalige Wettermann und TV-Manager hatte sich seine Sporen bei ABC verdient und bei Disney emporgearbeitet, zuletzt als COO an der Seite von Michael Eisner. Igers erste Amtshandlung bestand darin, auf Versöhnungskurs mit dem Pixar-Chef Steve Jobs zu gehen und mit ihm gemeinsam Strategien zu entwickeln. So wurde unter Igers Führung Pixar Ende Januar 2006 Teil der Walt Disney Company. Durch die Fusion mit Pixar wurde Steve Jobs, dem Pixar zu 50,1 Prozent gehörte, mit ca. 7 Prozent zeitweise stärkster privater Anteilseigner am Disney-Konzern. Deshalb traf der Tod von Steve Jobs am 5. Oktober 2011 auch Disney hart. Jobs‘ Anteile wurden an eine Stiftung überschrieben, die von seiner Witwe, Larene Powell Jobs, geleitet wird. 

Igers Gesamstrategie steht vor allem dafür, die Kernmarke Walt Disney zu stärken: So wurde Disneys weltweiter Filmverleih Buena Vista International im Herbst 2007 in Walt Disney Studios Motion Pictures umbenannt, da man sämtliche Handelsmarken vereinheitlichen wollte. Das Produkt Disney wurde in den Vordergrund gerückt, alle Geschäftsbereiche stärker zusammengeführt und zu einem Vermarktungszyklus über alle Vertriebsstufen hinweg gebündelt. Die wohl wichtigste Amtshandlung von Iger war jedoch die Übernahme von Marvel Entertainment (2009) und LucasArts (2012). Neben Mickey Mouse, Donald Duck und Co. hält der Konzern nun auch die Rechte an sämtlichen Marvel-Superhelden, dem Star Wars- Universum und Indiana Jones. Nach dem Erwerb der Firmen begann Disney umgehend ein aus bislang 22 Kinofilmen und diversen TV-Serien bestehendes „Marvel Cinematic Universe“ zu etablieren und Sequels, Prequels und Spin-Offs der Sternenkrieger-Saga zu produzieren. The Force Awakens, der Ende 2015 veröffentlichte siebte Teil der Serie wurde zum kommerziell dritterfolgreichsten Film aller Zeiten.

In der jüngeren Vergangenheit machte Disney viele Schlagzeilen mit einer Megafusion: Nach Abschluss des Kaufprozesses im März 2019 ging ein Großteil von Rupert Murdochs 21st Century Fox in den Disney-Konzern ein. Zum Preis von 71,3 Milliarden Dollar. Was für Hollywood bedeutet, dass erstmals seit dem Ende von MGM in den 1980ern mit Fox ein Major-Studio verschwindet. Und nur noch fünf übrigbleiben: die Walt Disney Motion Pictures Group, Warner Bros (AT&T), Sony Pictures Entertainment, Paramount (Viacom) und Universal (Comcast). Das altehrwürdige 20th Century Fox-Studio (gegründet 1935) gibt es nicht mehr; es ist jetzt ein Teil von Disney.

Management

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Disneys Langzeit-CEO Bob Iger, 69, im Amt seit 2005, einer der bestbezahlten Manager der Branche (2018 verdiente er inklusive Boni 66 Millionen Dollar) wurde abwechselnd als smarter, zurückhaltender Macher beschrieben, der sein Unternehmen eher team- und konsensorientiert leitet, als autokratisch zu regieren oder – wie von Journalist James B. Stewart in seinem Buch DisneyWar – als charakterloser Emporkömmling, der sich 2005 trotz Inkompetenz und cholerischer Anfälle schließlich im internen Machtkampf als einziger Kandidat für die Nachfolge von Michael Eisner durchsetzte. 

Lange Zeit galt Thomas Staggs als potenzieller Iger-Nachfolger, von dem es schon 2018 hieß, dass er bald abtreten wolle. Anfang 2020 allerdings war er noch immer am Ruder. In seinen im Herbst 2019 veröffentlichten Memoiren „Ride of a Lifetime“ schien es aber Hinweise auf einen anderen Nachfolgekandidaten zu geben: Kevin Mayer, „Chairman of Direct-to-Consumer and International“, auch streaming czar genannt. Iger über Mayer: Er sei ein „master strategist and dealmaker. A CEO couldn’t ask for a better strategic partner.” Iger selbst hatte seinen Rücktritt schon mindestens drei Mal verschoben, als neuer Termin wurde Dezember 2021 angepeilt. Dazu sagte er in der ABC Talkshow „The View”: „I used to say I failed retirement. It just feels like time.”

Unerwartet ging es doch schneller. Am 25. Februar 2020 trat Iger mit sofortiger Wirkung zurück und die Disney-Aktie fiel um vier Prozent. Neuer CEO wurde keiner der zuvor Favorisierten, sondern Bob Chapek, 60, auch schon seit 27 Jahren bei Disney, zuletzt für die Vergnügungsparks und das Konsumgeschäft zuständig. Chapek gilt als wenig charismatisch (und teilt insofern nur den Vornamen mit seinem Vorgänger) und ist erst der siebte Vorstandschef in Disneys hundertjähriger Geschichte.

Geschäftsfelder

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Disney gliedert das Geschäft in fünf operative Einheiten:

Media Networks

Die Sparte vereint Disney zahlreiche TV- und Kabelsender und Radiostationen. Dazu gehören die mit 242 Regionalsendern kooperierende ABC-Senderfamilie, die Sportsenderkette ESPN, Disney Channels (über 100 Disney branded Kanäle in 34 Sprachen in 164 Ländern), Freeform, FX Networks, National Geographic und eine 50-prozentige Beteiligung jeweils am A&E Network (A&E, History, Lifetime) und Vice.

Disney Parks, Experiences and Products

Die Themenpark-Sparte hat in den vergangenen Jahren konzernintern an Bedeutung gewonnen. Disney betreibt aktuell sieben Parks und Resort sowie eine Kreuzfahrtlinie selbst: Disneyland Resort in Anaheim, Kalifonien (1955); Walt Disney World in Florida (1971); Tokyo Disney Resort (1983); Disneyland Paris (1992); Hong Kong Disneyland Resort (2005); Aulani, a Disney Resort & Spa in Hawaii (2011), Shanghai Disney Resort (2016)

Studio Entertainment

Nach der Übernahme großer Teile von 21st Century Fox betreibt Disney insgesamt neun Hollywood-Studios (The Walt Disney Studios, Walt Disney Animation Studios, Pixar, Marvel Studions, Disney nature, Lucasfilm, 20th Century Fox, Fox 2000 Pictures, Fox Searchlight Pictures), Theater-Produktionsfirmen (Disney Theatrical Group, Blue Sky Studios) und eine Plattenfirma (Disney Music Group).

Direct-To-Consumer and International

Das DTCI-Segment besteht aus Streaming-Services wie ESPN+ (Sport), Hulu (Disney-Anteil: 67 %) und Disney+, dem neuen Over-the-top-Dienst, Disneys Antwort auf die massenhafte Abwanderung der Zuschauer zum Videostreaming. Disney+ war am 12. November 2019 mit großem Aufwand in den USA gestartet und konnte im April bereits mehr als 50 Millionen Abonnenten verzeichnen. In Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien und anderen Euro-Ländern war Disney+ ab dem 24. März 2020 verfügbar, in Frankreich ab dem 7. April. Niemand zweifelte daran, dass Disney für das Streaming-Geschäft gewappnet war, mit dem wertvollen Disney-Archiv, und erst recht nach den Zukäufen von Lucasfilm („Krieg der Sterne“), Pixar, Marvel und Fox. Außerdem gehören u.a. Medienunternehmen in Übersee zu DTCI (The Walt Disney Company Europe, The Walt Disney Company Latin America, The Walt Disney Company Asia Pacific, Disney Channels Worldwide, Fox Networks Group) und der Werbeverkäufer “Disney Advertising Sales”.

Engagement in Deutschland

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In Deutschland ist Disney neben der Lizenzierung seiner Charaktere für verschiedene Produkte vor allem im Zeitschriftenmarkt für Kinder und Jugendliche präsent. Die Egmont-Mediengruppe, die zu den führenden Medienholdings in Skandinavien zählt, verfügt über ein umfangreiches Lizenzabkommen mit Disney und veröffentlicht über die Deutschland-Tochter Egmont-Ehapa sämtliche Disney-Comics und Zeitschriften, darunter das Micky-Maus-Magazin und die Lustigen Taschenbücher.

Auch im deutschen Fernsehmarkt ist Disney seit Jahren aktiv. Gemeinsam mit der zu Bertelsmann zählenden RTL-Gruppe betreibt Disney in Deutschland seit 1995 den Kinder- und Familiensender Super RTL. Beide Partner halten je 50%. Am 17. Januar 2014 startete zusätzlich mit dem neuen frei empfangbaren Disney-Channel (der gleichnahmige Pay-TV-Kanal wird gleichzeitig eingestellt) ein 24-stündiges Familienprogramm. Weiterhin ist Disney über eine 50%-Beteiligung an der Tele-München Fernsehen GmbH & Co Medienbeteiligungs-KG an dem Sender RTL 2 beteiligt.

Engagement in Asien

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Insbesondere der chinesische Markt gestaltet sich aufgrund der dortigen Restriktionen für ausländische Investitionen jedoch weiter schwierig, Fortschritte können jedoch auch hier vermeldet werden. Disney kündigte im April 2012 ein neues Joint Venture mit der staatlichen China Animation Group und dem Internet-Provider Tencent an. Ziel der Kooperation sei es, den chinesischen Animationsfilm auf ein international konkurrenzfähiges Niveau zu bringen. Unter der Bezeichnung "Animation Creative Research and Development Cooperation" will man lokale Talente ausbilden und chinesische Geschichten und Franchises internationalem Standards anpassen. In einem weiteren Abkommen sicherte sich Disney die Rechte an der beliebtesten chinesischen Zeichentrickserie, "Pleasant Goat and Big Big Wolf", die zukünftig auf Disney-Sendern in der Asien-Pazifik-Region ausgestrahlt werden soll.

Besonderes Augenmerk hat Disney in letzter Zeit insbesondere dem indischen Markt gewidmet. Millionen von indischen Haushalten empfangen bereits den „Disney Channel" über Kabel und Satellit. Mit „Luck Luck Ki Baat" startete dort 2012 auch das erste indische Disney Channel Original Movie. Disney übernahm 2006 den erfolgreichen Kinderkanal „Hungama" für 30,5 Mio. Dollar mitsamt dem heimischen Medienunternehmen „United Home Entertainment". Im Februar 2012 hat Disney die Mehrheit und operative Kontrolle an dem Sendernetzwerk UTV übernommen. Bereits seit 2006 war man hier als Minderheitsaktionär engagiert. UTV-Gründer Ronnie Screwvalav bleibt zwar als CEO an Bord, die Gruppe wird aber im Rahmen einer komplexen Restrukturierungsmaßnahme Disneys in Indien, in „The Walt Disney Co. India" umbenannt. Bindass ist ein weiterer Disney branded Jugendsender in Indien. Neben den zu UTV zählenden Fernsehsendern wird auch das von Disney übernommene indische Gamer-Netzwerk „Indiagames" in die neue Unternehmenstruktur eingebunden, die digitalen Beteiligungen werden dabei unter der Bezeichnung „Disney UTV Digital" als eigenständige Sparte geführt.

Aktuelle Entwicklung

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Dann kam Corona. Als Bob Iger den Gedanken fasste, vom Disney-Chefposten zurückzutreten, und das Anfang Dezember 2019 dem Aufsichtsrat mitteilte, tauchten im chinesischen Wuhan die ersten mysteriösen Lungenerkrankungen auf. Ende Januar 2020, einige Tage also, nachdem das Shanghai Disneyland schließen musste, legte man sich auf Bob Chapek als neuen CEO fest. Und als der Führungswechsel Ende Februar bekannt gegeben und vollzogen wurde, befand sich der Dow Jones seit kurzem im freien Fall.

Dann der Richtungswechsel. Mitte April 2020 übernahm Bob Iger als „executive chairman“ wieder die Kontrolle. Denn: Kaum ein anderer Medienkonzern ist von der Pandämie so betroffen. „No big media company is more dependent on its customers’ social and physical proximity than Disney, with its theme parks and cruise lines.” (New York Times). Dieser Transfer von Leinwand/Bildschirm-Entertainment zu persönlichen Erfahrungen (auf Kreuzfahrten, in Themenparks: Der Teil der Geschäfte, mit der Disney im letzten Geschäftsjahr über 20 Mrd. Dollar umsetzte) macht Disney besonders angreifbar. Denn die Parks und Schiffe sind jetzt geschlossen. Drei weitere Kreuzfahrtschiffe befinden sich im Bau. Keiner weiß, wie es damit weitergeht. Oder die Sportkanäle von ESPN, sehr lukrativ für Disneys TV-Sparte. Auch das fällt aus, jetzt muss man zurückgreifen auf „Sportler vor ihren Playstations“. Oder das Filmstudio: Filmpremieren, der man verschieben musste, Kinos, die schließen mussten.

Iger per E-Mail: „Eine Krise dieses Ausmaßes und ihre Auswirkungen auf Disney führt zwangsläufig dazu, dass ich Bob (Chapek) und dem Unternehmen aktiv helfe, damit fertig zu werden, zumal ich das Unternehmen 15 Jahre lang geleitet habe!” Er konzentriere sich darauf, ein neues Disney zu entwerfen. Ein Disney, wie es aus der Corona-Pandämie hervorgehen kann. Mit deutlich weniger Angestellten, mit einem neuen, ungewissen Geschäftsmodell. Am Ende geht es um die Frage, wie man Menschen auf Dauer sicher zusammenbringen kann, um sie zu entertainen.

Literatur

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  • Richard Snow: Disney's Land: Walt Disney and the Invention of the Amusement Park That Changed the World. New York, 2019
  • Aaron H. Goldberg: The Disney Story: Chronicling the Man, the Mouse and the Parks. Quaker Scribe 2016
  • Neal Gabler: Walt Disney: The Triumph of the American Imagination. New York, 2007
  • James B. Stewart: DisneyWar. London, 2006
  • Bob Thomas: Building a Company: Roy O. Disney and the Creation of an Entertainment Empire. New York, 1998